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SPIKOR
Hedgehogs Rage
Er stürzte!

Er stürzte kopfüber in die Gischtachklamm! Es war vorbei; er würde sterben. Nicht, dass er Angst vor dem Tod gehabt hätte, oh nein! Er hatte von Anfang an damit gerechnet, dass es so kommen würde. Doch nicht so schnell! Er war noch nicht fertig! Was ihn aber noch viel mehr erschütterte als der unerwartet frühe Zeitpunkt, war die Art, WIE es passiert war.

Gerade noch waren sie alle vor ihm weggelaufen, gerade noch hatte er siegreich über ein Schlachtfeld geblickt. Über SEIN Schlachtfeld! Sie hatten bezahlt für ihre Bosheit, oh, und wie sie bezahlt hatten.
Auf den Tag genau drei Monate war es nun her, als er, der Dorfschmied, bis aufs Blut gedemütigt worden war. Um die Tochter des Meierbauern hatte er geworben, ein kluges und anständiges Mädchen, wie er damals noch gedacht hatte. Eine, die sich nie dem Mob angeschlossen hatte, der ihn schon sein Leben lang gehänselt und verspottet hatte. Schon als sie alle noch Kinder waren, war er wegen seiner überstehenden Zähne ausgelacht worden. ?Raffzahn? hatten ihn die Kinder genannt. Und sie taten es immer noch, obwohl sie inzwischen längst alle erwachsen waren. Aber SIE nicht! Die Tochter des Meierbauern, des reichsten Bauern im ganzen Dorf, hatte dabei nie mitgemacht. Deshalb hatte er sie heiraten wollen.
Doch der Vater hatte nur gelacht. ?Was, dir Missgeburt soll ich meine Tochter geben? Du bist wohl größenwahnsinnig geworden? Los, schmeißt ihn raus!? Und der Dorfschulze und sein Gehilfe hatten ihn von hinten gepackt und in den Dreck des Dorfplatzes geschleudert. Alle hatten ihn ausgelacht, auch seine Angebetete! Als er sie so stehen sah, lachend inmitten der übrigen Dorfbewohner, schmeckte er bittere Galle. Dass die Andern ihn verspotteten, daran war er gewohnt, es machte ihm schon lange nichts mehr aus. Aber sie! SIE! Hatte er sich so in ihr getäuscht? Hatte sie ihn wirklich derart blenden können? Solche Gedanken waren ihm durch den Kopf gegangen, als er auf dem Dorfplatz lag, und Enttäuschung hatte sich in seinem Inneren breit gemacht.
Verbittert war er aufgestanden und in seine Werkstatt zurückgeschlichen. Dort war er sicher vor den hämischen Blicken und den Spottrufen. Dort war er zuhause. Er war Schmied, und zwar ein sehr guter. Außerdem war er stark, sehr stark. Das hatte er werden müssen, weil er als Kind von den anderen Kindern immer verprügelt worden war. Jetzt war er der stärkste Mann des Dorfes. Darum hatte der Dorfschulze ihn auch von hinten packen müssen; von vorne hätte er nie eine Chance gehabt!
Nun war er also in seine Schmiede zurückgekehrt, und er hatte beschlossen, sich zu rächen, zu rächen für die Schmach, für die lebenslangen Demütigungen. Er hatte begonnen, sich eine Rüstung zu bauen. Keine gewöhnliche Rüstung, nein. Helm und Harnisch waren über und über mit Stacheln besetzt. So würde ihn niemand mehr von hinten packen können. Nie wieder! Dazu noch eine große, ebenfalls mit Stachen bewehrte Keule und ein Dreizack (noch einmal Stacheln!). Und heute, genau heute, war die Rüstung fertig geworden. Der Tag der Rache war gekommen!

Er hatte die Rüstung angelegt und war, seine Waffen in beiden Händen, in das Haus des Meierbauern gestürmt. ?Du siehst absolut lächerlich aus!? Das war alles, was diesem Narren eingefallen war. Eine Sekunde später war er tot, vom Dreizack aufgespießt! ?Hilfe, er ist wahnsinnig geworden!? hatte sein ehemaliger Schwarm beim Anblick ihres toten Vaters geschriehen. ?So, wahnsinnig bin ich also? zischte er, ?und hässlich und dumm, nicht wahr? Das denkst du also auch von mir? Ich werde dir zeigen, wie wahnsinnig ich bin!?. Und mit diesen Worten holte er aus, die Keule hoch über den Stachelhelm erhoben. Sie versuchte zu fliehen, doch seine einstige Liebe war längst in Hass umgeschlagen und er ließ sie nicht entkommen. Immer wieder schlug er auf sie ein, auch, als sie sich schon längst nicht mehr rührte. ?Ihr werdet bezahlen, heute werdet ihr bezahlen!? brüllte er immer wieder, und als klar wurde, dass sie nicht antworten konnte, dass sie nie wieder antworten würde, wandte er sich endlich ab.
Als er sie und mit ihr, wie ihm sehr wohl bewusst war, auch sein altes Leben in einer Blutlache zurücklies und aus dem Haus auf den Dorfplatz hinaustrat, hatten sich dort schon fast alle Bewohner versammelt. Sie wollten sehen, wie der Dorfschulze den offenbar verrückt gewordenen Mann besiegen würde. Doch der Dorfschulze hatte keine Chance, obwohl er von seinem Gehilfen unterstützt wurde. Schnell lagen beide am Boden in ihrem Blut. Nun wurde den anderen allmählich klar, was hier geschah. Sie verstanden jetzt langsam, dass ihr hässlicher Schmied sich nun rächen würde, rächen an allen, die ihn jemals verletzt hatten. Und das betraf nahezu jeden im Dorf!
Sie rannten in alle Richtungen davon, und er ihnen hinterher. Er streckte einige nieder, danach nahm er sich die Häuser vor. Er stürmte eins nach dem anderen und erschlug oder erstach jeden, den er erwischen konnte. Er erinnerte sich noch gut an ihr hämisches Grinsen, als sie ihn, damals, als sie alle noch Kinder waren, verspottet hatten. Nun grinsten sie nicht mehr!

Doch irgendjemand musste wohl entkommen sein und Hilfe geholt haben, denn plötzlich ? er stand gerade wieder auf dem Dorfplatz und zählte die Leichen, um zu sehen, wer noch fehlte ? stand ein Krieger oben auf der Klippe. Er hatte diesen Mann noch nie gesehen, folglich musste er von außerhalb kommen. Der Mann war sehr kräftig gebaut, und er trug eine leichte Rüstung in Form von zwei Lederriemen, die sich über der Brust kreuzten. In der rechten Hand hielt er ein Schwert. Sonst hatte er nichts dabei. Seine blonde Mähne wehte leicht im Wind, der von der hinter ihm liegenden Schlucht aufstieg. Der Krieger war im Grunde ein perfekter Mann, genau so einen hatte der Meierbauer sich wohl für seine Tochter vorgestellt: er sah gut aus, war offenbar ein guter Kämpfer und darüber hinaus wohl auch recht mutig, wie er so ganz gelassen an der Klippe stand. Kurz: er war alles, was der Schmied nie hatte sein können! Und was er deshalb hasste!
?Gib auf und verantworte Dich vor Gericht für Deine Taten!? rief der Krieger. Gericht? Wovon sprach der Kerl überhaupt? Der dachte doch wohl nicht ernsthaft, dass es nach diesem Gemetzel noch ein Morgen gäbe? Der Schmied packte seine Waffen und stürmte auf den Krieger zu! ?Er kann mich nicht packen, meine Stachelrüstung schützt mich!? Doch der Mann versuchte gar nicht, ihn zu packen! Er wich einfach aus! Und der Schmied wurde vom Schwung seines eigenen Angriffs noch ein paar Schritte weiter getragen und geriet ins Stolpern.

Und so stürzte er die Klippe hinunter!

Als er wieder zu sich kam, war es dunkel, offenbar Nacht. Er fühlte sich wie zerschlagen. Erinnern konnte er sich kaum. Da war ein dumpfer Aufprall gewesen, und er meinte auch, ein Geräusch wie platschendes Wasser gehört zu haben. Das hieß also, er war nicht auf die Felsen der Klamm, sondern in die Gischtach selbst gefallen. Das hatte ihm wohl das Leben gerettet! Doch jetzt war er nicht mehr im Fluss, er lag in einer Höhle, und neben ihm brannte ein Lagerfeuer. ?Also hat mich jemand gerettet. Jemand hat mich aus dem Fluss gezogen und mich so vor dem Ertrinken gerettet!? dachte er. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass irgendjemand ? noch dazu ein Unbekannter ? etwas für ihn getan hatte. Und dann gleich etwas so wichtiges!
Er verspürte Durst, und so beschloss er, aufzustehen und nach etwas trinkbarem zu suchen. Doch es ging nicht! Was war los? Er konnte sich nicht rühren. Nicht einmal den kleinen Finger? Nein, auch den nicht! Verdammt!
?Du kannst dich nicht bewegen, was?? fragte eine weibliche Stimme hinter ihm, ?Das kommt wohl vom Sturz.? ?Wer bist du?? entgegnete er. ?Ich bin Evil-Lyn.? antwortete sie und kam nach vorne, wo er sie sehen konnte. Sie war blass und trug ein schwarzes Cape über einer dunkelblauen Rüstung, die ihr ? wie er fand ? recht gut stand. ?Und warum hast du mich gerettet?? ?Ich habe gesehen, dass du gegen He-Man gekämpft hast. Er ist auch mein Feind, deshalb habe ich dich aus dem Wasser gezogen. Ich bin hier in der Schlucht auf der Suche nach einer Wurzel für mein neues Elixier gewesen. Das war dein Glück, sonst wärst du jetzt tot.? ?He-Man heißt dieser Kerl also? Er hat mir alles verdorben. Bevor er aufgetaucht ist, lief alles genau nach Plan. Jetzt ist es aus, ich kann mich nicht mehr bewegen und die Feiglinge aus dem Dorf (er sagte ganz bewusst nicht: aus MEINEM Dorf) werden ungeschoren davon kommen. Verdammt!? ?Willst du noch einmal gegen He-Man kämpfen?? fragte die Frau, und ihre Stimme hatte mit einem Mal etwas sonderbar Erregtes an sich. ?Natürlich, aber ich kann ja nicht mehr. Jetzt ist alles aus.?
?Vielleicht noch nicht, ? antwortete sie, ?denn dank meiner magischen Kräfte könnte ich erreichen, dass du dich wieder bewegen kannst. Allerdings hat dieser Zauber seinen Preis.? Nun war es an dem Schmied, erregt zu sein. Dennoch war er nicht dumm. Er erkannte die Hinterlist in ihrem Tonfall, er kannte sie nur zu gut aus früheren Tagen. Die Frau hörte sich an, als ob sie ihm gerade eine Falle gestellt hätte. Vorsichtig und mit dem Schlimmsten rechnend fragte er deshalb: ?Was für einen Preis?? ?Dein altes Leben retten kann nur das, was dir am meisten bedeutet. Das kann ein Mensch sein, oder ein Gegenstand, sogar ein Tier oder eine Pflanze. Der Preis ist, dass dieses Wesen oder dieser Gegenstand dir seine innere Kraft überträgt und mit dir verschmilzt. Wenn es sich zum Beispiel um einen Hund handelt, dann würde dieser Hund ein Teil von dir werden und dir seine innere Kraft geben. Dann könntest du wieder laufen, aber der Hund hätte sein eigenes Leben verwirkt, da er ja jetzt nur noch ein Teil von dir wäre.? ?Und wo liegt da das Problem?? fragte der Schmied verdutzt. Er hatte mit weitaus Schlimmerem gerechnet, vielleicht mit lebenslanger Dienerschaft für diese Hexe oder mit seiner Seele oder dergleichen. Aber das Opfer eines anderen Lebewesens war für ihn kaum ein Verlust, hatte er doch vorhin erst selbst zahlreiche Menschen niedergestreckt. Jetzt wirkte Evil-Lyn ehrlich überrascht. ?Nun, normalerweise ist es ein Freund, eine Gefährtin oder auch ein Haustier, das den Menschen am Meisten bedeutet. Viele wollen solch ein geliebtes Wesen nicht opfern.?
?Ich hasse alle Menschen!? entgegnete er nur. ?Dann gibt es auch niemanden, den du opfern könntest? antwortete sie. ?Damit ist dein Schicksal besiegelt.? ?Halt, du hast doch gesagt, es ginge auch ein Gegenstand?? ?Du liebst einen Gegenstand?? fragte Evil-Lyn, nun noch überraschter als vorhin. ?Ja, es gibt einen Gegenstand, in den ich all meine Liebe gesteckt habe, den ich mit größter Sorgfalt selbst angefertigt habe und der mich nie im Stich lassen würde ? meine Stachelrüstung!? Die Hexe runzelte die Stirn, zuckte aber dann mit den Schultern. ?Na gut, wenn du es so willst. Dann soll deine Rüstung dich retten! Schlaf jetzt, und wenn du morgen erwachst, wirst du wieder gehen können.? Mit diesen Worten legte sie ihre Hand auf sein Gesicht, und er sank sofort in einen tiefen, traumlosen Schlummer.

Als er erwachte, war das Feuer heruntergebrannt und Tageslicht schien in die Höhle. Von der Hexe war keine Spur zu sehen. Sie war wohl weitergezogen auf der Suche nach dieser Wurzel, von der sie geredet hatte; es kümmerte ihn nicht. Ob sie Wort gehalten und ihn mit ihren magischen Kräften geheilt hatte? Er wagte kaum, es zu versuchen, doch dann erhob er sich dennoch und stand wieder auf seinen eigenen Füssen. Es hatte tatsächlich funktioniert. Er fühlte sich, als wäre er nie verletzt gewesen. Er reckte sich und trat vor den Höhleneingang. Draußen floss die Gischtach schnell und plätschernd vor sich hin und er erinnerte sich, dass er schon gestern Abend durstig gewesen war. Er schritt ans Flussufer, wo er auch seine Keule im Schlick liegen sah. Und der Dreizack? Naja, den konnte er auch später noch suchen. Jetzt wollte er erstmal etwas trinken. Er beugte sich übers Wasser und schrak entsetzt zurück, als er sein Spiegelbild sah.
Helm und Harnisch waren mit seinem Körper verschmolzen und schimmerten jetzt nicht mehr in einem hellen Metallic-Blau, sondern waren tief dunkelblau. Ebenso sein Gesicht, aus dem seine Augen in einem giftigen Geld heraus leuchteten. Seine übrige Haut hatte keine menschliche Farbe mehr, sondern war lila wie die eines Dämons. Nur eines war so wie immer: seine überstehenden Zähne! Ausgerechnet die waren erhalten geblieben! Aber er musste zugeben, dass sie zu seinem neuen Äußeren passten: er war jetzt kein Mensch mehr, er war ein Monster! Ein Monsterkämpfer! Und er fühlte Kraft, eine Kraft weit jenseits dessen, was er früher empfunden hatte, immerhin auch schon als stärkster Mann im Dorf. Doch jetzt war er noch stärker! Er lächelte. Es sah furchtbar aus. Da fing er an, laut und aus voller Kehle zu lachen. Nun würde er seine Rache vollenden! Er, der Schmied ? nein, der EHEMALIGE Schmied. Sein altes Leben war nun vorbei. Er würde nun von vorne anfangen. Nicht mehr als Mensch, sondern als ? SPIKOR!
Er packte seine Keule mit der rechten Hand und ? ach ja, sein Dreizack! Er blickte zu Boden, um nach seiner anderen Waffe zu suchen. Da sah er sie: der Dreizack war auch mit seinem Körper verschmolzen und ragte nun aus seinem linken Arm anstatt einer Hand. Nun würde man ihn nie mehr entwaffnen können, denn diese Waffe war Teil seines Körpers! Er fühlte sich stark wie nie und ballte beide Hände zu Fäusten, das heißt, natürlich nur die Rechte, denn eine Linke hatte er ja nicht mehr. Doch als er die entsprechenden Muskeln anspannte, mit denen bisher die Faust geballt worden war, geschah etwas anderes: der Dreizack schnellte um eine ganze Armlänge vor! Was für eine wunderbare Waffe! Spikor lachte immer noch, und er lachte noch lauter, als ihm klar wurde, dass ihn von jetzt an niemand mehr verspotten würde. Jetzt war Er am Zug!

Es war Mittag, als Spikor das Dorf wieder erreicht hatte. Er hatte sich zunächst durch den Wald angeschlichen, um zu beobachten. Befriedigt sah er insgesamt dreiundzwanzig Körper auf dem Dorfplatz liegen, und die Überlebenden schienen immer noch geschockt von den Ereignissen des Vortages. Doch warum war dieser Krieger ? He-Man ? immer noch hier? Erst, als Spikor es geschafft hatte, unbemerkt auf ein Schuppendach gleich neben dem Dorfplatz zu klettern, konnte er aus mitgehörten Gesprächsfetzen schließen, dass He-Man nicht glaubte, dass er tot sei (?wie weise? grinste Spikor in sich hinein, als er dies hörte) und deshalb zum Schutz der Dorfbewohner hierbleiben wollte, bis eine Abteilung Soldaten des Königs, die schon auf dem Weg waren, diese Aufgabe übernehmen würde. Nun, für Spikor war diese Nachricht nur ein Grund mehr, nicht länger zu Zögern. Er verließ seine Deckung und sprang mitten auf den Dorfplatz.
In panischer Angst und unter lautem Geschrei flohen die Menschen in alle Richtungen, und nur wenigen war wohl dabei aufgefallen, dass dieses blau-lila Ungeheuer noch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem ehemaligen Schmied hatte. Aber das war ihnen in dieser Situation egal. Nur weg von hier!
Schnell war der Platz leer bis auf die Leichen und natürlich He-Man und Spikor. Die beiden umkreisten sich kampfbereit. ?Ich ahnte, dass Du wiederkommst.? ?Ja, He-Man, ich bin wieder hier, und diesmal werde ich dich fertigmachen!? ?Es ist noch nicht zu spät, Du kannst immer noch aufhören. Verantworte Dich vor Gericht, und Du wirst noch nicht völlig verloren sein.? Spikor lachte ob dieser Worte. ?Du Narr, glaubst du wirklich, ich gehe freiwillig ins Gefängnis? Ich bin stark, stärker als je zuvor!? ?Das gibt Dir nicht das Recht, unschuldige Menschen zu verletzen.? ?Unschuldig? Das ich nicht lache! Jeder von diesen da hat sein Schicksal verdient!? brüllte Spikor und zeigte dabei mit der Keule auf die Toten. ?Mein ganzes Leben haben sie mir zur Hölle gemacht, immer war ich der Prügelknabe, immer wurde ich ausgelacht, nie gehörte ich dazu! Alles habe ich getan, um ein Teil ihrer Gemeinschaft zu werden, um anerkannt zu werden! Nichts war ihnen recht, immer haben sie sich nur über mich lustig gemacht und mich beleidigt!?. ?Aber dafür verdienen sie es doch nicht, zu sterben! Kein Mensch verdient den Tod, nicht einmal Du.? antwortete He-Man ruhig, und Spikor wurde klar, dass dieser Mann ihn niemals verstehen würde, ihn vermutlich gar nicht verstehen wollte! ?Aber du verdienst ihn, für deine elende Arroganz!? schrie Spikor und rannte auf He-Man zu, entschlossen, dieses Gespräch auf seine Weise zu beenden. ?Stirb, verfluchter Hund, stirb durch die Hand Spikors!?

He-Man parierte den Keulenhieb mit seinem Schwert und wich einige Schritte zurück, um wieder Abstand zwischen sich und den Stachelkämpfer zu bringen. Doch Spikor wollte nicht mehr reden, er wollte kämpfen. Er setzte seinem Gegner nach und schlug immer wieder mit der Keule zu, aber He-Man war wendig und wich den schweren Schwingern immer wieder aus. Spikor erkannte, dass er so nur seine Kraftreserven verbrauchen würde und änderte seine Taktik. Er hielt einen Moment inne, scheinbar, um zu verschnaufen, und lies dann seinen Dreizack vorschnellen. He-Man war nicht überrascht, er hatte sich etwas Ähnliches wohl schon gedacht, als er registrierte, das die Waffe mit Spikors Arm verwachsen war. Problemlos wehrte er die Attacke mit seinem Schwert ab.
Doch damit war er in Spikors Falle getappt. Der Stachelkämpfer grinste, als er den Dreizack verdrehte und ihn so gegen das Schwert seines Gegners verkantete. He-Man konnte seine Waffe nicht mehr zurückziehen. ?Jetzt stirbst du!? brüllte Spikor und lies seine Keule auf den Kopf seines Gegners niedersausen. Doch He-Man packte den Schaft der Waffe mit seiner linken Hand und stoppte sie so nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Nun saßen die Männer mit beiden Armen im Griff des anderen fest. Spikor triumphierte. Er wusste, wie stark er war. Er war schon immer der Stärkste im Dorf gewesen und jetzt ? als Monster ? war er noch mächtiger als je zuvor. Er spannte seine Muskeln, drückte He-Man mit aller Kraft zurück, sah die Schweißperlen auf der Stirn seines Kontrahenten, spürte den nahen Sieg.
Doch dann stutzte er: He-Mans Gesichtsausdruck war zwar sehr angestrengt, doch seine Augen blickten ruhig und ohne Furcht in Spikors Fratze. Dieser Mann war sich seines Sieges sicher! ?Arrogantes Schwein, dir werd? ich deine Überheblichkeit noch austreiben? ächzte Spikor in sich hinein. Langsam begannen seine Arme zu zittern. He-Man drückte ihn nun immer weiter zurück! Spikor musste einen Schritt nach hinten machen, dann noch einen. ?Verdammt, er ist doch stärker! Das kann nicht sein! Woher nimmt er nur diese Energie?? fragte sich Spikor. Er konnte ja nicht wissen, dass He-Man dank des Zauberschwertes der Stärkste der Starken war und mit reiner Muskelkraft nicht besiegt werden konnte.
?Ich verliere! Das kann nicht sein, ich verliere!?, schoss es durch den Kopf des Monsterkämpfers, ?Das DARF nicht sein! Meine Rüstung! Meine Stachelrüstung hat mich gerettet, als ich gelähmt war. Sie wird mich wieder retten. Auf meine Rüstung kann ich mich verlassen!? Beide Männer waren immer noch mit ihren Waffen ineinander verkeilt, und He-Man drängte Spikor weiter zurück. ?Jetzt!? dachte Spikor und drückte seine beiden Arme auseinander, He-Mans Arme dabei auch mit zur Seite schiebend. Nun war der Weg in He-Mans Gesicht frei! Spikor lies seinen stachelbewehrten Kopf vorschnellen, um He-Man mit den Stacheln auf seinem Haupt den Schädel einzuschlagen. Doch He-Man schien damit gerechnet zu haben und machte eine überraschende Drehung, die Spikors Schwung ins Leere lenkte. Er stolperte, verlor seine Keule und fiel zu Boden.
?Verflucht, er ist tatsächlich stärker? dachte Spikor im Fallen, doch schon hatte er einen neuen Plan. ?Seine Rüstung ist ein Witz, wenn ich ihn mit einer meiner Waffen erwische, ist er erledigt!? Er sprang auf und packte seine Keule, holte Schwung und schlug zu! Doch wieder duckte He-Man sich unter dem Keulenschlag weg und führte eine mit bloßem Auge kaum nachvollziehbare Attacke mit seinem Schwert, das Spikor an der Brust traf. Und mit Entsetzen sah Spikor, wie sein Stachelpanzer versagte! Zwei Stacheln brachen ab, und der Schwerthieb hinterließ eine gewaltige Schramme. Schmerz durchzuckte ihn, und Blut sickerte aus dem Riss am Bauch. Die Wunde war nicht tief, doch sie war da; die Rüstung hatte ihn im Stich gelassen! Noch schlimmer aber war, dass der Schlag Spikor irgendwie hochgehebelt hatte. Er verlor den Boden unter den Füssen und fiel kopfüber, schlug damit unfreiwillig einen grotesken Salto über seinen Gegner hinweg und kam hinter ihm schwer auf. Er wusste, er war geschlagen.
?Gib auf und rette Dich? sagte He-Man erneut. Keuchend stand Spikor auf. Er hatte seine Keule immer noch in der Hand. ?Ich sagte dir doch schon, dass ich nicht ins Gefängnis gehe? antwortete er ihm. Und mit diesen Worten drehte er sich um und rannte zur Klippe. He-Man schien nun das erste Mal überrascht und verfolgte ihn, aber er wusste wohl selbst, dass er Spikor nicht mehr rechtzeitig einholen würde. ?Tu das nicht!? schrie er, doch der ehemalige Schmied nahm Anlauf und sprang erneut in die Klamm!

Spikor stürzte weder auf die Felsen, noch in den Fluss wie letztes Mal. Stattdessen krachte er durch das Blätterdach der Bäume am Flussufer, das seinen Fall bremste. Auch seine Rüstung schien zu helfen, und als er am Boden aufschlug, fühlte er sich zwar wiederum wie zerschlagen, schien aber nicht ernstlich verletzt zu sein. Er blickte auf und sah Evil-Lyn vor sich stehen, ihr magisches Zepter in der rechten und eine hässliche Wurzel in der linken Hand. ?Warst du erfolgreich?? fragte sie ihn. ?Nein? antwortete er. ?Vielleicht schaffst du es beim nächsten Mal.? ?Und was soll ich bis dahin machen?? ?Komm mit mir!?
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