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Sturm der tausend Strafen
Ringen um Hoffnung: Teil 2
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| Sturm der tausend Strafen Ringen um Hoffnung: Teil 2 |
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Der Trolaner kam nicht dazu, seinen Gedanken zu Ende zu führen, denn im gleichen Augenblick als die sichere Gewissheit sich ihm ins Gehirn bohrte, warf der Verhüllte die Kapuze nach hinten und zum Vorschein kam ein hübsches, Orko wohlbekanntes Gesicht, kurzes weißes Haar, finster dreinblickende, dunkle Augen und blutrote Lippen. Die sich Gegenüberstehenden stutzten einen Sekundenbruchteil und es verschlug beiden für ebenso kurze Zeit die Sprache.
Das darf nicht wahr sein, dachte Orko, in dessen Hals sich plötzlich ein dicker Kloß bildete. ?Evil-Lyn??, würgte er hervor. ?Orko??, rief die Herrscherin des Schattenreichs gleichzeitig, wodurch sich ihre Worte zu einem neuen Namen vermischten, den keiner verstand. Aber das war auch unwichtig. ?Du!?, knurrte die Gelbe und in ihren Augen glomm alter, lange geschürter Hass auf. ?Du hast mir gerade noch gefehlt, du widerliche kleine Made! Sei nur froh, dass sie dir schon den Bannreifen verpasst haben! Mit Freude hätte ich dich in den Erdboden gerammt und für alle Ewigkeit niedergestreckt! Aber ich könnte es auch jetzt noch tun, wenn ich wollte!? Die Kristallkugel auf ihrem Stab begann in dunklem Lila zu glühen und in der Luft lag plötzlich eine elektrisierende Spannung. Sie giftete Orko mit Blicken an, deren Bösartigkeit alles übertraf, was er je bei ihr gesehen hatte. Evil-Lyn schien noch mehr an Macht gewonnen zu haben, seit er sie vor sechs Jahren in das Chaosportal geschleudert hatte. Was auch immer ihr wiederfahren war, es hatte sie um einiges stärker gemacht, als sie es bei ihrem letzten Zusammentreffen gewesen war. Er spürte es deutlich und selbst ein Unwissender hätte es bemerkt. ?Ja, da staunst du, du blaue Ratte?, grollte sie, senkte ihre Stimme und fuhr in einem rauchigen Tonfall fort, der nur ganz knapp an der Verführung vorbeischrammte. ?Ich habe die Sache mit dem Chaosportal gewiss nicht vergessen, mein Lieber. Nie hätte ich gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber ... danke. Orko, ich habe dir zu danken. Manchmal kann ein Chaosportal wirklich nützlich sein, weißt du? Vor allem dann, wenn das Ziel, dass es für seinen Reisenden auserkoren hat, ein Ort ist, an dem es tausende magische Stäbe gibt, deren Macht sich der Kundige vollständig einzuverbleiben vermag, um seine eigene ins Unermessliche zu steigern. Ein Ort des Ursprungs aller Magie, wenn du es so willst. Du verstehst, was ich meine?? ?Trolan?, flüsterte Orko und ihm wurde abwechselnd heiß und kalt. Was, bei seinem verlorenen Stab, hatte er nur angerichtet? Das alles hier, dieser Metallwürfel, die Sultur außerhalb ihres Gebietes, die verschwundenen Trolaner und was sonst noch alles, war zweifellos Evil-Lyns Werk, aber er war Schuld daran, dass sie hierher gekommen war. Und damit war im Grunde genommen auch alles andere seine Schuld. ?Clever, mein Lieber?, fuhr die Herrscherin des Schattenreichs fort. ?Sehr, sehr clever, du bist ein smartes Bürschen. So hattest du dir das nicht vorgestellt, was? Nun, von jetzt an weißt du sicher, dass man von so manchen Dingen lieber die Finger lassen sollte. Nicht wahr?? Sie lachte finster und die Sultur stimmten mit ein, während Orko ganz elendig zumute wurde. Warum, um alles in der Welt, war Evil-Lyn ausgerechnet hier gelandet? Warum hatte sie das Portal nicht ins Nichts verfrachtet? Und warum hatte er sie überhaupt dort hinein geworfen, anstatt sie einfach für immer unschädlich zu machen? Orkos Zusammenstellung eines unbeantwortbaren, riesenhaften Fragenkatalogs wurde jäh unterbrochen, als jemand aus dem Nebenraum kam. Auch diesen jenigen kannte er nur zu gut. Es war ein hochgewachsener, glatzköpfiger Mann von muskulöser Gestalt, dessen wettergegerbte Haut über und über mit den Spuren zahlreicher Kämpfe übersäht war. Er trug eine grünlich schimmernde, schwere Rüstung, und normalerweise einen Helm mit einem Ring, in dem drei mechanische Augen eingelassen waren, doch jetzt war nur sein echtes, einzelnes und lidloses Auge mit der bleichen, bewegungslosen Pupille zu sehen. ?Hab? ich irgendwas verpasst, Lynnie??, rief er fröhlich in die Runde. ?Hat hier irgendwer einen Witz erzählt?? ?Tri-Klops, mein Freund?, erwiderte Evil-Lyn und das Gelächter brach ab. ?Sieh nur, wer hier ist.? Wortlos verschwand der Angesprochene wieder im Nebenzimmer, man hörte Gepolter und Gemurmel und nur wenige Augenblicke später kehrte der Kundschafter des Bösen und ausgezeichnete Schwertkämpfer ? nun mit seinem Helm auf dem Kopf ? wieder zurück. ?Orko!?, rief er und grinste. ?Lange nicht gesehen! Meiner wegen hättest du deinen Besuch aber auch lassen können.? Die letzten Worte knurrte er dem Trolaner mit seiner tiefen, reibeisenartigen Stimme entgegen, dass selbigem die Knie weich wurden. Dann wandte Tri-Klops sich an Evil-Lyn. ?Und, was hast du mit dem Wurm da vor?? ?Erst einmal werde ich ihn zu den Anderen in die Minen schicken?, antwortete sie mit einem süffisanten Lächeln in Orkos Richtung. ?Und bevor er sich dort zugrunde schuftet, werde ich mir meinen ganz persönlichen Dank überlegen für all die Jahre, in denen ich mich ihm geschlagen geben musste. Ich denke, es wird schmerzhaft werden. Und lange dauern. Sehr lange ... Nun schafft mir die Made aus den Augen!? Die Sultur verbeugten sich zackig, der Stablose stülpte dem kleinen Trolaner erneut den Sack über, packte ihn und trug ihn, begleitet von dem Wächter, davon. Evil-Lyns letzter zornerfüllter Blick, den sie Orko zuwarf noch bevor der Totensack ihm die Sicht nahm, brannte sich für immer in dessen Gedächtnis ein. Evil-Lyn starrte auf die geschlossene Tür. Sie erinnerte sich daran zurück, als sie nach ihrer Ankunft auf Trolan mit den Sultur zusammentraf, sich ihnen anschloss und später erfuhr, dass deren einziges Verlangen darin bestand, den Planeten unter ihre Herrschaft zu bringen. Sie kannte dieses Verlangen nur zu gut, hatte sie es doch jahrelang mit Skeletor geteilt, bis sie unfreiwilligerweise Eternia verlassen hatte und der einstige Herr der Unterwelt sein jähes Ende fand. Jedenfalls dauerte es nicht lange, bis die Sultur der Macht der Herrscherin des Schattenreichs gewahr wurden und sie von einer schlichten Mitläuferin in den Stand einer wahren Verbündeten erhoben. Als Gegenleistung verschaffte Evil-Lyn ihnen magische Stäbe und wies sie in die Kunde der schwarzen Zauberei ein, denn ohne diese, das wusste sie, würde es den Sultur unmöglich sein, gegen die anderen, der Magie allesamt kundigen Völker Trolans anzukommen. Während dieser Lehrstunden - und das war Evil-Lyns Glück - fand sie heraus, wie leicht lenkbar das Volk der Sultur trotz aller ihnen innewohnender Stärke doch war und wie schnell es sich unterordnete, wenn man es nur richtig anstellte. Manchmal erinnerten diese Hyänenwesen sie sehr an den guten alten Beast Man... So kam es schließlich, dass die Sultur Evil-Lyn schon bald zu ihrer Königin ernannten und schnell stand für sie und ihre neuen Untertanen fest, dass es an der Zeit war, auf diesem Planeten eine neue Ära einzuläuten und ihn und all seine Bewohner dem Volk der Sultur und ihrer gelbhäutigen Regentin zu unterwerfen. Ein Jahr hatten die Vorbereitungen gedauert. Fünf Jahre waren vergangen, seit Evil-Lyns Eroberungszügen und fast sämtliche Gebiete Trolans standen mittlerweile unter ihrem Einfluss. Die Sultur waren über den ganzen Planeten verteilt, setzten allerorts ihre neuen Gesetze durch und verbreiteten in ihrem Namen Angst und Schrecken. Oh ja, es war ein erhebendes Gefühl, gar keine Frage, mit einem kleinen Wehrmutstropfen allerdings, denn es gab noch einen einzigen Flecken trolanische Erde, den sie sich bisher nicht hatte unterwerfen können: Ghun, die Wälder ewigen Wassers, das Gebiet der Dark Rain. Sie widersetzen sich mit aller Kraft und das sogar recht erfolgreich - für den Geschmack Evil-Lyns allerdings zu erfolgreich. Dennoch war sie zuversichtlich, dass auch jenes Stück Land bald ihr gehörte. Die Maschinen des Kubus, in dessen goldener Mitte sie und Tri-Klops ihre Gemächer hatten, liefen auf Hochtouren und der Schlüssel des Erfolges war bald der ihrige. Ja, alles in allem hatte sie Orko tatsächlich zu danken - wenn auch auf ihre ganz eigene Art und Weise - denn ohne seine Nummer mit dem Chaosportal wäre sie niemals so weit gekommen. Zugegeben, Trolan war nicht Eternia, aber sie war ja noch lange nicht fertig... ?Ich verstehe nicht, warum du dem kleinen Bastard nicht gleich sämtliche Lichter ausgeblasen hast?, brummte Tri-Klops und riss Evil-Lyn abrupt aus ihren Gedanken. ?Willst du denn keine Vergeltung für all die Demütigungen? Ich an deiner Stelle hätte ihm gleich den Hals umgedreht.? ?Du bist ja auch ein roher Klotz?, erwiderte sie gelassen. ?Dir fehlt das gewisse Quentchen weiblicher Raffiniertheit, mein Lieber. Ich will ihn nicht einfach nur töten, verstehst du? Ich will ihn leiden sehen, für all die Momente, in denen er mich vorgeführt hat und mich aussehen ließ, wie eine blutige Anfängerin. Ich will, dass er sich wünscht, dass sein ganzes Können allein aus albernen Münztricks besteht. Ich will, dass er sich wünscht, niemals geboren worden zu sein. Ich will, dass er sich wünscht, zu sterben, damit ich ihm genau diesen Wunsch verwehren kann. Aber so ein Plan braucht Zeit. Und bis dahin kann die blaue Made sich ruhig noch ein bisschen nützlich machen.? Ein finsteres Grinsen machte sich auf Evil-Lyns Gesicht breit und in ihren Augen loderte die Rachsucht, als sie es wieder unter der Kapuze verbarg und sich zurück zu ihrem Thron begab. Der Weg zum richtigen Genuss erforderte eben nur ein wenig Geduld und jene war sie durchaus bereit, aufzubringen. ?Wenn du meinst?, sagte Tri-Klops schulterzuckend. ?Ist deine Rache, nicht meine, Lynnie. Ich geh? dann mal wieder an die Arbeit.? Mit diesen Worten verschwand er im Nebenzimmer und das geschäftige Treiben fand sein Fortkommen, während die Herrscherin des Schattenreichs sich in den schwarzen Samt sinken ließ und den Kopf seufzend in die Hände stützte. Irgendwann, dachte sie. Irgendwann bringe ich dich für deine Respektlosigkeiten um. Irgendwann, in der Tat, aber nicht jetzt. Noch brauchte sie den Kundschafter des Bösen, den geschickten Erfinder und Technikkundigen, denn nicht umsonst hatte sie ausgerechnet ihn hierher geholt. Seine Fähigkeiten waren ihr nun einmal von sehr großem Nutzen. |
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