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: 01.12.2004
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   Die Geschichte von Gold? Aur    Kapitel 3
Die Geschichte von Gold? Aur
Kapitel 3
Es war dunkel. Unangenehme Gerüche stiegen ihm in die Nase. Doch daran hatte er sich bereits gewöhnt. Es war die Feuchtigkeit, die ihm mehr zu schaffen machte. Der Boden war kalt und nass und liess seine Wunden schlecht heilen. Angestrengt lauschte er der Dunkelheit. Aus der Nachbarzelle kam ein leises, qualvolles Stöhnen, irgendwoher hörte er das Rasseln einer Kette. Seit drei Tagen saß er nun schon hier, immer wieder wurde er von Troopern zum Verhör abgeholt. Doch er kannte das Geheimnis nicht, wusste nicht, wo sich die Rebellen aufhielten, die sein Dorf so tapfer gegen die Horde verteidigt hatten. Er wusste nur, dass der Wirt des Öfteren Einige von ihnen beherbergte. Aber bislang war er standhaft geblieben, hatte kein Wort verraten. Denn auch er hasste die Truppen der Horde, die ihn in Armut gestürzt hatte, durch immer höhere Steuern und Raubzüge. Die sein Land verwüstet und so viele gefangen, gefoltert und getötet hatten.

Wieder hörte er das Stöhnen. "Geht es Dir gut, alter Mann?", fragte er. Das Licht einer Fackel am Ende des Ganges warf mehr Schatten als Licht in die Zelle, ließ schemenhaft Konturen erkennen. Seine Hände schmerzten von den Fesseln, die man ihm angelegt hatte, seine Füsse spürte er kaum noch vor Kälte. Man hatte ihm die Kleidung genommen, ließ ihm gerade genug, um seine Scham zu bedecken. Der Rücken schmerzte von den Peitschenhieben, die er im Verhör erleiden musste.

Das Stöhnen aus der Nachbarzelle wurde lauter. "Hast Du Schmerzen?", fragte er wieder. Das Geräusch verstummte. Einige Sekunden vergingen ohne den geringsten Laut. Dann sprach der Mann mit gebrochener Stimme: "Er war es. Er hat es getan". Dann war wieder Stille. Diese unheimliche Stille, die sich seit schon zwei Tagen breit machte. Als er vor drei Tagen ankam, waren die Zellen überfüllt von Menschen. Meist Unschuldige, die den Patrouillen der Horde zum Opfer gefallen waren. Nach den letzten Aktionen der Rebellen hatten sich die Kontrollen verstärkt, willkürliche Razzien hielten die Bürger in Atem, wahllos wurden Menschen deportiert. Aber das war nun nicht mehr so. Die Zellen waren leer. Nach und nach hatte man sie abgeführt, zum Verhör. Aber man brachte nur Wenige zurück, diejenigen, von denen sich die Horde Informationen erhoffte. Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Wo waren die Menschen hingebracht worden? Was hatte man ihnen angetan? Hatte man sie vielleicht wieder gehen lassen?

"Du darfst ihnen nichts sagen, nichts verraten...", sprach der Alte weiter. "Egal, was er Dir antut, wie schlimm es erscheinen mag, Du musst es ertragen...", bettelte er mit schmerzverzerrter Stimme, "versprich es mir!"

"Ich weiß doch gar nichts", antwortete der Gefangene, "nichts, dessen Geheimnis sie mir entlocken könnten." - wieder Stille. Dann hörte man Schritte, die näher kamen. "Lass es nicht zu!", schrie der Mann nun mit schriller Stimme, sein Gesicht eng ans Gitter gepresst. Im Schein der Fackel konnte er den alten Mann für einen Augenblick erkennen, doch was er sah, war schrecklicher, als alles, was er bislang kannte. Das Antlitz des Alten war furchtbar entstellt, fast so als wären ihm durch eine Explosion Metallsplitter ins Gesicht geflogen und hätten es durchbohrt. Doch diese Splitter waren nicht in ihn eingedrungen, es sah beinahe so aus, als wären sie aus seinem Gesicht geborsten.

Die Zellentür wurde aufgerissen. "Mitkommen!", befahl ein Trooper. Der Gefangene wurde an der Schulter gepackt und aus seinem Verließ gezerrt. Zuerst stolperte er, hatte er doch stundenlang am Boden gehockt. Seine Beine wollten noch nicht dem Kopf gehorchen. Doch das interessierte die Trooper nicht. Sie schleiften ihn weiter durch die Fright Zone. Es kam ihm wie Stunden vor. Dann beförderten sie ihn in einen hell erleuchteten Saal, warfen ihn auf den Boden.

Es erschien ihm unendlich schwer, die Augen zu öffnen, das gleißende Licht schmerzte. "So sieht man sich wieder... Nun erzähle uns, was Du weißt oder trage die Konsequenzen!", hörte er eine tiefe Stimme. Er versuchte, sich halb aufzuraffen, blinzelte, um zu erkennen, wer da vor ihm stand. Dann erkannte er ihn und riss die Augen weit auf. Es war Hordak, der oberste Befehlshaber der Horde selbst, grausamer als jeder Feldherr vor ihm- ohne Gewissen, ohne Reue für seine Taten.

"Ich weiß nichts", fing er an zu stammeln, von der Gestalt vor sich zu Tode erschrocken- "Ich weiß wirklich nichts....bitte...!", fing er an zu flehen. Hordak blickte auf ihn herab, hielt einen Moment inne. Dann machte er eine Handbewegung. Eine zweite Gestalt trat hinter Hordak hervor, blickte auf ihn hinab. Er erkannte den Mann, aber verstand es nicht. "Au... Auros?" Was machte der Goldschmied seines Dorfes hier? War er etwa ein Verräter?

Auros erhob die Hand, die Handfläche ihm entgegen gerichtet. Ein Gefühl der Wärme stieg in ihm hoch, zunächst eine angenehme, wohlige Wärme. Doch schon nach ein paar Sekunden wurde sie zu Hitze, als das Eisen in seinem Blut anfing, sich zu verändern, ein Teil fing an zu Kochen, ein anderer begann, miteinander zu verschmelzen. Die Schmerzen wichen unsagbaren Qualen, doch er vermochte nicht zu schreien, da es ihm gleichzeitig die Kehle zuschnürte. Er spürte, wie seine Haut am ganzen Körper aufplatzte, sich Metall den Weg nach aussen suchte, ihn zucken und sich vor Schmerzen verrenken liess. Er erstarrte zu einer bizarren Skulptur, nicht mehr fähig, einen einzigen Muskel zu bewegen. Mund und Augen weit aufgerissen, starrte den Goldschmied an, nur noch einen letzten Gedanken fassend: "Warum?". Dann hörte sein Herz auf zu schlagen.

Auros senkte langsam die Hand und blickte zu Boden. Seine Augen waren blutunterlaufen, seine Hand schimmerte golden. Er drehte sich zu Hordak um, hob bedächtig den Blick und schaute direkt in die hämisch grinsende Fratze des Hordeführers. "Ich habe meinen Teil erfüllt, nun erfülle Du den Deinen!". Eine goldene Träne lief über seine Wange, versiegte auf seiner Haut...
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