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Fan-Fictions    Schleichendes Gift    Dunkle Pläne
Schleichendes Gift
Dunkle Pläne


Adam war froh, als er mit Cringer im Arm den Königspalast erreichte. Mochte er vielleicht nicht so geschickt und mutig wie Teela sein, doch das lautlose Davonschleichen beherrschte er perfekt. Die unheimliche Frau hatte den Namen ?Keldor? erwähnt. Der Prinz war sicher, diesen Namen schon mal im Zusammenhang mit seinem Vater gehört oder gelesen zu haben. Das Rätsel musste allerdings bis zum nächsten Morgen warten. Der Junge fühlte plötzlich eine feuchte Wärme, die sich rasch über seinen Arm und seine Brust ausweitete. Der beißende Geruch ließ keinen Zweifel aufkommen. ?Cringer, du Ferkel! Sieh, was du gemacht hast! Hoffentlich merkt Mutter nichts, sie ist sowieso dagegen, dass ich dich behalte.? Der Tigerwelpe gähnte und blinzelte Adam verschlafen an. Dass er sich auf dem Schoß seines Herrn erleichtert hatte, störte ihn nicht sonderlich. Der Jugendliche verdrückte sich in das nächste Badezimmer, um sich und das Tier zu reinigen.

Etwa zur gleichen Zeit kam Duncan völlig übernächtigt nach Hause. Sie hatten, dank der Aushilfskräfte, einen guten Teil der vergessenen Aufträge erledigen können. Siedendheiß fiel ihm plötzlich ein, dass Teela sich noch bei Marlena befand. Es war mittlerweile weit nach Mitternacht und das Mädchen hatte in der Frühe wieder zusammen mit dem Prinzen Unterricht. Der Waffenschmied befand, dass es das Beste wäre, wenn er seine Adoptivtochter morgen vor der Arbeit abholen käme. Bei einem guten Frühstück würden sich die Unstimmigkeiten wieder klären lassen. Der Mann ging, überzeugt, dass sich nun alles zum Guten wenden würde, zu Bett und schlief augenblicklich ein.

Lautes Vogelzwitschern weckte den Waffenschmied am nächsten Morgen. Duncan hatte sich unmittelbar zum Königspalast begeben und stand Marlena unsicher gegenüber. Was dachte sie wohl von ihm, dass er sein Kind nicht abgeholt hatte.
?Guten Morgen.?, grüßte die Königin kühl. ?Hast du den Weg aus der Werkstatt heraus doch noch gefunden??
Der ungewohnte Ton gab Duncan das Gefühl, sich verteidigen zu müssen:
? Es gab dort einen Notfall. Sonst wäre ich früher gekommen.?
?Erzähl das nicht mir. Sage es deiner Tochter.? Marlena sah Duncan mit unbewegtem Gesicht an. Der oberste Ingenieur kannte die Frau seines Freundes. Sie wirkte oft unscheinbar und ruhig, aber das täuschte. Marlena war zornig, dass konnte man spüren. Lautes Schimpfen entsprach nicht ihrer Natur, doch trafen ihre Worte ihren Gegner immer sicher.
?Welcher Auftrag ist wichtiger als das eigene Kind? Du hast sie ganz schön enttäuscht, weißt du das??
Das schlechte Gewissen und die eigene Hilflosigkeit ließen nun auch Randors Freund die Nerven verlieren:
? Was verstehst du, wo du in einem Palast lebst und dich von sämtlichen Leuten bedienen lässt, schon von Arbeit? Ich bin nicht nur für mich selber verantwortlich, sondern auch für meine Mitarbeiter! Was erlaubst du dir zu urteilen? Ich muss jede Entscheidung, die Teela betrifft, ganz allein fällen, ohne Unterstützung von einer Partnerin! Teela, komm, wir gehen nach Hause!?
Seine Tochter versetzte Duncan ungewollt den nächsten Schlag.
?Nein.? Das Mädchen funkelte ihren Adoptivvater zornig an. Der Waffenschmied war nicht bereit nachzugeben. Er griff Teela am Arm.
?Du kommst mit mir. Und zwar ein bisschen plötzlich!?
Das rothaarige Kind riss sich los.
?Nein. Ich bleibe. Wenn ich eine so große Last für dich bin, will ich nicht mehr bei dir sein. Schlag mich doch! Was anderes kannst du ja nicht!? Der Mann lockerte den Griff und schenkte seiner Adoptivtochter einen traurigen Blick. Sein Gefühl sagte ihm jedoch, dass es diesmal besser wäre, dem Kind den Willen zu lassen.
Marlena griff ein. Die Fronten zwischen Tochter und Vater waren zu verhärtet, vermutlich würde beiden ein bisschen Abstand gut tun.
?Teela kann bleiben, so lange sie möchte. Vielleicht lenkt sie Adam von dem Gedanken ab, dieses Tier weiter behalten zu wollen?? Marlenas Stimme wurde versöhnlicher. Sie lächelte ihr Gegenüber leicht an.
?Nutze die Zeit, dich um die dringenden Aufträge in der Werkstatt zu kümmern. Es kommt sicher die Zeit, wo wir froh sind, wenn du uns bei Adams Erziehung unterstützt.?
Der oberste Waffenschmied nickte und wand sich an seine Tochter:
?Soll ich dir noch ein paar Sachen von dir mitbringen??
Das Mädchen zeigte ein bockiges Gesicht.
?Ich kann mir schon selber holen, was ich brauche! Danke! Ich muss zum Unterricht.?
Das Kind drehte sich auf dem Absatz um und verschwand. Duncan starrte seiner Ziehtochter nach, wie jemand, dem gerade eine äußerst unangenehme Erinnerung in den Sinn kam.
Die Königin stieß ihn sachte an: ?Alles in Ordnung? Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen!? Der Waffenschmied schüttelte den Kopf: ?Es ist nichts. Für einen Moment hat sie mich an jemanden erinnert??
?An wen?? Marlena war wie elektrisiert. Wusste der Freund doch etwas über Teelas leiblichen Vater? Bisher hatte er immer beteuert, nichts zu wissen.
?An jemanden, der schon lange verschollen ist und das auch besser bleibt! Die Vorstellung, dass er sie hat sitzen lassen? wie er eigentlich immer schon alle im Stich gelassen hat?aber nein, ist es unmöglich. Was hätte sie an einer feigen Ratte wie ihm schon finden können. Dafür war sie zu klug.?
?Von wem redest du eigentlich??
Das Gesicht des Mannes wurde hart und verschlossen. Die Königin wusste, dass ab jetzt jedes weitere Nachforschen zwecklos war.
?Vergiss es. Ich muss zur Arbeit.? Duncan hoffte inständig, dass wenigstens dort alles in Ordnung war.

In der Werkstatt erlebte er zum ersten Mal seit Tagen eine positive Stimmung. Der Arbeitsrückstand war aufgeholt, seine Leute schienen ihm verziehen zu haben. Der Waffenschmied spürte endlich wieder die Freude und Begeisterung für seine Tätigkeit. Den ganzen Tag über verschwand kein einziges Werkzeug. Duncan begann zu hoffen, dass die Krise nun vorbei war. Trydor hatte im Wesentlichen zu der Verbesserung beigetragen, als er rechtzeitig neue Hilfskräfte engagiert hatte. Als Anerkennung und Wiedergutmachung hatte der oberste Ingenieur beschlossen, seine Arbeiter eine Woche später zum Abendessen einzuladen. Der Vater einer seiner Lehrlinge besaß ein Gasthaus, das bot sich dazu an.

Trydor, der an einem Okular arbeitete, grinste selbstzufrieden in sich hinein. Genau so sollte es laufen. Seine Bedenken hatte er mit der Aussicht auf Verwirklichung seiner Wünsche verdrängt. Arms hatte aufgrund seiner Herkunft alle Chancen gehabt. Er nicht, obwohl er nicht minder begabt war, als sein Vorgesetzter. Manchmal musste man der Gerechtigkeit ein bisschen nachhelfen.

Tron, der Vorarbeiter beobachtete den Neuzugang aus sicherer Entfernung skeptisch. Anders als andere junge Männer bemühte sich der Schwarzhaarige nicht um die Freundschaft derjenigen, die in der Gruppe den Ton angaben. Fast immer hockte er mit dem unbeholfenen Arn und dem unbeliebten Mikael zusammen. Mikael war zwar um einiges geschickter als der Werkstatt-Trottel, doch er galt als hinterhältig. Mehrmals hatte er schon Mahnungen kassiert, was den Rothaarigen nicht im Geringsten davon abhielt, sich weiter hinterrücks Vorteile zu verschaffen, wo er nur konnte. Tron konnte nicht begreifen, warum sich ausgerechnet zwischen diesen drei Jungen scheinbar eine Freundschaft zu entwickeln schien, und beschloss, die Sache weiter zu beobachten.

Die nächsten Tage verliefen nach Plan. Solange Duncan sich mit der Arbeit ablenken konnte, ging es ihm gut. Erst, wenn er nach Feierabend in sein leeres Haus zurückkehrte, änderte sich das. So sehr er sich manchmal Ruhe nach der Arbeit gewünscht hatte, so sehr bedrückte ihn nun die ungewohnte Stille. Teelas Fröhlichkeit, ihre Einfälle, ja sogar ihre Dickköpfigkeit fehlten. Das Baby, das er zuerst nur der alten Freundin zu liebe in seine Obhut genommen hatte, war das erste Wesen gewesen, bedingungslos liebte. Dem Kind war es herzlich egal gewesen, ob er nun ein Genie oder ein Dummkopf, gut aussehend oder hässlich war. Seine Zufriedenheit mit dem Leben stand auf drei Pfeilern: Seiner Adoptivtochter, seiner Arbeit und seiner Freundschaft zu Marlena und Randor. Der erste Pfeiler hatte zumindest jetzt einen ordentlichen Knacks erhalten.

Trydor stand, nachdem er sich fünf Tage mühsam zurückgehalten hatte, am verabredeten Treffpunkt und wartete. Lyn kam grundsätzlich nicht pünktlich, sie liebte es, wenn jemand auf sie warten musste. Das war ein Gefühl von Macht, von Wichtigkeit, sie beherrschte die Situation, niemand sonst! Endlich tauchte die angehende Schwarzmagierin mit aufreizender Langsamkeit auf. Die Sonne ließ goldene Lichtreflexe auf ihren blonden Haaren erscheinen, sie bewegte sich anmutig und geschmeidig wie eine Raubkatze. Jeder Mann hätte mehr als einmal geschaut, doch Trydor ging es um etwas ganz anderes.
?Hast du das Zeug??, rief Duncans Neuzugang ungeduldig.
? Sicher doch. ER hat mir dabei geholfen, es herzustellen.?
Der junge Arbeiter konnte sich schon gut vorstellen, wen sie mit ?er? meinte.
?Hoffentlich überlebt mein Chef die Prozedur auch, wenn dein Angebeteter die Finger im Spiel hat. Ein Mordfall käme mir bei meinen Plänen ungelegen, das wirbelt zu viel Staub auf.?
?Och, ihn einfach zu töten wäre doch stinklangweilig. Keldor will, dass er seinen Preis ganz langsam bezahlt. Er hat noch eine Rechnung mit Duncan offen. Es wird deinen Chef nicht umbringen, im Gegenteil, der wird sich ganz prima fühlen. Na ja, am Morgen darauf vielleicht nicht mehr so.? Lyn lachte gehässig auf und fuhr fort: ? Wenn du es genau wissen willst, erreicht Arms nach gut zwei Gläsern genau den Zustand, an dem ihr Männer sonst den ganzen Abend arbeitet. ER allerdings trinkt niemals, er hat das nicht nötig.?
Schwärmerisch schaute die Schwarzmagierin in den wolkenlosen Sommerhimmel.

Trydor nahm die Flasche entgegen und starrte Lyn an. Die junge Hexe zog ihren Rock ein bisschen höher und stellte ihr langes Bein ein Stück vor .Sie hatte zwar kein Interesse an dem Wunderknaben, konnte es jedoch nicht lassen, ihre Wirkung auf ihn zu testen. Siegessicher sah sie den Arbeiter an.
?Was denkst du gerade??, gurrte sie. Duncans Neuzugang brachte sie mit kalter Ehrlichkeit auf den Boden der Tatsachen zurück.
?Wenn ich die Führungsposition habe, dann kann ich alle meine Entwürfe in die Tat umsetzen. Dann muss ich mich niemanden mehr unterwerfen.?
Lyn ließ ihren Rock wieder herunter. Vergebliche Liebesmüh! Der Typ war entweder völlig von seiner Arbeit besessen oder von den Socken aufwärts tot.



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