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: 07.12.2008
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   Sturm der tausend Strafen    Kein Fund ohne Suche: Teil 4
Sturm der tausend Strafen
Kein Fund ohne Suche: Teil 4
Schweißgebadet schreckte Orko auf, fuhr herum und schoss ohne nachzudenken einen Zauber in die Finsternis und in die Richtung in der er den Verursacher das Stechens und Pieksens in seinen Rücken vermutete, woraufhin ein leises Plopp ertönte. Der kleine Trolaner hielt einen Augenblick inne. Es war plötzlich so still um ihn herum. Das Gefühl, hinab gesogen zu werden, war verschwunden und er war allein. Kein Onkel Montork, kein selbständig gewordener Arm mehr, nichts. Er hatte bloß geträumt.
Erleichtert ließ er sich gegen den Stamm eines der Pilzbäume sinken, rutschte zu Boden und atmete tief durch. Sein rasender Puls und sein Herz, welches so schnell schlug, als wolle es ihm jeden Moment aus dem Halse springen, beruhigten sich langsam wieder. Er warf einen Blick hinauf zum Himmel und stellte fest, dass er nicht mehr als eine Stunde geschlafen haben konnte, denn Mond und Sterne hatten sich kaum fortbewegt. Dennoch war Orko kein bisschen mehr müde. Mit einem leisen Seufzen verschränkte er die Arme hinter dem Kopf und ließ seine Blicke umher schweifen. Einige Meter von seinem Schlafplatz entfernt konnte er ein paar kleinere, wohl noch jüngere Irrlichter umher toben sehen, manche der parasolischen Pilze glommen leicht in der Dunkelheit und allesamt trugen sie golden schimmernde Hüte, die der Mond ihnen des Nachts zu schenken pflegte. Ein leichter, lauer Windzug fuhr durch die Gassen und Wege und streifte Orkos Gesicht, um sogleich wieder zu verschwinden. Abermals fiel ihm auf, wie still und einsam diese Gegend geworden war. Er sah nichts Lebendiges, außer der Irrlichter, er hörte nichts, außer dem leisen Rauschen des Windes, wenn er an ihm vorüber strich und dem von irgendwo her an seine Ohren dringenden melodischen Sirren von Zirphörnchen, kleiner Nagetiere, den flinken eternischen Eichhörnchen nicht unähnlich. Sie trugen kurzes, seidiges und erdbraunes Fell mit drei tiefgrünen Streifen, die sich vom Kopf über den Rücken bis zum Schwanz zogen, was die kaum handtellergroßen Tierchen perfekt tarnte. Nur ihr nächtliches Zirpen, welches entstand, wenn die Hörnchen die Haare ihres buschigen Schwanzes vibrieren ließen, zeugte davon, dass sie da waren und offenbar waren sie und die Irrlichter die letzten Bewohner von Parasolia, denn Pilzlinge schien es hier wirklich nicht mehr zu geben.
Das monotone Kriii-Kriii der Zirphörnchen lullte Orko langsam aber sicher ein und er spürte, wie erneut die Müdigkeit die Oberhand über seine Sinne gewann, wie seine Augenlider schwer wurden und schließlich zuklappten. So dämmerte er sanft dahin, geleitet von den wenigen Geräuschen der Nacht, der bleiernen Schwere des Schlafes nicht länger widerstehen könnend, während sein Geist schon die ersten Fetzen eines schönen Traumes preisgab. Bis plötzlich ein metallisches Summen direkt neben seinem Ohr ihn von einer Sekunde auf die Andere zurück in die Wirklichkeit katapultierte.
Behutsam und mit abermals klopfendem Herzen wandte der kleine Trolaner den Blick nach links und wurde einer im spärlichen Mondlicht mattsilbern glänzenden, kleinen Libelle gewahr, die mit flatternden Flügeln auf der Stelle schwebte und ihn aus ihren Facettenaugen anstarrte. Sie zuckte ein wenig hin und her, als sie seine Blicke bemerkte, schien aber nicht die Absicht zu haben, das Weite zu suchen. Genau das allerdings wäre Orko mehr als lieb gewesen, denn auf eine seltsame Art und Weise verursachte dieses kleine Insekt bei ihm ein unbehagliches Drücken in der Magengrube. Allein schon wie sie ihn ansah war ungewöhnlich, denn Insekten im Allgemeinen pflegten es nicht unbedingt, ihr Gegenüber derartig anzustarren, als wollten sie sich jedes Detail desjenigen welchen auf das Genaueste einprägen. Dazu gesellte sich noch das leicht metallische Surren ihrer Flügel, welches nicht so recht zu einem lebendigen Wesen passen wollte, auch wenn es sich alle Mühe gab und je länger sich die Libelle in seiner Nähe aufhielt, umso unwohler wurde Orko dabei. Das Ganze verstärkte sich noch, als das Insekt damit begann, ihn zu umschwirren und schließlich versuchte, auf seinem Gewand einen Landeplatz ausfindig zu machen. Nicht besser wissend was er tun sollte, gab der kleine Trolaner sich schließlich dem Versuch hin, das lästige Wesen zu verscheuchen, indem er nach ihm schlug, wobei sein Erfolg allerdings gänzlich auf der Strecke blieb. Die Libelle war geschickter, als sie aussah und wich jedem Schlag seiner kleinen, blauen Hände mit einer solchen Eleganz aus, dass es Orko schon fast schwindlig wurde. Ganz offensichtlich wollte schlichtes Verscheuchen bei diesem Exemplar nicht fruchten, was den Trolaner dazu trieb, seinem Bedürfnis mehr Nachdruck zu verleihen und schließlich in wildem Gefuchtel und wütendem Gesumme endete, in dem es einem außenstehenden Betrachter unmöglich gewesen wäre zu unterscheiden, was zu trolanischen Händen und was zur Libelle gehörte.
Dieses eigentümliche Schauspiel zog sich einige Minuten lang hin, bis Orko es irgendwann schaffte - wie auch immer ihm das gelang, vermag er bis heute nicht zu sagen - die Libelle in die Finger zu bekommen und sie reflexartig zwischen beiden Händen zerquetschen. Erstaunt über diesen schon fast unverschämten Glückstreffer ließ er die bröseligen Überreste seines kleinen silbrigen Opfers zu Boden fallen und betrachtete sein ?Werk?. Verkrümmt und verkr****t lag die Libelle zu seinen Füßen, der Hinterleib eingeknickt, die Flügel in winzige Stückchen zersplittert, die Beine abgebrochen und um sie herum verstreut, während aus diversen Bruchstellen kleine Funken hervor blitzten und eine Vermutung schlich sich in Orkos Bewusstsein. Binnen Sekunden wurde aus ihr Gewissheit und diese Gewissheit rannte ihm einem wild gewordenen, tausendfüßigen Regenbogenbeißer gleich und in Form von abwechselnd eiskalten und kochend heißen Schauern seinen Rücken rauf und runter. Das, was er da mit viel Wohlwollen von Fortuna erwischt und erlegt hatte, war weder ein gewolltes Produkt noch eine ungewollte Laune der Natur, sondern etwas völlig anderes. Was nun dort vor ihm lag, waren die zerlegten Einzelteile eines Hunters. Seines ersten Hunters, der ihm unter die Augen gekommen war, wenn er genau sein wollte.
Mit einer Mischung aus Faszination und Panik starrte Orko auf die langsam absterbenden Technikreste zu seinen Füßen, als sich plötzlich über ihm der Himmel verdunkelte. Der innige Wunsch, dass es nicht mehr als eine Wolke sei, die sich vor den Mond geschoben hatte, durchzuckte seine verworrenen Gedankengänge, doch er wusste leider nur zu gut, dass dieser Wunsch ihm verwehrt bleiben würde. Er hatte die Schritte, die sich ihm genähert hatten, längst und gehört und die krallenbewehrten, haarigen Pfoten bereits gesehen und blickte nun langsam aufwärts.
Wie nicht anders zu erwarten war, hatte der Hunter hervorragende Dienste gleistet und den erstbesten Floh-Sack, der in der Nähe herumgestreunt war, angelockt und jener hatte sich nun mit einem breiten Grinsen und finsteren Funkeln in den leblosen Augen vor ihm aufgebaut. In der rechten Pranke hielt er den dem kleinen Trolaner schon wohlbekannten magischen Stab, dessen Spitze bläulich glomm. Gekleidet war Orkos Gegenüber in eine glänzende, dunkel-silberne Rüstung - wahrscheinlich die neueste Edonit-Kreation aus dem Hause Evil-Lyn und Tri-Klops -, die seinen Oberkörper schützend ummantelte. Dazu trug er an den Unterarmen und an den Beinen schwere Manschetten gleichen Materials, wozu sein modriger, zerfetzter Lendenschurz, der wohl einstmals Leder hatte darstellen sollen, mittlerweile aber aussah und stank wie hundert tote Rinder, beim Besten Willen nicht passen wollte. Die Krönung dieses Schutzpanzers prangte allerdings in Form eines lilafarbenen Emblems, welches Orko schon einmal bei der Wache vor dem Kubus gesehen hatte, auf dem Brustteil der Rüstung und leuchtete schwach in der Dunkelheit.
Der kleine Trolaner starrte den Sultur reglos an, der seinerseits noch breiter grinste und zu sabbern begann. Eine seltsame Spannung lag in der Luft, die förmlich nach einem Kampf schrie, was weder Orko noch dem Wollflickenteppich ihm gegenüber verborgen blieb. Ganz vorsichtig und so unmerklich, wie es ihm möglich war, krümmte der Trolaner die Finger, um für einen Angriff bereit zu sein und binnen Sekundenbruchteilen schossen ihm alle möglichen Dinge durch den Kopf. Er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit einem der von Evil-Lyn optimierten Filzpantoffelimitate, daran, dass Onkel Montork ihm im Kerker von neuen, Magie absorbierenden Rüstungen erzählt hatte und daran, wozu die Sultur mit ihren neuen Kräften und ihren Stäben nun wohl fähig sein mochten. Zum weiteren Nachdenken kam Orko jedoch nicht, denn plötzlich drang ein tiefes Knurren aus der sulturschen Kehle und das Monstrum fletschte die Zähne, wobei es den Blick auf die zwischen selbigen sitzenden, verwesenden Reste seiner schätzungsweise vorvorletzten Mahlzeit freigab.
?Was bist du bloß für ein Krieger??, fragte Orko angewidert. ?Selbst der Herr der Unterwelt hat sich vor dem Kampf die Zähne geputzt!?
Der Sultur schnaufte grimmig und pustete dabei dem kleinen Trolaner eine gute Portion seines Atems ins Gesicht, dass ihm erst recht übel wurde.
?Erdreiste dich nicht, das Wort gegen mich zu erheben, du Wurm!?, bellte der Floh-Sack mit knurrender, finsterer Stimme zurück. ?Deine Vernichtung durch meine Hand wird mir eine wahre Wohltat sein!?
Mit diesen Worten schwang der Sultur seinen Stab durch die Luft, die Spitze leuchtete auf, um weniger als einen Wimpernschlag später einen grellen Energieblitz in Orkos Richtung zu schleudern. Jener war allerdings dieses mal darauf gefasst, dass das passierte und katapultierte sich hoch in die Luft, wenn auch in letzter Sekunde. Denn kaum, dass er sich in höheren Spähren befand, schlug der Strahl donnernd an der Stelle ein, an welcher der kleine Trolaner vorher gestanden hatte, hinterließ einen tiefen Krater und schmolz ein paar kleine Pilze in der Nähe zu einer dunklen Suppe. Sofort fuhr der Sultur mit einem lauten Brüllen herum - ziemlich wütend ob seines Fehlschlages - und zielte sogleich mit dem Stab wieder in Orkos Richtung, der aber jetzt schneller war. Da keine Zeit blieb für großartige Zaubersprüche, beschränkte er sich aufs Wesentliche und trieb seinem Widersacher einen gleißend hellen Blitz entgegen, doch obwohl er auf die den Stab umklammernde Pranke gezielt gatte, wurde sein Zauber von der Rüstung des Sultur angezogen und verpuffte, ohne die kleinste Wirkung zu zeigen. Stattdessen kam ein weiterer Energiestrahl auf Orko zu, der es nur knapp schaffte, seine Haut zu retten. Dem kleinen Trolaner keine erneute Atempause oder gar Verteidigungsmöglichkeit lassend, schoss der Sultur ihm nun eine Salve kleiner, blauer Blitze entgegen, die Speeren gleich die Luft zerschnitten und mit einem leisen Sirren auf ihr Ziel zustürmten. Nur mit Mühe konnte Orko diesem nicht enden wollenden Blitzregen entgehen, versuchte dabei seinerseits, dem stinkenden Flusenkopf magische Lichtpfeile in den filzigen Pelz zu treiben, aber er hatte keine Chance. Die Rüstung sog alles, was er Evil-Lyns Schergen an Magie zujagte, in sich auf und schien den Sultur sogar noch stärker zu machen. Seine Energieblitze wurden spitzer, schneller und immer zahlreicher und schließlich kam, was kommen musste: eines der sulturschen Geschosse traf Orko am Arm und bohrte sich tief hinein, sodass dieser vor Schmerzen aufschrie, ins Trudeln geriet und wie ein Sack Sand zu Boden stürtzte. Er prallte auf dem Hut eines Pilzbaumes auf, rollte hinunter und fiel weiter, titschte von Pilz zu Pilz und schlug schließlich in jener Nische unsanft auf, in der er noch vor kurzem versucht hatte, zu schlafen. Doch der kleine Trolaner gab sich dem brennenden Schmerz in seinem rechten Arm nicht etwa hin und kapitulierte, nein! Er kämpfte sich sofort wieder auf die Beine, fuhr herum ... hielt inne ... starrte auf die Kristallspitze des Stabes, die knapp vor seinem Gesicht auftauchte ... hörte das finstere Lachen des Sultur ... kniff die Augen zusammen, seinem nun endgültig sicheren Tod entgegen zitternd ... plötzlich ein Aufschrei ...
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