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 Spikor80
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SPIKOR
Shadow Empire
Als Spikor sich wieder dem Schlachtfeld zuwandte, sah er zufrieden, wie seine Leute die letzten Eternier erschlugen. Die gesamte Vorhut von Randors Armee war vollständig gefallen. Was für ein großartiger Erfolg! Er war Spikor zwar etwas teurer zu stehen gekommen als geplant, aber alles in allem konnte er dennoch stolz sein auf seine Leistung. Seit Jahrhunderten hatte keine Armee eines Königs von Eternia eine so schwere Niederlage wie heute einstecken müssen. Und den Rest seiner Feinde würde auch bald erledigt haben. Geplant war, nun die beiden Flieger Galirads loszuschicken, damit sie die auf der anderen Seite des Nadelöhrs wartenden Truppen des Gegners unter Feuer nehmen könnten. Der Feind hatte auf dem schmalen Gebirgspfad keine Möglichkeit, auszuweichen oder in Deckung zu gehen. Zwar verfügten Spikors Leute nur über zwei Flieger, nämlich den von Squeeeze geflogenen Turbodactyl und Screeech, Spikors gefiederten Freund, aber das würde genügen, denn schließlich hatte Randor keine Flugzeuge dabei und seine Männer konnten nicht fliehen. Es würde vielleicht ein Bisschen dauern, aber am Ende würde keiner von ihnen mehr am Leben bleiben. ?Macht die Luftwaffe startklar!? befahl der General siegessicher. Am Nadelöhr hatte Randor mittlerweile sein 3. Linienschützenregiment aus Eternis antreten lassen. Die Elitesoldaten hatten zwischen den Trümmern des Attack-Tracks und dem Schutthaufen, der immer noch den Durchgang versperrte, Stellung bezogen und lieferten sich ein erbittertes Duell mit Hiss? Snakemen oben auf der Klippe. Der Schusswechsel war heftig, doch weil beide Seiten gute Deckung hatten, sah es nicht so aus, als ob dieser Kampf bald entschieden wäre. Ungeduldig ging der König hinter der Frontlinie auf und ab. Was war mit der Vorhut geschehen? Warum meldete Man-at-Arms sich nicht über das Funkgerät in seinem Roboterpferd? Krank vor Sorge um seine Freunde, seine Soldaten und die Zukunft seines Reiches stand Randor kurz davor, selbst mit dem Schwert in der Hand an die Front zu gehen. Nur mit Mühe konnten sein Leibwächter Clamp-Champ und seine Offiziere ihn davon abhalten, denn das Letzte, was Eternia jetzt brauchen konnte, war ein toter König!

Die Mittagsstunde war vorübergezogen und über dem Schlachtfeld lag eine heiße Schwüle. Die Luft flimmerte und die Gesichter der Soldaten beider Seiten glänzten vor Schweiß. Die Armeen Eternias und Galirads hatten wieder ihre Anfangsstellungen bezogen und warteten, die Eternier auf der Passstraße und die Galirads auf der Kuppe. Seit Stunden schon tat sich nichts, nur am Nadelöhr wurde immer noch geschossen. Spikors Flieger waren einmal aufgestiegen, hatten Randors Truppen durch einen Luftangriff in Panik versetzt und ihnen Verluste zugefügt. Nachdem Screeetch und Squeeeze ihre Munition verschossen hatten, waren sie wieder gelandet. Nun, eine halbe Stunde nach diesem Angriff, konnten sie erneut starten. Scare-Glow kümmerte sich nicht mehr um die Schlacht, hatte er doch in Teela ein wunderbar wehrloses Opfer für seinen Furchtzauber gefunden. Dass das Mädchen wegen seiner schweren inneren Verletzungen im Sterben lag und sofort ärztliche Hilfe gebraucht hätte, kümmerte den Knochenkönig nicht. Im Gegenteil, er hatte vor, Teela zur neuen Statue des Brunnens in seinem Atrium zu machen. So würde ihr Schmerz auf alle Zeiten konserviert bleiben. Genüsslich weidete er sich an dem Grauen in ihren Augen. Spikor hatte sich auf seinem Gefechtsstand hingesetzt und nahm ein karges Mittagessen ein. Die Notrationen waren ohnehin nicht besonders appetitlich, und der zunehmende Verwesungsgestank, den das Schlachtfeld bei den tropischen Temperaturen ausstrahlte, machte es nur noch schlimmer. Missmutig starrte er auf seinen Blechteller, kratzte mit dem Messer in der klebrigen Pampe herum und sah in den tiefblauen Himmel. Wenn es doch nur ein kleines Bisschen bewölkt wäre! Doch halt ? was war das? Spikor kniff die Augen zusammen. Hatte sich dort am Horizont nicht ein schwarzer Schatten am Himmel bewegt? Nun war nichts mehr zu sehen. Sah er schon Gespenster? Hatte die Trauer um den Tod seiner beiden besten und einzigen Freunde ihm schon so die Sinne vernebelt? Nachdenklich blickte der General hinter das Schlachtfeld, wo die toten Körper von Whiplash und Strongarm (von dem kaum noch etwas zu finden gewesen war) aufgebahrt waren. Spikor hatte beschlossen, sie nach Galirad mitzunehmen und in einem prachtvollen Mausoleum beizusetzen. Das war das Mindeste, was er seinen beiden Kameraden schuldig war. Lustlos wandte er sich wieder seinem Essen zu und verfolgte die letzten Startvorbereitungen seiner kleinen Luftwaffe. Noch zehn oder zwölf solche Luftangriffe wie der letzte, und Randor wäre geschlagen! Allerdings stand zu befürchten, dass dies noch bis morgen dauern würde. Blade hatte vorgeschlagen, einige Söldner auf die Klippen klettern zu lassen, um Hiss? Schützen von dort aus zu unterstützen. Doch Spikor wollte von seinem einmal gefassten Plan nicht abweichen. Was, wenn der Feind doch irgendwie durch das Nadelöhr käme? Dann bräuchte er die Söldner hier unten. Nein, nein, die Luftwaffe würde es schon schaffen. Man musste nur Geduld haben. Außerdem brauchten die Galirads eine Pause nach dem unerwarteten Gefecht gegen die Garde am Vormittag, auch wenn das Essen dieser Rationen wohl kaum einen Erholungswert mit sich brachte, wie Spikor enttäuscht feststellte, als er den Teller mit den Resten der Mahlzeit angewidert wegwarf.

Inzwischen hatten auch Randors Leute, die seit dem letzten Luftangriff besorgt den Himmel im Auge behielten, den schwarzen Punkt am Horizont ausgemacht. Hätte Spikor nicht das Interesse daran verloren, so wäre auch ihm aufgefallen, dass der Punkt immer näher kam und langsam als großer Vogel erkennbar wurde. Unter den Eterniern brachen zunächst hektische Bemühungen aus, in Deckung zu gehen, denn sie glaubten, es handele sich um Screeetch. Dann aber sahen sie, dass es Zoar war, der Adler der Giganten, die tierische Erscheinungsform der Sorceress von Castle Grayskull. Das Tier landete neben König Randor und verwandelte sich dabei wieder in die schöne Frau, die vor Jahrhunderten Baldurs Vertrauen erschlichen und ihm dann sein Zepter weggenommen hatte. Besorgt blickte der König auf. Die Zauberin würde ihre Burg nicht verlassen, wenn es nicht wirklich wichtig wäre. Die Magierin aber lächelte beruhigend und sagte mit warmer Stimme: ?Sorgt Euch nicht, Majestät, ich bringe gute Neuigkeiten. Wie wir vorausgesehen haben, hat Skeletor Castle Grayskull angegriffen, und die dort zur Verteidigung stationierten Masters konnten ihn abwehren. Der Herr der Zerstörung und seine Dämonen sind geflohen! Da ich in meinem Zauberspiegel sah, dass es nicht zum Guten steht mit der Schlacht, beschloss ich, selbst hierher zu kommen und Euch gegen Baldur beizustehen, denn die Gefahr, die von ihm ausgeht, ist fast so groß wie die, die Skeletor darstellt. Ich bat die Masters, alle verfügbaren Flugzeuge zu bemannen und hierher zu fliegen. Diejenigen unserer Freunde, die nicht mehr in die Maschinen passten, sind als Wache bei der Burg geblieben, doch die anderen werden sehr bald hier sein!? Als der König diese Worte hörte, hätte er am liebsten wie ein kleiner Junge aufgejauchzt und die Frau umarmt und geküsst. Nur seine gute Erziehung verhinderte einen solchen Gefühlsausbruch, der eines Herrschers in fortgeschrittenem Alter nicht würdig gewesen wäre. Dennoch klang seine Begeisterung spürbar mit, als er fragte, ob denn auch He-Man zu Hilfe käme. ?Ja, He-Man kommt auch. Er reitet auf Battle-Cat durch den Dschungel und ist sicher auch bald da, zusammen mit Buzz-Off, der ihn begleitet!? ?Den Göttern sei Dank, dann hat dieser Alptraum endlich ein Ende? seufzte Randor erleichtert. ?Erwartet die Verstärkung bald und haltet die Stellung, bis sie eintrifft! Ich werde nun Teela helfen, denn die Arme hat schon zu viel erlitten an diesem grausigen Tag? schloss die Zauberin, die Dank ihrer Magie über die Vorgänge hinter dem Nadelöhr Bescheid wusste, und schwang sich wieder als Adler in die Lüfte. Mit Tränen in den Augen sah der König ihr nach, als sie hoch am Himmel und von den Snakemen unbeachtet über den Pass flog. Nun würde sich doch noch alles zum Guten wenden!


Squeeeze ließ die Düsen des Turbodactyls, auf dem er wie auf einem Motorrad saß, aufheulen und überprüfte dabei ein letztes Mal seine Munition. Er hatte vier leichte Splitterbomben dabei, unter jedem Flügel zwei. Ihre Sprengkraft war nicht groß, aber sie hatten eine verheerende Wirkung auf ungedeckte Infanterie. Der Snakeman mit den langen Teleskoparmen musste grinsen, als er sich die dilettantischen Fluchtversuche der Eternier auf der Passstraße in Erinnerung rief, die sein letzter Angriff hervorgerufen hatte. ?Auf ein Neues!? dachte er sich und stieg mit seinem Flieger in den blauen Himmel auf. Hoch oben kreiste schon Screeetch, und gemeinsam flogen sie über die Berge. Sie drehten eine weite Schleife und näherten sich dem Feind aus der Gegenrichtung. Nur ein paar Minuten früher, und sie hätten Zoar gesehen. So aber erblickten sie nur ihre Ziele am Boden, ein Gewusel von Menschen, die dicht an dicht wie auf dem Präsentierteller standen. Screeetch feuerte mit den leichten Lasern an seiner Rüstung in die Menge, und Squeeeze klinkte das erste Paar Bomben aus, als er über den Menschen war, die mit ihren Handfeuerwaffen auf ihn schossen, aber keine Chance hatten, ihn auf diese Weise zu treffen. Er zog hoch, stieg über den Pass und flog zurück, um die Wirkung seines Angriffs zu begutachten. Rauch stieg von der Passstraße auf und er sah Leute am Boden liegen und andere ihnen helfen. Er hatte sie voll erwischt! Zufrieden lenkte er sein Gefährt auf einen Kurs, der ihm einen erneuten Zielanlauf ermöglichen würde. Screeetch flog immer noch zu seiner Rechten. Eher beiläufig schaute Squeeeze auch nach links, obwohl er nicht erwartete, dort etwas zu sehen. Aber da war doch etwas! Squeeeze blinzelte und erkannte ihn gerade noch rechtzeitig: Mit der Sonne im Rücken schoss die flugfähige Pilotenkanzel des Battle-Ram mit Mekanek am Steuer heran! Mit einer Schnelligkeit, wie sie nur ein Reptil haben konnte, riss Squeeeze das Steuer seines Düsenjägers herum und lies ihn über den rechten Flügel wegkippen. Mekanek, der bereits mit der Laserkanone seiner Maschine feuerte, verfehlte ihn nur knapp und zog dann auch hoch, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Fluchend aktivierte Squeeeze sein Funkgerät, und bald machte die Nachricht unter den Bodentruppen Galirads die Runde: Die Masters waren da! Mekanek war nicht allein gekommen. Als Squeeeze seine Maschine wieder ausbalanciert hatte, sah er den Wind-Raider mit Moss-Man, das Jet-Sled mit Sy-Clone und den Talon-Fighter mit Ram-Man und Fisto. Über Funk hörte er Spikors Befehl: ?Schießt sie ab!? ?Der hat leicht reden?, dachte Squeeeze zornig, doch schon durch Baldurs Zepter blieb ihm keine Wahl und er musste gehorchen. Er nahm den nächstbesten Gegner ? es war der Wind-Raider ? aufs Korn und versuchte, über ihn zu kommen, um seine Bomben abwerfen zu können. Moss-Man unternahm ein Ausweichmanöver, doch Squeeeze?s Turbodactyl war bedeutend wendiger als das Flugzeug seines Feindes. Dieser aber bekam schnell Hilfe von Sy-Clone, welcher eine Rakete auf Squeeeze abfeuerte. Der Reptiloid sah das Geschoss auf sich zukommen und ging in den Sturzflug über, doch die Rakete verfolgte ihn und kam immer näher. ?Verdammt, gleich hat sie mich!? fürchtete er, als ihm der rettende Gedanke kam. Er steuerte direkt auf die Passstraße zu und die Rakete folgte ihm auch dorthin. Kurz vor der Klippe riss er seine Maschine in den Steilflug. Beinahe wäre er an den Felsen zerschellt, doch das Manöver hatte sich gelohnt und Sy-Clone?s Geschoss rammte mitten in die Passstraße und tötete dort Dutzende von eternischen Soldaten. Squeeeze grinste böse, doch das Lachen blieb ihm im Halse stecken, als er über den Bergkamm flog, denn der Talon-Fighter kam ihm direkt entgegen und feuerte aus seinen schweren Geschützen. Das Turbodactyl wurde voll getroffen und stürzte wie ein Stein zu Boden. Squeeeze, der von der Explosion weggeschleudert wurde, fand sich ebenfalls im freien Fall wieder. Verzweifelt streckte er seine Teleskoparme bis zum Anschlag aus und bekam Sy-Clones Fuß zu fassen. Eilig zog er sich auf das Jet-Sled hoch, dessen Pilot die waghalsigsten Kurven flog, um seinen Gegner abzuschütteln, doch es war vergebens. Wenn eine Schlange einmal zugepackt hatte, dann lies sie nie wieder los! Squeeeze erreichte die Tragfläche der Maschine, hielt sich nun daran fest und zerrte Sy-Clone einfach vom Steuerknüppel weg. Da das Jet-Sled letztlich nur ein Flügel mit einem Steuerruder war, fand der Verteidiger Eternias keinen Halt und fiel hinunter. Squeeeze verschwendete keine Zeit damit, ihm zuzusehen, als er weit unten im Blätterdach des Urwaldes verschwand. Der Schlangenkrieger nahm jetzt erneut den Wind-Raider ins Visier und schoss die zweite Rakete des Jet-Sleds ab. Auch sie war eine Verfolgungsrakete, und Moss-Man wagte es nicht, sie in die am Boden stehende Armee zu leiten. Stattdessen versuchte der Herr der Wälder, sie an der Felswand zerschellen zu lassen, doch er war kein geübter Pilot und der Wind-Raider nicht so wendig wie die kleineren Maschinen, und so endeten Flugzeug und Rakete gemeinsam in einem Feuerball an der Flanke des Gebirges. Doch nun hatte Squeeeze keine Raketen mehr, und der Talon-Fighter war schon wieder dicht hinter ihm und schoss aus allen Rohren. Diesmal hatte der Schlangenkrieger Pech: Sein Jet-Sled erhielt einen Treffer am rechten Flügel und geriet ins Trudeln. Entsetzt musste Spikor vom Boden aus beobachten, wie es abstürzte und in den gleichen Tiefen verschwand, die zuvor schon Sy-Clone verschlungen hatten. Ein fast gleichzeitig erschallender Schrei kündete von Mekaneks Sieg über Screeetch. Damit war der Luftkampf verloren!

Wenn man bedachte, wie schwach die Luftwaffe Galirads gewesen war, war ihr Teilerfolg beachtlich, aber davon hatte Spikor jetzt auch nichts mehr ? die beiden verbliebenen Flieger der Eternier griffen mit ihren Strahlenwaffen seine Bodentruppen an, die auf der Kuppe ohne jede Deckung waren und beträchtliche Verluste erlitten. Verzweifelt suchte Spikor nach einer Lösung, doch er brauchte keine mehr zu finden. Hiss und seine Snake-Schützen oben auf dem Berg eröffneten das Feuer auf die beiden feindlichen Flieger. Zwar waren die Pistolen der einfachen Schlangenkrieger zu schwach für die Düsenjäger, aber Hiss? Magie traf Mekaneks Battle-Ram voll und lies die Maschine in einem Feuerball verglühen. ?Ja!? rief Spikor begeistert aus und bellte sofort einige Befehle, um die in Unordnung geratene Schlachtlinie auf der Kuppe wieder herzustellen. Noch war die Schlacht nicht vorbei!


Scare-Glow und seine 18 Skelettwachen hatten sich derweil ein ganzes Stück abseits vom eigentlichen Schlachtfeld, in einer Nische in der Felswand des Gebirges aufgestellt. Zwei Skelette hielten Teela, die anderen bildeten einen Kreis um sie. Der König stand etwa drei Schritte von Teela entfernt und sah zu, wie die Frau, durch die inneren Blutungen schon ganz blass geworden, im Sterben lag. Er nährte ihren geschwächten Geist, der zu keinerlei Widerstand mehr fähig war, mit Schreckensbildern vom Tod und dem, was danach kommen mochte, um weidete sich an Teelas Furcht. Zoar landete auf einer Felskuppe einige Meter entfernt und wurde zunächst nicht bemerkt. Einen Augenblick lang beobachtete der Vogel das böse Treiben, doch lange konnte die Sorceress sich nicht zurückhalten. Eigentlich hatte sie angesichts der großen Überzahl der Skelette auf He-Man warten wollen, doch sie sah nun, dass Teela nicht mehr so lange durchhalten konnte. So verwandelte sich die Zauberin von Grayskull wieder in ihre menschliche Gestalt zurück und richtete ihr Zepter auf die beiden Skelette, welche Teela festhielten. Noch bevor irgendjemand reagieren konnte, zuckte ein weißer Blitz durch die Luft und die beiden Knochenwachen zerbröselten zu Staub. Teela fiel aufs Gras und rührte sich nicht mehr. Scare-Glow und seine anderen Krieger drehten sich um, und der tote König von Galirad erschauerte angesichts der Frau, die für sein elendes Schicksal verantwortlich war. ?DU!? schrie er hasserfüllt. ?DU warst es, die mich betrogen und bestohlen hat! DU hast mich verraten und in ? in DAS hier verwandelt!? Er spie die Worte regelrecht aus und blickte angewidert an seiner Knochengestalt herab. ?Ich hätte sicherstellen sollen, dass du auch wirklich tot bist, Baldur?, entgegnete die schöne Frau, ?doch diesen Fehler werde ich jetzt wieder gut machen und die Welt von dir befreien!? ?Das werden wir sehen ? tötet sie!? brüllte der vom Gedanken an Rache besessene Baldur, und seine Krieger, allesamt damals zusammen mit ihrem König verflucht und deshalb nicht minder blind vor Wut, stürmten sogleich alle auf die geflügelte Frau los, die immer noch auf ihrem Felsen stand und mit einem weiteren Blitz aus dem Zauberstab nochmals zwei Skelette zerstörte. Dann sprang sie hoch in die Luft, und dank ihrer orange-blauen Flügel konnte sie in einem weiten Bogen über ihre Gegner hinweg schweben und neben Teela landen. Noch bevor sie aber etwas für das Mädchen tun konnte, drehten die Skelette sich wieder um und rannten erneut auf sie zu. Nun wehrte sich die Sorceress mit ihrem Stab, zerschmetterte damit die Schädel der Knochenkrieger und schütze sich mit einem Schutzschild aus ihrer Magie, der zwar hier, so weit weg von Grayskull, nicht besonders stark war, aber ausreichte, weil die Skelette nur mit Schwertern bewaffnet waren. Die Zauberin kämpfte allein gegen alle, und nach und nach fielen immer mehr ihrer bleichen Gegner. Doch auch sie selbst erlitt allmählich immer mehr Verletzungen, als ihr Schild schwächer wurde und einzelne Hiebe sie trafen und ihren Körper mit Schnittwunden übersäten. Doch die Reihen ihrer Gegner lichteten sich schneller, als ihre Kräfte nachließen, und nach einigen Minuten war Scare-Glow, der den Kampf bislang nur beobachtet hatte, klar, dass seine Männer verlieren würden. Er musste eingreifen, aber gegen seinen Furchtzauber war diese weiße Hexe immun! Und als er sich einen Moment umsah, erkannte er auch, wie. Er packte Teela, zerrte sie vom Boden hoch und kreischte: ?Hör sofort auf, oder sie ist tot!?

Die schöne Frau im Falkenkostüm drehte sich zu ihm um und sah, dass er seine lange, grüne Hellebarde an Teelas Hals gelegt hatte. Ein dünnes Rinnsal von Blut lief bereits von der Schnittstelle herunter. Ein kleines bisschen mehr Druck, und mit Teela wäre es vorbei! Resigniert lies die Sorceress ihren Zauberstab fallen. Nur 4 Skelette waren noch übrig. Sie hatte zwar einige Wunden davon getragen, aber diesen Kampf hätte sie ganz sicher gewonnen. Nun aber sah es übel aus. Doch sie durfte Teelas Leben nicht gefährden, und so gab es nichts zu überlegen. Der Kampf war verloren! ?Gut, du hast gewonnen.? seufzte sie. ?Ich weiß? grinste Scare-Glow und schnitt mit der riesigen Klinge quer durch Teelas Hals. Blut schoss aus der Wunde und die Kommandantin der königlichen Leibwache, die schon halb bewusstlos gewesen war, bäumte sich kurz auf. Dann sackte sie zusammen. ?Nein!? schrie die Sorceress und wollte zu ihr stürmen, doch Scare-Glow lies den toten Körper achtlos zu Boden fallen und hob seine Waffe. Jetzt war seine Chance! Seine Feindin war entsetzt und unbewaffnet! Nun würde er sie leiden lassen für ihren Verrat damals, der ihn überhaupt erst zu diesem wandelnden Skelett gemacht hatte. Er schlug zu, doch die Zauberin reagierte geistesgegenwärtig und sprang zurück. Auf der Stelle gingen die Skelette wieder auf sie los, aber sie riss ihr Zepter hoch und zerschmetterte noch zwei von ihnen. Dann aber war Baldur da, und mit einem Krachen trafen die hölzernen Schäfte ihrer Waffen aufeinander. Der Kampf war heftig und schnell, denn Scare-Glow setzte nach und lies der erschöpften Frau keine Chance, ihre Verteidigung zu organisieren. Seine Skelette halfen ihm, so gut es ging, und als sich die Deckung der Sorceress für einen kurzen Augenblick öffnete, reagierte Baldur sofort und rammte seine Axt in ihren Unterleib. In ihrer Verzweiflung und erfüllt von Schmerz entfesselte die Frau alle ihr noch gebliebenen magischen Kräfte, und eine gleißende Schockwelle weißen Lichts ging von ihrem Zauberstab aus. Scare-Glow wurde ein eine Wand geschleudert und das Skelett, das zu ihrer Linken stand, zerbarst in tausend Stücke. Das andere kullerte über die Wiese, stand aber wieder auf. Auch Baldur kam zitternd wieder auf die Beine. Er musste sich auf seine Waffe stützen, um nicht zu Boden zu gehen. Die Sorceress sah auf ihren Bauch, wo das Falkenkostüm sich schnell rot färbte. Sie war schwer verwundet worden! Sie musste sich beeilen, um ihren Fehler von damals wieder gutzumachen und Eternia von Baldur befreien zu können. Langsam hinkte sie auf ihn zu, und auch er näherte sich ihr humpelnd. Ein letztes Mal sollten sich ihre Klingen kreuzen, und dann wäre dieser Streit aus uralter Zeit ein für alle Mal entschieden. Gleichzeitig rissen beide ihre Waffen hoch, doch die Sorceress war um eine Winzigkeit schneller. Ihr Zepter durchschlug Baldurs Nackenwirbel und brach den Zauber, der seinen Geist in diesen alten Knochen festgehalten hatte. Mit einem Stöhnen wie aus tausend Kehlen, den Kehlen all derer, die er in seinem unnatürlich langen Leben ermordet hatte, brach der König von Galirad zusammen. Seine Knochen zerfielen zu Staub, der vom Wind der Berge verweht wurde. Der Alptraum war vorbei ? Baldur, die Geißel Eternias, war besiegt! Erleichterung durchströmte den geschundenen Körper der Zauberin, als ihr Hochgefühl des Sieges des Guten jäh durch einen unglaublichen Schmerz unterbrochen wurde. Sie sah an sich herab und erkannte ihren Fehler: Sie hatte den letzten Skelettleibwächter vergessen. Sein Schwert durchbohrte ihren Körper. Auch er war, genau wie Baldur, von dem Fluch He-Ros belegt worden, und wenn auch sein König gescheitert war, er hatte sich doch noch für sein Schicksal rächen können. Die Sorceress fiel direkt neben Teela, und das letzte Skelett starrte eine ganze Weile mit leeren Augen auf den toten Körper der Zauberin herab. Der Hass der Jahrtausende hatte am Ende doch den Sieg davon getragen!


Im selben Augenblick, in dem Baldurs Leben endete, brach auch sein Zauber, der die Snakemen unter sein Kommando gezwungen hatte. Hiss, immer noch mitten im Duell mit dem Talon-Fighter, fühlte die Kontrolle über seinen Willen zurückkehren und zögerte kurz. Dieses Zögern nutzte Ram-Man, der Pilot des Düsenjägers, aus und feuerte die schweren Strahlenwaffen ab. Die Energieentladungen trafen genau die Stelle am Berg, wo die Hinterhaltgruppe um die Snake-Schützen Position bezogen hatte. Eine gewaltige Explosion erschütterte den Berg, als Geröll und Felsbrocken in die Tiefe stürzten. Spikor sah zwei Körper mit der Schuttlawine zu Tal stürzen und einen weiteren auf halber Höhe an einem Felsvorsprung hängen bleiben. Was aus dem vierten Reptiloiden oben auf dem Kamm geworden war, war nicht zu erkennen. So oder so, die Stellung dort war verloren. Hiss und seine Schützen waren ausgeschaltet. Die letzten verbliebenen Schlangen, die auf den beiden Sauriern saßen, wandten sich zur Flucht, als auch noch eine zweite Explosion das Nadelöhr erbeben lies. Blast-Attack hatte sich selbst gesprengt und damit einen erneuten Vorstoß der Eternier abgewehrt. Doch diesmal setzte sich der Cyborg nicht mehr selbst zusammen wie bisher, denn inzwischen war eine ganz besondere Verstärkung für die Eternier eingetroffen. Battle-Cat packte ein Teil der Höllenmaschine mit den Zähnen und zermalmte es. Damit war das Steuerungszentrum Blast-Attacks zerstört und er war endgültig vernichtet. Mit dem auf seinem Kampftiger reitenden He-Man an der Spitze drangen die Soldaten Eternias zum zweiten Mal durch den Spalt auf das Grasland dahinter vor. Der Stärkste der Starken war da! Furcht erfüllte die Herzen von Spikors Soldaten. Wo war der König? Warum flohen die Snakemen? Wer sollte sich jetzt dem Talon-Fighter entgegenstellen? Stinkor und einige Söldner gingen langsam rückwärts und sahen sich nervös nach einer Möglichkeit um, das Schlachtfeld zu verlassen. Auch Blade schien zu überlegen, ob es sich lohnte, weiter zu kämpfen.

Spikor registrierte dies alles kaum. Er sah He-Man, seinen Erzfeind! Dieser geschniegelte Schönling hatte ihn schon so oft alt aussehen lassen, aber diesmal nicht! Diesmal würde er Spikors Traum von Macht und Größe nicht zerstören! Die Flucht der Snakemen konnte nur bedeuten, dass Scare-Glow tot war. Doch das war Spikor eigentlich ganz recht, denn nun war ER endlich der alleinige Herr von Galirad. Er würde sich sein Königreich nicht wegnehmen lassen, auf gar keinen Fall! ?Was glaubt ihr eigentlich, wo ihr hingeht?? brüllte er den fliehenden Schlangenkriegern zu. Verunsichert zügelten sie ihre Saurier und sahen ihn an. Wie ein Dämon aus der Hölle stand er da oben auf seinem Felsblock und schnaubte verächtlich. Seine gelben Augen schienen böse zu leuchten, als er weitersprach: ?Ihr denkt doch nicht ernsthaft, dass es noch einen Ort gibt, an dem ihr euch verstecken könnt? Die Eternier haben euer Volk Jahrtausende lang gejagt, und jetzt seid nur noch ihr drei übrig. Wo wollt ihr euch denn verkriechen? Sie werden euch auch erwischen, und dann ist es mit eurer Rasse endgültig aus und vorbei! Ihr könnt nicht zurück. Wenn Galirad fällt, fallt ihr mit!? Nun wandte er sich seinen Galirad-Kriegern zu, die auch sehr unsicher dreinschauten. ?Und ihr? Was wird aus euch, wenn wir diese Schlacht verlieren? Geht ihr wieder in den Urwald zurück, um in Zelten zu leben und Dreck zu fressen?? Angewidert spuckte er aus und schaute zu den Söldnern. ?Wenn Galirad fällt ? und das wird es, wenn wir diese Schlacht verlieren ? dann ist es vorbei mit der ?Schwarzen Bruderschaft?! Wer soll euch denn noch fürs Kämpfen bezahlen? Skeletor vielleicht? Für den kämpft ihr umsonst, oder gar nicht! Der zahlt damit, dass er euch einen weiteren Tag am Leben lässt, solange ihr ihm nutzt! Seht den Tatsachen ins Auge, ihr alle! Wenn auch nur einer von denen (er zeigte auf die Eternier, die sich am Fuß des Hügels sammelten) über diesen Pass kommt, ist alles aus!? Blade nickte und gab seinen Söldnern ein Zeichen, wieder auf ihre Plätze zu gehen. Der glatzköpfige Hauptmann fürchtete zwar die drohende Niederlage, doch er war erfahren genug, um zu wissen, dass Spikor recht hatte. Sie waren an einem Punkt angelangt, an dem es zum Weiterkämpfen keine Alternative mehr gab. Aus dieser Situation gab es kein Entrinnen. Neue, kalte Entschlossenheit machte sich auf den Gesichtern der Galirads breit. Rattlor, Tung-Lashor und Snake-Face sahen sich in die Augen, dann wendeten auch sie ihre Reittiere und kehrten zurück. Die letzte Schlachtlinie Galirads stand wieder geschlossen auf der Kuppe. Der verbliebene Skelettkrieger ging langsam zu Spikor, doch der winkte nur ab. Er wusste, dass Baldur gefallen war, und gab dem letzten Knochenkämpfer ein Zeichen, sich in die Formation einzureihen. Dies würde die Entscheidung werden, und dabei brauchte Spikor jeden Mann.


Unten kamen nach und nach immer mehr Eternier durch die Pforte. He-Man, Buzz-Off, Randor und Clamp-Champ standen mit Battle-Cat an der Spitze von hunderten von Soldaten, und weitere kamen stetig dazu. Der Talon-Fighter hatte eine Runde gedreht und kam nun über die Berggipfel geflogen, um mit seinen Kanonen anzugreifen. Laut fauchten die Laserstrahlen übers Land und trafen den Gigantisaur, das größte Ziel auf dem Pass. Das gewaltige Tier bäumte sich auf und fiel mitten unter die Galirads, von denen viele zerschmettert wurden. Mer-Man rief Spikor zu: ?Wir sind hier oben ein zu leichtes Ziel für sie. Gehen wir in den Nahkampf, dann können sie nicht schießen, ohne ihre eigenen Leute zu treffen!? ?Ja, Angriff!? antwortete Spikor aus voller Kehle, und mit einem Brüllen stürmte der Rest seiner Armee den noch vom Kampf am Vormittag mit Leichen übersäten Hügel hinunter. Die Eternier antworteten zunächst mit einer Salve aus den Energiegewehren, die viele Kämpfer niederstreckte. Danach begann der Nahkampf und beide Heere trafen mit gewaltigem Tosen aufeinander, hunderte Klingen wurden gekreuzt und das Fleisch hunderter Leiber geschnitten. Das Stöhnen und Schreien der Getroffenen, das Knurren der Tiere, das Donnern der Schusswaffen, das Rufen der Offiziere, das Weinen der Verängstigten und das Keuchen der Angestrengten hallten von den Felswänden des Tales wieder wie eine Sinfonie des Untergangs. Der Talon-Fighter feuerte tatsächlich nicht mehr in die Menge, sondern landete auf der anderen Seite des Nadelöhrs, sodass Fisto und Ram-Man aussteigen und sich auch in den Nahkampf werfen konnten. Der Tyrantisaurus schoss seine Drohne ab, die eine Schneise in die Linien von Randors Armee schlug, doch He-Man schleuderte seine Doppelaxt, traf das riesige Tier am Hals und brachte es so zu Fall. Sein Reiter Snake-Face versteinerte mit seinem Medusenblick Dutzende von Gegnern, bevor er von Buzz-Off, der ihn fliegend mit der Sonne im Rücken überraschte, niedergestreckt werden konnte. Blade focht gegen Randor und Clamp-Champ, und Stinkor verbreitete des Pesthauch des Bösen, bis Schüsse aus den Gewehren eternischer Soldaten ihn fällten. Ram-Man und Fisto drängten Mer-Man und Clawful zurück, und langsam wurde die gesamte Armee Galirads den Hügel rückwärts hinauf und zur Kuppe getrieben, von wo sie gestartet war. Die Übermacht der Eternier war einfach zu groß. He-Man schlug mit dem Schwert der Macht um sich, und obwohl er niemanden damit tötete, gingen seine Gegner reihenweise zu Boden. Egal ob Söldner oder Galirad, dem Helden Eternias war keiner gewachsen. Auch Rattlor und Tung-Lashor, die den Fall ihres Reittieres überstanden hatten, mussten weichen, genau wie der letzte Knochenkrieger. He-Man bezwang sie alle. Als der Held Eternias die Reihen der Galirads durchbrach, war er keine 15 Meter mehr von Spikors Gefechtsstand entfernt. Der Stachelkämpfer erkannte, dass es nun an ihm war, den Feind aufzuhalten. Er hob seine Keule, sprang von seinem Felsen herunter und rannte auf He-Man zu. Dieser stieg mit den Worten ?Das ist mein Kampf ? hilf du den anderen!? von Battle-Cat ab und stellte sich dem Schmied mit gezücktem Schwert und hoch erhobenem Schild. Der Tiger zögerte kurz, gehorchte aber dann und stürzte sich wieder in die Schlacht.


Spikor verschwendete keine Zeit mit Worten. Die Schlacht stand schlecht, und er war sich sicher, dass nur der Tod He-Mans den Tag noch retten konnte. Mit ungebändigter Kraft prallte seine Keule auf He-Mans Schild, wieder und wieder. Der Held versuchte, Spikor zum Aufgeben zu bewegen, doch dieser antwortete nicht, sondern griff verbissen weiter an. ?Ihr habt verloren, Spikor! Sie es ein und rette deine letzten Männer! Warum sollen sie alle hier umsonst sterben?? flehte He-Man schon fast, doch der Stachelkämpfer hörte nicht zu. Mit einem lauten Knirschen brach He-Mans Schild entzwei, und nun gab es kein Zurück mehr ? dieser Kampf musste ausgefochten werden! Entschlossen hob He-Man sein Schwert. ?Nun gut, du willst es nicht anders. Ich habe dich gewarnt, Spikor. Der Zorn all der Unschuldigen, die du und deinesgleichen ermordet haben, wird dich treffen, und ich kann und will dich nicht davor beschützen. Die Kerker Eternias warten auf Verbrecher wie dich!? Das Schwert schnellte vor und wehrte die Keule ab. Wieder und wieder kreuzten sich die Waffen, und obwohl Spikor eine unglaubliche Kraft hatte, war He-Man doch stärker. Wie all die andern Male zuvor musste Spikor erkennen, dass er auch diesmal unterlegen war. ?Bei all meiner Kraft, wie kann er da immer noch stärker sein? Kein Mensch ist so stark!? dachte Spikor verzweifelt, doch gleichzeitig machte sich eine kalte Entschlossenheit in ihm breit. ?Lebend kriegt er mich nicht. Meine Knochen soll er haben!? Ohne ein Wort zu sagen, schlug er weiter auf seinen Gegner ein, doch die Hiebe wurden immer ungezielter. He-Man konnte fast zusehen, wie der Schmied des Bösen mehr und mehr an Kraft verlor. Seine Reserven waren erschöpft. Der Held bereitete sich auf einen Entwaffnungsschlag vor, um das Duell zu beenden.

Schon oft hatte He-Man diesen Schlag angewandt, denn er verabscheute es, zu töten, und zog es daher vor, seine Feinde gefangen zu nehmen. Als die Pausen zwischen Spikors Angriffen immer länger wurden, trat He-Man einen Schritt zurück und holte mit dem Schwert aus. Gleich war es soweit! Gleich würde dieser unselige Krieg vorbei sein! Spikor holte wieder aus. Er stand schon ganz breitbeinig da, um überhaupt noch einen festen Stand zu haben, so zitterig waren seine Knie bereits geworden. ?Jetzt!? dachte He-Man und schwang das Schwert, als er plötzlich von einem Bergkamm aus geblendet wurde. Spikor sah den Hieb kommen und drehte sich, um ihn abzuwehren, doch die beiden Waffen verfehlten sich. Spikors Stachelkeule schwang ins Leere und verharrte dort, als He-Mans Schwert den Bauch des Generals von Galirad traf und dessen Stachelpanzer mühelos durchbohrte. Das Schwert der Macht drang tief in die Eingeweide des ehemaligen Schmiedes ein, bevor der blinzelnde He-Man erkannte, was er getan hatte, und seinen Angriff stoppte, doch es war zu spät! Beide Männer waren durch diese Aktion einen Schritt aufeinander zu gegangen und keine Faust hätte mehr zwischen ihre Gesichter gepasst. Entsetzen spiegelte sich in He-Mans Augen wieder, als er sah, wie ein dünnes Rinnsal Blut aus Spikors Mundwinkel lief und an seinem Kinn hinunter auf die stachelige Brust tropfte. Spikor spürte nur einen ungewohnten Druck im Bauch, erkannte aber blitzschnell die Gelegenheit, denn so nah wie jetzt war er He-Man noch nie gekommen. Er bräuchte nur noch die Keule zurück zu reißen und würde das Gesicht dieses widerlichen Blondschopfs ein für alle Mal entstellen und seinen Schädel zerbrechen wie einen alten Tonkrug. Mit einem Ruck zog Spikor seinen Arm zurück in die andere Richtung, doch die Bewegung war merkwürdig schwach. He-Man sah sie aus den Augenwinkeln, hob seinen Ellenbogen und wehrte damit mühelos den Schlag ab. Spikors Keule wurde immer schwerer und er musste sie loslassen. Dumpf fiel sie ins grüne Gras. He-Man trat einen Schritt zurück und zog dabei das Schwert aus dem Körper seines Gegners. Erst durch das dabei entstehende Geräusch erkannte Spikor überhaupt, dass etwas nicht stimmte, und in diesem Augenblick kam der Schmerz. Ein unglaublich tiefer, stechender Schmerz! Er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie versagten ihm einfach den Dienst, und er sackte in die Knie. Verunsichert sah Spikor an sich hinunter und sah die Wunde, die He-Man ihm zugefügt hatte. Er begann, sein heißes Blut über seinen linken Oberschenkel fließen zu spüren. Es war viel Blut. Zuviel! Spikor hob den Kopf, um zu He-Man zu sehen, doch mitten in dieser Bewegung fiel er zur Seite hin um. Von seinem Feind hatte er während des Falls nur einen verschwommenen Schatten gesehen. Nun war sein Blick auf den Himmel gerichtet, denn er lag halb auf dem Rücken. ?Das kann doch nicht sein! Nicht, bevor ich ihn getötet habe!? Mit aller Kraft stemmte Spikor sich wieder auf die Ellenbogen hoch, doch diese Bewegung presste nur noch mehr Blut aus seiner Wunde, und er konnte sich nicht halten. Erst jetzt begriff er, dass er nicht irgendwann später, vielleicht ein paar Stunden nach der Schlacht in einem Lazarett, sondern hier und jetzt sterben würde. Niemand war da, dem er noch etwas hätte sagen können. Niemand, der seinen Tod überhaupt mitbekam, außer He-Man, und auf den konnte er verzichten. Seine Freunde, Strongarm oder Whiplash, hätten hier sein sollen. Aber sie waren weg. Alle waren weg. Die weißen Wolken zeichneten sich heute merkwürdig scharf gegen den stahlblauen Himmel ab.
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