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: 07.12.2008
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   Sturm der tausend Strafen    Orko kehrt heim: Teil 1
Sturm der tausend Strafen
Orko kehrt heim: Teil 1
Ruhig waren die Zeiten auf Eternia geworden. Die jahrelangen Kämpfe gegen die Mächte des Bösen hatten endlich ihr Ende gefunden und die Widersacher der Masters of the Universe waren entweder tot, gefangen genommen oder verschwunden. Was kaum einer zu hoffen gewagt hätte, war nun eingetreten: Der Frieden auf Eternia war wiederhergestellt. Und eine neue Generation der Masters sorgte dafür, dass es auch so bleiben würde.
Die meisten der alten Masters waren schon vor Monaten zu ihresgleichen zurück gekehrt, um ihren wohlverdienten Ruhestand zu genießen und diejenigen, die noch im Palast König Adams weilten, hatten Gleiches bald vor. Einer von ihnen war Orko, der blau- und spitzöhrige kleine Trolaner im roten Gewand, dessen Gesicht durch sein violettes Halstuch und den großen, orangefarbenen Hut fast vollkommen verhüllt wurde. Nur seine stets verschmitzt dreinblickenden, gelb leuchtenden Augen waren noch zu sehen, alles andere unter seinem Hut blieb im Schatten verborgen.
Ja, heute würde auch er, Orko von Trolan, nach Hause gehen. Es war ein seltsames Gefühl, denn einerseits sehnte er sich nach nichts anderem mehr, als nach seiner Heimat ? vor allem seit die meisten seiner Freunde nicht mehr im Palast waren ? aber andererseits würde er Eternia und seine Bewohner schon sehr vermissen. Dieser Planet war für ihn eine zweite Heimat geworden und der Abschied von ihr fiel ihm schwerer, als er gedacht hatte. Und er fiel ihm auch schwerer, als der Abschied von den alten Masters.
Mit einem wehmütigen Seufzer dachte er an den Tag zurück, an dem er durch einen dummen Zufall auf Eternia gelandet war, sogleich seinen Stab verlor und mit ihm die Kontrolle über seine Magie. Seit sein Stab abhanden gekommen war, waren seine magischen Fähigkeiten nicht mehr die selben. Fast alles, was er mit Hilfe von Zauberkraft zu bewerkstelligen versuchte, ging gründlich daneben. Doch mit den Jahren hatte Orko gelernt, seine Magie auch ohne Zauberstab so gekonnt zu nutzen, wie er es auf Trolan gewohnt war. Und wo er damals noch als tollpatschiger Hosentaschenmagier dahergekommen war, der eher zur Belustigung aller beitrug, als den Masters tatkräftig zur Seite zu stehen, hatte er sich in den letzten Jahren zu einem Meistermagier ohne Stab gemausert, der nicht unerheblich zum Sieg gegen das Böse beigetragen hatte. Nur zu gern ? und dementsprechend oft ? dachte er an den Tag zurück, an dem er den Anderen erstmals eine wirkliche Unterstützung anstatt einer Last gewesen war und an das Gefühl, gebraucht zu werden und helfen zu können. Doch nun wurde er nicht mehr gebraucht und es gab auch nichts mehr zu helfen. Für Orko war es endgültig an der Zeit, nach Hause zu gehen. Und trotz der Aussicht, seine Familie und Freunde wieder zu sehen, ergriff Traurigkeit des Trolaners kleines Herz. Sie alle hier würden ihm so furchtbar fehlen.
?Orko, lieber Orko.?
Erschrocken fuhr der Angesprochene herum und fand sich der wunderschönen Erscheinung der Zauberin gegenüber wieder. Die ganze Zeit hatte er auf die Frau mit den Adlerschwingen, die vor noch nicht allzu langer Zeit als Teela bekannt gewesen war, im Thronsaal Schloss Grayskulls gewartet und war dabei so sehr in Gedanken versunken, dass er ihr Erscheinen nicht bemerkt hatte.
?Z-Z-Zauberin?, stammelte er ein wenig verwirrt (und wohl wissend, dass er ihren alten Namen nicht mehr nennen durfte), doch bevor er weiter sprechen konnte, fuhr die Hüterin des Schlosses unbeirrt fort.
?Du wirst mir sehr fehlen, mein kleiner Freund. Ganz Eternia wirst du fehlen. Große Dienste hast du uns erwiesen und viel Freude hast du uns gemacht. Dein Andenken werden wir bis in alle Ewigkeit wahren. Du wirst immer ein Master of the Universe sein, ob hier oder auf Trolan. Du wirst immer zu uns gehören und jederzeit bist du auf Eternia wieder willkommen.?
Sie spulte den Text herunter, als hätte sie ihn einfach einstudiert, doch in ihrer Stimme nahm Orko Wehmut wahr und er spürte, dass ihre Worte keinesfalls leere Floskeln waren. Vielmehr kamen sie von Herzen.
?Ihr werdet mir auch fehlen, Zauberin?, antwortete der Trolaner. Ihm wurde abermals schwer ums Herz. So ein Abschied war alles andere als leicht, vor allem von ihr, denn er hatte sie immer sehr gemocht. Ob als Teela oder als Zauberin, sie war ihm oftmals ein guter Ratgeber und eine besondere Freundin gewesen. Ja, sie würde er wohl von allen am meisten vermissen.
Die Zauberin schenkte Orko ein sanftes Lächeln, dann erhob sie ihren Stab und binnen Sekunden erschien ein bläulich-grün leuchtendes Portal mitten im Thronsaal. Es war des kleinen Trolaners Weg nach Hause.
?Gute Reise, Orko aus dem Zauberland?, sagte sie und lächelte, aber ihre Augen verrieten, dass auch ihr der Abschied nicht leicht fiel. ?Vielleicht kommst du uns ja eines Tages mal besuchen."
?Das werde ich, Zauberin?, antwortete Orko. ?Das werde ich. Auf Wiedersehen.? Mit diesen Worten näherte er sich dem Portal, hielt noch einmal kurz inne, wandte sich ein letztes Mal um und winkte der Zauberin zu. Sie erwiderte seine Geste lächelnd und der kleine Trolaner überwand schließlich seinen Abschiedsschmerz und schwebte in das leuchtende Blau und Grün, welches den Weg zu seiner Heimat für ihn bereitete. Die Lichter verschluckten ihn lautlos und das Portal verschwand so schnell, wie es gekommen war. Orko war auf dem Weg nach Hause und die Zauberin blieb allein im Thronsaal zurück.

Rauschen tönte in des kleinen Trolaners Ohren, als hätte ihn jemand unter einem gewaltigen Wasserfall platziert. Tausende, stetig pulsierende und sich immer wieder neu mischende Farben umhüllten ihn vollends und sein Körper wurde im Sekundentakt langgezogen und zusammengedrückt, wie ein Akkordeon. Er wusste weder wo oben noch unten war, sein Zeitgefühl schien sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedet zu haben und seine Sinne nahmen das chaotische Farbspiel nur gedämpft wahr, weil alles andere sein Gehirn bis zum Platzen überfordert hätte. Und genau so sehr schmerzte ihm auch der Kopf. Orko war, als wäre das Innere seiner Schädeldeckte gespickt mit Milliarden und Abermilliarden winziger, spitzer Splitter, die sich in einem auf erstaunliche Weise mit dem dauernden Wechsel der Farben und Lichter harmonierenden Rhythmus und ohne Unterlass in seine Hirnwindungen bohrten. Nicht minder schmerzte jede andere Faser seines Körpers und es kam ihm vor, als müsse er jeden Augenblick explodieren und würde auf der anderen Seite des Portals als kleiner Haufen Orko-Matsch auf den duftenden Erdboden Trolans gerotzt. Der kleine Trolaner fühlte sich dem Rande des Wahnsinns nah und er schrie. Oder er versuchte es zumindestens, konnte allerdings nicht sagen, ob er damit auch Erfolg hatte, denn das Tosen und Rauschen in seinen Ohren war so laut, dass er noch nicht einmal seine eigenen Gedanken zu verstehen vermochte.
Tausende imaginäre Tode und nur wenige Sekunden nach seinem Abschied von Eternia ? die Orko allerdings wie Jahrhunderte vorgekommen waren ? spuckte das Portal ihn endlich auf der trolanischen Seite aus, wider seines eigenen Erwartens an einem Stück, lebendig und putzmunter, wenn auch ohne Kontrolle über sich selbst. Orko vollführte ein paar abenteuerliche Salti durch die Luft, ehe sich sein Flug gen Boden wandte und er dank einer dicken, weichen Schicht giftgrünen Rasenteppichs sanft aufgefangen auf heimischer Erde landete. Leise vor sich hin schimpfend blieb er bäuchlings auf seinem Landeplatz liegen, rappelte sich aber schließlich nach einigen Augenblicken der Mecker- und Verschnaufpause wieder auf. Er konnte es kaum fassen. Nach all den Jahren war er wieder zu Hause.
Er schloss die Augen und sog genüsslich sämtliche auf ihn einstürmenden Gerüche in sich auf, während er langsam in Richtung Himmel schwebte. Er roch das frische Gras, die leicht feuchte Erde, den süßlichen Geruch tausender blühender Blumen und den höchst eigenen borkigen Duft der offenbar nahe liegenden Wälder. Orko konnte es kaum erwarten, all die Veränderungen zu erkunden, die Trolan wiederfahren waren. Dieser Planet war ein Planet der Magie, ein Ort der sich ständig selbst neu gestaltete, ein Ort, an dem es Bäume gab, die mit den Kronen in der Erde ruhten und die Wurzeln dem Himmel entgegen streckten, ein Ort, an dem Wasserfälle den Berg hinauf rauschten, anstatt hinunter. Ein Ort, an dem alles anders war und auch wieder nicht. Oh, es würde so viel Neues für ihn zu entdecken geben. Und nicht zu vergessen, seine Familie und seine Freunde, sie alle wieder zu sehen, darauf freute er sich so sehr. Er würde mit ihnen seine Rückkehr feiern, ihnen von seinen Abenteuern berichten und er würde ? ja, er würde es wirklich tun ? um die Hand seiner geliebten Dree-Elle anhalten. Orko hielt inne. Genug der Trödelei, jetzt hieß es für ihn nur noch, sich aufzumachen in sein Heimatdorf und all die Vorhaben und Entdeckungen in Angriff zu nehmen, die er sich während seiner letzten Tage auf Eternia ausgemalt hatte.
Der kleine Trolaner war schon hoch in der Luft, als er seine Augen wieder öffnete und plötzlich war seine überschwengliche Freude wie weggeblasen. Er hatte ja mit allen erdenklichen Veränderungen gerechnet, aber nicht damit. Nicht im entferntesten.
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