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 Spikor80
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SPIKOR
Good and Evil
Der Sommer neigte sich dem Ende zu und die Nächte wurden kürzer und kälter, doch noch waren die Blätter der Bäume von sattem Grün und die Welt voller Leben. Der Wald erwachte gerade aus einer Regennacht, und durch das dichte Blätterdach schien die Sonne wärmend von einem strahlend blauen Himmel. Der durch den Regen aufgeweichte Waldboden dampfte und verstärkte somit noch den Morgennebel, der in kleinen Schwaden zwischen den steilen Hügeln umherkroch, über die sich der Wald erstreckte. Kaum ein Laut war zu hören, da die Tiere der Nacht bereits vor dem Tageslicht geflohen waren, während die Wesen des Tages erst langsam erwachten. Nur die Kreaturen der Dämmerung waren um diese Zeit aktiv, jene Lebewesen, die im Zwielicht umherwanderten und deren Leben sich in der Grauzone zwischen Hell und Dunkel abspielte. Von ihnen war am Wegesrand aber kaum etwas zu hören, was vielleicht daran liegen mochte, dass sich dieser schmale Streifen Land in vielen Dingen vom Rest des Waldes unterschied und deshalb von den Waldbewohnern gemieden wurde. Der Weg schlängelte sich zwischen den Hügeln hindurch und unterbrach das Blätterdach der Bäume. Er war weder besonders breit, noch irgendwie befestigt, aber er war unbewachsen und somit Stück ein kahler, toter Boden mitten im Grün des Waldes. An seinen Rändern lagen große Steine und Findlinge, wie sie überall in dieser Landschaft verstreut vorkamen, doch hier sammelten sie sich, weil die Menschen die Steine vom Weg rollten, um ihn freizuhalten, sich aber nicht die Mühe machten, die schweren Blöcke weiter weg zu bringen. So blieben sie alle am Wegesrand liegen, fast wie die Reste einer alten, morschen Mauer. Zwischen ihnen wuchsen keine Bäume, sondern dichtes Buschwerk, das vom Licht profitierte, welches hier wegen der Schneise im Blätterdach bis zum Boden durchdringen konnte. All dies unterschied den Wegesrand vom Rest des Waldes und mochte ein Grund für die Ruhe an diesem Ort sein. Vielleicht lag die Stille hier aber auch an den Männern, die sich zwischen den Felsen und Büschen verborgen hielten und warteten.

Sie waren zu zweit, und sie saßen sich gegenüber an beiden Seiten des Weges. Ihr Hinterhalt war gut vorbereitet und bald würde ihr Feind um die nächste Biegung des Weges kommen. Spikor saß hinter einem großen Felsen, der ihn überragte und gut vor fremden Blicken schützte. Auf der anderen Seite, zwischen den Büschen verborgen, wartete sein neuer Kamerad. Der Mann, den er vor etwa zwei Monaten aus einem eternischen Turmverlies befreit und nach Snake Mountain gebracht hatte. Er war ein Anhänger Keldors in der Zeit der Thronwirren gewesen, doch hatte er seinem Meister nicht zu Hilfe eilen können, weil er, nachdem ein Streit mit seinem Bruder tödlich geendet hatte, auf der Flucht vor den Soldaten schwer verletzt, gefangen genommen und eingesperrt worden war. Nach vielen Jahren erst hatte Keldor, der inzwischen Skeletor hieß, von diesem Umstand erfahren und seinen neuesten Kämpfer, Spikor, losgeschickt, um den Gefangenen zu befreien. Dies war auch geglückt, doch der Mann war zunächst sehr überrascht gewesen, statt Keldor, dem ältesten Sohn des Königs, nun Skeletor, dem Herrn des Bösen, zu begegnen. Dennoch blieb der ehemalige Gefangene in Snake-Mountain. Was hätte er auch anderes tun sollen? Zurück ins Gefängnis gehen? Immerhin hatte Spikor, der in seinem früheren Leben Schmied gewesen war, Abhilfe für das größte Problem des Mannes gefunden, indem er dessen seit dem Unfall damals fehlenden rechten Arm durch eine Prothese aus Metall ersetzt hatte. Das heißt, Spikor hatte die Prothese angefertigt. Die Operation, in welcher den neuen Arm eingesetzt worden war, wurde von Trap-Jaw, Skeletors Techniker, durchgeführt. Nun, mit dem neuen, sehr starken Arm, fühlte sich der Mann, der sein vernarbtes Gesicht hinter einer Eisenmaske verbarg, endlich in der Lage, seinem Herrn angemessen zu dienen.
Spikor und Strongarm saßen sich also gegenüber und warteten. Es musste bald soweit sein. Und tatsächlich! Da bog Screeetch um die Ecke. Er flog kaum einen Meter über dem Boden und folgte dem Verlauf des Weges. Der Dämonenvogel erkannte Spikors Versteck mit untrüglichem Instinkt und landete auf dem Felsblock. Seit dem Abenteuer am Turm war der Vogel Spikors treuer Begleiter geworden und hatte damit die Eifersucht Beast-Mans geweckt, der ansonsten alle Tiere kontrollieren konnte, an Screeetch aber gescheitert war. Beast-Man war Skeletors Stallknecht und ein Trottel, aber stark und treu, und er verstand es wirklich, mit Tieren umzugehen und sie abzurichten. Nur Screeetch nicht. Aber er war ja auch kein gewöhnlicher Vogel, sondern ein gefiederter Dämon. Doch das überstieg Beast-Mans Verstand bei Weitem. Screeetch gehorchte nur Spikor, der ihn damals gerettet hatte, und auch heute erfüllte er seine Pflicht wieder tadellos. Er hatte über dem Waldrand seine Kreise gezogen wie ein gewöhnlicher Raubvogel, der auf Beute aus ist. Doch er war auf Erkundung, und als der Feind sich dem Wald näherte, hatte Screeetch ihn sofort bemerkt. Er war losgeflogen und hatte seinen Herrn nun gewarnt. Bald würde sein Opfer hier sein und in die Falle tappen. Spikor nickte und Screeetch flog wieder los. Es wäre zu auffällig, ihn hier zu lassen, und so erhob sich der Vogel wieder, um weiter über dem Stück Wald zu kreisen, das bald zum Schlachtfeld werden sollte.
Spikor gab Strongarm ein Zeichen, und beide verbargen sich noch tiefer hinter ihrer Deckung. Ihre Nerven spannten sich in Erwartung des nahenden Einsatzes, und Spikor griff seine Keule fester. Strongarm hatte keine Waffe, aber er brauchte auch keine, denn sein künstlicher Arm war Waffe genug. Beide atmeten ganz leise und gleichmäßig, passten ihren Biorhythmus der umgebenden Natur an und verschmolzen geradezu mit den Schatten, in denen sie sich verborgen hielten. Skeletors Befehl war eindeutig gewesen: ?Bringt mir Gefangene! Ich will Geiseln, um meinen nichtsnutzigen Halbbruder Randor, diesen elenden Thronräuber, unter Druck setzen zu können!? Und sie hatten einen Plan ausgearbeitet, wie sie einen Feind in dieses Waldstück locken konnten, das ideal geeignet war für einen Hinterhalt. Und ohne sich selbst unnötig loben zu wollen, musste Spikor doch zugeben, dass der Plan wirklich perfekt war. Die Falle war bereits zugeschnappt, und nun brauchten sie nur noch zu warten, bis ihr Opfer sich genau zwischen ihnen befand. Und das Opfer kam, Screeetch hatte es ja eben gemeldet. Alles verlief genau nach Plan!

Schon fiel ein Schatten um die Wegbiegung, und kurz darauf erschien ER! Auf dem Rücken seines grün-gelb gestreiften Kampftigers ritt er majestätisch dahin. Er, das war He-Man, der Stärkste der Starken! Er war der einzige, der Spikor jemals besiegt hatte, und allein die Erinnerung an diesen Umstand lies in Spikor wieder den alten Groll hochsteigen, den blinden Hass gegen den Verteidiger Eternias. Er war der Grund, weshalb Spikor sich den Evil Warriors angeschlossen hatte, er war es, den Spikor unbedingt vernichten wollte. He-Man musste sterben! Bald! Spikor ballte seine Faust und beobachtete das Näherkommen seines Hassgegners. In großen Sätzen legte Battle-Cat die Wegstrecke zurück. Schon passierte er die Stelle des Hinterhalts. Spikor hielt den Atem an und ? ließ He-Man passieren!
Der Held von Eternia zog weiter und näherte sich der nächsten Biegung, als sich ein Fahrzeug mit lautem Motorenlärm hinter ihm her über den aufgeweichten Waldweg schob und dabei tiefe Rillen im Boden hinterließ. Der mächtige Battle-Ram walzte durch den Wald. Teela, die Kommandantin der königlichen Leibgarde von Eternia, saß am Steuer, und hinten am Geschütz saß ein Soldat eben dieser Armeeeinheit, der Elitetruppe Randors. Spikor duckte sich noch näher an den Felsen. Nicht He-Man, sondern dieser Kampfpanzer war heute sein Ziel!
Das Gefährt war eigentlich zu breit für den Weg, so dass seine großen Räder kleinere Bäume und Sträucher am Wegrand niederwalzten, als das Kriegsfahrzeug sich mühsam vorwärtskämpfte. Es war auf diesem Terrain viel langsamer als He-Mans Raubkatze, und schon bog Battle-Cat um die nächste Kurve und war aus dem Blickfeld verschwunden. Der Battle-Ram hingegen näherte sich langsam und dröhnend dem Hinterhalt. Teela konzentrierte sich auf den feuchten Waldboden vor ihr, wo sie deutlich die Spuren der gewaltigen Katze ausmachen konnte. Sie achtete nicht auf die Büsche und Felsen am Wegesrand, die schon seit über einer Meile die Landschaft prägten. Der Battle-Ram fuhr langsam an Spikor vorbei. Als das Heck des grauen Panzers gerade das Versteck des Dämonenkämpfers passierte, zog er sich mit der rechten Hand am Felsen hoch und sprang darüber. Noch bevor er mit den Füßen auf dem Waldweg landete, ließ Spikor seinen Dreizack vorschnellen. Der völlig überraschte Gardist auf dem offenen Geschützstand des Battle-Rams schrie auf, als sich die Waffe des Kriegers in seine Seite bohrte und dabei die leichte Schutzweste durchschlug, welche die gesamte Rüstung des Mannes ausmachte. Die Widerhaken an den Spitzen des Dreizacks hielten die Waffe im Fleisch des Soldaten fest, und als Spikor mit einem kräftigen Ruck daran zog, riss es den Mann aus dem Sitz, obwohl er angeschnallt gewesen war. Er stürzte mit dem Gesicht nach unten in den Schlamm und blutete stark aus der riesigen Wunde, die Spikors Waffe ihm in die Seite gerissen hatte. Da Spikor sicher gehen wollte, dass der Soldat auch ausgeschaltet war, gab er ihm noch einen Tritt an den Kopf, der den Mann endgültig KO gehen ließ.
Teela hatte den Schrei trotz des Motorenlärms gehört und das Fahrzeug gestoppt. Sie konnte von Vorne nicht sehen, was vor sich ging, und wollte sich gerade aus dem Fahrzeug lehnen, als Strongarm sie attackierte. Dazu verließ Skeletors neuester Mann nicht einmal sein Versteck in den Büschen, sondern setzte gekonnt seine neue Armprothese ein. Mit einem metallischen Klacken fuhr der künstliche rechte Arm des Kämpfers immer weiter aus wie ein Fernrohr, und Teela sah eine stählerne Hand mit atemberaubender Geschwindigkeit auf ihr Gesicht zuschießen. Bevor sie reagieren konnte, schlossen sich die kalten Metallfinger mit stählernem Griff um ihren Hals und begannen, ihr die Luft abzudrücken. Der Griff war so stark, dass sie nicht hätte aufstehen können, selbst wenn sie nicht mehr angeschnallt gewesen wäre. Sie schlug nach dem Arm, um sich zu befreien, doch der Stahl war härter als ihre Fäuste. Sie griff nach einem kleinen Messer, das im Handschuhfach neben der Steuerung lag, und stach auf den Metallarm ein, doch sie konnte die Panzerung nicht durchdringen. Langsam ging ihr die Luft aus. Ihr Blick verschwamm. Gerade noch konnte sie erkennen, dass He-Man auf Battle-Cat um die Biegung zurückkam. Er musste bemerkt haben, dass sie aufgehalten worden war! Sie gab ihre Befreiungsversuche auf und streckte die Hand nach ihrem Helden aus. Er würde ihre Feinde besiegen! Mit letzter Kraft krächzte sie einen Hilferuf heraus: ?He-Man! Hilf mir!? Doch He-Man kam nicht näher. Er blieb ungerührt auf Battle-Cat sitzen und sah sich das Schauspiel an. Und er lachte! Er lachte laut und böse! Entsetzt musste Teela erkennen, dass sie allein in diesem Wald war und niemand ihr helfen würde. Kurz, bevor ihr schwarz vor Augen wurde, glaubte sie, noch erkannt zu haben, dass He-Man seine Hautfarbe in blau geändert hatte. Ihr letzter Gedanke war, dass sie wohl schon halluzinierte. Dann forderte der Sauerstoffmangel im Gehirn seinen Tribut, und die Kommandantin der königlichen Leibgarde wurde bewusstlos.

Spikor und Strongarm besahen ihr Werk, während der blaue He-Man auf seinem Battle-Cat langsam näherritt und vor ihnen abstieg. ?Gute Arbeit, Faker!? lobte Strongarm den Androiden, der seiner Aufgabe, He-Man zu imitieren, wieder einmal hervorragend nachgekommen war. Der bärenstarke Roboter, der nun wieder seine normale, blaue Hautfarbe angenommen hatte, damit seine Leute ihn als einen der ihren erkennen konnten, zeigte ob dieses Lobs keine Gemütsregung, sondern warf nur einen Blick auf Panthor, Skeletors lila Kampfkatze, die extra für diesen Einsatz grün-gelb angemalt worden war. Man konnte nicht sagen, dass das Tier sonderlich glücklich darüber gewesen war, doch Skeletor und sein Stallknecht Beast-Man hatten Panthor schließlich ?überzeugt?. ?Ohne die Katze wäre die Tarnung diesmal nicht perfekt gewesen? meinte Faker, der auch He-Mans Stimme genau nachahmte. Spikor stimmte zu, doch dann unterbrach Strongarm das Gespräch.
?Sieht aus, als ob der hier bald draufgeht!? Er zeigte auf den Gardisten, den Spikors Dreizack nahezu zerfleischt hatte. ?Hatte nicht gedacht, dass Randors Soldaten solche Weichlinge sind? antwortete Spikor entschuldigend. ?Skeletor wollte Geiseln. Er wird nicht begeistert sein, wenn der Kerl stirbt? gab Strongarm zu bedenken. ?Kann man nichts machen? erwiderte Spikor nur, ?wir brauchen mindestens 2 Tage nach Snake-Mountain, selbst mit dem Fahrzeug. Bis dahin ist er längst hinüber.? Strongarm dachte nach. Die Idee, den vorderen Teil des Battle-Ram einzusetzen, den man vom Hauptfahrzeug trennen und als kleines ein-Mann-Fluggerät verwenden konnte, verwarf er schnell wieder, weil dann der hintere Teil des Fahrzeuges nutzlos war und zurückgelassen hätte werden müssen. Schließlich machte er einen Vorschlag: ?Wir könnten ihn auf Panthor festbinden und die Katze vorrausschicken. Die läuft querfeldein und ist viel schneller als der Panzer, die schafft es in weniger als einem Tag.? ?Aber Panthor sieht immer noch aus wie Battle-Cat und das können wir hier auch nicht ändern. Wenn unsere Leute ihn ohne uns sehen, werden sie ihn angreifen, und wir können ihnen auch keinen Funkspruch zuschicken, weil die Eternier sonst von unserer Anwesenheit erfahren und uns orten können? warf Spikor ein. ?Wir könnten Screeetch mit einer Nachricht schicken, der fliegt die Strecke in ein paar Stunden? schlug Strongarm vor. Spikor war einverstanden und rief seinen Vogel zu sich. Während Strongarm die Nachricht schrieb (Spikor, der früher ein einfacher Schmied in einem abgelegenen Dorf gewesen war, konnte weder Lesen noch Schreiben) und an Screeetchs Bein befestigte, schnürte Spikor den halbtoten Gardisten auf Panthors Sattel fest. Dann brachen beide Tiere auf und die Männer blieben mit dem erbeuteten Panzer und der gefangenen Teela zurück. Allerdings verloren sie keine Zeit. Der Battle-Ram war ein mächtiges Kampfgefährt und deshalb eine wichtige Kriegsbeute. Er musste schnellstens nach Snake-Mountain gebracht werden. Spikor befahl Strongarm ans Steuer und setzte sich auf den immer noch blutbesudelten hinteren Sitz, von wo aus das Geschütz bedient wurde. Teela wurde gefesselt und von Faker getragen. Da der Roboter über gewaltige Kraftreserven verfügte und außerdem niemals müde wurde, war es kein Problem, ihn einfach neben dem Fahrzeug herlaufen zu lassen. So schnell es die Straßenverhältnisse zuließen, machten die drei sich mit ihrer Beute auf den Weg zurück in Skeletors Schattenreich, aus dem sie gekommen waren.

Nachdem sie die bewaldeten Hügel hinter sich gelassen hatten, erreichten sie eine Ebene, auf der es nicht geregnet hatte. Hier waren die Straßen trockene Schotterpisten, auf denen Strongarm die volle Geschwindigkeit des Battle-Rams ausfahren konnte. Faker musste mit Teela im Laufschritt nebenher eilen, um nicht abgehängt zu werden. Als die Kommandantin der königlichen Leibgarde das Bewusstsein wiedererlangt hatte, hatte sie sich zunächst heftig gewehrt, bis Spikor das Fahrzeug anhalten lies und die immer noch gefesselte Gefangene wild verprügelte. Schließlich, aus zahlreichen kleinen Wunden blutend und übel zugerichtet, hatte Teela ihren Widerstand eingestellt, da sie die Fesseln ja doch nicht lösen konnte und erkannt hatte, dass sie auf diese Weise nur unnötig ihre Kraft vergeudete. Seitdem lies sie sich mit stoischem Gesichtsausdruck und immer noch im Laufschritt von Faker vor dem Panzer hertragen.
Die Gegend wurde immer öder, je näher sie Skeletors Reich kamen, und längst war aus der Ebene eine karge Steppe geworden, voller armseliger Büsche und verkümmerter Bäume. Der Boden war steinig und staubig, und schon lange hatte der Trupp keine anderen Vögel mehr gesehen als Krähen und Geier. Spikor kümmerte sich nicht darum. Er saß hinten auf dem Panzer und überließ Strongarm die Steuerung des Fahrzeugs. Über den Battle-Ram hinweg blickte er nach vorne, wo er im schwindenden Licht des Abends gerade noch Strongarms Helm und davor Fakers Rücken erkennen konnte. Im Inneren des Stachelkämpfers machte sich ein Triumphgefühl breit, wie er es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Er war in den Krieg gezogen, und nun kehrte er siegreich wieder zurück! Mit reicher Beute würde er an der Spitze seiner Truppen in Snake-Mountain einziehen und allen, ganz besonders Skeletor, zeigen, was für ein mächtiger Krieger und großer Stratege er war. Skeletor würde ihn ganz sicher zu seinem General machen, und Spikor würde an der Spitze einer Armee der Finsternis das Königreich Eternia zerschmettern, dieses verhasste Land, dessen Bewohner ihm so über mitgespielt hatten. Dass es sich dabei in Wirklichkeit nur um die Bewohner eines einzigen Dorfes gehandelt hatte, übersah Spikor geflissentlich. Stattdessen erging er sich in Allmachtphantasien und sah sich schon als den größten Eroberer in der Geschichte des Planeten, den mächtigsten Kämpfer aller Zeiten, der selbst He-Man in den Staub werfen würde. Allen würde er es zeigen, allen! Sie würden bereuen, dass sie ihn verspottet hatten, und zu ihm aufsehen wie Sklaven zu ihrem Meister! Im Laufe der Fahrt steigerte Spikor sich immer weiter in diese Gedankenspiele hinein, und als es dunkel wurde, sah er sich schon als den zukünftigen König der Welt.

Screeetch war indessen ohne Pause geflogen und erreichte Snake-Mountain noch vor Sonnenuntergang. Ohne zu zögern stieß er auf das Tor oben auf dem Berg hinab, welches ins Innere der Burg führte. Normale Besucher mussten den ganzen Berg mühsam über eine ausgetretene, schmale Treppe hochklettern, nur um dann, nachdem sie das Tor oben auf der Spitze durchschritten hatten, im Inneren des Berges wieder hinunter zu laufen. Der Dämonenvogel hatte dies nicht nötig und flog ohne Vorwarnung durch das Tor, so dass sich Clawful, der dort als Wache eingeteilt war, hastig ducken musste. Hätte der Krebsmensch Haare gehabt, sie wären ihm zerzaust worden. ?Dieser verflixte Vogel, irgendwann brat? ich ihn!? hörten seine Kameraden den roten Kämpfer von oben hinunterschimpfen, als Screeetch vor Skeletors Thron landete und sein Bein mit der Nachricht vorhielt. Evil-Lyn las den Zettel vor und Skeletor gab sofort entsprechende Befehle. Beast-Man und Trap-Jaw wurden losgeschickt, um Panthor in Empfang zu nehmen, der dann auch kurz vor Mitternacht vor der Burg eintraf. Der Stallknecht sollte die grüne Farbe wieder von der Katze entfernen ? eine Aufgabe, auf die sich nicht einmal der dumme Beast-Man freuen konnte ? und der Techniker hatte dafür zu sorgen, dass der Gefangene irgendwie am Leben blieb. Außerdem schickte der Herr des Bösen auch seinen Kundschafter los. Tri-Klops sollte Spikors Gruppe entgegengehen und sie auf dem letzten Stück des Weges eskortieren. Dies erschien sinnvoll, denn Skeletor fürchtete, dass He-Man wieder einmal das Gras wachsen hörte und den Battle-Ram abfangen würde, noch bevor er in Sicherheit gebracht werden konnte. Spikor, Strongarm und Faker waren zwar allesamt gute Kämpfer, doch Tri-Klops beherrschte den Schwertkampf meisterlich und konnte außerdem mit seinen drei Augen alles sehen ? auch in völliger Finsternis! Der grün gerüstete Späher machte sich sofort auf den Weg.

Inzwischen war es Nacht geworden und Spikor hatte seinen Trupp rasten lassen. In einem Halbkreis aus Felsen und verdorrten Dornsträuchern hatten sie ein Lager aufgeschlagen und den Battle-Ram vor die offene Seite des Halbkreises gestellt. An einem Lagerfeuer gab es ein karges Mahl, von dem Teela nichts bekam. Schließlich wollte Spikor ihr nicht noch absichtlich die Kraft für einen Fluchtversuch geben. Nach dem Essen legten sich Spikor und Strongarm schlafen, während Faker, der als Maschine keinen Schlaf brauchte, eisern Wache hielt. Teela hatte inzwischen im Geiste alle Fluchtmöglichkeiten durchgespielt. Sie war gefesselt und geschwächt, und in dieser Steppe würden die anderen sie leicht einholen, es sei denn, sie könnte das Fahrzeug benutzen, doch dieses war von Strongarm gesichert worden. Zudem hatte sie furchtbaren Hunger. Als es schon weit nach Mitternacht war, setzte sich aufrecht an die Glut des verloschenen Feuers, denn inzwischen war es auch recht kühl geworden. Faker beobachtete sie aufmerksam, sagte aber nichts. Die Kämpferin musterte den blauen Androiden genau und überlegte, ob es ihr denn nicht möglich sein sollte, diese Maschine zu übertölpeln. Schließlich beschloss sie, Faker in ein Gespräch zu verwickeln, um seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu testen und zu sehen, ob sich daraus nicht eine Fluchtmöglichkeit ergäbe.
?Frierst du nicht?? fragte sie ihn. ?Nein? antwortete er emotionslos. ?Kannst du überhaupt etwas fühlen?? lies sie nicht locker. ?Ich fühle die Kälte, aber ich friere nicht. Wenn ich verwundet werde, fühle ich den Schnitt in meiner Haut, aber es schmerzt nicht.? ?Das habe ich nicht gemeint. Mir ist schon klar, dass du deine Umgebung registrieren kannst. Aber offenbar hast du keine Gefühle. Du bist nur eine willenlose Maschine? entgegnete sie enttäuscht. Wenn er keine Gefühle hatte, würde sie ihn auch nicht provozieren können. Damit war der einfache Weg versperrt, den sie bei jedem menschlichen Wächter leicht hätte anwenden können. Nun gut, sie hatte mit diesem Ergebnis gerechnet, schließlich war Faker nicht mehr als ein großes Werkzeug, aber einen Versuch war es dennoch wert gewesen. Als sie sich bereits Gedanken darüber machte, wie sie ihn stattdessen in eine Art Logikfalle locken und so seine künstliche Intelligenz in einer Endlosschleife einfangen könnte, erwiderte er mit grimmigem Unterton in der Stimme: ?Ich hasse dich!?
Überrascht sah sie auf. Hatte der Roboter gerade von Hass gesprochen? Konnte er überhaupt wissen, was das ist? Faker bemerkte ihren fragenden Blick und erklärte mit zunehmender Verbitterung in der Stimme: ?Ich kann sehr wohl fühlen. Das muss ich ja, wenn ich He-Man glaubwürdig imitieren soll. Muss Freundschaft heucheln und nett sein zu euch, ihr verfluchten Eternier. Skeletor hat mich mit Trap-Jaws Hilfe gebaut und mir dank seiner Magie die Fähigkeit gegeben, zu fühlen. Trap-Jaw hat in meinem Gedächtnisspeicher Informationen abgelegt, die es mir ermöglichen, jedes Gefühl zu identifizieren.? Fasziniert starrte Teela Faker an. Damit hatte sie nicht gerechnet, doch seine Worte klangen logisch. ?Heißt das, du kannst auch lieben?? ?Sicher, aber euch Eternier liebe ich nicht. Ich verachte und verfluche euch.? ?Warum? Wir haben dir doch niemals etwas getan, bis du gegen uns in den Krieg gezogen bist. Hast du uns etwa schon gehasst, bevor du uns je gesehen hast?? ?Ja!? Teela war fassungslos. ?Warum?? fragte sie noch einmal. ?Hat Skeletor dich schon böse gebaut??
Die Reste der Glut warfen rötliche Schatten auf Fakers blaues Gesicht und ihr Schimmer verfing sich in seinen orangeroten Haaren, die nun selbst wie Flammen auf seinem Kopf aussahen. Sein Blick verlor sich in der Asche des Lagerfeuers und seine Stimme klang, als käme sie von weit weg, als er in die Tiefen seiner künstlichen Erinnerung abtauchte und, mehr für sich selbst, statt als Antwort auf ihre Frage, zu erzählen begann: ?Skeletor musste mich nicht ?böse bauen?. Ich bin es von selbst geworden. Du willst den Grund wissen? Der Grund seid ihr! Ihr, die ?heldenhaften Verteidiger Eternias?. Ihr seid so perfekt, so unfehlbar, das Gute in Person. Ihr haltet euch für die Beschützer dieser Welt, dabei merkt ihr gar nicht, dass ihr selbst es seid, die Eternia bedrohen. Ihr verursacht das Böse! So, wie ihr mich böse gemacht habt!? Entsetzt starrte Teela Faker an. Das konnte doch nicht sein Ernst sein? Alle Gedanken an Flucht waren vergessen. Zu faszinierend war dieser Einblick in die Gedankenwelt eines Evil Warrior, diese einmalige Gelegenheit, etwas über die Beweggründe zu erfahren, die diese Männer dazu brachten, immer wieder gegen Recht und Ordnung in die Schlacht zu ziehen und in ihrem unablässigem Kampf gegen das Gute niemals aufzugeben.
?Wie können wir euch böse gemacht haben, wir haben euch doch nichts getan?? wiederholte Teela ihr letztes Argument. ?Es ist die Art, wie ihr lebt. Die Lebensweise, die ihr als vorbildhaft anseht und die in eurer Gesellschaft von allen erwartet wird? antwortete Faker ruhig, aber mit spürbarem Zorn in der Stimme. ?Die Erinnerungen in meinem Speicher sind nicht meine eigenen, da ich noch keine 3 Jahre alt bin, doch sie sind echt und stammen von den verschiedensten Menschen eures Königreiches. Wie Trap-Jaw es geschafft hat, mir diese Erinnerungen zu verleihen, weiß ich nicht. Aber ich fühle, dass sie echt sind. Jede einzelne von ihnen.? ?Was sind das für Erinnerungen?? Faker sah eine ganze Weile in die Glut, bevor er antwortete. ?Ein kleiner Junge, der enttäuscht ist, weil der Vater seinen großen Bruder mehr lobt als ihn, obwohl er sich doch genauso angestrengt hat. Eine Frau, die vor Verzweiflung aufschreit, weil der Mann, den sie abgöttisch liebte, sie doch für eine Andere verlassen hat, obwohl sie alles für ihn getan und jede Erniedrigung erduldet hatte. Ein junger Mann, der verzweifelt und mit geballten Fäusten am Rande der Tanzfläche steht und zusehen muss, wie seine Geliebte mit einem Andern tanzt, und sich fragt: ?Warum er? Wieso bin ich nicht gut genug? Weshalb hast du mich für diesen da verlassen?? Ein kleines Mädchen, dass wütend ist, weil die Mutter ihre ganze Aufmerksamkeit dem Baby widmet und keine Zeit mehr für sie hat, obwohl sie doch auch ihren Kummer hat und getröstet werden will. Ein Schüler, den der Lehrer für etwas bestraft, was sein Sitznachbar getan und geschickt auf ihn geschoben hat. Die Liste ist endlos.? Betrübt schaute Faker Teela an, und sie las auch etwas Anklagendes in seinem Blick.
?Aber das sind Dinge, für die niemand etwas kann. So ist das Leben!? entgegnete sie entschieden. Auch sie hatte derartiges schon erlebt, beispielsweise während ihrer Armeeausbildung, wo sie oft unter Schikanen der ?Kameraden? zu leiden hatte, weil sie eine Frau war und es den Männern nicht gefiel, dass sie das traditionelle Rollenbild durchbrochen hatte. Aber das war keine Entschuldigung dafür, dass jemand böse wurde. Als sie diesen Gedanken laut aussprach, lachte Faker humorlos. ?Nein, da hast du recht. Deswegen wird man auch nicht böse. Es ist die Art, wie ihr damit umgeht. Wenn der gehörnte junge Mann wütend wird und sich mit demjenigen prügelt, der ihm die Frau ausgespannt hat, oder wenn das einsame Mädchen eine Vase vom Tisch wirft, um doch noch irgendwie die Aufmerksamkeit der Mutter zu erregen, wie bezeichnet ihr solche Leute dann?? fragte er herausfordernd. ?Sperrt ihr den Mann etwa nicht als gewalttätigen Schläger ein, beschimpft ihr das Mädchen etwa nicht als unartig?? ?Doch? gab Teela zu, ?aber?? ?Aber ist die Frau, die den Mann so kaltblütig mit einem Anderen betrogen hat, die Mutter, die ihre Tochter so grausam im Stich gelassen hat, sind diese Leute etwa gute Menschen?? unterbrach Faker. ?Nein, aber?? ?Und doch? fiel er ihr wieder ins Wort, ?werden sie mit keinem Wort verurteilt. Ihnen macht eure Gesellschaft keinen Vorwurf. Dabei sind sie auch nicht besser als die anderen. Sie sind alle Menschen, sie machen alle Fehler, aber einige Fehler werden mit Verachtung bestraft, andere hingegen werden einfach hingenommen. Und über dieser Ungerechtigkeit soll man nicht böse werden?? ?Man kann doch einer Mutter keinen Vorwurf machen, wenn sie sich um ihr weinendes Baby kümmert? entgegnete Teela, nun schon leicht erbost über die unhaltbare Argumentation ihres Gegenübers.
?Nein, dass kann man nicht? stimme er zu, ?aber genauso wenig einem kleinen Kind, dass es noch nicht besser weiß und einfach nur Angst hat, weil es sich alleingelassen fühlt. Das Schlimme daran ist die Lüge. Die Lüge von euch Helden, dass ihr es besser machen würdet, dass ihr angeblich gute, ja perfekte Menschen wärt. Ihr erweckt den Eindruck, als ob euch solche Fehler nicht passieren würden. Wenn König Randor seine Frau mit einem Zimmermädchen betrügt, wird es verheimlicht und totgeschwiegen, und nach außen hin wird betont, was für ein perfekter Ehemann er doch ist. Und das alles nur, um den Schein zu wahren, damit auch ja niemand etwas Schlechtes über den König sagen kann, der ja ein Vorbild für die ganze Nation sein soll. Wäre er nicht ein besseres Vorbild, wenn er seine Fehler zugeben und für sie geradestehen würde?? ?Randor hat Marlena nie betrogen!? fauchte Teela wütend. ?Auch wenn das stimmt? antwortete Faker sofort, ?gibt ihm das noch lange nicht das Recht, andere zu verurteilen, die nicht so standhaft waren. Selbst wenn er wirklich so perfekt ist, wie ihr behauptet, kann er nicht ernsthaft erwarten, dass jeder andere Mensch im ganzen Land dies auch ist.? ?Aber er kann erwarten, dass alle ihr Bestes geben und es versuchen.? ?Der kleine Junge, von dem ich vorhin sprach, hat auch sein Bestes gegeben. Und wurde es ihm gedankt? Nein!? warf Faker verärgert ein. ?In diesem Fall. Aber beim nächsten Mal ist vielleicht er der Bessere und wird anstatt seines Bruders gelobt. Genau darum geht es ja ? dass man immer bemüht ist, das Beste zu erreichen. So wie unsere großen Vorbilder!? ?Vorbilder wie He-Man?? Faker lachte spöttisch. ?Kein normaler Mensch kann so perfekt sein wie He-Man, und jeder, der es versucht, muss scheitern. Was wird aus all jenen, die es nicht geschafft haben? Die nun, aufgrund ihrer Erziehung und all dessen, was jeder im Land sagt und denkt, glauben müssen, wertlose Versager, ja sogar schlechte Menschen zu sein? Ich sage dir, was aus ihnen wird: sie kommen zu uns! Ihr macht uns böse, und je besser ihr seid, desto stärker wird das Böse im Königreich!? Nun war Fakers Lachen triumphierend.
Teela blickte angsterfüllt auf die lachende Maschine vor sich, als ihr klar wurde, welcher Gedankengang diesen Überlegungen zugrunde lag. Natürlich wusste sie, dass nicht jeder Mensch so dachte wie Faker, aber ihr war auch klar, dass es viele gab, denen es genau so ergehen würde. Sie versank in Schweigen und schauderte ob der Zukunft, die sie nun für Eternia voraussah. Sie konnten noch so sehr versuchen, eine gute Gesellschaft im Königreich aufzubauen, eine Kultur des Helfens und der Freundlichkeit, aber es würde mehr als genug Menschen geben, die hierbei verloren gehen würden. Diejenigen, die es nicht schafften, oder die einfach nicht wollten. Denen der normale Durchschnitt genügte und die kein Interesse daran hatten, etwas Besseres zu erschaffen. Sie alle drohten Skeletors nächste Gefolgsleute zu werden. Sie sah auf die schlafenden Spikor und Strongarm hinab. Waren ihre Beweggründe, für das Böse in die Schlacht zu ziehen, ähnlich? Hatten auch sie einfach nur die Nase voll von einer perfekten Gesellschaft, der sie nicht gut genug gewesen waren? Hatten sie keine Lust mehr auf eine, vielleicht geheuchelte, Doppelmoral der Oberschicht? So gesehen war Skeletor erfrischend ehrlich ? er gab ganz offen zu, böse zu sein und nur seinen eigenen Interessen zu folgen. Enttäuschte Menschen, die aufgrund ihrer einseitigen Erfahrungen annahmen, dass ohnehin jeder Mensch böse sei, mussten diese Offenheit Skeletors positiv wahrnehmen. Aber Teela wusste, dass Randor in seiner Güte genauso ehrlich war. Nur wie sollte man andere davon überzeugen? Wieder dachte sie an ihre Ausbildungszeit zurück. Einige der Männer hatte sie durch ihre Leistungen eines Besseren belehren können, doch noch immer gab es bei vielen Soldaten Vorbehalte gegen sie, die sogar noch zugenommen hatten, als man Teela befördert hatte. So mancher Kamerad hatte sich damals übergangen gefühlt, und diese Enttäuschung hatte das Misstrauen noch zusätzlich geschürt. Zweifel nagten an Teela. Wenn selbst die Leibgarde des Königs anfällig für solche Denkweisen war, wie würde es dann erst dem einfachen Volk ergehen? War es wirklich der Versuch, das Bemühen der heroischen Verteidiger, eine bessere Welt zu schaffen, das diese Welt erst in Gefahr brachte?

Stumpf hatte die Kommandantin der königlichen Leibgarde vor sich hin gebrütet, während Faker ungerührt weiter Wache hielt. Die Glut des Feuers war endgültig verloschen, und nach Stunden dämmerte der neue Tag grau über der trostlosen Steppe herauf. Tri-Klops, der zu Fuß unterwegs war, konnte den Lagerplatz inzwischen dank seiner perfekten Augen am Horizont erkennen, und Screeetch, der nach einer kurzen Nachtruhe auf eigene Faust losgeflogen war, um wieder bei Spikor sein zu können, überholte den Späher Skeletors gerade. Beide, Vogel und Kundschafter, erkannten die Gefahr im gleichen Augenblick. Und beide handelten sofort. Screeetch legte die Flügel an, um wie ein Pfeil vom Himmel hinunter zu stürzen und den Feind zu attackieren, den er mit seinen Adleraugen zielsicher zwischen den Dornsträuchern entdeckt hatte, als dieser sich gerade an das Lager der Evil Warriors anpirschte. Und Tri-Klops, der die Situation sofort erfasste und als einmalige Gelegenheit wahrnahm, die durch ihren Erfolg nun allmählich für ihn lästig werdende Konkurrenz in den Reihen der Evil Warriors zu beseitigen, zog sein Schwert und hielt es so, dass sich die fahle Morgensonne, die sich gerade über den Horizont schob, darin spiegelte, sodass der Vogel geblendet wurde und, da er seinen Fall nicht mehr stoppen konnte, mehrere hundert Meter von seinem Ziel entfernt zu Boden stürzte und benommen liegen blieb.
Sein Schrei und Sturz alarmierten nichtsdestotrotz das Lager. Faker sprang auf und zog sein Schwert, die anderen beiden erwachten und erhoben sich, noch schlaftrunken, von ihren Ruheplätzen. Spikor griff nach seiner Keule und sah zu Teela, die sich aber nicht gerührt hatte, und Strongarm warf einen Blick auf den Battle-Ram, der aber immer noch am gleichen Platz stand. Beide sahen sich an. Woher kam die Gefahr? Da brach mit einem Brüllen Battle-Cat aus dem dürren Buschwerk und stürzte sich auf Faker. Der Android ging unter der Wucht und dem Gewicht seines Gegners zu Boden und seine blaue Haut wurde von den Krallen der riesigen, grünen Raubkatze zerfetzt. Doch Faker kannte keinen Schmerz und stemmte sich mit seiner unmenschlichen Kraft dagegen. Langsam hob er Battle-Cat hoch. Die anderen beiden hatten keine Chance, dem Roboter zu helfen, denn sein Reiter war gleich hinter ihm aus der Deckung getreten. Da stand er nun ? He-Man, der Stärkste der Starken, größter Held und Beschützer Eternias. Was die anderen nicht wussten, war, dass die Sorceress ihn alarmiert hatte, und He-Man war ihrem Ruf gefolgt. Spikor sah ihn an! Seinen Erzfeind! Seinen Hassgegner! Und er verlor die Beherrschung! Mit einem wilden Brüllen auf den dunkelblauen Lippen stürmte der Stachelkämpfer vor und warf sich dem Menschen wie ein wilder Ochse entgegen. Doch der Angriff, so wuchtig er auch war, war dennoch unkoordiniert, und He-Man hatte keine Schwierigkeiten, sich unter Spikors Hieb weg zu ducken und ihm mit der Breitseite seines Zauberschwertes in die rechte Kniekehle zu schlagen. Spikor stürzte und überschlug sich aufgrund seines hohen Tempos mehrmals im Sand. Da schoss Strongarms stählerne Hand nach vorne, um sich um He-Mans Hals zu schließen, so wie sie es am Vortag bei Teela getan hatte. Aber heute war der Gegner nicht überrascht, und er war der stärkste Mann des Universums. Ein gezielter Schlag mit dem Zauberschwert trennte die künstliche Hand vom stählernen Gelenk, und sie fiel mit einem elektronischen Knistern zu Boden.
Schmerz konnte Strongarm in der Prothese nicht spüren, wohl aber empfand er Wut über seinen Fehler. Als er Spikor fallen sah, hatte er unbedacht gehandelt und war prompt dafür bestraft worden. Erzürnt blickte er zum Battle-Ram. Das Geschütz! Ja, er würde das Geschütz gegen He-Man einsetzen! Er rannte los, doch He-Man lief ihm nach und holte ihn ein, gerade, als er sich auf den hinteren Sitz des Fahrzeugs schwingen wollte. Der Held schlug mit gewaltiger Kraft zu, und Strongarm, der He-Man noch nie begegnet war und deshalb die Kraft seines Gegners trotz aller Warnungen seiner Kameraden unterschätzt hatte, prallte zurück und schlug mit dem Hinterkopf an die Außenwand des Panzers. Strongarms Helm lies einen metallischen Klang hören, der den Kämpfer Skeletors in seine Ohnmacht begleitete. Inzwischen hatte Faker Battle-Cat von sich gestoßen und stand der Katze nun mit gezogenem Schwert, aber völlig zerkratzt und lädiert gegenüber. Spikor stand soeben wieder auf und konnte gerade noch sehen, wie He-Man von hinten auf sein blaues Ebenbild losging und ihm das Schwert mitten durch den künstlichen Körper jagte. Funkensprühend brach Faker zusammen.
Wütend stürmte Spikor erneut auf He-Man los, doch er erreichte seinen Erzfeind nicht mehr. Battle-Cat sprang den blauen Stachelkämpfer von der Seite an und warf ihn zu Boden. Spikor verlor seine Keule bei dem Sturz, aber er gab nicht auf. Während ihm Battle-Cats Krallen zahlreiche Wunden an Armen und Beinen zufügten, arbeitete Spikor verbissen seinen linken Arm hoch, und als er in Position war, stieß er mit seinem Dreizack zu. Die verwundete Katze heulte vor Schmerz, ließ aber nicht los, sondern verbiss sich nun noch stärker im rechten Arm ihres Gegners. Spikor, der vor Schmerz und Blut kaum noch etwas sehen konnte, wusste nur noch eine Möglichkeit, um sich von dieser tobenden Bestie zu befreien. Mit seinem freien Arm packte er den Kater am Rücken und drückte ihn an sich. Battle-Cat war zu überrascht, als dass er sich noch rechtzeitig hätte dagegen stemmen können, und so bohrten sich die Stacheln von Spikors Brustpanzer in den weichen Bauch des Raubtiers. He-Man, der bislang keine Chance gehabt hatte, in den Kampf einzugreifen, versuchte nun, seinem Reittier zu Hilfe zu eilen. Da er sein Schwert nicht einsetzen konnte, ohne Battle-Cat zu gefährden, warf er es Teela zu, die sich damit schnell befreite. He-Man schlug, als sich eine Lücke im Kampf öffnete, mit der Faust zu und traf Spikor im Gesicht. Der ohnehin schon schwer verwundete Monsterkämpfer sackte bewusstlos zusammen und Battle-Cat schleppte sich, aus zahlreichen Wunden blutend, von seinem bislang gefährlichsten Gegner weg und fiel erschöpft zu Boden. Das Gute hatte gesiegt, wenn dieser Sieg auch nicht leicht gewesen war.

Tri-Klops beobachtete die folgende Beratung zwischen He-Man und Teela aus einem Versteck heraus. Nach einigen Minuten brachen beide auf. Teela steuerte den Battle-Ram, He-Man nahm den erschöpften Battle-Cat auf seine Schultern und beide zogen langsam, aber stetig, ihrer Heimat entgegen. Tri-Klops ließ sie ziehen. Er besah sich das Ergebnis der Schlacht, in die er leicht hätte eingreifen können, wenn er gewollt hätte. Faker war zerstört, Strongarm beschädigt, Spikor schwer verwundet. Screeetch hatte seinen Sturz ebenfalls nicht ohne Blessuren überstanden, und von Beute und Gefangenen konnte keine Rede mehr sein. Der Kundschafter des Bösen lachte still in sich hinein. Er sah auf den am Boden liegenden Spikor und dachte triumphierend: ?Du wirst mir meinen Platz als Skeletors bester Mann nicht streitig machen, Stachelkopf, du nicht! ICH werde der General sein, der Skeletors Truppen zum Sieg führt! Ich allein, verstehst du? ?
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