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Die Vögel in den Bäumen sangen ihr fröhliches Lied. Die Himmel war klar und azurblau, es war kein Wölkchen zu sehen. Die beiden waren schon früh am Morgen aufgebrochen, um rechtzeitig ihr Ziel zu erreichen. Es war ein herrlicher Tag zum Wandern. Argentos hatte seinem Sohn versprochen, ihm die sagenumwobenen, leuchtenden Berge zu zeigen, die in ihrem Dorf schon seit Jahrhunderten immer wieder für Märchen und phantastische Geschichten gesorgt hatten. Manche glaubten, auf diesen Bergen würden die Seelen der Vorfahren verweilen, die über ihre Angehörigen wachten, andere glaubten an die Geschichte einer mächtigen, aber gerechten und gütigen Magierin, die von einem Kristallpalast aus einst über das Land geherrscht hatte. Wieder andere waren von der wissenschaftlichen Sichtweise überzeugt und glaubten an kosmische Winde, die den Bergen ihren magisch erscheinenden Glanz verliehen.
Argentos hatte einen Lehrling eingestellt und inzwischen war dieser so weit in seiner Ausbildung, dass er ihm für ein paar Tage das Geschäft anvertrauen konnte. Endlich einmal Zeit, die er mit seinem Sohn verbringen konnte. Und doch war es keine unbeschwerte Zeit, denn immer wieder musste er an die Gerüchte denken, die sich in letzter Zeit breit machten, von einer fremden Streitmacht, die gekommen sei, um den Planeten zu unterjochen. Es hieß, sie seien unaufhaltsam und würden erst halt machen, wenn auch der letzte Fleck Erde auf Etheria unter ihrer Kontrolle sei.
Dies war auch ein Grund für ihn, einmal Zeit mit seinem Jungen zu verbringen. Auf ihrer Wanderung kamen sie an schimmernden Seen vorbei, grünen Wäldern und prachtvollen Blumenwiesen. Doch die größte Augenweide war das Ziel selbst: Die leuchtenden Berge. Zwar war der Aufstieg etwas mühsam, doch das störte die beiden nicht. Emsig kletterte der Junge voran, dicht gefolgt von seinem Vater, der mit wachsamem Auge jeden Schritt verfolgte. Gegen Mittag legten sie dann eine Rast ein. Argentos packte seine Tasche aus, eine edle Ledertasche zum Umhängen, mit einer kunstvoll gestalteten Schnalle. Die Tasche hatte seine Frau gefertigt, mit einer Schnalle, die er selbst entworfen hatte. Deshalb hielt er sie in Ehren und nahm sie überall mit hin. Zwar war sie an den Ecken schon ziemlich abgewetzt, aber sie erinnerte ihn an seine Frau, die er über alles geliebt hatte.
Argentos packte alles auf eine kleine Decke: Einen halben Laib Brot, herzhaften Schinken, ein großes Stück Ziegenkäse, Wein und Saft für den Jungen. So sassen die beiden auf einem Felsvorsprung und genossen ihre Vesper inmitten der Berge. "Wir müssen uns ein wenig sputen", sagte der Vater zu seinem Sohn. Es dauert nur noch wenige Stunden, bis das Leuchten einsetzt - und wir wollen es ja aus nächster Nähe beobachten. Ausserdem sollten wir noch ein paar Erzproben sammeln, wenn wir schon einmal hier sind." Der Junge schaute seinen Vater an und grinste "Dad, kannst Du denn immer nur an die Arbeit denken? Dann blickte er zur Seite und zeigte auf etwas, dass er zuvor schon gesehen hatte. "Reicht uns dieses Erz hier?". Argentos schaute erstaunt. Dass Erz einfach so an der Oberfläche lag, war ungewöhnlich, aber dann noch direkt da, wo sie sich niedergelassen hatten?- Seltsam. "Pack nicht zu viel ein, wir haben noch einen langen Weg vor uns", ordnete er an. Der Junge stekte sich ein paar Klumpen in die Tasche, wog sie mit beiden Händen, um abzuschätzen, ob er das Gewicht tragen könne. Argentos packte die Reste des Essens ein und verstaute sie wieder in der Ledertasche.
Wenige Stunden später war es dann so weit. Die beiden standen am Rande einer Schlucht und warteten. Einmal im Monat kamen die Lichter und hüllten die Berge in ein magisches Licht und heute war es wieder so weit. Zuerst begann es unten in der Schlucht. Dann stieg ein Lichtwirbel auf, hüllte die umgebenden Berge in gleißendes Licht. Die beiden hielten sich für einen Moment die Augen zu, um sich daran zu gewöhnen. Noch nie hatte der Junge so etwas Phantastisches gesehen. Neugierig öffnete er die Augen. Doch kaum hatte er sie geöffnet, erschrak er- viele kleine Lichter schwirrten um ihn herum, wie ein Insektenschwarm. Und nicht nur das- sie flogen auf ihn zu, drangen in seinen Körper ein und kamen auf der anderen Seite wieder zum Vorschein. Doch er spürte nichts dabei, keinen Schmerz, keinen Unterschied.
Argentos erschrak, als er es sah, versuchte mit wild fuchtelnden Armen, die vermeintliche Bedrohung zu vertreiben und seinen Sohn zu beschützen. Dann plötzlich ein Schrei- und er stürzte. Die Kante des Felsvorsprunges, auf dem sie standen, hatte unter den heftigen Bewegungen nachgegeben und er war etwa zwei Meter tief gestürzt, konnte sich mit letzter Kraft an einer Wurzel festhalten.
Der Junge reagierte sofort, legte sich flach auf den Boden, warf die Tasche zur Seite und streckte die Hand nach seinem Vater aus. Da bemerkte er etwas. Als er zur Seite sah, schien es fast so, als ob es die Lichter nun auf seine Tasche abgesehen hätten. "Das Erz!", schoß es ihm durch den Kopf. Er griff nach der Tasche und warf sie in hohem Bogen ins Tal- die Lichter folgten ihr. "Halte aus!" Rief er seinem Vater zu, doch sein Arm war zu kurz, er konnte ihn nicht erreichen. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, wie er wieder hinauf klettern könnte. Da durchzog ein stechender Schmerz seine Schläfe. Er schloß die Augen. In Gedanken stellte er sich vor, wie sein Vater eine Treppe hinaufliefe. Dann Dunkelheit...
"Auros! Wach auf!", rief sein Vater. Der Junge war in Ohnmacht gefallen. "Was...?", weiter kam er nicht. "Sieh Dir das an!", rief Argentos und zeigte in die Schlucht, wo er eben noch um sein Leben gekämpft hatte. Der Junge blickte hinab. Es schien so, als hätte jemand Stufen in den Fels gehauen, jedoch schimmerten sie wie Metall. Fragend blickte er seinen Vater an. Dabei floß ihm eine goldene Träne die Wange hinunter...
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