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Sturm der tausend Strafen
Ringen um Hoffnung: Teil 1
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| Sturm der tausend Strafen Ringen um Hoffnung: Teil 1 |
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Feuchter, rauher Boden, ein kühler Luftzug, modriger Geruch in der Luft und von irgendwo her das leise Geräusch stetig zu Boden tropfenden Wassers. Das waren die ersten Dinge, die Orko wahrnahm, als seine Lebensgeister langsam zu ihm zurückkehrten. Zögerlich öffnete er die Augen und blinzelte in das fahle Licht, das offenbar von Fackeln herrührte, deren rußiger Geruch sich mit der feuchten Luft vermischt hatte. Einen Moment lang fragte er sich, was geschehen war, doch seine Erinnerung kam schnell zurück. Wie konnte man ein derartiges Zusammentreffen mit einem Sultur schon vergessen? Das führte Orkos Gedankengänge dann auch sogleich zu der Frage, wo er hier eigentlich gelandet war. Also rappelte er sich zur Hälfte auf und warf einen Blick in die Runde, um es herauszufinden.
Sich selbst fand Orko in einer dunklen Ecke auf dem Boden wieder und die Ecke ihrerseits gehörte zu einer engen Kammer. Auf der gegenüberliegenden Seite konnte er dicht beieinander stehende Gitterstäbe ausmachen, durch die das flackernde Licht der Fackeln fiel und die Schatten der Stäbe einen bizarren Tanz aufführen ließ. Die Wände seiner neuen, ihm aufgezwungenen Behausung bestanden aus scharfkantigen Felsen, an denen dünne Rinnsale muffig riechenden Wassers herabliefen. In einer anderen Ecke hatte von der Decke tropfendes Nass eine trübe Lache gebildet, die einem winzigen Bächlein gleich irgendwo in einen Riss zwischen den Felsen sickerte. Insgesamt gesehen war des kleinen Trolaners neuer Aufenthaltsort alles andere als gemütlich, ein Entkommen würde allerdings für ihn keine großen Schwierigkeiten machen, denn immerhin war er ein Magier und so ein paar schnöde Gitterstäbe waren für ihn kein Hindernis. Also rappelte Orko sich behutsam vollends auf ? ihm tat immer noch alles weh ? was auch seinem langsam kalt werdenden Hintern zugute kam und wandte sich dem vor seine Nase gepflanzten Entweichungshindernis zu. Doch schon beim Aufstehen merkte er, dass irgendetwas nicht stimmte. Sein rechtes Handegelenk war ungewohnt schwer und er schwebte auch nicht gleich auf, so wie sonst, sondern blieb mit beiden Füßen am Boden. Verwundert hob er sein Gewand ein wenig an und musterte Selbige, wackelte mit den nackten Zehen, die vorne aus seinen uralten Latschen herausragten und wunderte sich, schob den Umstand des Nichtschwebenkönnens aber schließlich schulterzuckend auf die Attacke des Sultur. Wahrscheinlich würde die Schwebehemmung bald wieder verflogen sein, ja, ja, ganz bestimmt sogar. So tapste er dann also vorsichtig auf die Gitter zu, wobei ihm gleichzeitig bewusst wurde, dass er schon so lange nicht mehr zu Fuß gegangen war, dass er sich an deren letzte Berührung mit irgendeinem Untergrund schon gar nicht mehr erinnern konnte. Dafür gab es ein paar anderer Füße, die das Laufen nur zu gut kannten und sie näherten sich mit demjenigen, den sie trugen, langsam seiner Zelle. Schon von weitem konnte Orko das leise Klicken scharfer Krallen auf dem Fels hören und das Patschen, verursacht durch das Zusammentreffen großer Pfoten und dem Fußboden. Sofort huschte er von den Gitterstäben weg und zurück in die Ecke, in der er aufgewacht war, wo er sich sogleich auf den Boden warf und schlafend stellte. Er wollte nicht, dass jemand bemerkte, dass er bereits aufgewacht war. Die Schritte wurden lauter und lauter und schließlich passierte ein Sultur Orkos winzige Zelle. Der kleine Trolaner blinzelte vorsichtig in Richtung Gitter und sah diesen offenbar Wache schiebenden Floh-Phobiker vorbei gehen. Ob es derjenige war, der ihn niedergestreckt hatte, konnte Orko nicht sagen, aber auch dieser hier hielt einen magischen Stab in den Pranken. Abermals fragte er sich, wie die Sultur an solche Dinge kamen und nahm sich vor, es herauszufinden, sobald er sein Gefängnis verlassen hatte. Was ihn wieder zurück zu seinem Plan brachte: er war im Begriff gewesen, auszubrechen. Eine Weile verharrte Orko noch reglos in der Ecke liegend, bis von dem Sultur definitiv nichts mehr zu hören war, sprang dann leise wieder auf die Füße und machte sich ans Werk. Die Hände erhoben ? dabei wieder dieses Schweregefühl am rechten Handgelenk, komisch ? und die Finger tanzen lassend flüsterte er: ?Stäbe vor dem Tor hinfort, schick euch an einen anderen Ort. Den Ausgang ihr mir nicht versperrt, sondern umgekehrt.? Der Trolaner stutzte. Nichts geschah. Aber auch überhaupt gar nichts. Nicht einmal ein winziges Zucken der Gitter konnte er ausmachen. Was sollte das denn? Er versuchte es ein zweites mal, ein drittes, viertes und fünftes und wurde langsam ungeduldig. Das konnte doch wohl nicht wahr sein, hatte er denn seine Zauberkräfte nicht jahrelang trainiert, damit genau so was nicht mehr passierte? Orko versuchte einen sechtsen Anlauf, warf die Arme in die Höhe, wobei die Ärmel seines Gewandes herunterrutschten und plötzlich blieb seine Aufmerksamkeit an seinem Arm haften, eingefangen durch ein kurzes Aufblitzen. Fragenden Blickes ließ er die Hände wieder sinken, die Augen nicht von seinem rechten Handgelenk abwendend. Seit wann, um Himmels Willen, trug er einen Armreifen? Völlig verwirrt starrte er auf das mit einigen Zeichen versehene, eng sitzende und in der Tat nicht ganz leichte Armband. Jetzt wurde ihm so einiges klar... Als jemand, der schon sein ganzes Leben im Einklang mit der Magie verbrachte, wusste Orko auch, dass man einen Magier durchaus seiner Kräfte berauben konnte. Wie lange ein solcher Machtraub allerdings anhielt, war immer abhängig von seiner Art und Weise. Manche Methode war nur von kurzer Dauer, die eine oder andere vermochte es jedoch ein Leben lang, einen Magier des Ausübens seiner Künste unfähig zu halten. Dummerweise war Orko nun Letzters passiert, denn der Armreifen, den man ihm angelegt hatte, war mit uralten Bannzeichen versehen, die dazu gedacht waren, jegliche Sorte von Magie zu unterbinden. Es waren sehr mächtige Zeichen, die nicht nur ihren Träger beschwörten, sondern genauso jeden Anderen, wenn auch nur für die Dauer, die der Andere den Träger berührte. Mit einem langen, niedergeschlagenen Seufzer ließ der kleine Trolaner sich rücklings gegen eine der Zellenwände fallen und glitt langsam zu Boden. Dree-Elle ... was war wohl mit ihr geschehen? Was war all den Anderen wiederfahren? Was würde nun mit ihm geschehen? Trübe Gedanken und die finstersten Vorstellungen ergriffen von ihm Besitz und zogen ihn mit sich, hinein in düstere Phantasiegespinste, die keine rosige Zukunft in Aussicht stellten. Bei seinem verlorenen Stab, wäre er doch lieber auf Eternia geblieben. Eine Weile saß Orko reglos da, hing den finsteren Schauspielen in seinem Kopf nach und starrte auf die in dem Riss versickernde Lache muffigen Wassers. Das dauernde Plitsch-Platsch des von der Decke tropfenden Nasses und das eigentlich so gut wie gar nicht hörbare Glucksen der ablaufenden Pfütze schienen immer lauter zu werden, je länger er in diese Richtung starrte und dennoch konnte er den Blick nicht von ihr wenden. Er wusste nicht warum, aber diese Pfütze machte ihn stinksauer. Alles machte ihn stinksauer. Niemals zuvor in seinem Leben war er so wütend gewesen und er hatte sich auch nie zuvor so gefühlt, als mutiere er jeden Augenblick zu einem wild gewordenen Eber, der alles kurz und klein schlagen wollte. Diese vielen Fragen und Ungewissheiten, die ihm durch den Kopf gingen, machten ihn schlichtweg fertig und ließen ihn sich so hilflos fühlen. Er wollte irgendetwas tun, wollte herausbekommen, was in seiner Abwesenheit auf Trolan geschehen war, wollte alles wieder reparieren, was zerstört worden war, aber ihm waren im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden. Verdammter Bannreifen! Der kleine Trolaner ballte die Fäuste und eine erneute Hitzewelle der Wut durchfuhr seinen Körper, als es auf dem Gang plötzlich unruhig wurde, was sogleich seine Aufmerksamkeit erweckte. Dabei entging ihm jedoch die kurzzeitige Veränderung des Bannreifens an seinem Handgelenk. Mit fragendem Blick betrachtete Orko von seinem Platz aus den Gang vor seiner Zelle, während sich eilige Schritte in seine Richtung bewegten, dieses mal allerdings stellte er sich nicht mehr schlafend. Was sollte es auch? Es war ohnehin egal, ob er schlief oder nicht, eine Flucht schien ihm so oder so unmöglich. Für den Moment jedenfalls. Also wartete er lieber ab, was nun geschehen möge. Nur wenige Augenblicke später tauchten zwei Sultur vor seiner Zelle auf, einer von ihnen war offenbar der Wächter, welcher vor einiger Zeit schon einmal hier aufgetaucht war. Beide fixierten den kleinen Trolaner mit ihren toten, kalt wirkenden Augen und grinsten - irgendwie schienen diese Flokatis für Arme ständig zu grinsen -, dann tickte der Wächter mit dem Stabende gegen die Gitterstäbe, woraufhin diese sofort in der Erde versanken. Der zweite Sultur stampfte ohne zu zögern in die Zelle und Orko fürchtete für einen Sekundenbruchteil eine ordentliche Tracht Prügel oder eine zweite Kostprobe des Energiestrahls, stellte dann aber fest, dass der zweite Flohsack gar keinen dieser magischen Stäbe bei sich trug. Bevor der Trolaner aber dazu kam, zu diesem Umstand Überlegungen anzustellen, packte der Sultur ihn mit einer Pranke am Kragen, hob ihn hoch und stülpte ihm mit der Anderen einen widerwärtig stinkenden und zudem noch feuchten Sack über den Kopf. Sofort wurde Orko übel und er fragte sich, wer oder was vor ihm in diesem Sack gesteckt hatte und wie lange er oder es schon tot gewesen war, bevor man diesen Sack seiner neuen Bestimmung als Sichtversperrer zugeführt hatte. Er schüttelte sich innerlich und war versucht, sich von dem Sultur loszureißen, ließ es aber lieber bleiben, zum einen, weil er an seinem Leben hing und zum anderen, weil die Reise ins Unbekannte bereits begonnen hatte. Einem erlegten Kaninchen gleich hing Orko in der Pranke des Sultur und schwang bei jedem Schritt ein wenig hin und her. Ihm war schwummrig von dem infernalischen Gestank und weil er kaum Luft bekam unter dem Sack und sehen konnte er noch viel weniger, nämlich gar nichts. Er hing sozusagen mit dem Kopf in einer finsteren, feuchten Dunstglocke des Todes, so fühlte es sich jedenfalls an, aber auch wenn er nicht sah, wo man ihn hinschleppte, so konzentrierte er sich doch instinktiv auf sämtliche Geräusche der Umgebung. Zuerst hatte er nur ganz gedämpft und wie aus weiter Entfernung das Rumoren irgendwelcher maschinenartiger Dinge gehört und das Patschen der sulturschen Füße auf feuchtem Fels. Dann hatten sie dem Klang nach eine Art Schiebetür passiert, woraufhin der Maschinenlärm um einiges lauter wurde. Der Geruch von verbranntem Holz gemischt mit heißem, ebenfalls angebranntem Tran drang unter seinen Sichtschutz und ließ ihm das Atmen noch schwerer fallen und die Schritte seiner Bewacher schienen von metallischem Boden widerzuhallen. Eine ganze Weile folgten sie irgendwelchen Gängen, währenddessen Orko sich wünschte, endlich den ekelerregenden Sack loszuwerden, bis sie schließlich eine weitere Schiebetür durchschritten, die sich leise quietschend hinter ihnen schloss. Augenblicklich war von dem Maschinengetöse kaum noch etwas zu hören, nur von irgendwo her drang geschäftiges Hämmern, das Klirren von Metall an Metall, das abgehackte, heiße Rauschen eines Schweißbrenners und fröhliches Pfeifen an Orkos Ohren. Abrupt blieben die beiden Sultur stehen, der kleine Trolaner wurde unsanft fallen gelassen und der Sack so rabiat von seinem Kopf gerissen, dass dabei sein Hut fast mit abhob, glücklicherweise aber an seinen Ohren hängen blieb, sodass er nicht verloren ging. Es dauerte einige Sekunden, bis seine Augen sich nach der langen Finsternis wieder an das Licht gewöhnt hatten, doch kaum war es soweit, nahm er sogleich die Umgebung unter die Lupe. Der kleine Trolaner befand sich nun in einem großen, rechteckigen und karg eingerichteten Saal, dessen Wände, Boden und Decke aus mattem, abgenutzten Metall bestanden. In der Mitte des Raumes prangte ein wuchtiger Holztisch, so vollgestellt mit dunklen Kerzen, deren zuckende Flammen bizarre Schatten auf die kalten Wände warfen, dass nichts anderes mehr auf ihm Platz fand. Das zweite und damit letzte, gleichzeitig aber einzig einladende Einrichtungsstück des Saales war ein großzügiger, mit lilafarbenen Edelsteinen beschlagener und tiefschwarzem Samt bezogener Thron, der seinen Standort gegenüber der Tür gefunden hatte. Rechts von sich konnte Orko noch eine weitere, offen stehende Tür ausmachen, durch die zweifellos das Pfeifen und Werkeln zu hören war, aber das war es dann auch schon. Mehr gab es nicht zu sehen. Dachte er, bis er plötzlich aus Richtung des Thrones eine Bewegung wahrnahm und erschrocken zusammenzuckte. Eine Gestalt erhob sich aus dem schwarzen Samt, eingehüllt in einen Umhang gleichen Stoffes, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass es nicht zu erkennen war. Im ersten Augenblick glaube Orko, Skeletor vor sich zu haben, doch das war unmöglich. Skeletor war vernichtet. Er konnte es nicht sein. Und er war es auch nicht, denn auf den zweiten Blick sah der Trolaner noch etwas mehr. Unter dem finsteren Umhang blitzte eine knappe Lederrüstung hervor, auf deren Brust- und Bauchpartie mit Ketten befestigte Knochen dem Betrachter sofort ins Auge stachen und bei jedem Schritt, den die Gestalt tat, leise aneinander klackten. Auch konnte Orko kniehofe Stiefel gleichen Stils ausmachen, deren Absatzklappern von den Wänden zurückgeworfen wurde und einen Stab, den der Verhüllte in der rechten Hand trug, auf dessen Ende ein Krähenfuß so aufgespießt worden war, dass er die zwischen seinen Krallen befindliche, makellose und dennoch kein bisschen glänzende Kristallkugel fest umklammern konnte. Langsamen Schrittes kam die Gestalt auf Orko und die noch immer hinter ihm stehenden Sultur zu, die sich vor dem Herannahenden verbeugten. Orko sah es zwar nicht, weil sein Blick auf die Gestalt im Umhang fixiert und er nicht in der Lage war, selbigen abzuwenden, doch konnte er ihre Bewegungen deutlich hören. Etwa einen halben Meter vor ihm und seinen Bewachern blieb der Umhang mit Inhalt stehen und rammte den Stab auf den Boden, dass es krachte. Dabei hob der finstere Verhüller ein wenig ab und gab den Blick frei auf kränklich gelbe Haut, die Orko verdächtig bekannt vorkam. Er hatte eine Gleichhäutige zwar lange Zeit nicht mehr gesehen, aber vergessen hatte er sie nie. Ob das sein konnte? Sie hier? Sie, die ... |
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