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: 01.12.2004
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   Aufbruch nach Eternia - Türme des Schicksals    Auf der Flucht
Aufbruch nach Eternia - Türme des Schicksals
Auf der Flucht
Mögest Du immer Rückenwind haben,
und stets Sonnenschein im Gesicht.
Und mögen die Schicksalsstürme Dich hinauftragen
auf dass du mit den Sternen tanzt.
( George Jung )



Kapitel 1: Auf der Flucht



Es war eine ruhige Sommernacht, kaum ein Geräusch war zu hören. Dennoch lag ein unangenehmer Geruch in der Luft. Ein fauliger, modriger Geruch, gemischt mit dem Gestank von verbranntem Gummi und Schwefel. Nur selten sah man eine Gestalt durch die engen Gassen huschen. In diesem Teil der Stadt gab es kaum Beleuchtung, denn es war der ärmste Stadtteil. Deshalb hatte er auch diesen Weg gewählt, um aus der Stadt zu gelangen, möglichst unerkannt und geschützt von der Dunkelheit.



Plötzlich ging drüben in der Hauptstadt eine Sirene los, dann noch eine und dann eine Dritte. Taghell erschien auf einmal der ganze Himmel über dem Stadtzentrum erleuchtet. Sie hatten es also bereits bemerkt. Er presste das kleine Bündel noch fester an seinen Leib. Hier und da blickte nun ein neugieriges Gesicht aus einem der wenigen Löcher, die Tageslicht in die Baracken lassen sollten, ohne die Wärme herauszulassen. Glas war ein kostbares Gut und nur den Humanoiden vorbehalten. Die Sakral hatten eine strenge Hierarchie und duldeten das Anhäufen von Besitz nur unter Ihresgleichen. Dabei vergaßen sie oftmals, dass alle Völker, die in der Stadt lebten, Sakral waren. Doch sie hielten sich für die einzig wahren, reinblütigen Herrscher über den Planeten.



Optkor bog um eine Ecke, hier war wieder alles düster. Er konzentrierte sich einen Moment lang und schloss die Augen. Dann öffnete er sie wieder und blickte sich um. Alles vor ihm erschien nun in hellerem oder dunklerem Grün, aber er konnte wieder genug sehen, um seinen Weg fortzusetzen. Bislang hatte er diese Fähigkeit gut verborgen, auch er gehörte zu den Mutanten, die vom Herrschervolk so verhasst waren. Doch noch hatten sie keine Möglichkeit, den genetischen Defekt festzustellen, der die Mutationen hervorrief. NOCH nicht, denn Optkor hatte den Prototypen der neuen Waffe bei sich, gestohlen aus dem Labor tief im Inneren des Hauptturmes der Stadtfestung.



Die Stadtfestung bestand aus einer gigantischen Burg mit drei Türmen, die die drei Stadtteile miteinander verband. Der Hauptturm stand genau im Zentrum und barg den Verwaltungsapparat, Labore, den Sitz des hohen Rates und den Thronsaal des Herrschers. Durch eine Gondelbahn konnte man in die beiden benachbarten Stadtteile reisen, einmal auf die Seite der Mutanten, die in Armut lebten, zum anderen auf die Seite der Tiermenschen, denen es zwar nicht viel besser ging, die sich aber durch Hilfsarbeiten und Dienstleistungen einen gewissen Überlebensstandart sichern konnten. Tiermenschen, denen es besonders gut ging, war ein Platz im Hause eines ?echten? Sakral gewährt, wo sie sich um den Haushalt kümmerten. Die Insektoiden traf es sogar besonders gut, da sie als ausgezeichnete und extrem loyale Kämpfer im Militär bestens versorgt wurden.



Optkor beschleunigte seinen Schritt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Stadtteil sich so lang hinziehen würde. Es gab keine Karten, da man hier einfach baute, wo man wollte, solange das Material nicht ausging. Die Mutanten stellten ein großes Problem dar, denn sie waren in der Gesellschaft nicht erwünscht. Auf sich selbst gestellt mussten sie irgendwie versuchen, sich über Wasser zu halten. Wie den letzten Abschaum verbannte man sie in diesen Teil der Stadt, der wie ein Gehege wirkte. Aber immer lauter wurden auch die Stimmen, die gegen den Ausschluss waren. Zu Viele hatten ihre Kinder fort geben müssen, weil sie eine Mutation aufwiesen. Und nun verstand Optkor das ganze Ausmaß des ?Problems?: der Stadtteil war riesig, würde es hier zum Aufstand kommen, dann hätten die Sakral kaum eine Chance.



Sie hatten Angst, fürchterliche Angst sogar, dass sie ihre Macht an die niederen Völker verlieren könnten. Und bei dem Ausmaß der Mutationen war gar nicht auszudenken, was alles passieren würde, käme es zum Bürgerkrieg. Der hohe Rat bediente sich der Magie, betrieb sie wie eine Wissenschaft und hatte auch einige gelehrige Schüler angelernt, die einst ihren Platz einnehmen würden. Doch diese wenigen Menschen würden wohl kaum dem Ernstfalle standhalten können.



Dann hörte er ein leises Geräusch, wie ein Surren und Flattern. Abrupt blieb er stehen, presste sich tief in eine Nische in der Wand. Schon tauchte das Fluggerät über der nächsten Barackenzeile auf: wie eine riesige Libelle schwebte der Fighter über der Strasse, während Suchscheinwerfer jeden Winkel ausleuchteten. Waren sie schon so verzweifelt? Der Fighter war noch ein Prototyp, dennoch eine mächtige Waffe, mit der man den befürchteten Aufstand niederkämpfen wollte. Obwohl die Sakral technisch sehr versiert waren, hatten sie bislang nur wenig Interesse daran gezeigt, den Luftraum für sich zu erobern, dies überließen sie den Andreniden, die einen Großteil des Militärs ausmachten. Ihr Hive- Denken machte sie zu idealen, gefügigen Soldaten, jedoch flogen sie nur bei Tag, da sie in der Nacht vollkommen blind waren.



Einen Moment lang verharrte der Fighter, dann schwirrte er fast lautlos weiter? Hatte man ihn entdeckt? Optkor rannte nun. Er wusste, dass jeden Moment die Soldaten da sein würden und richtig: schon konnte er das Scheppern von Rüstungen und Waffen hören. Die letzten Gesichter, die neugierig nach draussen geblickt hatten, waren nun wieder vollkommen in den Gebäuden verschwunden. Keine Seele befand sich mehr auf der Strasse, denn entweder wollte man dem Ärger entgehen oder es interessierte die Leute einfach nicht, weil sie ja nichts damit zu tun hatten. Die Andreniden waren schnell, sowohl in der Luft als auch zu Fuß. Immer näher kamen die Schritte hinter ihm. Optkor rannte um eine Ecke und blieb abrupt stehen. Vor ihm schwebte der Fighter und richtete im nächsten Moment den Suchstrahl auf ihn.



Unter dem Fluggerät befanden sich mehrere Soldaten und ein weiß gekleideter Mann von erhabener Statur, mit einem Symbol auf der Stirn, dass seine Zugehörigkeit zur Wissenschaftsgilde bestätigte. Optkor war gefangen, es gab keinen Ausweg mehr. Der Wissenschaftler trat auf ihn zu und sein Blick verfinsterte sich. ?Optkor, ausgerechnet Du? Mein bester Schüler?? Er sah ihm mit ernster Miene und merkbarer Enttäuschung ins Gesicht, aber Optkor wendete den Blick ab. ?Was?? Bist Du etwa einer von denen??. Granko, wie der Wissenschaftler hieß, hatte ein grünes Schimmern in den Augen seines Gegenübers vernommen. Er ging einen weiteren Schritt auf ihn zu, nahm das Kinn seines Gegenübers in die Hand und drehte den Kopf zurück, sodass er ihm tief in die Augen sehen konnte.



?Tatsache, ein reinrassiger Mutant. Ich hatte ja keine Ahnung. So schleicht ihr euch also bei uns ein!? Dann sah er das Bündel, das Optkor noch immer an sich gepresst hielt und riss es ihm aus der Hand. Optkor sagte währenddessen kein einziges Wort, er fühlte sich auch nicht imstande, sich zu bewegen und er wusste ganz genau, was nun folgen würde. Granko wickelte etwas aus, was Optkor sorgfältig in ein Tuch eingeschlagen hatte. Es sah aus wie ein großer Kristall, an dessen Ende sich ein kleines Gerät mit wenigen Schaltern befand. Seit zwei Jahren hatte Granko daran gearbeitet, unter höchster Geheimhaltungsstufe. Doch sein Schüler hatte trotzdem erfahren, was für eine grausame Waffe im Labor gebaut wurde.



?Nun, ich nehme an, Du weißt, was das ist, sonst hättest Du es ja nicht gestohlen?!?, fuhr Granko fort. ?Und nun verstehe ich auch, warum Du es gestohlen hast, denn Du bist einer von ihnen. Das kann ich dir nicht einmal verübeln. Aber ich kann es auch nicht gutheißen und ich muss dich bestrafen für deinen Hochverrat.? Optkor wagte nicht, den Blick wieder anzuheben. ?dieses Gerät dient der Findung des Mutanten- Genoms. Aber das weißt Du ja bereits. Aber was Du nicht weißt: Das Gerät findet es nicht nur, es löst es auch direkt auf.? Ein finsteres Lächeln huschte durch das Gesicht des Wissenschaftlers. Nun blickte Optkor ihn mit entsetzt aufgerissenen Augen an. Auch durch die Reihen der Soldaten ging plötzlich ein Raunen.



?Das was ihr plant ist Völkermord!?, rief Optkor seinem Gegenüber zu. Doch Granko grinste nur noch mehr. ?Nein, es ist reiner Selbstschutz. Ihr seid nicht lebenswert, keine Reinblüter. Ihr beschmutzt unser Dasein. Und es ist kein Mord, es ist eine Erlösung von Eurem jämmerlichen Dasein. WIR sind nutzbringend, wir sind die Zukunft!?. Dann zeigte er auf die Andreniden. ?SIE sind ebenfalls nutzbringend und haben sich einen Platz in der Zukunft verdient. IHR seid gar nichts. Ich tue Dir sogar einen Gefallen.? Dann aktivierte er das Gerät und richtete den Strahl direkt auf Optkor. Das Entsetzen stand dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben, als sein Körper binnen Sekunden einfach verglühte.



?Nun haben wir also auch die Feldtests erfolgreich gemeistert?, grinste Granko nur noch hämischer. Dann trat er mit seinem rechten Fuß in die Asche, die noch von Optkor übrig war und kickte ein wenig davon verächtlich fort. ?Ein Danke wäre ganz nett gewesen, aber ich habe es gern getan..?, fügte er noch hinzu. Die Andreeniden sahen sich gegenseitig an, aber niemand wagte, ein Wort zu sagen. Dann traten sie ihren Rückzug zur Hauptstadt an.



Gegenwart



?Wie weit seid Ihr mit der Entschlüsselung??, raunzte Hordak. Shadow Weaver war gerade hereingeschwebt, ein altertümliches Buch in der Hand. Hordak war ungeduldig geworden. Zwar lief die Zeit in Despondos langsamer, das wusste er, aber inzwischen waren auch hier vierzehn Jahre vergangen. Und Skeletor hatte ihn verraten, bereits zwei Mal. Dafür sollte der Lump nun büssen. Hordak hatte ihn mit starken Kopfschmerzen versehen, die ihn um den Verstand bringen sollten.



?Wir sind fertig, Hordak. Und wir haben einige erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.?, fuhr Weaver fort. Entgegen seiner Art unterbrach Hordak seine engste Vertraute nicht, sondern hörte interessiert zu. Dies brachte die Magierin allerdings etwas aus der Fassung, sodass sie sich erst einmal kurz sammeln musste. Dann fing sie mit ihrem Bericht an. ?Also: Das Buch ist authentisch. Es stammt definitiv von den Sakral. So viel dazu. Es erzählt von einem Krieg und von den Türmen des Schicksals, alles eher unspektakulär. Eher interessant ist die Waffe, die hier erwähnt wird. Eine Waffe, die Mutationen erkennt und auslöscht- so etwas kann sehr nützlich im Kampf sein. Aber was WIRKLICH interessant ist: Das Buch wurde hier in Despondos weiter geschrieben. Das heißt, dass mindestens ein Sakral hier war. Und nicht nur das.?



Hordak wurde nur noch ungeduldiger. Er hatte nichts für Geschichtsstunden übrig, er schrieb sie lieber. Deshalb fuhr Weaver direkt fort: ?Die Türme des Schicksals sind von der Oberfläche Eternias verschwunden, wahrscheinlich durch ein Portal, das in ihrem Inneren erzeugt wurde. Und es gibt Hinweise darauf, dass sie sich hier in Despondos befinden. Das wäre für uns die Möglichkeit, wieder zurück nach Eternia zu gelangen. Und ich glaube, ich weiß auch schon, wo wir suchen müssen.?



Wie aus heiterem Himmel wurde in diesem Moment die Decke erschüttert. Kleinere Steine fielen auf die Hordemitglieder im Saal herab und eine Menge Staub wurde aufgewirbelt. Überall hörte man Scheppern und Poltern, Hordak hustete sich den Staub aus den Lungen. Minutenlang rieselte es von der Decke und machte es unmöglich, etwas zu sehen oder beschwerdefrei zu atmen. Doch als sich die Luft wieder geklärt hatte, blickte sich Weaver verwundert um.



?Wo ist das Buch???



Fortsetzung folgt
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