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: 07.12.2008
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   Sturm der tausend Strafen    Ringen um Hoffnung: Teil 3
Sturm der tausend Strafen
Ringen um Hoffnung: Teil 3
Zerren am stinkenden Totensack. Ahhh ... Luft ... ein wenig Licht. Ein grober Stoß in den Rücken. Stolpern. Das Knarzen und Knirschen der Gitterstäbe, die sich aus dem Boden erhoben und in die Decke über ihnen bohrten. Eilige, schwere Schritte. Das sachte Quietschen der Schiebetür. Dann Stille. Orko war wieder allein.
Er sank auf die Knie und betrachtete stumm seine Hände. Ihm war so furchtbar elendig zumute. Was, bei allem Guten des Universums Willen, hatte er nur getan? Die Sache mit Evil-Lyn und dem Chaosportal war der schrecklichste Fehler gewesen, der ihm jemals unterlaufen war und wohl auch der Folgenschwerste. Er kannte die Herrscherin des Schattenreichs nur zu gut, um etwas anderes anzunehmen, als dass Trolan ihr nicht reichen würde. Eternia war von jeher ihr Ziel gewesen und jetzt, wo Skeletor tot war und sie so sehr an Macht und Verbündeten gewonnen hatte, wäre es naiv gewesen zu glauben, dass sie nicht auch noch auf Eternia einfallen würde. Aber genau das würde früher oder später geschehen, da gab es für Orko nichts dran zu rütteln. Und wer hatte die Schuld an dem ganzen Schlamassel? Er! Er, der dumme, kleine Trolaner. Er, der nicht einmal auf seinen Stab acht geben konnte. Er, der kein Master of the Universe war, sondern nur eine Witzfigur!
Selbsthass keimte in seinem kleinen Herzen auf, Zweifel an allem, was er jemals getan hatte und eine unbändige Wut kroch in ihm hoch und erfüllte seinen Geist. Orkos Finger krümmten sich zu verkrampften Fäusten, ihm wurde heiß, so unerträglich heiß, sein rechtes Handgelenk begann wie Feuer zu brennen, aber er nahm es kaum wahr. Er wollte schreien und konnte es nicht. Er riss den Mund auf, ohne dass das geringste Geräusch entwich. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und er glaubte, jeden Moment zerplatzen zu müssen, als er plötzlich diese zarte, glockenhelle Stimme vernahm, die leise seinen Namen rief und ihn zurück in die Wirklichkeit katapultierte. Sofort sah Orko sich zu allen Seiten um, konnte aber niemanden entdecken.
?Orko, hier drüben.?
Der kleine Trolaner suchte nochmals die winzige Zelle ab und traute seinen Augen nicht: da ragte doch tatsächlich eine kleine, blaue Hand aus der Felswand. Verdattert rieb er sich die Augen und glaubte an eine Halluzination. Das konnte doch unmöglich real sein, was er da sah.
?Orko?, rief die Stimme. ?Liebster Orko.?
Er zuckte zusammen, wie vom Blitz getroffen. Diese Stimme, dieses Winken, es kam ihm so sehr bekannt vor. War sie es? Sie musste es sein. Dree-Elle! Seine geliebte Dree-Elle! Augenblicklich war er auf den Beinen, hastete die wenigen Schritte zu der Hand im Fels, dabei die Angst im Nacken, dass es doch nur ein Trugschluss war. Doch als er die Hand ergriff, fühlte er echte Haut, echte Wärme und ihr süßer Duft nach Milliarden Frühlingsblumen küsste ihn sanft, streichelte seine geschundenen Sinne und ließ sein trauriges Herz wieder lächeln. Und jetzt sah er auch die Felsspalte, durch die sie ihre Hand zu ihm streckte. Der tiefe Riss dort war ihm bisher völlig entgangen, aber war das jetzt noch wichtig? Wichtig war für Orko in diesen Augenblick nur noch seine Dree-Elle. Durch die Felsspalte hindurch strahlte sie ihn an, lupfte ihren Schleier und Orko wusste ? auch wenn sie die Einzige war, deren Gesicht er jemals gesehen hatte ?, dass er die Allerschönste von Trolan sein Eigen nennen durfte. Alle Zweifel und jedwede Wut waren auf einmal wie weggeblasen. Orko sah nur noch sie. Und fühlte nur noch sie.
?Meine geliebte Dree-Elle?, flüsterte er. ?Nach all dem hätte ich nie geglaubt, dich wieder zu sehen. Ich dachte, ich hätte dich verloren.?
?Nun, das hättest du auch fast?, antwortete sie und ihr Blick wurde traurig. ?Es sind so viele schreckliche Dinge geschehen. So viele sind tot. So viele verstümmelt. Es sind so viele, die leiden.?
Dree-Elle verbarg ihr Gesicht wieder hinter dem Schleier, doch sie konnte nicht verbergen, dass sie weinte. Sie wandte sich schnell von Orko ab und ihm wurde erneut schwer ums Herz. Er vermochte es nicht, sich das Ausmaß von Evil-Lyns grausamem Treiben vorzustellen und er wollte es auch nicht. Es tat weh genug, seine Dree-Elle weinen zu sehen und noch viel mehr schmerzte es ihn, dass er das alles heraufbeschworen hatte und nun nichts mehr daran ändern konnte. Oder vielleicht doch?
Langsam schüttelte Orko den Kopf und ließ sich mit hängenden Ohren gegen die Felswand sacken. So ein Träumer war noch nicht einmal er, dass er wirklich glaubte, aus dieser Situation jemals wieder herauszukommen, geschweige denn, dass er irgendetwas gegen Evil-Lyn unternehmen konnte. Er saß hier in dieser Zelle fest und es gab keine Möglichkeit der Flucht. Es war wirklich zum Verzweifeln. Und ganz langsam kroch wieder die Wut über sich selbst und alles andere aus ihrem dunklen Loch, wollte sich an seiner Seele laben, doch noch kam sie nicht sehr weit, denn abermals wurde der kleine Trolaner abgelenkt.
?Verzweifle nicht, mein Junge?, vernahm er eine ihm wohlbekannte, ältliche Stimme. Sie war nicht mehr so fest wie früher, verschaffte ihrem Besitzer aber noch immer den nötigen Respekt.
Sogleich straffte Orko seine Haltung, wandte sich erneut der Felsspalte zu und fand sich einem in ein dunkelblaues Gewand gekleideten Trolaner gegenüber wieder. Graues Haar lugte unter seinem ebenfalls dunkelblauen Spitzhut hervor und hinter seiner dicken Brille blitzte ein Lächeln in leicht trübe gewordenen Augen auf.
?Onkel Montork?, rief Orko aus. ?Geht es dir...?
?Ssssssccchhht?, unterbrach ihn der alte Trolaner sofort und legte den Zeigefinger vor sein hellblaues Halstuch. ?Wir haben nicht die Zeit für große Wiedersehensfreuden, mein Junge. Man weiß nie, wann die Wächter zurückkommen und eigentlich ist es uns verboten, miteinander zu sprechen. Folter und Tod sind die Belohnung jenes Tölpels, der es in ihrer Gegenwart doch tut.?
Niedergeschlagen senkte Orko den Blick. Nicht einmal reden durften sie. Wer weiß, was man ihnen sonst noch alles antat, wenn sie nicht in diesen Zellen waren. Und dort waren sie definitiv nicht gewesen, bevor man ihn zu Evil-Lyn gebracht hatte.
?Ach, Onkel?, seufzte der kleine Trolaner und warf Montork einen traurigen Blick zu. ?Was ist hier bloß geschehen??
?Willst du das wirklich wissen??, fragte dieser und Orko konnte die Sorge und Traurigkeit in seiner Stimme deutlich hören.
?Ja?, antwortete er. ?Ja, ich muss es wissen.?
?Nun gut...?
Und Montork berichtete, so kurz und knapp es ihm möglich war. Er erzählte Orko von dem Eroberungszug der Sultur und wie sie sich der schwarzen Magie bedienten, als hätten sie nie irgendetwas anderes getan. Zur gleichen Zeit waren Gerüchte über eine gelbe Hexe aufgekommen, die sich im Gebiet der Sultur aufhalten sollte, die ihnen geholfen hatte und ihre Königin geworden war. Innerhalb kürzester Zeit hatten die haarigen Armeen vom anderen Ende des Planeten die ersten Gebiete in ihren Pranken und Kriege zwischen den Sultur und den anderen Völkern Trolans folgten. Doch es gab kein Entrinnen, die Hyänenwesen waren zu mächtig geworden und die Macht der gelben Hexe wurde mit jedem eroberten Land stärker. Sie tötete Tausende, fing ihre Seelen, wandelte die ihnen enthaltene Magie von weiß in schwarz und verleibte sie sich ein. Dem Urvolk Trolans - dem auch Orko in der was-wusste-er-schon-wievielten Generation angehörte - nahm sie die magischen Stäbe, deren Energie sie in ihre Kristallkugel leitete und auch viele der Trolaner verloren ihr Leben an sie. Bis sie von dem Edonit erfuhr, einem besonderen Metall, dass unter Orkos Heimatdorf tief in der Erde wie Unkraut wuchs und wucherte. Edonit rostete leicht, war es erst einmal verarbeitet, aber dennoch war es kaum möglich, es dann noch zu zerstören. Kurze Zeit später tauchte Tri-Klops auf Trolan auf, der Kubus mit seinen Innereien aus gewaltigen Maschinen wurde errichtet und unter ihm enstanden gleichzeitig die Edonit-Minen, in denen die Trolaner als Evil-Lyns Sklaven das Metall zu Tage beförderten. Es dauerte nicht lange, da trugen die ersten zu Soldaten ernannten Sultur Rüstungen aus Edonit und waren kaum noch angreifbar. Trotzdem gab es überall auf Trolan viele Aufstände und während dieser Zeit schaffte es eine handvoll trolanischer Sklaven, aus den Minen zu fliehen. Kurz darauf erfanden Evil-Lyn und Tri-Klops die Bannreifen, die seit diesem Tag an dem Handgelenk jedes Bewohners Trolans zu finden waren, der nicht auf der Seite der gelben Hexe stand. Damit endeten auch die Aufstände, denn niemand wagte es nunmehr noch, sich gegen Evil-Lyn und ihr Gefolge aufzulehnen. Trolans Wille war gebrochen. Genauso, wie seine Völker.
?Bis auf eines?, endete Montork seinen Bericht. ?Ghun ist noch immer frei. Die Dark Rain haben sie noch nicht bezwungen. Dort gibt es keine Bannreifen und immer noch mächtige Magie.? Er seufzte leise. ?Aber nicht mehr lange, fürchte ich. Mir kam zu Ohren, dass dieser Tri-Klops neue Rüstungen entwickelt hat, die Magie absorbieren. Wenn die Sultur mit diesen Rüstungen gewappnet Ghun angreifen, dann wird auch das Volk der Dark Rain fallen. Und mit ihnen die wenigen unseres Volkes, die dort nach ihrer Flucht Obdach gefunden haben.?
Orko spürte, wie seine Knie weich wurden und sein einstmals so starker Wille dabei war, endgültig den Dienst zu quittieren. Was, bei seinem verlorenen Stab, hatte er nur angerichtet? Wenn das hier Evil-Lyns ?Belohnung? war, die sie ihm angedroht hatte, dann wirkte sie, denn er wünschte sich, er wäre tot.
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