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: 01.12.2004
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   Aufbruch nach Eternia - Türme des Schicksals    Am Rande des Wahnsinns
Aufbruch nach Eternia - Türme des Schicksals
Am Rande des Wahnsinns
Shadow Weaver brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Der plötzliche Einbruch der Decke hatte sie mindest so sehr überrascht wie den Anführer der wilden Horde selbst- Hordak, der sich noch benommen die Hand an den Schädel hielt. Seitdem sie ihn damals aus seiner Versteinerung befreit hatte, war Shadow Weaver nicht von Hordaks Seite gewichen, wenn auch nicht ganz freiwillig. Zwar war sie dafür verantwortlich, dass eine der beiden Sonnen Eternias ausgelöscht wurde und hatte somit Hordak erst erschaffen- eine Kreatur aus unendlicher Wut und Macht, gepaart mit Gewissenlosigkeit und Magie, doch war sie nun von ihm und seiner Gunst abhängig.



Hordak hatte Weaver mit viel magischer Energie und Macht ausgestattet, als Belohnung für seine ?Auferstehung?, jedoch hatte er sie gleichzeitig abhängig und gefügig gemacht, ihr Leben lag in seinen Händen. Gemeinsam hatten sie in kürzester Zeit eine Truppe aus Söldnern zusammengestellt und eine Armee von Robotern erschaffen, um in noch kürzerer Zeit den ganzen Planeten zu überrennen. Zuerst hatte Hordak Rache an den Schlangenmenschen genommen, die ihn als Steinstatue einfach als Mahnmal aufgestellt hatten. Er hatte sich so betrogen gefühlt, dass er mit ihnen einfach kurzen Prozess machte.



Nachdem King Hsss jedoch bereits gestürzt war und untergetaucht, war es ein Leichtes und ohne viel Gegenwehr. Danach wandte sich Hordak seinem ehemaligen Lehrmeister Eldor zu, den er ebenfalls für seine Qualen verantwortlich machte. Doch Eldor war bereits verstorben, sodass er sich nur noch dessen Enkel, den neuen König von Eternia vornehmen konnte. Allerdings unterschätzte Hordak die Entschlossenheit und Macht des neuen Königs, der sein Leben für sein Volk gab und damit die Horde nach Despondos verbannte, eine Dimension der Leere, in der die Zeit langsamer verlief. Seit Jahrhunderten wartete Hordak nun schon auf seine Rückkehr, während für ihn nur einige Jahre vergangen waren.



In Despondos hatten die Trooper sehr geholfen, die wenigen Ressourcen zu nutzen. Inzwischen war ihre Armee auf eine gewaltige Größe angewachsen. Der Sturm auf Eternia konnte beginnen. Doch Skeletor hatte Hordak einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hordak hatte Keldor das Leben gerettet, als dieser sich selbst das Gesicht weggeätzt hatte, jedoch forderte er dafür Tribut: zum einen wurde Keldor zum gesichtslosen Skeletor, zum anderen forderte Hordak seine bedingungslose Unterwürfigkeit und die Befreiung aus Despondos.



Und genau hier spielte Skeletor nicht mit. Er wollte die alleinige Herrschaft über Eternia an sich reißen und diese nicht Hordak überlassen. Immer wieder vereitelte Skeletor die Befreiung der Horde aus Despondos. Und deshalb hatte sich Hordak etwas Neues einfallen lassen und den selbsternannten Herrn des Bösen mit Kopfschmerzen versehen, die diesen in den Wahnsinn treiben sollten. Doch selbst dies konnte Skeletor nicht dazu verleiten, die Horde auf Eternia loszulassen.



Weaver sah sich noch einmal zwischen den Trümmern um, doch das Buch war fort. Wer zum Teufel..? Seit ihrer Ankunft in Despondos hatte die Horde rein gar kein Anzeichen für intelligentes Leben oder eine Zivilisation gefunden. Erst vor kurzem war man auf das Buch der Sakral gestoßen. Weaver gingen wilde Gedanken durch den Kopf. Gab es etwa einen Verräter in der Horde? Oder einen Doppelagenten, der nun versuchte, das Buch für sich zu nutzen, um aus Despondos zu entkommen?



Hordak hatte sich gesammelt und starrte Shadow Weaver an, die sich etwas Staub aus der Kleidung schüttelte. Versagen duldete er nicht. Schon begannen seine Augen vor Wut an zu glühen. Weaver zuckte etwas zusammen, erhob dann das Wort, wobei sie durch den Staub etwas husten musste. ?Hordak, entweder haben wir etwas oder jemanden in Despondos übersehen- oder wir haben einen Verräter unter uns. Das glaube ich aber nicht?? Hordaks Augen glühten jetzt noch mehr, aber Weavers Worte hatten seine Wut von ihr abgelenkt. Er wandte sich den beiden Troopern am Eingang zu. Mit einer Handbewegung schwebten sie in der Luft. Hordak ballte eine Faust und machte sie zu zwei nutzlosen Klumpen aus Blech, die laut scheppernd zu Boden fielen. ?Wie kann das sein??, brüllte er? ?Wie kann jemand hier reinkommen und unbemerkt mit dem Buch wieder herausspazieren, ohne dass es jemand bemerkt???



?Hordak, beruhige Dich!?, warf Shadow Weaver ein. ?Es besteht kein Anlass zur Aufregung. Das Buch ist nicht so wichtig. Wir haben die Daten der Übersetzung gespeichert und ich habe die wichtigsten Informationen im Kopf. Wir können nach einigen Vorbereitungen gleich morgen aufbrechen und nach den Türmen des Schicksals suchen. Und ich weiß genau, welchen weg wir gehen müssen.? Nun funkelten ihre Augen bedrohlich auf, während ein diabolisches Grinsen sich auf Hordaks Gesicht breitmachte. Sein Blick fuhr über die beiden Blechklumpen vor dem Eingang. Mit einer weiteren Handbewegung fegte er sie gegen die Wand rechts von der Tür- wobei er einen weiteren Trooper am Kopf traf. Sofort fiel dieser zu Boden, während sein Kopf abgerissen wurde und funkensprühend zu Boden krachte.



?Warum räumt keiner diesen Saustall auf??, donnerte seine Stimme durch den Raum. Dann schritt er über Felsen und Trümmer hinweg zum Ausgang, dicht gefolgt von der alten Hexe. Sofort stürzten sich die intakten Trooper auf die Arbeit, räumten die Trümmer ihrer Kameraden weg und begannen dann mit den Felsen, die sich von der Decke gelöst hatten. Binnen weniger Minuten sah der Raum aus wie zuvor. Man konnte sehen, dass es eine Höhle war, die künstlich in den blanken Fels gehauen worden war. Hordak verschwendete keinerlei Ressourcen.



53 Jahre zuvor



Er wurde langsam verrückt. Und er wusste es. Niemand zum Reden, niemand zum Zuhören, niemand, dem man die Schuld geben konnte, niemand, der einem die Schuld abnehmen konnte. Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon hier war, ganz allein? aber er hatte sein Labor, tief im Inneren des Hauptturmes. Und da konnte er Experimente durchführen, so viel er wollte. Doch er spürte, dass es langsam zu Ende ging mit ihm. Nun stand er vor dem Eingang und blickte nach oben auf den gewaltigen Löwenkopf, der über dem Eingang thronte. Der violette Himmel hinter ihm schien immer bedrohlicher zu werden. Längst hatte er sich an die monotone Farbe gewöhnt. Seit er in Despondos gefangen war, hatte er kein menschliches Gesicht mehr gesehen.



Von Zeit zu Zeit hatte er sich eine Eidechse eingefangen und sie in einen Glasbehälter gesperrt. Doch schon nach kurzer Zeit waren die Tiere an Unterernährung gestorben oder verdurstet, da er sie einfach nicht gefüttert hatte. Danach hatte er noch tagelang mit dem ausgetrockneten Tierkadaver gesprochen, ohne jemals eine Antwort zu bekommen. Granko hatte ihn im Stich gelassen. Als die Türme transportiert wurden, befand er sich noch im Inneren, um alles zu lenken und um die neue Waffe zu retten. Doch gefunden hatte er sie nie. Sie war einfach fort. Stattdessen hatte man ihn seinem Schicksal überlassen, ganz allein in einer fremden Welt, ohne dass jemals jemand den Versuch gemacht hätte, ihn zurückzuholen.



Galen setzte sich auf einen Stein, blickte umher. Gigantisch ragte die Schwebebahn über ihm in den Himmel. Ein paar mal war er schon mit der Bahn gefahren, jedoch stieg er immer nur am Hauptturm aus. Er traute sich nicht in die Nachbartürme. Zu sehr ekelte es ihn vor den Mutanten und den Tiermenschen. Allein schon der Anblick des Schlangenturmes jagte ihm kalte Schauer über den Rücken. Und der andere verfallene Turm, der in den Stadtteil der Mutanten gehörte sagte ihm auch nicht zu. Aber die Bahn fuhr schon seit mindestens drei Jahren nicht mehr. Zumindest rechnete er es sich so aus. Galen wurde älter und schwächer. Langsam wich auch die Lebenslust aus ihm, doch einen letzten Versuch wollte er noch starten.



In den letzten Jahren hatte er an einer Transformationskammer gearbeitet, die seine Zellen neu strukturieren sollte, ihn verjüngen und seinen Körper konservieren. Solange, bis irgendjemand kommen und ihn hier herausholen würde. In die Kammer hatte er ein Relais eingebaut, dass ihn in eine virtuelle Welt entführen sollte- eine perfekte Welt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Ob sie den Krieg heil überstanden hatten? Galen schloss für einen Moment die Augen. Wie oft hatte er sich in den letzten Jahren diese Frage gestellt?



Dann stand er auf, nahm eine Wurzel, die neben ihm gelegen hatte in die Hand und kaute auf ihr. Schließlich ging er zum Eingang des Hauptturmes. Neben dem Eingang befanden sich drei Schalen. In die erste füllte er etwas Sand, der sofort verschwand. Dann nahm er zwei rötliche Steine in die Hand und schlug sie über der zweiten Schale zusammen, sodass kleine Funken stoben. In die dritte Schale spuckte er die durchgekaute Wurzel, die ebenfalls sofort verschwand. Donnernd öffnete sich der Eingang, indem sich der Unterkiefer des Löwenkopfes nach oben bewegte.



Galen schritt in den großen Korridor dahinter. Er sah zur Wendeltreppe hinauf, die zum Ratssaal führte. Viele Male saß er dort und tat so, als sei er ein wichtiger Mann und würde eine Sitzung leiten. Auf den Plätzen der Ratsmitglieder und Abgeordneten lagen inzwischen unzählige tote Eidechsen, die er in seinem wachsenden Wahnsinn dort platziert hatte. Vom Ratssaal aus ging eine weitere Treppe eine Etage höher zum Thronzimmer des Herrschers. Viele Male hatte er bereits dort gestanden, doch hinaufgetraut hatte er sich nie? Immer war ihm eingebläut worden, dass dieser Raum nur einer Person zustand- dem Herrscher selbst. Zwar fühlte er sich in Despondos selbst als Herrscher, aber nicht befugt, dieses Territorium zu beanspruchen.



Langsam ging er zur Treppe, die nach unten führte, zu den Laboren. Mitten im Korridor stand ein großer Tisch mit Konsolen und einer blau leuchtenden, rotierenden Kugel in der Mitte. Galen legte seine linke Hand auf die Kugel und bediente einige Schalter, über die er einen Code eingab. Die Eingabe war erfolgreich, denn der Boden fing an zu beben und unter donnerndem Getöse versanken die drei Burgen langsam im Sand. Galen kicherte, erst ganz leise, dann etwas lauter, schließlich lachte er aus voller Kehle. Er hatte ein Tagebuch geführt, welches er draussen versteckt hatte. Zwar wurde er langsam wahnsinnig, doch seine Grundprinzipien standen fest- nur ein Sakral durfte die Türme des Schicksals betreten, kein Sonstiger. Deshalb wollte er sie sicher verstecken und hatte das Buch in seiner Muttersprache geschrieben- die nur ein Sakral zu lesen vermochte.



Laut pfeifend und halb tanzend lief er die Treppe hinunter- 234 Stufen. Jeden Tag hatte er sie gezählt. Immer wieder aufs Neue. Und wenn er sich mal verzählt hatte, fing er wieder von oben oder von unten an, immer in der Hoffnung, eines Tages wären es 235 oder nur 233 Stufen. Aber es waren 234. Immer. Galen stand vor der Tür seiner Transformationskammer und drückte einen Schalter. Zischend öffnete sich die Tür. Er hatte es so eingerichtet, dass alle Konsolen im Inneren waren, sich die Tür jedoch nur von außen öffnen ließ. Sollte sein Experiment nicht funktionieren und ihn irgendjemand herausholen, wollte er in der Kammer sterben.



Galen stieg in die Kammer, woraufhin sich die Tür sofort hinter ihm schloss. Einen Moment lang zitterte sein Körper. Dann nahm er ein Schaltpult in die Hand und drückte nur einen einzelnen, roten Knopf. Unmittelbar im nächsten Moment wurde dem gesamten Turm die Energie entzogen und grelle gelbe Blitze schlugen um die Kammer. Dann hörte er nur noch Stille und sah ein weißes Licht. ?Galen??, sprach eine vertraute Stimme zu ihm. Er drehte sich um und blickte in das anmutige Gesicht seiner Frau Barba, die ihm sanft eine Haarsträhne aus der Stirn wischte. Galen lief eine Träne über die Wange - und er hatte keine Ahnung, dass es 53 Jahre dauern würde, bis wieder jemand die Türme betreten würde?



Fortsetzung folgt.
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