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Die Verschwörung
Trügerische Alltagsroutine
Duncan und seine Freunde erreichten Eternis und stellten ihren Attack-Track im Fuhrpark des Königs ab. Niemand von den Daheimgebliebenen ahnte auch nur im Entferntesten, was sie vorhatten. Die Nacht brach herein. Ihm folgte der nächste Morgen, der wie immer von der aufgehenden Sonne und einem friedlichen Vogelgezwitscher über der Stadt eingeläutet wurde.

An diesem Morgen wurden Stratos, Teela und Roboto zur Stadtwache eingeteilt. Sie befanden sich in einem hohen Beobachtungsturm, der zum Gebäude des Königspalastes gehörte. Unter ihnen erstreckte sich der riesige Flugplatz von Eternis. Neben großen Fenstern, die einen weiten Rundumblick bis weit nach draußen außerhalb der Stadt ermöglichten, war der innere Kontrollraum voll gespickt mit allen möglich technischen Kram. Monitore, Schalttafeln Alarmleuchten, eine Menge Computer-Arbeitsplätze und Beobachtungsstellen gehörten zum Inventar dieses Kontrollraums. Der Luftraum von Eternis und seiner 200km breiten Umgebung wurde von einem riesigen Radar erfasst. Jedes Flugzeug wurde sofort aufgezeigt, noch bevor es überhaupt in die Nähe des Palastes kommen konnte. Der Android überwachte das Treiben in und um der Stadt Eternis, indem er mehrere Überwachungskameras durchschaltete. Stratos hatte ein dickes Fernglas in der Hand und suchte damit den Horizont nach möglichen feindlichen Fliegern ab. Teela saß, wie in letzter Zeit häufig, an einem Funkgerät. Sie beobachtete mehr ihre zwei Mitstreiter bei der Arbeit als dass sie selbst großartig was tat. Dennoch so glaubte zumindest Stratos alles im Griff zu haben und jeden Feind sofort aufspüren zu können, noch bevor er auch nur in die Nähe der Planeten-Hauptstadt käme.

Duncan betrat den Tower und hatte einen silbernen Koffer aus Stahl und einen großen Becher mit Kaffee dabei. Es war ungewöhnlich für den Waffenmeister, dass er während der Arbeit Kaffee trank, deswegen staunten die Anwesenden nicht schlecht, als sie sahen, wie Duncan einen gehörigen Schluck aus dem Becher mit dem heißen Getränk nahm. ?Guten Morgen, meine Freunde.?, begrüßte der Ingenieur die Runde, ?Und, wie ist die Lage hier heute morgen??

?Es ist alles soweit ruhig hier, Vater. Skeletor lässt sich nicht sehen, wie schon die ganze Woche. Ich denke auch heute wird es wieder ein friedlicher Tag werden.?, gab Teela zu Protokoll. Arms registrierte den Bericht seiner Ziehtochter kopfnickend. Nachdenklich stellte er sich an eines der vielen Fenster, ganz in der Nähe des Radarschirms, um selber einen Blick auf die Landschaft zu werfen. ?Ich glaube diese Ruhe wird nicht mehr lange währen, wir sollten heute besonders gut aufpassen.?, bemerkte er. Als er glaubte für einen Moment unbeobachtet zu sein, nahm er einen großen Schluck aus seinem Kaffeebecher und kippte den Rest des Koffeingetränks mit voller Absicht in ein Lüftungsgehäuse, das direkt vor ihm stand. Ein lauter Knall war die Folge. Blitze zuckten aus der Anlage. Der Radarschirm und sämtliche Monitore fielen von einem Moment auf den nächsten komplett aus. Bis auf das Funkgerät, an dem Teela saß, ging kein Gerät ging mehr. Es herrschte Totenstille im Raum, der kurz zuvor von vom Piepen und Rauschen der zahlreichen Geräte beherrscht wurde.

?Ach verdammt, ich habe meinen Kaffee verschüttet.?, flunkerte Man-At-Arms. Er schüttelte schauspielerisch eine Hand aus und stellte den Becher auf einen Tisch. Dann begab sich Duncan zu einem Kontrollpult, und versuchte durch Drücken einiger Knöpfe die Anlagen wieder in Gang zu bringen. Doch er wusste selbst am besten, dass dies überhaupt nicht ging. Er tat es nur, um den Anderen etwas vorzumachen. ?So ein Mist. Das Radar muss unbedingt wieder in Ordnung gebracht werden, sonst sind wir komplett blind.? Er blickte zu Stratos und Teela. ?Stratos, Teela. Ich glaube ihr müsst um die Stadt herum einige Runden fliegen, um vorübergehend unser Auge zu sein. Teela, nimm dir einen Sky-Sled aus dem Hangar, Stratos kann ja alleine fliegen.?, sagte er zu den beiden. ?Ist in Ordnung, Duncan. Ich mache mich auf den Weg.?, erwiderte der Vogelmensch. Er legte sein Fernglas beiseite und verließ den Raum. Teela jedoch blieb auf ihrem Platz sitzen. Gelangweilt, trotzig aber auch etwas verwundert sah sie den Waffenmeister an.

?Vater ich glaube nicht, das dies nötig ist. Skeletor ist doch zur Zeit sowieso friedlich. Dass er ausgerechnet jetzt angreifen würde, ist doch nun wirklich unwahrscheinlich. Ich sollte am Funkgerät bleiben, für den Fall, dass jemand was von uns will.?, sagte sie zu ihm. Doch der Waffenmeister ließ sich beirren. ?Teela, du weißt doch selbst, dass Skeletor meistens immer dann zugeschlagen hat, wenn wir es am wenigsten erwartet hatten. Außerdem ist es zurzeit für meinen Geschmack etwas zu ruhig. Roboto wird den Funkverkehr überwachen, während ich die Radaranlage wieder instand setze.?

?Also gut in Ordnung, wie es der Herr befielt.?, bemerkte sie und stand von ihrem Platz auf. Sie konnte einfach nicht begreifen, weswegen sie aus ihrer Sicht sinnlose Runden über den Palast fliegen sollte. Dennoch begab sie sich zur Tür, um Stratos zu folgen. Man-at-Arms wartete, bis sie weg war. Dann wies er Roboto an, sich ans Funkgerät zu setzen Der Cyborg tat, was man ihm sagte, er ging an die Funkanlage und setze sich mit dem Rücken zu ihm ans Gerät. Genau auf diesen Moment hatte der Verschwörer gewartet, sein Kalkül ging auf. Unbemerkt schlich er an den Anderoiden heran. Er griff mit einer Hand an seinen Rücken und zwar an eine ganz bestimmte Stelle. Dort war ein Aus-Schalter, den nur er und Roboto kannte. Er betätigte in, worauf der Anderoid von einem Moment auf den Nächsten legliche Aktivität einstellte. Er ließ seinen Kopf auf den Tisch vor ihm fallen. Seine Arme hingen leblos herunter. Der Roboter saß einfach nur so da, und rührte sich nicht mehr. Diesen Zustand nutzte der Waffenmeister aus, um eine Abdeckung auf Robotos Rücken zu öffnen. Seine Absicht war es eine Plantine zu entfernen, und sie gegen eine andere auszutauschen, die er in seinem Stahlkoffer mitgebracht hatte.

****

Unterdessen holte Teela, die schnellen Schrittes unterwegs war, den Vogelmenschen im Treppenhaus auf dem Weg nach unten ein.

?Na los Stratos, beweg dich ein bisschen schneller. Ich finde es zwar vollkommen überflüssig, was wir machen, aber wenn der Herr Ingenieur meint, wir müssten Flugeinlagen vollführen, dann sollten wir das tun. Wir drehen direkt vor seiner Nase ein paar Kreise und dann war es das.?, meinte sie zu ihm und stupste ihn mehrfach an. Stratos fasste sich jedoch über seine Schulter und er bemerkte, dass er seinen Jetpack nicht auf dem Rücken hatte.

?So ein Mist, ich habe mein Jetpack oben liegen lassen. Ohne den kann ich nicht so gut fliegen.?, sagte er.
?Wenn dein Kopf nicht angewachsen wäre, würdest du den auch noch irgendwo rumliegen lassen.?, erwiderte Teela verärgert.
?Würdest du ihn für mich gerade holen, Teela??

?Ich bin doch nicht deine Dienstmagd, Stratos. Hol dir deinen Jetpack gefälligst selber. Ich schnappe mir einen Jet-Sled, und fliege ein paar Runden vorweg.?, war die zornige Reaktion der Kämpferin. Sie stieß Stratos beiseite, und setzte ihren Weg nach unten fort. Erstaunt sah der Vogelmensch Teela hinterher. In letzter Zeit war sie eher weniger gut gelaunt und nicht sehr hilfsbereit. Stratos dachte jedoch an Überarbeitung und dass sie ihre sprichwörtlichen Tage hatte. Selbst etwas entzürnt über seinen eigenen Fehler, machte er sich wieder auf den Weg nach oben. Etwas unverblümt öffnete er die Tür zum Kontrollraum, und sah mit an, wie sich Duncan an Roboto zu schaffen machte. ?Man-At-Arms, was machst du denn mit Roboto? Ist irgendetwas mit ihm??, fragte er höchsterstaunt. Als er vom Waffenmeister keine Antwort erhielt, trat er näher heran. ?Duncan hast du nicht gehört? Was ist denn mit Roboto??, hakte er noch mal nach. Als der Vogelmensch unmittelbar hinter ihm stand, ergriff Duncan plötzlich den Koffer und knallte ihn mit voller Wucht gegen Stratos Schläfe. Der Herr von Avion taumelte zurück und fiel halb benommen zu Boden. Stratos wollte wieder aufspringen, um zu fliehen. Doch Duncan war schneller. Blitzartig schnappte er sich eine Strahlenkanone, die auf einem Tisch lag, und feuerte auf den Vogelmenschen. Der Energiestoß beförderte ihn umgehend in das Reich der Träume.

Kurz darauf hörte er Schritte. Noch jemand kam die Treppe herauf. Man-At-Arms verschanzte sich schnell hinter einer Ecke, von wo aus ihn der potenzielle Angreifer nicht sehen konnte. Plötzlich knarrte die Tür etwas, welche immer noch offen stand, und Duncan spürte wie die Person langsam den Raum betrat. Noch eine kurze Zeit blieb der Waffenmeister in seinem Versteck, dann entschloss er sich, hervorzuspringen und den Gegner mit einem Laserschuß zu betäuben, so wie er es zuvor mit Stratos getan hatte. Mit gezogener Waffe stellte er sich überraschend hinter seinem Gegenüber auf und zielte auf ihn. Der ungebetene Gast war ebenfalls mit einer Strahlenkanone bewaffnet. Er bemerkte Duncan zu früh, weil er äußerst wachsam war. Blitzartig drehte er sich um, und hielt ihm die Waffe entgegen. Doch schon im nächten Moment senkte er sie wieder und schnaufte erleichtert durch.

?Boar, Duncan. Du bist es, Gott sei Dank!? Es war Buzz-Off, der den Raum betreten hatte. Im Tower wollte er kurz nach dem Rechten sehen. Doch als er den bewusstlosen Stratos am Boden liegen sah, glaubte er, dass der gemeinschaftliche Plan etwas aus den Fugen geraten sei und tastete sich deswegen mit gezogener Waffe durch den Raum. Duncan senke ebenfalls seine Waffe, und steckte sie weg. ?Was ist hier passiert??, fragte der Wespenmensch etwas besorgt, während er sich Stratos und Roboto näher ansah.

?Ich war gerade dabei Roboto umzuprogrammieren, damit er nur noch unsere Anweisungen ausführt und uns unterstützt. Da ist mir Stratos in die Quere gekommen. Er hat versucht, Ärger zu machen.?, führte Arms aus.

?Zumindest ist er jetzt unschädlich. Ich bringe ihn besser gleich in die Arrestzelle. Zurzeit ist der Weg dorthin frei von Menschen.?, erwiderte Buzz-Off und hiefte dabei Stratos auf die Schulter.

?Ich setze grade noch den anderen Chip in Roboto ein und fliege dann nach Grayskull, Ram-Man ist auch schon dort. Wenn ich von dort aus das Signal gebe, könnt ihr losschlagen.?

?Übrigens, Duncan. Ich habe vor ein paar Minuten Funkkontakt mit Grayskull gehabt. Seid bitte vorsichtig, ihr werdet dort nicht alleine sein.?, sagte sein Partner noch, bevor er den Raum verließ.

****

Ca. eine halbe Stunde später im Wohnflügel des Palastgebäudes. Man-E-Faces, der dreigesichtige Kämpfer der Masters und begeisterter Schauspieler, verließ gerade sein Wohnquartier, um sich nach draußen zu begeben. Sein Ziel war der Palastgarten, dort wollte er die Stille für sich nutzen, um einen kleinen Text für seine nächste schauspielerische Darbietung einzustudieren. Zuvor trieb es ihn in den Fuhrpark der königlichen Luftwaffe. Dort wollte er auf den Dienstplan schauen, um seine Einteilung für die nächste Woche zu erfahren. Als er dort eintraf, sah er Man-At-Arms. Der Chef-Mechaniker machte gerade einen Talon-Fighter startklar, als er den Schauspieler sah.

?Hallo Man-E-Faces, auch schon so früh auf den Beinen??, begrüßte er das Dreigesicht freudig.
?Ich will einfach den Morgen nutzen für einige Proben, Duncan. Zuvor wollte ich auf den Dienstplan schauen. Sag mal, was machst du eigentlich hier schon so früh im Flugzeughangar??, erwiderte Man-E-Faces.
?Ich muss für die Sorceress einen Auftrag erfüllen und wenn ich es mir recht überlege, kann ich deine Fähigkeiten dabei gut gebrachen. Willst du mich nicht unterstützen??

Der Schauspieler dachte nach. Eigentlich wollte er sich ja vielmehr für sein nächstes Theaterstück vorbereiten, zumal es ja auch sein erster freier Tag seit Langen war. Doch Einsätze im Dienste der Zauberin waren immer sehr wichtig. Deswegen entschied er sich mitzufliegen, und willigte schließlich ein. Der Waffenmeister vollzog noch letzte Vorbereitungen am Talon-Fighter, bevor die beiden einstiegen und losflogen. Als die Flugmaschine sich in die Lüfte in Richtung Grayskull erhob und bereits ein gutes Stück vom Königspalast weg war, begann Duncan ein Gespräch mit seinem Co-Piloten.

?Sag mal Man-E-Faces, hast du in letzter Zeit auch öfters Probleme mit He-Man??, fragte er.
?Nein, habe ich nicht. Warum fragst du das??, war die erstaunte Reaktion seines Gegenübers.
?Weißt du die Tatsache, auch weiterhin mit diesem inkompetenten Muskelprotz Eternia verteidigen zu müssen, bereitet mir Kopfschmerzen. Und ich glaube, dass viele Masters mit mir einer Meinung sind. Was denkst du??

Man-E-Faces war verwundert darüber, wie Man-At-Arms so über den Stärksten der Starken reden konnte. Immerhin zählte er zu seinen besten Freunden, und auch sonst war He-Man doch immer ein gern gesehener, hilfsbereiter und umgänglicher Mensch, so dachte er zumindest über ihn. Er musste überlegen, was er darauf am besten antworten sollte, und brauchte dafür Zeit. Doch diese Zeit gab ihm sein Gesprächspartner nicht. Er hakte sofort nach.

?Also was denkst du??, fragte Duncan
?Ähmm..über was soll ich denken??, erwiderte Man-E-Faces unsicher.

?Über das, was ich eben sagte. Dass viele mit den Leistungen He-Mans nicht zufrieden sind. Aus dem selben Grund wird die Sorceress vermutlich auch keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen. Stimmst du mir da nicht zu??

?Warum habe ich das Gefühl, dass dies hier eine Art Test oder soetwas ist??, hakte der dreigesichtige Kämpfer nach.

?Deine Meinung interessiert mich einfach, Man-E-Faces.?, erwiderte Duncan und sah ihn dabei an, ?Du bist ein guter Kämpfer mit deinen drei Gesichtern, und ich mag dich. Es wäre bedauerlich, wenn dir etwas zustoßen würde.?

Jetzt wurde es dem Dreigesicht zu bunt. Ganz genau wollte er jetzt von Man-At-Arms wissen, was er mit seinem Gerede bezwecken wollte.

?Hör mal zu, Duncan. Bevor ich auf deine Frage überhaupt antworte, sage mir jetzt klipp und klar, auf was du eigentlich hinaus willst!?, forderte er nachhaltig.

Man-At-Arms blickte den Mann mit den drei Gesichtern ernst an, und sagte:

?Die Sorceress und He-Man fliegen heute zu einer wichtigen Mission weg. Ich werde ihre Abwesenheit dazu nutzen, um einige Veränderungen für Eternia vorzunehmen und Skeletor ein für allemal den Garaus zu machen. Es ist nicht mit der Sorceress abgesprochen und sowieso ist es an der Zeit, dass jemand Neues über die Geheimnisse der Burg wacht. Deswegen habe ich dafür gesorgt, dass He-Man und Teelana in eine Falle geraten, aus der sie nicht wieder herauskommen. Sie sollen nicht verhindern, dass der Knochenkopf beseitigt wird und ich die Herrschaft über Eternia an mich nehme. Viele unserer Freunde machen bei diesem Vorhaben mit.?

?Duncan, was du da vorhast ist Verrat. Willst du das wirklich durchziehen??, fragte Man-E-Faces geschockt.

?Und wenn die Schlacht beginnt, muss ich wissen auf welcher Seite du stehst.?, erwiderte der Waffenmeister. Dem Schauspieler wurde ganz anders. Ihm beschlich ein furchtbares Gefühl, dass es doch besser gewesen wäre, nicht mit Duncan in den Talon-Fighter zu steigen.


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