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: 01.12.2004
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   Die Geschichte von Gold? Aur    Kapitel 7
Die Geschichte von Gold? Aur
Kapitel 7
Vorsichtig schlichen sie sich zum Hintereingang. Auros legte sein Ohr an die Tür, lauschte. Kein Geräusch drang aus der Werkstatt. Langsam steckte er den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn, ohne ein Geräusch zu machen. Wenn sie die Flucht der beiden bereits bemerkt hatten, so konnten sie ihnen dicht auf den Fersen sein, vielleicht sogar schon auf sie warten. Er öffnete die Tür einen spaltweit, lugte um die Ecke. ?Du wartest hier!?, flüsterte er seiner Tochter zu. Dann trat er langsam ein. Raum für Raum tastete er sich an der Wand entlang, um sicher zu gehen, dass sie der Horde nicht direkt in die Falle gingen. Als er auch das Obergeschoß durchsucht hatte, atmete er erleichtert auf.

Er zündete eine kleine Kerze an und ging die Treppe hinunter. Der Schein fiel auf das Horde- Symbol, welches immer noch an der Wand prangerte. Für einen Moment hielt er inne, kalt lief es seinen Rücken herunter. Die Horde hatte ihn in den vergangenen Wochen zu Taten gezwungen, über die er lieber nicht nachdenken wollte. Und er hatte alles erduldet, wusste er doch, dass Marom sich in Hordaks Gewalt befand. Immer wieder hatte er gedroht, ihr etwas anzutun, wenn Auros sich nicht fügen würde. Und Marom war doch alles, was ihm noch geblieben war, nach dem qualvollen Tod seiner Frau und nachdem Helicos, sein Sohn, das Haus verlassen hatte. Doch Auros hatte recherchiert, sich in der Fright Zone umgesehen, sofern es ihm möglich war und herausbekommen, wo sich Marom befand.

Noch einmal erschauderte er, dann wandte er den Blick ab, schritt zur Tür und holte seine Tochter herein. Die beiden schlichen die Treppe hinauf, zu den Schlafgemächern. ?Pack nur das Nötigste ein, wir können keinen Ballast gebrauchen! Und um Himmels Willen, beeil Dich!?, befahl er Marom. Diese nickte, entzündete eine zweite Kerze und begab sich in ihr Zimmer. Was beide nicht bemerkten, war die Gestalt auf der anderen Straßenseite, deren Blick den Kerzenschein im Fenster verfolgte.

Auros ging nach unten in die Küche. Für ihn war hier nichts mehr wichtig, außer der Sicherheit seiner Tochter. Aber der Weg in die Wälder zu den Rebellen würde lang und beschwerlich sein. Er rechnete damit, dass sie eher querfeldein als über die normalen Wege laufen würden. Er öffnete die Tür zur Speisekammer. Hier lag noch alles so, wie er es verlassen hatte. Einiges war inzwischen ungenießbar geworden, die Butter ranzig und das Brot verschimmelt. Also packte er geräucherten Schinken und Käse ein, außerdem Wein, da dieser nicht so schnell verdarb wie Wasser. Auch ein wenig trockenen Zwieback fand er noch, um ihn als Wegzehrung mitzunehmen.

Da hörte er Scheppern und Klirren hinter sich, plötzlich war die gesamte Küche hell erleuchtet. Auros schnellte herum. Flammen! Die gesamte Küche stand auf einmal in Flammen! Geistesgegenwärtig warf er sich seinen Mantel über den Kopf, rannte so durchs Feuer und wälzte sich auf der anderen Seite hin und her. Dann hörte er einen Schrei von oben. Marom! Entsetzt blickte er zur Treppe, die kaum noch zu sehen war, da sich dichte Rauchschwaden im Haus verteilten. Auch die Stufen waren bereits in Brand geraten. Doch er zögerte nicht, rannte nach oben zu Maroms Tür. Meterhohe Flammen schlugen ihm entgegen, verwehrten ihm den Zutritt. Er schrie nach seiner Tochter, doch diese antwortete nicht.

Draußen standen einige Dorfbewohner, einige beobachteten das Spektakel mit Faszination in den Augen, andere mit Abscheu. ?Da brennt er, der Mörder!?, rief einer von ihnen, woraufhin viele in Gejohle übergingen. ?Brennt das Haus dieses Satans nieder!?. Ihre Schatten tanzten wie Teufel an der Wand, ihre Gesichter wirkten im Schein des Feuers wie Fratzen, entstellt von Zorn und Wut.

Da zerbarst ein Fenster im Erdgeschoß und eine Gestalt sprang hindurch, von einem weiten Mantel verdeckt, verharrte in der Hocke. Jäh verstummte das Gejohle und verstummte. Fassungslosigkeit, Verlegenheit. Einige wichen zurück, andere blickten zu Boden. Ein paar Sekunden lang kehrte Stille ein. ?Das ist das Ungeheuer!?, schrie plötzlich einer von ihnen, ?bringt ihn um!?. Und genauso schnell, wie die Geräuschkulisse verstummte, war sie wieder da.

?Hört auf!?, schrie die Gestalt die Menge an, richtete sich halb auf. ?SEHT, WAS IHR GETAN HABT!?. Auros kniete vor den Dorfbewohnern, den Kopf gesenkt, im Arm den leblosen Körper seiner Tochter. ?Ihr habt sie ermordet!?. Dann war wieder Stille. Langsam glitt ihm Marom aus dem Arm. Auros blickte sie noch ein paar Sekunden lang an. Dann hob er den Blick, schaute mit rot glühenden Augen in die fassungslose Menge. Eine Frau stieß einen spitzen Schrei aus, als sie es sah. Auros stand langsam auf, hob beide Hände und richtete sie auf die Dorfbewohner. Er fühlte, wie das Blut in seinen Adern kochte, spürte eine unbändige Wut und wie sich jedes Molekül in seinem Körper veränderte. Er hörte die Schreie nicht, sah nicht die bizarren Szenarien, die er auslöste. Er fühlte nur das Metall durch seine Haut bersten, es zerfetzte ihm sprichwörtlich den Körper, aber es fühlte sich gut an. Er transformierte sich. Noch nie hatte er solche Macht gespürt, solch starke Magie. Dann wurde es still. Kein Laut war mehr zu hören.

Aber Auros konnte nicht sehen, nicht hören. Er war der Gefangene seines Körpers, unfähig, einen Schritt zu tun, ein Wort zu formulieren oder einen klaren Gedanken zu fassen. Alles, was den Goldschmied ausgemacht hatte, ihn zu einem Menschen gemacht hatte, war fort?
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