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Kapitel 2: Der Angriff
Sobald das Portal sich öffnete und He- Man hindurch schritt, musste er sich eine Hand vor die Augen halten. Ein dumpfes, rotes Licht blendete ihn. Als er sich etwas daran gewöhnt hatte, sah er, dass es von zwei Sonnen kam, die am Himmel standen. Wo war er? War er etwa gar nicht mehr auf Eternia? Ein Rundumblick verriet ihm, dass er auf einer Lichtung stand, die von dichtem Djungel begrenzt wurde. Doch die Bäume, die dort standen, wirkten merkwürdig exotisch, einige sahen aus wie Palmen, andere waren wie Schlingpflanzen um diese herum gewachsen. Ein Schweißtropfen rann He- Man von der Stirn. Die Luft schwelte vor Feuchtigkeit und es brannte in seinen Augen.
Plötzlich hörte er ein lautes Surren hinter sich. Als er sich umdrehte, sah er eine riesige Libelle, die über ihm am Himmel schwebte und ihn von oben herab zu beobachten schien. Er wusste nicht, was ihn mehr beunruhigen sollte: Dass sie so groß war, oder dass sie metallische Implantate im Körper trug. Würde Skeletor so eine Kreatur einfangen, hätte er ein mächtiges Fluggerät, schoss es He- Man durch den Kopf. Einen Moment lang stand das Rieseninsekt so da, schlug nur mit dem Flügeln. Dann, urplötzlich, schlug es eine andere Richtung ein und verschwand zwischen den Bäumen.
?Nun ja, vielleicht sollte ich dem Tier folgen, immerhin hätte ich dann schon mal eine Richtung?, dachte He- Man bei sich und machte sich auf, den Djungel zu erobern. Doch dies war nicht so leicht, wie er es sich vorgestellt hatte. Der Boden war teilweise sehr sumpfig und ständig musste er aufpassen, wo er hintrat. Zwischen den Wurzeln, die beinahe alles bedeckten kroch allerlei Getier herum, Schlangen, Kröten, Käfer, hier und da eine größere Echse. Wo hatte ihn die Sorceress bloß hingeschickt? Was sollte er hier? Und was hatte das alles mit King Hsss zu tun?
Tapfer kämpfte er sich weiter durch das Dickicht. Inzwischen mussten einige Stunden vergangen sein und er machte sich Gedanken darüber, wo er die Nacht verbringen sollte. Langsam wurde er auch hungrig und er hatte noch nichts wirklich Essbares gefunden- und das, obwohl er sich mitten durch einen Regenwald kämpfte. Er fragte sich, wie spät es wohl sei und wann wohl die Nacht hereinbrechen würde. Doch dann fragte er sich wieder, ob es bei zwei Sonnen überhaupt so etwas wie Nacht geben könnte. So in Gedanken vertieft hörte er plötzlich einen spitzen Schrei durch die Bäume hallen. Irgendwo war jemand in Not.
Er lauschte, da er nicht wusste, aus welcher Richtung der Schrei gekommen war. Da- ein zweiter Schrei, nun hatte er auch eine Richtung. So schnell er konnte, lief er los, blieb fast mit dem Fuß unter einer Wurzel stecken, zog sich dabei einen Dorn in den rechten Oberschenkel. Der brennende Schmerz ließ ihn für einen Moment aufstöhnen, doch er hatte keine Zeit, sich um so eine Blessur zu kümmern. Er rannte durch zwei große Baumstämme hindurch auf eine Lichtung und sah dort eine junge Frau auf dem Boden kauern, den Blick angstvoll in seine Richtung gerichtet. Doch sie sah nicht ihn an, sondern an ihm vorbei- genauer: über ihn hinweg. ?Pass auf!?, schrie sie, deute mit dem Zeigefinger über ihn. He- Man drehte sich um. Das, was er für zwei Baumstämme gehalten hatte, waren keine Bäume, es waren die Beine einer riesigen Echse, die ihn mit ohrenbetäubendem Gebrüll begrüßte.
?Was zum Teufel ist das??, schrie der Hüne und zückte ohne zu zögern sein Schwert, dass er aber sofort zu Boden sinken ließ. Überrascht starrte er auf seine Hände. Das magische Schwert von Grayskull, das ihm schon so viele Dienste geleistet hatte, wirkte auf einmal so, als würde es mehrere Zentner wiegen, er schaffte es kaum, die Klinge vom Boden zu heben. ?Bist Du des Wahnsinns??, schrie das Mädchen, ?Du willst mit einem Stück Metall gegen einen Tyrantisaurus antreten??. Der Saurier schnappte in diesem Moment zu, He- Man konnte sich gerade noch ducken und der Attacke entgehen. Er nahm seine ganze Kraft zusammen und steckte das Schwert zurück in die Scheide auf seinem Rücken, wich dabei einer zweiten Attacke aus. Der Tyrantisaurus hob das rechte Bein und zielte damit auf ihn. He- Man sprang zur Seite und rollte sich über den Boden. Stechender Schmerz durchbohrte seinen Oberschenkel da, wo noch der Dorn steckte.
?Vorsicht!?, schrie das Mädchen, doch lenkte damit die Aufmerksamkeit des Reptils wieder auf sich. Es wandte sich um und schritt nun stampfend auf die Lichtung zu. He- Man sah sich um. Offenbar konnte er sein Schwert nicht gebrauchen und seine Kraft half ihm auch nicht weiter. Also blieb ihm nur eine List. Da entdeckte er ein paar Lianen, die quer über den Waldboden verteilt lagen. Er zückte ein Messer aus seinem Gürtel und durchtrennte sie. Das Mädchen hatte sich unterdessen zum Waldrand geflüchtet, versteckte sich hinter einem Baum. Der Saurier konnte sie mit seinen kurzen Armen dort nicht erreichen, doch er hieb wieder und wieder auf den Baum ein. Lange würde er den Attacken nicht mehr stand halten können.
He- Man hatte inzwischen die Lianen an einem Baum festgebunden und humpelte nun zur anderen Seite der Lichtung, wo er sie als Seil um einen anderen Baum legte. ?Versuch zu mir rüber zu rennen!?, schrie er der jungen Frau zu, bekam aber als Antwort nur ein ?Bist Du verrückt??. ?Vertrau mir, ich weiß, was ich tue!?, rief er zurück. Sie atmete einmal tief durch. Dann fasste sie ihren ganzen Mut zusammen und rannte los. Der Tyrantisaurus brauchte einen Moment, bis er ihre Flucht bemerkte, doch dann drehte auch er sich um und rannte los. Gerade im richtigen Moment zog He- Man das Seil an. Der Fuß des Sauriers verfing sich darin und brachte ihn zu Fall. Mit donnerndem Getöse krachte der Koloss auf den Boden, riss He- Man das Seil aus den blutenden Händen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht betrachtete er das Ungetüm. An den Seiten des Kopfes prangerten Laserkanonen, die er zuvor gar nicht bemerkt hatte und auf dem Rücken befand sich so etwas wie ein Cockpit. Bewegte sich darin etwa jemand? Doch He- Man kam nicht mehr dazu, sich selbst diese Frage zu beantworten, denn ihm wurde schwarz vor Augen. Er fiel in Ohnmacht?
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