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: 01.12.2004
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   Die Geschichte von Gold? Aur    Kapitel 1
Die Geschichte von Gold? Aur
Kapitel 1
Er sah hinunter auf seine Hände. Ein leichtes Schimmern war noch zu erkennen. Seine rechte Schläfe pochte ein wenig, ihm war wohl ein Äderchen im Auge geplatzt. Doch es war die Anstrengung wert. Langsam wurde das Bild vor ihm klarer, sah er, was er gerade geschaffen hatte. Ein Gefühl der Befriedigung kam in ihm hoch, Stolz erfüllte ihn. Er sah sein Können als Kunst, sich selbst als wahren Meister, nein, in einem Anflug von Größenwahn eher noch als größten Künstler seiner Zunft. Und doch war er in gewisser Hinsicht ein Schwindler.

"Vater?"- Plötzlich hörte er eine Stimme hinter sich, schrak zusammen und fuhr herum, versuchte dabei, seine Hände zu verbergen.
Neugierig blickten ihn die Augen seiner Tochter an. "Vater, was.... hmmmm..", einen Moment lang schien sie zu überlegen. "Ich kann nicht schlafen, liest Du mir bitte eine Geschichte vor?". Auros lächelte seine Tochter an, der Schrecken war schon verflogen. Das Gefühl, ertappt worden zu sein wich Erleichterung. "Komm, mein Schatz, ich bringe Dich ins Bett". Er legte das Amulett, welches er gerade gefertigt hatte, auf den Tisch., einen flüchtigen Blick auf seine Hände werfend. Sie sahen wieder normal aus, ganz normale Hände eines ganz normalen Goldschmiedes. Seufzend stand er auf. Müdigkeit überkam ihn und so folgte er seiner Tochter die Stufen hinauf zu den Schlafkammern. Aufgeregt fing sie an zu betteln: "Erzählst Du mir wieder die Geschichte von den flüsternden Wäldern?"- "HA!", lachte er zurück, "wenn ich Dir so etwas Gruseliges erzähle, dann schläfst Du mir ja gar nicht mehr ein!".

Die Treppe wurde von goldenen Kerzenhaltern beleuchtet, welche in den Stein eingelassen worden waren. Auros löschte eine Kerze nach der anderen auf seinem Weg nach oben. Doch noch bevor er die letzte Stufe erreicht hatte und das letzte Licht verloschen war, erschienen in der Dunkelheit zwei Augen, verborgen vor seinem Blick in der hintersten Ecke der Werkstatt. Es waren rote, fürchterliche, dämonische Augen und sie schienen in der Luft auf und ab zu schweben. Langsam und doch rastlos durchdrangen sie die Dunkelheit des Raumes, auf der Suche nach etwas, begierig flackernd und beängstigend. Mit weit aufgerissenen Pupillen starrten sie auf das Amulett, umkreisten den Tisch und fixierten es dabei ohne Unterlass. Eine Hand erschien aus dem Nichts, knochig und dürr, fast wie die Hand einer Mumie, leblos und doch nicht tot. Langsam näherten sich die Finger dem Schmuckstück, bereit danach zu greifen. Einen Moment lang hielten sie inne, fast schien es, als zögerte das unheimliche Wesen, doch dann packte es zu, umschloß das kunstvoll gearbeitete Stück Gold und liess es in der Dunkelheit verschwinden. Ein leises Kichern entwich der alten Hexe, sie spürte Genugtuung bei dem was sie tat.

Da erschien auf einmal ein Lichtschein am oberen Ende der Treppe. "Wer ist da?" rief Auros herab. Genauso schnell, wie sie aufgetaucht war, entschwand die mysteriöse Gestalt wieder in der Nacht. Der Goldschmied rannte die Treppe herab, die Kerze in der Hand so heftig hin und her wedelnd, dass sie erlosch. Ein leiser Fluch entwich ihm, als er sich am Wachs verbrannte. Mit zitternder Hand versuchte er, ein Streichholz zu entzünden, doch es gelang ihm erst beim dritten Versuch.

Sofort fiel sein Blick auf den Tisch. Mit offenem Mund starrte er auf die Stelle, wo eben noch das Amulett gelegen hatte. Wer konnte...? Wer würde...? Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Wie war der Dieb in die Werkstatt eingedrungen? Er überprüfte die Tür. Nichts. Keine Spuren von gewaltsamem Eindringen. Dann das Fenster. Auch hier: Nichts. War das Amulett vielleicht nur vom Tisch gefallen? Er bückte sich, hielt die Kerze vor sich, um unter den Tisch zu leuchten. Ein Lichtschein fiel auf sein Gesicht, das kurz glänzte, nicht vom Schweiß, der ihm langsam von der Stirn lief- es war etwas anderes. Aber nur für den Bruchteil eines Augenblickes, dann war der Glanz wieder verschwunden.

Auros stand wieder auf, redete sich selbst ein, dass er das Amulett am nächsten Tag finden würde, um sich selbst zu beruhigen. "Vater, was ist los?", rief es auf einmal von oben herab. "Es ist nichts, mein Schatz, geh wieder schlafen...". Er atmete einmal tief durch. Dann drehte er sich um, wandte den Blick zur anderen Seite des Raumes und da sah er sie an der Wand- die rote Fledermaus, Symbol des Schreckens, eingebrannt in den Putz der Wand, wie ein böses Omen...
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