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Schleichendes Gift
Zwangsurlaub
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| Schleichendes Gift Zwangsurlaub |
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Als Duncan aus dem Fenster blickte, registrierte er überrascht, dass sich König Randor der Werksatt näherte. Sein Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Ausgerechnet heute, wo der Waffenschmied noch mit dem Kater des vergangenen Abends kämpfte, musste sein Freund hier auftauchen. Der oberste Ingenieur verdrückte sich rasch in den nächsten Waschraum, um sich das Gesicht mit Wasser zu kühlen und die Haare zu ordnen. Viel brachte das jedoch nicht. Der Mann fluchte unterdrückt, straffte sich dann, um dem Regenten gegenüberzutreten.
?Guten Morgen, Randor. Was führt dich zu uns?? Der König musterte den Freund, den er so gut zu kennen glaubte, überrascht. Der ehemalige Kamerad sah aus, als hätte man ihn gerade erst geweckt und gezwungen, sich so schnell wie möglich anzuziehen. Duncan, der selbst im Einsatz unter schwierigsten Bedingungen genau darauf geachtet hatte, so gepflegt wie möglich auszusehen. Der Regent fasste sich schnell. Der Anlass war einfach zu wichtig. ?Wir haben einen Verräter in der Werkstatt, der unter der Hand Pläne verkauft. Wie weit seid ihr mit dem Großauftrag aus Avion? Es wird den Vogelmenschen gar nicht gefallen, wenn den jeder einsehen kann.? Großauftrag? Der Waffenmeister durchwühlte sein Gedächtnis nach diesem besagten Großauftrag. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, wovon hier gesprochen wurde. Schließlich trat er die Flucht nach vorn an. ?Es gab keinen Großauftrag aus Avion, jedenfalls nicht die letzten Monate.? ?Natürlich gab es den! Er ist keine drei Wochen alt! Stratos sagte, er habe ihn persönlich an einen deiner Mitarbeiter übergeben!? Duncan setzte alles auf eine Karte. ?Gut, dann sehen wir in den Arbeitsfächern nach. Überzeuge dich selbst, dass nichts dieser Art vorhanden ist.? Ein anderer König hätte vielleicht seine Untergebenen mit der Suche beauftragt. Randor durchwühlte jedoch selbst die Fächer. Er schien nichts zu finden und der Waffenschmied atmete auf. Allerdings nicht lange. Unglücklicherweise zog der Regent plötzlich das Gesuchte hervor. Mit unterdrücktem Zorn trat er seinem Waffenmeister entgegen. ?Hier ist er doch! War es dir zuviel, mal zwei Blatt Papier bei Seite zu schieben? Dann arbeite die Aufträge ab, sobald sie ins Fach gelangen und schiebe sie nicht endlos auf! Wie stehen wir denn jetzt vor den Vogelmenschen dar? Wir können euch zwar nichts liefern, aber dafür weiß ganz Eternia Bescheid, wie euer künftiges Abwehrsystem aussieht?? Man hätte eine Stricknadel fallen hören können. Alle anderen Arbeiter hatten ihre Tätigkeiten unterbrochen und lauschten der Standpauke, die ihr Chef erhielt. Trydor witterte seine Chance. Jetzt oder nie! ?Das passiert hier nicht das erste Mal. Wir alle machen uns hier große Sorgen um Duncan. Er kann einfach nichts mehr behalten.? ?Du bist ruhig?, zischte Tron dem jungen Arbeiter zu. ?Nein, lass ihn reden. Ich will das jetzt genau wissen?, forderte der König in erschreckend ruhigem Ton. Scope schilderte mit wenigen Worten die Geschehnisse der vergangenen Wochen und ließ auch die missglückte Feier nicht aus. Randors Mine verdüsterte sich immer mehr. Duncan starrte scheinbar unbeteiligt auf seine Hände. Er verteidigte sich nicht, weil es nichts zu Verteidigen gab. Er hatte so aufgepasst und doch hatte er wieder einen Fehler begangen. Randor versuchte seinem Freund in die Augen zu sehen, doch der wandte sich ab. Der Regent atmete tief durch: ?Ist es wahr, was der Junge erzählt?? ?Ja.? ?Gut, dann bleibt mir nur noch eines zu tun. Duncan, du bist für die nächsten sechs Wochen beurlaubt. Gib die Uniform, die dich als Man-at-Arms auszeichnet, an der Kleiderkammer ab. Wenn du bis dahin deine Probleme gelöst hast, kannst du sie wieder holen. Auf weiteres hat hier Tron deine Position, Jona ist sein Stellvertreter.? Man konnte nicht sagen, wer entsetzter aussah, Trike oder der Waffenmeister. Randor wandte sich an den jungen Arbeiter. ?Ich weiß, du bist sehr fähig. Eine Führungsposition gebe ich jedoch nur an Leute mit einer gewissen Erfahrung.? Skeletors künftiger Spion biss die Zähne zusammen und lächelte süßsauer. Der ganze Aufwand umsonst. Vielleicht wusste Lyn einen Rat. Der oberste Ingenieur wurde bitter: ?Ich dachte, wir wären Freunde. So lange ich funktioniere, ist alles in schönster Ordnung, sobald etwas nicht klappt, tauscht du mich aus wie eine alte Maschine! Danke, jetzt weiß ich, woran ich bin.? ?Es ist doch nur zu deinem Besten! Ein Blinder sieht, dass du Erholung brauchst!? ?Ich brauche meine Arbeit und meine Familie, dann geht es mir blendend!? Randor holte tief Luft. Was er jetzt sagte, war hart, aber anders war der ehemalige Kamerad ja nicht zur Vernunft zu bringen. ?Es hat nichts mit unserer Freundschaft zu tun. Die Stellung des Man-at-Arms ist zu verantwortungsvoll, als dass ich sie mit einem Trinker besetzen kann. Und jetzt gebe deine Uniform ab! Sofort!? Teelas Ziehvater tat roboterhaft, wie ihm geheißen. Seine Arbeiter und Lehrlinge wirkten unangenehm berührt. Duncan verließ mit schnellen Schritten die Werkstatt. Er wollte vorerst niemanden mehr sehen oder sprechen. Zur gleichen Zeit rutschte Adam auf den Knien herum, um eine weitere Bescherung Cringers aufzuwischen. Der junge Tiger wurde einfach nicht stubenrein. Marlena hatte dem Jungen ein Ultimatum gestellt: Entweder, der Tigerwelpe lernte innerhalb der nächsten zwei Wochen sich nur noch draußen zu erleichtern, oder er musste in den zoologischen Garten. Für Adam war das keine leichte Aufgabe. Als Königssohn hatte er fast immer bekommen, was er sich wünschte. Nun musste er das erste Mal um etwas kämpfen. ?Na, macht es Spaß??, vernahm der Prinz eine spöttische Stimme. Er sah auf und erblickte den Werkstatt-Trottel Arn. ?Wenn du so schlau bist, dann hilf mir doch?, giftete Adam den älteren Jungen an ?Lass ihn auf ein Stück Papier machen und lege es nach draußen. Wenn du merkst, dass er mal muss, dann bringst du ihn nach draußen zu dem benutztem Papier. Meist kapieren die Viecher dann, worum es geht.? Adam war erstaunt. ?Dass du so was weißt.? ?Nur weil ich ungeschickt bin, muss ich ja noch lange nicht dumm sein, oder?? Arn erhob sich abrupt und ging. Er bemerkte nicht, wie ihm aus seiner unordentlich gepackten Tasche ein Stück Papier rutschte. Der Königssohn rief ihm nach, doch er hörte es nicht mehr. Adam hob das Papier auf. Es zeigte eine sehr gelungene Zeichnung einer Pflanze. Interessanter war allerdings das untere Ende des Blattes. Das Wort ?Treffen? war dort mehrmals zu lesen, allerdings in sechs unterschiedlichen Schriftzügen. Es sah aus, als hatte er die Schrift einer anderen Person nachahmen wollen und auch das war ihm geglückt. Der erste Schriftzug hatte keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit dem letzten. Der Prinz beschloss, Teela von dieser Entdeckung zu erzählen. Er suchte die Kameradin auf, die über den Aufgaben saß, die der Privatlehrer aufgegeben hatte. Das Mädchen schient bedrückt, zeigte aber ein spöttisches Lächeln, als sie Adam erblickte. ?Na, hat dein Stinke-Tiger wieder zugeschlagen?? ?Wie kommst du darauf??, wich der Junge aus. ?Man riecht es!? ?Ich wollte dich etwas fragen. Kennst du diese Pflanze?? Teela überlegte. ?Nein, aber ich kenne jemanden, der uns da weiterhelfen könnte. Am Ende des Dorfes Karg wohnt so ein komischer Kauz. Du weißt schon, der immer eine Maske trägt. Der kennt sich mit so was bestimmt aus.? Adam erschrak. Dieser Mann galt als unheimlicher Zauberer, der von den meisten gemieden wurde. Wenn der allerdings weiterhelfen konnte, so war es das Risiko wert. Der Königssohn konnte sich sein Interesse an Arns Zeichnung selber nicht erklären. Er hatte einfach das Gefühl, dass damit etwas nicht stimmte. Zwei Stunden später schaffte er es, sich mit Teela aus dem Palast zu schleichen. Für Streiche dieser Art war das rothaarige Kind immer zu haben. Sie vergaß dabei sogar für eine Weile ihren Kummer. Vor dem Haus des unheimlichen Mannes verlies allerdings Teela der Mut. ?Ich glaube, wir sollten da nicht reingehen. Es sieht hier komisch aus.? ?Nein. Jetzt sind wir schon so weit gekommen, jetzt führen wir es auch bis zu Ende durch.? Entschlossen klopfte der Prinz an der Tür. Nichts rührte sich. ?Er ist nicht da. Lass uns heimgehen,? drängte das Mädchen. Im nächsten Moment öffnete sich die Tür und die beiden Kinder blickten die Maske des Mannes an, den die Bewohner des Dorfes nur ?Faceless-One? nannten. ?Hallo. Was führt euch denn zu mir??, fragte der Magier nicht unfreundlich. Adam gab sich einen Ruck. ?Wir möchten Euch fragen, ob Ihr diese Pflanze hier kennt.? Der Königssohn hob die Zeichnung hoch. ?Weißes Hirtenkraut. Eine wunderbare Heilpflanze, doch man muss sie vorsichtig anwenden. Ich habe sie selbst im Garten.? Teela forschte scheu: ?Was passiert, wenn man zuviel davon nimmt? ? Faceless-One gab bereitwillig Auskunft. Fast schien es ihn zu freuen, dass jemand mit ihm sprach und Interesse an seiner Kunst zeigte. ?Sie verstärkt die Wirkung von anderen Arzneien und von Alkohol um ein Vielfaches. Deshalb darf sie nie in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingenommen werden. Außerdem kann sie Verwirrungszustände auslösen. In der richtigen Dosis jedoch ist sie ein ausgezeichnetes Schlaf- und Beruhigungsmittel. Wieso interessiert dich das? Willst du mal eine Heilerin werden?? ?Nein, ich werde Soldatin!? Der Mann seufzte tief. ?Meine Tochter interessiert sich auch nicht dafür. Sie ist so ein ehrgeiziges Mädchen, aber sie verschwendet ihre Begabung.? ?Ihr habt eine Tochter??, fragte Adam ungläubig. ?Ja, sie ist jedoch zurzeit unterwegs. Evelyne ist ein gutes Mädchen, sie steckt nur mit den falschen Leuten zusammen.? Teela und Adam verabschiedeten sich. Sie hatte gerade das Haus verlassen, als Adam Teela ins nächste Gebüsch schubste und zischte: ?Bleib unten! Da ist die Freundin von Trydor!? Das Mädchen spähte durch die Blätter: ?So eine fade Freundin hat der?? ?Glaub mir, die sah vor zwei Nächten noch ganz anders aus!? Es war zweifellos die unheimliche Frau, die Adam nachts mit dem jungen Arbeiter gesehen hatte. Größe, Statur und Stimme passten, allerdings trug sie jetzt einen langen Rock und ein langes, unauffälliges Oberteil. Ihr Haar war nach hinten gekämmt, das Gesicht ungeschminkt. Nichts erinnerte mehr an die aufreizende junge Dame im Schlossgarten. ?Ich bin wieder da, Papa?, flötete sie. Lyn war hoch zufrieden. Sie hatte einen weiteren Nachmittag bei dem geheimen Bund verlebt und ihre Kenntnisse in Schwarzer Magie vertieft. Eines Tages würde Keldor ihre Fähigkeiten erkennen. Er würde gar nicht anders können, als sie zu lieben. |
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