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Fan-Fictions    Schleichendes Gift    Verwicklungen
Schleichendes Gift
Verwicklungen
Verwicklungen

Wie betäubt blieb der Waffenschmied in seiner leeren Wohnung zurück. Es war das erste Mal, dass seine Adoptivtochter gegen ihn Partei ergriffen hatte. Sicherlich hatte es zwischen ihnen Auseinandersetzungen gegeben, doch die hatten sich immer schnell wieder gelegt. Teela geriet zwar rasch in Rage und war dickköpfig, doch sie war auch immer wieder bereit nach kurzer Zeit zu verzeihen. Jedenfalls war es bisher so gewesen.

Duncan beschloss, seiner Tochter erst mal die Möglichkeit zu geben, sich wieder zu beruhigen. In ein oder zwei Stunden würde er sie dann abholen, falls sie bis dahin nicht schon freiwillig bei ihm aufgetaucht war. In der Zwischenzeit konnte er die leeren Flaschen entsorgen. Er wusste nach wie vor nicht, wann er sie getrunken hatte.

In der königlichen Waffenschmiede bereiteten sich die Arbeiter auf ihren Feierabend vor. Ein paar Frauen von Stamm der Gar begannen mit den Reinigungsarbeiten. Trydor stand mit zwei Vorarbeitern in der Schlange vor der Stechuhr. Er machte den Eindruck, als würde er auf etwas warten. Keine zwei Sekunden später schimpfte eine der Putzfrauen laut los: ?Ihr Männer seid alle solch elenden Ferkel! Ist es so schwer, eure Schmierzettel ordentlich fortzuwerfen? Wozu stehen hier eigentlich Abfalleimer?? Tron, Duncans Stellvertreter, löste sich aus der Schlange und trat auf die zornige Blauhäutige zu. ?Nun plustere dich mal nicht so auf! Was ist denn heute anders als sonst??
?Dieser Spind da?, zeterte die Frau und deutete auf einen Schrank, aus dem mehrere Zettel hervorlugten, ?ist das reinste Altpapier-Depot! Kein Wunder, dass die Tür nicht mehr richtig schließt!?
Die Reinigungskraft hatte nicht übertrieben. Der Vorarbeiter warf einen ungläubigen Blick auf den Schrank seines sonst so ordentlichen Vorgesetzten. Vorsichtig zog er ein Blatt Papier heraus und erstarrte. Das war kein Schmierzettel. Es war Teil eines Auftrages, der noch am morgigen Tag erledigt werden sollte. Duncan hatte aufgrund der schwachen Auftragslage mehreren Leuten bereits frei gegeben. Wie sollten sie dieses Pensum mit der Hälfte der Mannschaft bewältigen? Und vor allem, wie viele wichtige Papiere dieser Art flatterten wohl noch in dem Spind herum? Tron kämpfte kurz mit seiner Loyalität zu Duncan und seinem Pflichtgefühl. Es ging nicht anders. Er musste den Schrank seines Chefs öffnen und sich dann weitere Schritte überlegen. ?Leute, wir können noch keinen Feierabend machen! Hier muss erst Mal noch etwas geklärt werden!? Die übrigen Kollegen stöhnten genervt, doch am Tonfall von Duncans Stellvertreter hörten sie, dass es Ernst war. ?Lass mich das machen.? Jona, ein kräftiger Schlosser, zog mit einem Ruck die Spindtür auf und bekam prompt einen Schwall Papiere ins Gesicht. Die anderen lachten erst über den Anblick, doch Tron hob die Papiere auf und schüttelte fassungslos den Kopf. Aufträge, die schon vor Tagen hätten erledigt sein müssen und wichtige Aufzeichnungen. Der Ruf der Werkstatt war auf dem besten Wege, den Bach herunter zu gehen. Noch erschreckender war der Grund, warum die Papiere keinen Platz mehr im Schrank gehabt hatten. Sechs oder acht leere Weinflaschen nahmen fast den gesamten Boden des oberen Faches ein. Die anderen Männer schwiegen bei dem Anblick betroffen. Ihr Vorgesetzter fasste sich wieder. ?Trydor, du informierst bitte so viele Leute, die bereits zu Hause sind, wie du kannst. Wir brauchen Verstärkung. Arn, du hilfst mir, die Zettel zu sortieren, damit wir uns einen Überblick verschaffen können, was am dringendsten zu erledigen ist. Und du, Jona, holst unseren Chef hierher, aber flott. Er soll sehen, in was er uns hineingeritten hat.? Tron gehörte glücklicherweise zu den Männern, die in schwierigen Situationen nicht in Panik geraten, sondern in Ruhe planen und handeln. Jona machte sich voller Wut auf den Weg zum obersten Ingenieur. Der Schlosser hatte sich auf ein paar ruhige Tage gefreut und nur, weil Duncan offenbar nicht rechtzeitig mit dem Saufen aufhören konnte, wurde da nichts draus.

Der Waffenschmied horchte auf, als er ein heftiges Klopfen an der Tür hörte! Endlich! Teela kam zurück. Wahrscheinlich hatte sie wieder Krach mit Adam gehabt, da konnte man zurzeit wirklich die Uhr nach stellen. Erstaunt sah er seinem Arbeiter ins Gesicht, als er die Tür öffnete. ?Guten Abend, Jona. Noch keinen Feierabend??
?Feierabend?! Dank dir noch lange nicht!?, schnaubte der Schlosser mit schlecht verholendem Zorn. Sein Vorgesetzter begriff nicht, ahnte jedoch schlimmes.
?Was ist passiert? Gibt es Probleme?? Sein Arbeiter zog ihn ungeduldig am Ärmel. Unter anderen Umständen hätte Duncan so ein Benehmen nicht geduldet, diesmal war es ihm jedoch egal. Es durften einfach nicht noch weitere Fehler passiert sein.
?Komm einfach mit.?

Tron hatte sich mit Arns Hilfe einen ersten Überblick über die Situation verschaffen können. Der pummelige, blonde Lehrling war zwar eine handwerkliche Niete, aber arbeitsbereit und zuverlässig. Außerdem übernahm er als einziger ohne Murren die langweilige Schreibarbeit. Der schwarzhaarige Neuling brachte das Kunststück fertig, tatsächlich noch mehrere Aushilfen aufzutreiben. Finstere Gesellen zwar, aber wenn sie arbeiten konnten, so sollte egal sein. Trydors Bekannte enttäuschten nicht, sie konnten zupacken. Der stellvertretende Techniker atmete erleichtert auf. Arn sah ihn an.
?Ohne Duncan geht es leichter als mit ihm.?
?Sei ruhig! Jeder kann mal einen Fehler machen, dass solltest du am besten wissen!?
?Mal! Das passiert doch in letzter Zeit dauernd. Und wir Lehrlinge dürfen es ausbaden, wenn der Alte seinen Kram nicht beisammen halten kann!?
Tron sah den Jungen strafend an, doch er widersprach nicht. In ein paar Minuten musste er seinen Chef, den er immer geachtet und bewundert hatte, mit dessen Fehlern konfrontieren. Ein unangenehmer Gedanke! Wenig später stand Jona mit dem obersten Waffenschmied im Umkleideraum der Werkstatt. Tron deutete dem anderen Arbeiter an, zu gehen und der gehorchte. Schweigend präsentierte der stellvertretende Techniker seinem Chef die Aufträge. Duncan fühlte, wie er blass wurde. Sein Untergebender sah ihn ernst an.
?Wie konnte das passieren? Und warum steckst du die Aufträge in deinem Spind, so was gehört in die entsprechenden Arbeitsfächer! Solche Fehler unterlaufen nicht mal mehr unserem Obertrottel Arn!? Duncan rang nach Luft. War er seinem Posten wirklich nicht mehr gewachsen? Was war er überhaupt noch? Ein mieser Vater, der sein Kind schlug. Ein mieser Vorgesetzter, der seine Leute in Schwierigkeiten brachte!
?Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Ich habe diese Aufträge nie gesehen!?
?Aber ich weiß, wie es passieren konnte! Alkohol und Arbeit vertragen sich einfach schlecht!?
Anklagend hielt Tron dem Waffenschmied die gefundenen Weinflaschen unter die Nase.
?Hör zu. Wir haben beschlossen, nichts zu sagen und die Sache zu vergessen. Unter einer Bedingung: Kommt noch ein Mal so etwas vor, muss ich es Randor melden.?
Duncan nickte leise. Er musste einfach noch besser aufpassen, und wenn er sich jeden Schritt, den er machte, einzeln aufschrieb!

Im Palast hatte versuchte Marlena, Teela zur Heimkehr zu bewegen.
?Ich bin sicher, dass es ihm Leid tut. Er wartet nur darauf, sich bei dir entschuldigen zu können?, redete sie auf das Mädchen ein.
Teela starrte trotzig zu Boden. ?Das glaube ich nicht! Er hat ja seine Arbeit, ich bin ihm völlig gleichgültig! Außerdem lasse ich mich nicht noch mal von ihm schlagen!?
Die Königin sah Duncans Adoptivtochter ruhig an. ?Soll ich dich begleiten und mit deinem Vater reden?? Das Mädchen wirkte erleichtert. ?Machst du das für mich??
Die Frau strich ihrer Ziehtochter liebevoll über die glatten roten Haare. ?Sicher doch. Nimm deine Sachen, ich komme mit dir.? Teela umarmte Marlena so ungestüm, dass sie fast hingefallen wäre. ?Du bist die Beste! Danke!? Randors Gattin fand insgeheim, dass es eigentlich Duncans Pflicht gewesen wäre, seine Kleine abzuholen und sich zu entschuldigen. Er benahm sich in der Tat äußerst seltsam in der letzten Zeit. Doch das musste Teela nicht wissen. Marlena legte freundschaftlich einen Arm um das Mädchen und ging mit ihr durch die warme Sommernacht. Die ersten Sterne standen schon am Himmel. Das Haus ihres Freundes war nicht erleuchtet. Es gab keine Reaktion auf das Klopfen und Rufen. Teela sperrte die Tür auf und blickte enttäuscht in die leere Wohnung.
?Siehst du, er ist wieder in seiner geliebten Werkstatt. Sogar, wenn es Nacht ist! Ich bin ihm so was von egal! Ich wusste es doch!? Teela würgte tapfer ihre Zornestränen herunter.
?Komm schon. Dann schläfst du heute eben bei uns. Aber nur, wenn du Adam am Leben lässt!?, versuchte Marlena vergeblich zu scherzen. Teela schwang ihre Sachen über die Schulter und beide traten schweigend den Rückweg an.

Adam konnte nicht schlafen. Es war einfach zu warm. Er beschloss, noch ein wenig im Schlossgarten zu spazieren. Er nahm sein Tiger-Baby Cringer auf den Arm und verließ das Gebäude. Es waren zwar überall Wachen aufgestellt, aber der Junge kannte die Schleichwege nach draußen. Ihm traute eh keiner zu, dass er bei Dunkelheit freiwillig das Schloss verlies.
Wie lange würde es wohl dauern, bis er den Ruf des Feiglings los war? Manchmal wünschte er sich insgeheim, sein Vater wäre kein so berühmter und tapferer Kämpfer gewesen. Von einem Bauernsohn würde niemand übermäßigen Mut und Kampfgeist erwarten. Plötzlich vernahm er Stimmen. Der Prinz verkroch sich tiefer ins Gebüsch, wenn er bei seinem Ausflug erwischt werden würde, würde er mächtig Ärger bekommen. Cringer war in seinem Arm eingeschlafen, der konnte ihn nicht verraten. Die Stimme kannte er, es war der komische Wunderknabe aus Duncans Werkstatt. Die andere Stimme gehörte einer Frau, sie hatte einen arroganten Tonfall an sich.
?Ich weiß nicht, ob das so richtig ist, Lyn. Okay, ich will in der Werkstatt schnell aufsteigen, aber gibt es keine anderen Möglichkeiten? Wir sind dabei, ihn völlig zu zerstören.?
Es folgte ein hochmütiges Lachen.
?Och, sag bloß, du hast Skrupel. Dafür ist es jetzt zu spät! Wir kriegen einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen der königlichen Waffenschmiede, du kriegst den Stellvertreterposten. Alle sind glücklich! Einer muss den Preis zahlen, und in dem Fall ist es eben Arms!?
?Wenn er den Ruf hat, Alkoholiker zu sein, bekommt er nirgendwo mehr Arbeit. Er hat noch eine Tochter zu ernähren.?
?Jetzt kommen mir aber gleich die Tränen! Wenn du wirklich willst, kannst du immer noch für Keldor arbeiten. Sein Angebot steht!?
Der Mann schnaubte verächtlich: ?Bevor ich für deinen durchgeknallten Freund arbeite, muss noch einiges passieren.?
?Wer weiß? Vielleicht bist du eines Tages dankbar dafür, wenn du für ihn arbeiten kannst. Unterschätze nicht unsere Möglichkeiten! Noch sind wir wenige, aber dabei wird es nicht bleiben!? Die Frau hielt plötzlich inne und nieste mehrer Male.
?Was ist? Hat sich Keldors größte Verehrerin erkältet??
?Nein, hier ist eine Katze in der Nähe. Wo ist dieses Mistvieh?? Adam wurde es unbehaglich. Dieser Person wollte er keinesfalls in die Hände fallen. Vorsichtig trat er mit dem friedlich schlafenden Cringer den Rückzug an.





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