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PE-RPG: Hintergrundgeschichte zu Ninjor
Der Pfad des Erwachsenwerdens
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| PE-RPG: Hintergrundgeschichte zu Ninjor Der Pfad des Erwachsenwerdens |
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Hintergrundgeschichte zu Ninjor, Teil 2:
Der Pfad des Erwachsenwerdens: Fast 5 Jahre waren vergangen seit jenem Tag, als Sheng und die anderen neuen Schüler von Meister Ling in der Ninja-Schule Mu?Gen begrüßt und aufgenommen worden waren. Sheng erfüllte aller Erwartungen, sein Talent stellte sich als noch größer heraus, als es selbst sein ehrgeiziger Vater für möglich gehalten hätte. Im Kampf war er nur schwer zu schlagen, und er zeigte großes Interesse im Studium alter Schriften und Mysterien. Er bedauerte, daß das umfangreiche Wissen der Großen Drachen, vor allem über die Kunst der Magie, im Laufe der Zeit verloren gegangen war. Oft sah man ihn in der Bibliothek der Schule, wo er über alten, verstaubten Folianten brütete. Allerdings hatte das auch noch einen anderen Grund als nur seine Wissbegierde. Nur einer der drei anderen Schüler, der weiße Winddrache ? sein Name war Okama -, stammte wie er von den Großen Drachen ab, die beiden anderen kamen aus unbedeutenderen Familien. Während letztere sich aus Respekt zurückhielten, konnte Okama nur schwer verbergen, daß er auf Sheng?s Erfolg neidisch war. Er begegnete Sheng mit Arroganz und ließ keine Gelegenheit aus, ihm durch kleine Gemeinheiten zu schaden. Das allein störte Sheng nicht, sein Vater hatte ihn gewarnt, daß er mit solchen Dingen würde rechnen müssen. Aber der Preis für seinen Erfolg war, daß er keine Freunde hatte. Auch Okama hatte keine Freunde, was nicht verwunderlich war, so wie er sich aufführte, er schien aber auch der Meinung zu sein, niemanden auf der Welt zu brauchen. Sheng hingegen hätte gerne jemanden gehabt, mit dem er seine Erfahrungen und Gedanken austauschen konnte. Die beiden anderen Schüler blieben zu sehr auf Distanz, als daß er sich mit ihnen hätte anfreunden können, und von den älteren Ninjas, von denen einige noch in der Schule verweilten, erhielt er zwar ab und an Ratschläge, aber sie nahmen ihn noch nicht für voll, sei es aufgrund seines Alters oder der Tatsache, daß er seine Prüfung noch nicht abgelegt hatte. Doch bis dahin würden weitere 5 lange Jahre vergehen. Er hatte nur selten Gelegenheit, seine Eltern zu besuchen, und wenn es einmal soweit war, wollte sein Vater nur wissen, wie gut er war, und erklärte ihm, woran er noch arbeiten mußte. So blieben Sheng nur seine Bücher und die alten Landkarten, der Traum, eines Tages ganz Eternia zu bereisen und all die Länder zu sehen, von denen er so viel gehört und gelesen hatte. Es war ein schöner, sonniger Tag, einer von vielen, an denen die Schüler im Hof der Schule trainierten. Sheng parierte gerade einen Angriff des Erddrachen mit seinem Übungsstock, als etwas geschah, das überaus ungewöhnlich war. Ein Fremder erschien vor den Toren von Mu?Gen, ein junger Mann, kaum älter als Sheng selbst. Es kam so gut wie nie vor, daß Fremde auf die Insel kamen, und wenn, dann besuchten sie meist eines der Dörfer, um Handel zu treiben. Der junge Mann hatte ein weißes Band um seine Augen gebunden, und er hielt einen langen Stab in seiner rechten Hand. Als Meister Ling den fremden Mann sah, bat er seine Schüler, kurz aufzuhören, und ging zu ihm. Es war Fremden nicht erlaubt, den Torbogen zu durchschreiten. Der junge Mann wartete geduldig und sprach dann mit Meister Ling. Sheng konnte nicht hören, was sie besprachen, aber Meister Ling bedeutete dem Mann zu gehen. Dieser jedoch blieb ruhig und gelassen und machte keinerlei Anstalten, sich von der Stelle zu bewegen. Er blieb noch immer dort stehen, als Meister Ling zu der Gruppe zurückkehrte. Miru, der blaue Wasserdrache, von dem Meister Ling immer sagte, seine Worte sprudelten nur so aus ihm heraus wie Wasser aus einer Quelle, konnte vor Aufregung nicht an sich halten und fragte sofort, wer denn der Fremde sei und was er wolle. Zunächst wollte Meister Ling nicht darauf eingehen, aber Miru blieb hartnäckig, und so sagte er schließlich: ?Ein Ninja muß ihm von unserer Schule erzählt haben, sonst hätte er uns hier nie gefunden. Das ist unüblich. Und sein Anliegen ist noch weitaus ungewöhnlicher. Er ist hierher gekommen, weil er die Kampfkunst der Ninjas erlernen möchte. Noch nie ist es jemandem gestattet worden, Mu?Gen auch nur zu betreten, der nicht auf dieser Insel geboren wurde. Ich habe ihm gesagt, daß sein Wunsch nicht erfüllt werden kann und daß er gehen soll. Er weigerte sich, also sagte ich ihm, daß er auf der Insel verweilen kann, solange er möchte, daß es ihm aber nicht erlaubt werden würde, das Tor zu durchschreiten. Und nun geht wieder an eure Übungen.? Natürlich war der Fremde schon bald darauf DAS Gespräch in allen vier Dörfern der Insel. Einige Kinder kamen sogar, um ihn mit eigenen Augen zu sehen, doch der Fremde, der sich im Schneidersitz vor das Tor gesetzt hatte, blieb regungslos dort sitzen. Meister Ling und die älteren Leute der Insel waren der Meinung, daß er schon von alleine wieder gehen würde, doch es verging ein Tag, ohne daß der Mann sich von seinem Platz gerührt hätte. Am zweiten Tag hatten einige Dorfbewohner Mitleid mit ihm. Sie luden ihn ein, bei ihnen zu essen, zu trinken und zu übernachten, doch er lehnte es jedes Mal feundlich, aber bestimmt ab. Man brachte ihm sogar etwas zu essen, doch er rührte keinen Bissen an. Im Laufe des dritten Tages schließlich fiel er plötzlich vornüber und blieb regungslos liegen. Meister Ling ging persönlich zu ihm und tat etwas unvorstellbares: Anstatt ihn in eines der Dörfer bringen zu lassen, trug er ihn durch das Tor und über den Innenhof ins Ärztezimmer der Schule. Dort gab er dem jungen Mann einige Kräuter und wachte persönlich darüber, daß er wieder zu Kräften kam. Zwei Tage vergingen, dann trat Meister Ling mit dem jungen Mann auf den Platz hinaus, wo er zuvor alle Ninjas und Schüler hatte versammeln lassen. ?Ich habe eine Entscheidung getroffen.?, begann er. ?Der Name dieses jungen Mannes hier ist Marek. Marek ist blind, aber er hat einen eisernen Willen und unerschütterliche Entschlossenheit bewiesen, Eigenschaften eines wahren Ninjas. Daher werde ich ihm erlauben, bis zum Tage der Prüfung in 5 Jahren, die halbe Zeit eines Ninja-Schülers, hier bei uns in Mu?Gen zu bleiben und mit den anderen zu lernen und zu trainieren.? Natürlich gab es eine große Aufregung, als Meiser Ling diese Entscheidung verkündete, und in den folgenden Tagen kamen immer wieder Vertreter der Adelshäuser aus den vier Dörfern, Alte und auch einige der Ninjas zu ihm und sprachen mit ihm über die Traditionen, die er brach, indem er Marek erlaubte, in Mu?Gen zu bleiben und sogar hier zu lernen. Einige Diskussionen waren so laut, daß man sie bis nach draußen hören konnte, doch Meister Ling hatte in allen Belangen, die die Schule betrafen, das letzte Wort, und er änderte seine Meinung nicht mehr. Marek stellte sich als gelehriger und durchaus talentierter Schüler heraus. Zwar durfte er aufgrund seiner mangelnden Erfahrung nicht alle Übungen mitmachen, die die anderen Schüler durchführten, doch bei denen, die er erlernte, bewies er Geschick und Ausdauer. Okama haßte Marek fast noch mehr als er Sheng haßte, er konnte die Entscheidung, einen dahergelaufenen Blinden in die Schule aufzunehmen, nicht im Mindesten verstehen. Das wiederum führte mit der Zeit dazu, daß Sheng und Marek sich zusammentaten, um Okama seine Gemeinheiten heimzuzahlen. Marek erwies sich als trickreicher Streicheplaner, und Sheng war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, mit dem er reden konnte. Marek hatte die Welt da draußen zwar nicht sehen können, da er von Geburt an blind war, aber er hatte doch vieles mitbekommen und erzählte Sheng gerne davon. Sheng hingegen erzählte Marek, was er gelesen und gehört hatte. Marek interessierte sich, wie sich herausstellte, sehr für Technik und Ingenieurskunst, Dinge, die in Mu?Gen eher nicht gelehrt wurden. Aber was Sheng in der Bibliothek dazu finden konnte, laß er Marek gerne vor. Er selbst verstand nicht viel von Bauplänen und solchen Dingen, doch Marek konnte, auch ohne es zu sehen, Dinge reparieren oder bauen, von denen Sheng nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Eines Tages zeigte ihm Marek einen goldenen Vogel, ganz aus Metall, den er gebaut hatte und der wirklich fliegen konnte! Sein Talent war auf seine Weise ebenso außergewöhlich wie das von Sheng, und Sheng respektierte seinen Freund dafür, wie er ihn respektierte. Mit einem Freund an seiner Seite, mit dem man reden, lachen, Erfahrungen austauschen und viele Dinge gemeinsam erleben konnte, vergingen die nächsten 5 Jahre wie im Fluge. Marek hatte ein gutes Gehör und scherzte gerne darüber, wenn sie einmal die Schule verlassen durften, daß die jungen Mädchen ihnen nachsahen und über sie tuschelten. Sheng galt unter ihnen als hübsch, aber auch Marek erntete einige verträumte Blicke, was Sheng ihm wiederum mitteilte. Es waren aber nur Neckereien, denn ein Ninja würde nie eine Frau und Familie haben, nicht, wenn er die Insel verlassen und in die Welt hinausgehen würde, wo er getötet werden konnte. Und so kam die Zeit, zu der die vier Schüler ihre Abschlußprüfung ablegen und vier neue Schüler in die Schule aufgenommen werden würden. Marek war es nicht erlaubt, die Prüfung abzulegen, da er nur die halbe Zeit für die Vorbereitung gehabt hatte. Die Festlichkeiten rund um die Prüfung dauerten eine Woche, am 3. Tag würde die Prüfung sein, und am Ende würde man die neuen Schüler zur Schule bringen. Noch ahnte Sheng nicht, daß er nie dazu kommen würde, die Prüfung abzulegen ? Es war der 1. Tag der Festwoche, und alle Leute auf der Insel waren auf den Beinen, um sich auf dem großen Festplatz vor der Schule zu versammeln. Es würde ein großes Festmahl, Musik und Tanz geben. Und es war Tradition, daß die vier Schüler in kurzen Schaukämpfen mit langen Stöcken zeigten, was sie gelernt hatten, so daß alle es sehen konnten. Viele junge Mädchen und Frauen waren gekommen, um die jungen Männer zu sehen, die bald zu echten Ninjas erhoben werden würden. So mancher spätere Ninja hatte während des Festes die Frau getroffen, die er später geheiratet hatte. Wie Sheng?s Vater, der hier seine spätere Mutter kennenlernte und für sie darauf verzichtete, die Welt jenseits der Insel zu besuchen. Sheng genoß die bewundernden Blicke der Frauen, doch er war entschlossen, niemals so zu werden wie sein Vater. Er WÜRDE die Welt da draußen sehen. Natürlich waren auch die Eltern der Ninja-Schüler da, um zu sehen, was ihre Söhne - in diesem Jahrgang gab es keine Mädchen - gelernt hatten. Miru überschlug sich fast vor Aufregung, ihm fehlte leider noch immer die innere Ruhe eines echten Ninjas. Er rannte hin und her und wollte mit jedem Mann reden und mit jeder jungen Frau für später einen Tanz vereinbaren. Sheng schüttelte den Kopf, mußte aber lächeln, endlich war der große Tag in greifbare Nähe gerückt, an dem er seinen Eltern würde beweisen können, was er konnte. Da trat Okama an ihn heran, um ihn zu einem Übungskampf herauszufordern. Sheng hatte nichts dagegen, und schon bald standen sich die beiden mit Stöcken bewaffnet gegenüber. Okama war ein gefährlicher Gegner, die Zuschauer jubelten und waren begeistert. Beide schienen gleich stark zu sein, keiner wollte sich vor den Zuschauern und seiner Familie eine Blöße geben. Sheng konzentierte sich, probierte es mit einer Finte, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen, Okama zu besiegen. Er spührte die Blicke seines Vaters auf sich. Er durfte einfach nicht verlieren. Doch Okama machte keinen Fehler, er parierte Schlag auf Schlag. Da passierte es: Sheng fiel auf eine Finte herein, und Okama konnte ihm mit seinem Stock das rechte Bein wegziehen, so daß er auf den Rücken fiel. Die Zeit schien stillzustehen. Sheng blickte zu seinem Vater, der den Kopf schüttelte. Dann zu dem Mann, der als Schiedsrichter bei den Schaukämpfen fungierte. Die Fahne, die das Ende des Kampfes signalisierte, war noch nicht erhoben worden. Er hörte, wie Okama etwas zu ihm sagte, ehe er sich von ihm abwandte und sich von der Menge feiern ließ: ?Regel Nr.2: Rechne immer mit dem Unerwarteten. Hast Du das etwa schon vergessen ?? Sheng versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Okama wollte ihn lächerlich machen, vor Meister Ling und allen Leuten, vor seinem Vater! Sheng griff in eine versteckte Innentasche seines Anzuges und holte einen Wurfstern hervor. Mal schauen, ob Okama auch mit dem Unerwarteten rechnete. Er würde ihn knapp an seinem Kopf vorbeiwerfen, dann würde ihm das dumme Grinsen schon vergehen. Sheng zielte und warf. Doch genau in diesem Moment drehte sich Okama zu ihm um. Offenbar hatte ihm jemand aus dem Publikum etwas zugerufen, ihn gewarnt, was eigentlich verboten war. Eigentlich war es auch verboten, scharfe Waffen wie diesen Wurfstern in einem Schaukampf zu verwenden, doch er wollte Okama nur erschrecken, nicht verletzen. Doch nun, wo Okama sich ihm zuwandte, traf ihn der Wurfstern am Hals. Okama röchelte und ging in die Kniee. Aus den Augenwinkeln sah Sheng, daß die Fahne erhoben war, der Kampf war vorbei. Wann war das geschehen, bevor oder nachdem er geworfen hatte? Er hörte Meister Ling?s Stimme hinter sich, rannte auf Okama zu, doch seine Augen waren bereits milchig und blickten ins Leere. Sheng hatte fest genug geworfen, daß der Stern bis zum nächsten Baum fliegen und dort stecken bleiben sollte. Okama war nur drei Schritte von ihm entfernt, der Stern traf ihn mit voller Wucht und durchtrennte quasi sofort die Luftröhre. Um ihn herum tobte das Chaos. Irgendwer aus der Menge hatte Okama aufgefangen. Wieviel Zeit war vergangen ? Wie sollte er das alles nur seinem Vater und Meister Ling erklären ? Plötzlich spührte Sheng einen Ruck, der durch seinen ganzen Körper ging. Etwas - jemand - hatte ihn gepackt und zerrte ihn mit sich, von der Menge fort. Sheng erkannte, daß es Marek war. Er protestierte, doch Marek machte ihm mit wenigen Worten klar, daß er im Augenblick nichts erklären oder klarstellen würde können. Okama?s Familie war reich und angesehen, sie würden vor allem eins wollen: Rache. Es klang einleuchtend, was Marek sagte, und so ließ Sheng sich von ihm nach Süden führen, in sein Heimatdorf, das fast verlassen dalag. Am Fischereihafen nahmen sie sich ein Ruderboot und ruderten die wenigen Meilen bis zum Festland, wo sie sich einen Ort suchten, an dem sie unentdeckt bleiben würden. Sie hielten sich dort einige Tage versteckt. Eines Abends, als sie gemeinsam am Lagerfeuer saßen, das so angelegt war, daß man es nicht schon von weitem würde sehen können, sagte Sheng: ?Ich kann nicht ewig weglaufen, Marek, und das weißt Du auch. Ich bin Dir sehr dankbar dafür, daß Du mir geholfen hast, aber ich muß zurückgehen und mit meinem Vater reden. Er muß erfahren, daß das, was geschehen ist, ein Unfall war. Und Meister Ling ebenfalls.? Marek seufzte und sagte: ?Die Menschen sehen, was sie sehen wollen, Sheng. Es war weithin bekannt, daß Okama und Du keine Freunde wart, seine Familie wird nie glauben, daß das, was geschehen ist, ein Unfall war.? ?Vielleicht nicht, aber ich muß es versuchen. Ein Mann von Ehre stellt sich seiner Pflicht, wie schwer sie auch sein mag.? Marek nickte. Nicht, weil er Sheng zustimmte, aber weil er wußte, wie Sheng dachte und wie wichtig ihm seine Ehre war. Er würde seinen Freund nicht davon abhalten können, das zu tun, was er sich in den Kopf gesetzt hatte. Sheng blickte zu Marek und sagte: ?Es tut mir leid, daß alles so gekommen ist. Da Du mir geholfen hast und für viele noch immer ein Fremder bist, werden sie Dich auf der Inseln kein weiteres Mal Willkommen heißen.? ?Ich weiß. Ich wußte, was ich tat, als ich es tat. Ich habe gelernt, was ich lernen durfte und konnte, mehr hätte ich ohnehin nicht erfahren. Und was die Leute über mich denken, ist mir nicht wichtig, ihre Meinung schwankt schneller als ein Ast im Wind.? Marek lächelte. Es machte ihm nichts aus, für ?den Bösen? gehalten zu werden oder ein Außenseiter zu sein, schon durch seine Behinderung hatte er gelernt, seinen eigenen Weg zu gehen. Sheng schmerzten die Worte, die er nun sagen mußte: ?Ich möchte Dich bitten, mich nicht zu begleiten, wenn ich zurück gehe. Das würde alles nur verkomplizieren.? Marek nickte erneut. Sein scharfer analytischer Verstand wußte meist sehr schnell, was logischerweise zu tun war. Marek kramte in seiner Tasche herum; er hatte in den letzten Tagen ständig an etwas gebastelt, und nun überreichte er Sheng ein Amulett. Es zeigte einen Drachen, der sich nach rechts hin drehte. Marek deutete auf seinen Hals, wo an einer schlichten Kette ein anderer Drache hing, der sich jedoch nach links hin drehte. Marek zeigte Sheng kurz, daß beide Teile zusammenpaßten, wenn man sie zusammensteckte. Zwei Seiten einer Medaille. ?Dieser Talisman soll Dir Glück bringen, mein Freund. Er ist mit dem, den ich trage, verbunden. Wenn einer von uns in Not ist und die Hilfe des anderen braucht, drückst Du nur diesen verborgenen Schalter, und die andere Häfte des Drachenmedallions wird ein akustisches Piepen von sich geben. Zunächst nur sehr leise, so daß nur derjenige es hören kann, der den Drachen am Körper trägt. Aber es wird lauter werden, je näher die beiden Drachen wieder zueinander kommen. Wann immer Du mich brauchst, werde ich für Dich da sein.? Sheng umfaßte den Unterarm seines Freundes, und er tat es ihm gleich, ein Ninja-Handschlag unter Freunden. ?Ich danke Dir. Wir sehen uns sicher sehr bald wieder. Wohin wirst Du jetzt gehen?? Marek überlegte kurz und meinte dann: ?Nach Eternis, denke ich. Dort gibt es angeblich die besten Ingenieure von ganz Eternia, ich möchte noch einiges hinzulernen. Vielleicht werde ich irgendwann einmal berühmt, wer weiß? Oder ich baue diese Brille, von der ich Dir erzählt habe.? Marek lächelte, und Sheng erwiederte das Lächeln. Marek?s großer Traum war es, eine Brille zu bauen, die es ihm ermöglichen würde, sehen zu können. Marek nickte Sheng noch einmal zu, nahm seine Sachen und ging. Es war alles gesagt worden, und je länger der Abschied dauerte, desto schmerzlicher würde er nur werden. Während Sheng den Talisman näher betrachtete und in der Hand hin und her drehte, nahm er sich vor, seinen Freund so bald wie möglich zu besuchen, wenn er alles geklärt hatte, was noch vor ihm lag. Und danach würden sie zusammen die Welt bereisen. Mit diesem Gedanken schlief Sheng ein, ohne zu ahnen, daß fast 30 Jahre vergehen würden, ehe Marek das Signal aktivieren und sie sich wiedersehen würden - an einem Ort, den man Snake Mountain nennt ? |
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