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: 07.12.2008
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   Sturm der tausend Strafen    Ringen um Hoffnung: Teil 4
Sturm der tausend Strafen
Ringen um Hoffnung: Teil 4
?Das tut mir alles so leid, Onkel?, sagte der kleine Trolaner leise. ?Das ist alles meine Schuld. Ich habe dafür gesorgt, dass Evil-Lyn hierher kommen konnte. Ich habe sie in ein Chaosportal gestoßen und anstatt sie ins Nichts zu reißen, hat es sie nach Trolan gebracht. Es ist alles meine Schuld.?
?Es ist niemandes Schuld?, antwortete Montork. ?Hörst du? Niemandes Schuld. Wenn es einen Schuldigen gibt, dann ist es diese gelbe Hexe!?
?Ihr müsst mich hassen?, flüsterte Orko, als hätte er die Worte seines Onkels gar nicht wahrgenommen.
?Niemand hasst dich?, gab Montork zurück. ?Wir wissen alle, wie Evil-Lyn hierher kam. Aber es hasst dich niemand dafür. Wir wissen, dass es nicht deine Schuld war. Lass dir sagen, dass man auch ein Chaosportal lenken kann, wenn der Wille nur stark genug ist. Nur das Ziel, das bleibt ungewiss. Sie hätte genauso gut auf jedem anderen Planeten landen können.?
?Aber ?? Orko musste sich zusammenreißen, damit ihm nicht die Sprache versagte. ?Aber es gibt doch keine Hoffnung mehr. Ihr müsst mich hassen.?
?Orko, mein Junge, niemand hat gesagt, dass es keine Hoffnung mehr gibt.?
Verwirrt starrte der kleine Trolaner seinen alten Onkel an. Was hatte er da gerade gehört?
?Soll das heißen, es gibt tatsächlich noch Hoffnung??, fragte er ungläubig.
?Die gibt es immer, mein Junge. Auch für uns.?
?Wie? Und wo??
?Einer uralten Legende nach hat Trolan einen Schutzgeist, dessen Macht stärker ist, als jede andere Magie des Universums. Jemand muss zu ihm gehen und ihn beschwören und er wird für jede geschundene Seele auf diesem Planeten an seinem Peiniger Vergeltung üben. Man nennt ihn den Sturm der tausend Strafen. Er ist verborgen in den gefrorenen Gebirgen von Thehar.?
?Und warum ist dann noch niemand dorthin gegangen??, hakte Orko nach.
?Die Kriege kamen zu plötzlich über Trolan?, antwortete Montork. ?Es gab kaum ein Entrinnen und es war schlichtweg unmöglich, jemanden nach Thehar auszusenden. Ein solcher Gesandter wäre zur Zeit der Kriege niemals lebend dort angekommen. Und nun gibt es nur noch die Dark Rain, die frei sind, aber wie du weißt, können sie nicht dorthin. Ihre Körper würden gefrieren.?
Orko nickte verstehend. Ein Wasserwesen in ein Land aus Schnee und Eis zu schicken, wäre sein sicherer Tod und somit keine Hilfe.
?Was ist mit den Geflohenen unseres Volkes, von denen du gesprochen hast??, fragte er nach einem kurzen Moment des Überlegens.
?Ihnen wurden die Stäbe genommen, mein Junge?, erklärte Montork. ?Ihre Magie ist ohne sie nicht mehr stark genug, um den Schutzgeist zu beschwören.?
?Aber meine ist es?, erwiderte Orko mit fester Stimme. ?Ich habe während meiner Zeit auf Eternia gelernt, sie ohne Stab zu nutzen und sie wurde sogar noch stärker, als früher. Ich könnte gehen.? Er umfasste sein rechtes Handgelenk und sein Blick wurde finster. Er spürte, wie diese Wut wieder in ihm erwachte. ?Wenn dieser verfluchte Bannreifen nicht wäre.?
Sein alter Onkel seufzte und ließ die Schultern hängen.
?So ist es leider, mein Junge, so ist es?, sagte er mit trauriger Stimme. ?Aber verzweifle nicht, du weißt doch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und nun sollten wir ein wenig ruhen. Sie werden uns bald holen und wieder zurück in die Minen bringen. Wir hatten schon enormes Glück, dass noch keine Wache kam und uns erwischt hat.?
Mit diesen Worten wandte Montork sich von Orko ab, der ihm nachsah, als er sich von der Felsspalte entfernte. Und plötzlich erwachte des kleinen Trolaners Aufmerksamkeit. Etwas stimmte nicht mit seinem Onkel, aber er konnte es nicht genau in Worte fassen. Es war, als ob ihm irgendetwas fehlte. Nicht, dass er krank war, sondern dass ihm etwas fehlte, gerade so, als würde man seinen Wanderstock verlieren, den man sonst immer bei sich trug und ohne den einen noch nie jemand gesehen hatte. Aber es war kein Wanderstock, der Montork fehlte. Und auch nicht sein magischer Stab - Orko wusste ja, dass er ihn nicht mehr hatte - nein, es war etwas anderes. Etwas fehlte an ihm selbst. Etwas Wichtiges. Etwas ... da fiel es dem kleinen Trolaner plötzlich wie Schuppen von den Augen. Sein Onkel besaß nur noch einen Arm!
?Onkel Montork?, grollte Orko mit einer Mischung aus Entsetzen und Wut. ?Was ist mit deinem linken Arm passiert??
Der Angesprochene zuckte zusammen und drehte sich langsam zu ihm um.
?Ich wollte nicht, dass du das siehst?, sagte er matt. ?Sie schlugen ihn mir einst ab, zur Strafe, weil ich stolperte auf dem Weg zurück in die Zelle. Aber ich hatte noch Glück, denn sie hätten mich auch töten können. Doch sie brauchten mich ja ... zur Arbeit.?
Völlig entgeistert starrte der kleine Trolaner seinen Onkel an. Er wusste nichts mehr zu sagen. Alles, was er in diesem Augenblick noch fühlte, war unbändiger Zorn und Hass. Hass auf Evil-Lyn und ihr dreckiges Gefolge. Zorn über deren Grausamkeit und dass sie nicht einmal einen alten Mann in Frieden lassen konnten. Wie viele hatten sie wohl noch sinnlosen Qualen ausgesetzt, ihnen Schmerzen und Strafen zugefügt für nichts und wieder nichts? In Orkos Kopf hämmerte jeder Pulsschlag, als schlüge man ihn mit dem Schädel im Sekundentakt auf einen Amboss. Sein Magen zog sich zusammen, als müsse er sich übergeben, doch nichts passierte. Seine Stimmbänder vibrierten, als ob er schreien würde, doch er hörte nichts. Sein ganzer Körper schien in Flammen zu stehen, doch er brannte nicht. Eine gewaltige Wut nagte sich durch seine Eingeweide, während höllische Schmerzen in seinem rechten Handgelenk tobten, gerade so, als versuche jemand, mit einer rostigen, scharfkantigen Kette ihm selbiges abzusägen. Orkos Hände verkrampften sich abermals zu Fäusten, seine Fingernägel gruben sich tief in die Handflächen, sodass zähflüssiges, gelbes Blut hervorquoll.
?Jetzt reicht es?, knurrte er in einem so finsteren Tonfall, dass er sich selbst nicht mehr erkannte und ihm war, als gab es einen Knall unter seiner Schädeldecke. Sein Herz raste, er glaubte, keine Luft mehr zu bekommen, die Wut, der Hass, sie fraßen ihn von innen her auf und sie würden nicht eher von ihm ablassen, bis nichts mehr von ihm übrig war, da war er sich sicher. Doch plötzlich drang ein leises Klick gefolgt von metallischem Klirren an sein durch Zorn vernebeltes Unterbewusstsein und mit ihm brachen die Schmerzen im Handgelenk abrupt ab. Orko hielt inne, seine verkrampften Finger lösten sich, sein Herzschlag bremste sich zur Normalität herab und in seinem Kopf herrschte mit einem mal wieder eine solche Klarheit, als wäre überhaupt nichts geschehen. Wie in Zeitlupe hob er seinen rechten Arm, betrachtete die Stelle, an der er den Bannreifen zuletzt gesehen hatte und traute seinen Augen kaum. Er war nicht mehr da! Im gleichen Moment schwebte Orko auf und stieß sich hart den Kopf an der niedrigen Decke, aber es war ihm egal. Wie auch immer das passiert sein mochte, er war den Bannreifen los! Die Kontrolle über seine Magie gehörte wieder ihm und er hatte ein neues Ziel: Thehar und den Sturm der tausend Strafen!
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