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SPIKOR
Death City
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| SPIKOR Death City |
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Missmutig biss Spikor in das Brot, das Strongarm ihm gebracht hatte. Obwohl ihm immer noch bei jeder Mahlzeit die Rippen wehtaten, nahm er keine Rücksicht darauf und ignorierte den Schmerz. Zu wütend wurde er jedes Mal, wenn er wieder auf seinen linken Arm blickte, der, völlig einbandagiert und zur Bewegungslosigkeit fixiert, nie wieder so sein würde wie zuvor. Spikor erinnerte sich zurück an den Augenblick, als er zum ersten Mal erkannt hatte, was aus seinem linken Arm geworden war. Damals, am Flussufer, kurz nachdem Evil-Lyn ihn in einen Monsterkämpfer verwandelt hatte, war ihm aufgefallen, dass seine Lieblingswaffe, sein Dreizack, auf magische Weise untrennbar mit seinem Arm verwachsen war und er ihn sogar hervorschnellen lassen konnte. Damit war es nun vorbei. Und das nur wegen dieser verdammten Maschine! Erneut riss er mit seinen Zähnen einen Batzen Brot ab und schlang es hinunter, den Schmerz in seinen Rippen weiterhin missachtend. Seit drei Wochen lag er nun schon in diesem Bett, und erst vor ein paar Tagen hatte er die Kraft gefunden, wenigstens für eine kurze Zeit am Tag wieder aufzustehen und etwas herumzugehen. Drei Wochen waren eine lange Zeit. Vor allem, wenn man, so wie Spikor, nun schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit im Lazarett von Snake-Mountain gelandet war. So allmählich mussten hier doch alle denken, dass der Stachelkämpfer ein weinerlicher Weichling sei. Dabei war die erste Verletzung gar nicht so schlimm gewesen. Nach seinem letzten Kampf mit He-Man war er eben etwas angeschlagen gewesen, das war doch nicht ungewöhnlich. Schließlich hatte Battle-Cat ihn zerkratzt und seinen Arm zerfleischt, den rechten wohlgemerkt. Den Arm, mit dem Spikor nun, obwohl er narbenübersäht war, schon wieder ganz normal zugreifen konnte. Nein, die erste Verletzung war nicht weiter tragisch gewesen, nur die Umstände, wie er sie erlitten hatte. Immerhin war er mit der gefangenen Teela und dem erbeuteten Battle-Ram schon fast in Snake-Mountain gewesen, als He-Man ihm doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht, Faker zerstört und Spikor selbst verletzt hatte.
Und genau da lag der Hund begraben, in der Zerstörung Fakers. Skeletor war erwartungsgemäß ungehalten gewesen über den Misserfolg, doch immerhin hatte Spikor ihm einen halbtoten Gardisten als Gefangenen gebracht, das dämpfte den Zorn des Meisters etwas. Außerdem hatte Tri-Klops, der schon auf dem Weg, aber noch zu weit weg zum Eingreifen gewesen war, mit seinem Radarauge gesehen und später Skeletor berichtet, dass Spikor, Strongarm und Faker äußerst tapfer gegen He-Man und Battle-Cat gekämpft hatten. Nur hatte Faker diesen Kampf eben leider nicht heil überstanden, und da Trap-Jaw zunächst mit der Bearbeitung des gefangenen Gardisten beschäftigt war und es sich bei Faker wegen seines He-Man-Tarn-Mechanismus um eine recht komplizierte Maschine handelte, würde der Android nun eine ganze Weile lang nicht mehr einsatzfähig sein. So hatte sich Spikor notgedrungen nach einem Ersatz umsehen müssen, um Skeletor alsbald einen neuen Plan für den Krieg gegen Eternia vorlegen zu können. Und das musste der Stachelkämpfer, denn wenn er nicht zu einem bedeutungslosen Lakaien des Bösen verkommen wollte, so durfte er in seinen Bemühungen nicht nachlassen. Während er auf dem Brot herum kaute, sah er durch das kleine, schmutzige Fenster seines Krankenzimmers nach draußen, auf den Vorplatz von Snake-Mountain, und beobachtete Clawful und Two-Bad beim Training. Bedeutungslose Lakaien, ja, das waren sie. Alle beide! Gut genug, um sich mit den Masters und allerlei anderem Gesindel herumzuschlagen, aber niemals würden sie einen Kommandoposten erhalten, niemals eine wichtigere Rolle im Kampf um die Macht spielen als nur die des primitiven Schlägers. Nein, Spikor wollte nicht so enden, auf keinen Fall! Und deshalb hatte er einen neuen Plan gebraucht, um Skeletor zu überzeugen, ihm, Spikor, ein weiteres Mal ein Kommando anzuvertrauen. Gut, das letzte Mal hatte He-Man die Pläne des Stachelkämpfers durchkreuzt, aber dann musste diesmal der Plan eben noch besser, noch sicherer, noch genialer sein! Da Faker ausgefallen war und Spikor und Strongarm gegen den Stärksten der Starken kaum eine Chance gehabt hätten, musste neues Kriegsgerät her. Vor drei Wochen hatten sie zusammen mit Trap-Jaw das Zeughaus Skeletors durchsucht und waren bald auf einen merkwürdigen alten Kasten gestoßen. Trap-Jaw hatte gemeint, dass das Ding schon lange ausgemustert sei, weil es erwiesenermaßen nichts taugte, aber Spikor war fasziniert gewesen von der Idee, die hinter der Konstruktion steckte. Der Schmied hatte auf einem Testlauf bestanden, und der war ihm nicht bekommen. Das verdammte Teil war losgegangen, schnell wie eine Rakete, und hatte ihn sofort angegriffen. Völlig überrascht hatte er versucht, sich mit seinem linken Arm zu schützen, doch er war in Sekundenschnelle übel zerfleischt worden, noch bevor Trap-Jaw oder Strongarm hatten eingreifen können. Da dabei auch die Armschlagader zerfetzt worden war, hatte Spikor geblutet wie ein Wasserfall. Selbst seine Stachelrüstung war im Brustbereich beschädigt worden, doch das hatte der Mechaniker immerhin inzwischen wieder reparieren können und die an dieser Stelle erlittene Verletzung ? ein paar geprellte Rippen und eine oberflächliche Fleischwunde ? war zwar unangenehm, aber nicht wirklich schlimm gewesen. Der Arm aber war verstümmelt. Nie mehr würde Spikor seinen Dreizack vorschnellen lassen können. ?Du kannst froh sein, dass du den Arm überhaupt noch hast? hatte Trap-Jaw später gesagt und dabei so schief und böse gegrinst, wie man es nur mit einem Stahlmaul wie seinem konnte. Spikor fand das überhaupt nicht komisch. Nun würde er seinen Dreizack wieder als gewöhnliche Waffe führen müssen. Wenn die Hand und der Unterarm denn endlich einmal verheilt sein würden. Die Rippen schmerzten zwar dort, wo die Rüstung durchbrochen worden war, aber die linke Hand war schlimmer dran. Der Unterarm war ganz und gar zerfetzt, beide Knochen mehrfach gesplittert. Der vordere Teil des Armes hatte nur noch an ein paar Sehnen gehangen, als Trap-Jaw Spikor auf den Operationstisch seiner Werkstatt gelegt hatte, um ihm in einer Notoperation das Leben zu retten, denn er hatte sehr viel Blut verloren. Wütend schlang Spikor den letzten Rest seines Essens hinunter. Immerhin würde er hier auf dem Krankenlager viel Zeit haben, sich einen neuen Plan zurechtzulegen. Sehr viel Zeit! Aber die Waffe war fantastisch, so viel war sicher. Immerhin hatte Spikor ihre Macht am eigenen Leib erfahren. He-Man würde es nicht besser ergehen, daran gab es keinen Zweifel! Bei diesem Gedanken konnte Spikor wieder lachen, und er lachte auch weiter, als ihm davon die geprellten Rippen schmerzten. Einen Monat später? Die rote Axt spaltete Bäume und teilte Äste und bahnte ihrem Träger den Weg durch den Vine-Jungle. Hinter ihm, auf der schmalen Trasse, die er soeben geschaffen hatte, folgten Spikor und Strongarm. Der Mann mit dem mechanischen Arm führte außerdem noch ein Pferd hinter sich her, auf dessen Rücken neben einigen Vorräten auch die Waffe festgeschnallt war, mit der Spikor im bevorstehenden Kampf auftrumpfen wollte. Doch auch der Mann mit der Axt spielte eine wichtige Rolle in Spikors Plan, He-Man endgültig zu besiegen. Während der ehemalige Schmied hinter ihm her stapfte und dabei seine liebe Not hatte, die blutsaugenden Mosquitos des tropischen Urwalds abzuwehren, erinnerte er sich daran, was für ein schwerer Kampf es gewesen war, diesen Mann zu bekommen. Trotz der schwülen Hitze seiner Umgebung spürte er genau die finstere Kälte in Skeletors Thronsaal, die Schatten voller Ungeheuer, die selbst Spikor erschauern ließen und die doch nichts waren im Vergleich zu den Schatten in den leeren Augenhöhlen des Knochenkopfes, in denen es rot und böse aufleuchtete, wenn er erregt war, und die einen immer und aus jedem Blickwinkel zu beobachten schienen. Spikor spürte jetzt noch den bohrenden Blick dieser kalten, toten Augen, als ob er immer noch direkt vor ihnen stehen würde, und trotz der Grabeskälte begann er, zu schwitzen. Doch nicht vor Hitze, wie es im Dschungel üblich war, sondern einen klebrigen, kalten und klammen Schweiß, den er sonst niemals im Leben schwitzte, nur in Gegenwart Skeletors. Angstschweiß! Er hätte sich dafür geschämt, hätte er nicht genau gewusst, dass es allen anderen Evil Warriors angesichts ihres Herrn genauso erging. Mit Genugtuung dachte er an Tri-Klops zurück, dem man diesen Schweiß wegen seiner Kleidung noch deutlicher als ihm selbst ansehen hatte können, damals, als sie vor dem Podest gestanden hatten, dessen Stufen hinauf zum Knochenthron des bösen Herrn der Zerstörung führten. Tri-Klops hatte vehement protestiert, als Spikor Skeletor darum gebeten hatte, den Mann mit der Axt mitnehmen zu können auf seine neueste Mission. Eine Mission, von der Tri-Klops kurz zuvor noch ganz begeistert gewesen war. Er selbst war es gewesen, der den zunächst noch zögerlichen Meister überzeugt hatte, Spikors Vorschlag anzunehmen und ihn trotz seines letzten Fehlschlags erneut in einen Einsatz zu schicken. Den Plan für diesen Einsatz hatte Spikor sich auf dem Krankenbett zurechtgelegt, und er hatte ihn lange durchdacht. Diesmal, so war er überzeugt, konnte nichts schiefgehen. Skeletor hingegen hatte diese Meinung keineswegs geteilt, und nur das Zureden seines Spähers und Lieblingskämpfers hatte ihn schließlich zum Einlenken gebracht. ?Aber wenn du wieder versagst, ist das dein Ende, Spikor! Dann werde ich dich für deine Fehler büßen lassen!? hatte er drohend hinzugefügt. ?Ja Meister!? hatte Spikor geantwortet. Etwas Anderes war ihm ja auch nicht übriggeblieben. Und da war er auf die Idee gekommen, den Neuen als Verstärkung mitzunehmen. ?Nein, nicht den!? hatte Tri-Klops gesagt, doch richtig begründen konnte er seinen Einwand nicht. So hatte Skeletor Spikor schließlich seinen Willen gelassen, und nun waren sie zu dritt unterwegs im Urwald. Das Pferd hatte Strongarm schon vor längerer Zeit in einem Bauerndorf gestohlen, denn nach all den Zugeständnissen hatte Skeletor nicht auch noch eines seiner wenigen Fahrzeuge hergeben wollen. Nun, es war egal, das Pferd erfüllte seinen Zweck. Zufrieden beobachtete Spikor die durch Flaschenzüge und Zahnräder verstärkten Arme des Mannes mit der Axt, seine golden schimmernde Rüstung, seinen schwarzen Helm und all die Schläuche und Kabel, von denen sein Körper übersäht war. Ein Cyborg, wie er im Buche steht! Da hatte Trap-Jaw wahrlich ein neues Meisterwerk geschaffen! ?Und wieso ausgerechnet ihn nicht?? war seine Frage an Tri-Klops gewesen. ?Weil?weil?weil du schon den anderen hast! Du brauchst keine zwei mitzunehmen! Wenn die Masters angreifen, haben wir ja nichts mehr hier auf Snake-Mountain, wenn du alles mitnimmst!? ?Aber DU bist doch hier, Tri-Klops!? war Spikors lauernde Antwort gewesen. ?Und außerdem habe ich die andere Maschine aus der Mottenkiste gezogen. Keiner wollte sie haben, auch du nicht! Sie hat nur im Arsenal vor sich hin gerostet.? Zähneknirschend hatte der Kundschafter nachgegeben und Spikor war mit seiner neuen Truppe losgezogen. Screeetch hatte ihn begleiten wollen, doch am Rand des Urwalds hatte der Dämonenvogel kehrt machen müssen. Das Blätterdach war einfach zu dicht für ihn, er konnte seine gewaltigen Schwingen darunter nicht ausbreiten. So war das Tier enttäuscht nach Snake-Mountain zurückgekehrt, und Spikor war ohne ihn weitergezogen. Dabei war nicht einmal sicher, dass sie He-Man hier in diesem tropischen Urwald überhaupt begegnen würden. Schließlich hatte das Ziel ihrer Mission augenscheinlich nichts mit den Masters und ihrem Königreich Eternia zu tun, das sie immer so vehement verteidigten. ?Ha? schalt Spikor sich bei diesem Gedanken selbst, ?das glaubst du doch wohl selbst nicht! Dieser He-Man hört doch das Gras wachsen! Woher er wohl wusste, dass wir Teela und den Battle-Ram hatten, damals, in der Steppe? Und woher er wohl wusste, wo genau in dieser riesigen Einöde wir uns befanden? Nein, der wird kommen! He-Man wird ahnen, dass Eternia nicht mehr lange gehalten werden kann, wenn wir hier finden, was wir suchen. Und wenn er es selbst nicht ahnt, dann wird er jemanden haben, der es ihm sagt. So oder so ? er wird kommen! Und wenn er kommt, dann werden wir ihn erwarten? dachte er grinsend und blickte zurück auf den Rücken des Pferdes, wo die Maschine immer noch festgebunden und unter alten Decken verborgen auf ihren Einsatz wartete. Diesmal gab es kein Entkommen für He-Man. Diesmal nicht! Der Plan war perfekt! Plötzlich drang Sonnenlicht durch das Blätterdach des Waldes, und Spikor musste kurz blinzeln. Der Mann mit der Axt war stehengeblieben und sah den Schmied erwartungsvoll an. Spikor trat neben ihn und war tatsächlich einen Moment lang sprachlos ob des Anblicks, der sich ihm bot. Sie hatten ihr Ziel erreicht! Die kleine Gruppe befand sich auf einer Anhöhe und blickte hinunter in einen Talkessel. Die Hänge waren glatt und regelmäßig, so dass es so aussah, als ob das ganze Tal künstlich erschaffen worden sei. Doch dem war nicht so. Spikor wusste, dass es sich bei der Talmulde um den Krater eines prähistorischen Meteoriteneinschlags handelte. Fast perfekt kreisrund, umgeben von einem natürlichen Schutzwall, der wiederum vom Urwald eingerahmt wurde, war der Krater eine natürliche Festung. Einen Eingang gab es nicht. Wollte man das Tal betreten, musste man, wie die Evil Warriors es gerade getan hatten, die dicht bewaldeten Hänge der Kraterwand hochklettern, um so diesen natürlichen Schutzwall zu überwinden. Vor tausenden von Jahren wäre dies allerdings nicht so leicht gegangen wie heute, denn zu jener Zeit war der Krater bewohnt gewesen, und seine Verteidiger hatten den umgebenden Wald gerodet, um herannahende Feinde frühzeitig zu erkennen. Damals, ohne jede Deckung, den verteidigten Kraterrand erstürmen zu wollen, wäre militärischer Wahnsinn gewesen, und so war die Festung auch niemals eingenommen worden. Dennoch war das Reich, das vor Urzeiten von hier aus regiert worden war, untergegangen. Spikor hatte die Gründe dafür nicht herausfinden können. Während er auf der Krankenstation gelegen hatte, musste Strongarm für ihn alte Bücher aus Skeletors Bibliothek wälzen und alle Informationen über die Kraterfestung zusammentragen, die er finden konnte. Doch die Ursache ihres Untergangs war nirgendwo aufgeschrieben worden. Spikor hatte sich aber ohnehin eher für die Ursache ihres Aufstiegs interessiert! Galirad, so hieß die Stadt im Krater, war einst Zentrum eines mächtigen Reiches gewesen. Und dieses Reich, so sagte die Legende, war errichtet worden von einem Magier namens Baldur. Er hatte es geschafft, verschiedene, eigentlich verfeindete Völker unter seinem Banner zu vereinen und mit dieser Armee alle Nachbarreiche zu unterwerfen. Das Mittel, mit dem sich diese Vereinigung von Erzfeinden erreichen lies, war das Zepter von Galirad, eine Art Zauberstab. Es zwang alle, die unter seinem Bann standen, Baldur zu gehorchen. Dieses Zepter suchte Spikor nun in den vergessenen Ruinen der antiken Stadt. Kein Wunder, dass Skeletor sich so für dieses Ding interessierte, würde es doch Hordak und King Hiss mit einem Schlag entmachten und ihre Truppen unter Skeletors alleiniges Kommando stellen. Dies wäre das Ende für Randors Königreich! Natürlich hatte der Herr des Bösen schon von Baldur und seiner Stadt Galirad gehört, bevor Spikor ihn darüber informierte. Und Skeletor war damals, als er selbst die alten Bücher studiert hatte, zu dem Schluss gekommen, dass die Informationen nicht ausreichten, um die alte Stadt zu finden. Deshalb hatte er auch Spikor nicht danach suchen lassen wollen. Der Vine-Jungle war schließlich das Gebiet der Snakemen, und Skeletor wollte nicht unnötig einen Konflikt mit ihnen riskieren, indem er Männer, die er eigentlich an einer anderen Front dringender bräuchte, im Territorium seiner misstrauischen Verbündeten nach einem Hirngespinst aus alter Zeit suchen lies. Doch Spikor hatte nicht locker gelassen, und Tri-Klops hatte die Idee, nach Baldurs Zepter zu suchen, unterstützt. Schließlich war Skeletor einverstanden gewesen, doch hatte er nur einen kleinen Trupp losgeschickt und war vor allem nicht selbst mitgegangen. Spikors Rotte war unauffällig genug, um vielleicht von den Schlangen gar nicht bemerkt zu werden und so unnötiges Aufsehen zu vermeiden, während Skeletor, der immer noch nicht so recht an den Erfolg der Mission glauben wollte, sich mit anderen Angelegenheiten befassen konnte. Und tatsächlich hatten Spikor und seine Begleiter auf dem ganzen Weg hierher noch keine Spur von den Schlangenmenschen gesehen. Auch hier im Krater gab es keine Anzeichen von Snakemen oder Masters. Nur die vom Urwald überwucherten, lianenbehangenen Ruinen der antiken Stadt waren zu sehen. Säulenreihen ohne Dächer, teilweise umgestürzt und unter Schlingpflanzen begraben, Zertrümmerte Treppen, die nirgendwo mehr hin führten, alte, längst ausgetrocknete Brunnen, auf denen noch die Reste von Statuen standen, die sie einst geschmückt hatten. All dies zeugte vom einstmaligen Glanz und Reichtum der Stadt, die unter Baldurs Herrschaft zum Zentrum der ganzen Region geworden war. Doch heute waren die Bäume des Dschungels höher gewachsen als die höchsten Säulen, und die Ziegel, welche einst die Dächer der Häuser und Paläste bedeckt hatten, waren schon vor Jahrhunderten zu Staub zerfallen. Irgendwo hier, in diesen Überresten einer längst vergangenen Zivilisation, musste sich auch Baldurs Zepter befinden. Mit einem forschen Nicken gab Spikor das Signal zum Weitergehen. Langsam drang die Gruppe in das Tal vor. In der Nähe der Gebäude war der Pflanzenbewuchs weniger dicht, sodass sie nun besser voran kamen. Sie folgten dem, was einst eine Hauptstraße gewesen zu sein schien und jetzt nur noch aus ein paar einzelnen, großen Pflastersteinen bestand, zwischen denen Gras und zuweilen sogar kleine Sträucher wuchsen, und näherten sich bald dem Zentrum der verlassenen Ansiedlung. Dort befand sich ein großer Platz, vermutlich der Marktplatz der alten Hauptstadt. Und auf einer Seite dieses Platzes, so gelegen, dass ein Besucher von außerhalb vom Straßenverlauf direkt darauf zu geführt wurde, stand ein Gebäude, dass trotz seines verfallenen Zustandes noch immer den Eindruck eines prächtigen Palastes vermittelte. Ohne noch überlegen oder sich absprechen zu müssen, wussten alle drei Männer, dass dies das Hauptgebäude von Galirad war, und stiegen die breiten Stufen hoch zum Eingang, der einstmals von einem mächtigen Tor gesichert worden sein mochte. Doch auch die dicksten Holzbohlen und auch der solideste Eisenbeschlag konnten nicht viele tausend Jahre lang der tropischen Witterung trotzen, und so gab es kein Tor mehr und Spikor konnte an der Spitze seines Trupps durch die nun offene Pforte schreiten. Sie kamen durch einen Vorraum, der in der Vergangenheit als Wachraum gedient haben mochte, heute jedoch leer war. Auf der anderen Seite des Raumes befand sich wieder eine leere Öffnung in der Wand, die früher einmal von einer Tür verschlossen gewesen sein dürfte. Sie durchquerten auch diese Pforte und traten in einen offenen Innenhof, ein Atrium. Säulengänge an den Seiten umgrenzen die flache, gepflasterte Fläche im Hof, in deren Mitte sich ein alter, längst stillgelegter Springbrunnen befand. Wie auch in den anderen Teilen der Stadt war der Brunnen gekrönt von einer Statue, die in diesem Fall eine junge, schöne Frau darstellte, welche ? unbekleidet ? in einer aufreizenden Pose die Besucher damals wie heute im Hof begrüßte. Trotz des Alters und der Verwitterung sah die Statue noch sehr gut erhalten aus, und man konnte immer noch erkennen, wie unglaublich kunstfertig sie geformt war. Spikor kümmerte sich nicht weiter um die Statue und betrat den Hof, gefolgt von den beiden anderen Evil Warriors und dem Pferd, das Strongarm immer noch am Zügel hinter sich her zog. Ohne den Umweg um den ummauerten Beckenrand herum zu nehmen, ging der Stachelkämpfer einfach direkt durch den ehemaligen Brunnen hindurch. Als er dabei dicht an der Figur vorbei kam, schlug er ihr, ohne groß darüber nachzudenken, fast wie aus Langeweile, den rechten Arm samt Schulter ab. Der alte Stein bröselte auf den Boden des leeren Wasserbeckens und Spikor war schon einige Schritte weitergegangen, als Strongarms Ausruf ihn noch einmal zu der Statue zurückkommen lies. ?Sieh dir das an!? meinte der Halb-Cyborg verblüfft. Spikor runzelte die Stirn, als er sah, dass sein Freund an die Figur herangetreten war und sie aus nächster Nähe begutachtete. Spikor hatte kein Interesse daran, antike Kunst zu bewundern. Halb verärgert über die Verzögerung, trat er neben Strongarm und besah sich die nun beschädigte Steinfrau aus der Nähe. Er war verwirrt, als er in ihr steinernes Antlitz blickte. Ihre Körperhaltung hatte sehr offen und anziehend gewirkt, und so war er davon ausgegangen, dass auch ihr Gesichtsausdruck zu dieser Stimmung passen würde. Doch er hatte sich geirrt: Die Augen der Frau waren voller Angst und strahlten gleichzeitig einen endlosen, unvorstellbaren Schmerz aus. ?Was ist das?? fragte der Schmied verwirrt, und erst jetzt erkannte er, worauf Strongarm seinen Blick fixierte. Der Mann mit dem mechanischen Arm untersuchte die Bruchstelle, die Spikor eben an der Schulter erzeugt hatte. Man konnte deutlich den steinernen Teil eines Schlüsselbeins erkennen! Auch Sehnen und Muskeln schienen im Inneren der Steinstatue naturgetreu nachgebildet zu sein. Doch wie war das möglich? Wie hatte der Bildhauer das Innere seines Kunstwerks formen können? Mit einem Mal überkam Spikor die furchtbare Erkenntnis: ?Das ist keine Statue! Das ist eine echte Frau! Sie haben sie versteinert und in den Brunnen gestellt!? Strongarm war sprachlos. Dies zeugte gleichermaßen von unglaublicher Macht und grenzenloser Grausamkeit, denn offenbar war der Schmerz der Frau, den sie bei der Versteinerung empfunden hatte, durch den Zauber in alle Ewigkeit konserviert worden. Selbst jetzt, als die Erbauer der Stadt längst tot waren, musste diese Frau immer noch endlose Qual erleiden durch den Fluch, der auf ihr lag. Spikor fletschte die Zähne. Es war nicht so sehr die Grausamkeit, die ihn schockierte. Skeletor würde so etwas vielleicht auch tun, wenn er könnte. Doch er konnte nicht! Baldur hatte es gekonnt! Spikor kannte keine Furcht, doch er fühlte sich auf einmal unwohl in dieser alten Stadt. Einer Stadt, in der sie hunderte solcher Statuen gesehen hatten. Spikors Blick wanderte umher auf der Suche nach einer Erklärung für das flaue Gefühl in seinem Magen, doch er fand keine. Schließlich blickte er wieder in das Gesicht der versteinerten Frau, und in ihren Augen sah er das Grauen ihres Jahrtausende währenden Leidens. Es schien, als ob sie ihn um Erlösung bat. Angewidert schlug Spikor noch einmal mit seiner Stachelkeule zu und zertrümmerte die Figur endgültig. Er wusste selbst nicht genau, warum, aber seinem Magen ging es jetzt besser. Er konnte sich wieder auf seine Aufgabe konzentrieren. ?Nun, jetzt ist sie von ihrem Leiden erlöst? sagte er emotionslos, so als habe er mit der Statue auch die Macht gebrochen, die diese alte Stadt noch immer in ihrem Bann hielt, und er redete sich ein, dass dies, und nicht Mitleid, ihn zum Zerstören der Statue veranlasst hatte. Ohne sich noch einmal nach der toten Frau umzusehen, gingen die drei zügig auf die andere Seite des Atriums. Das Pferd banden sie im Hof an, und dann standen sie vor einer Tür, die nicht verrottet und verfallen war. Tatsächlich sah sie sogar wie neu aus. Eine riesige, zweiflüglige Tür, leicht dreimal so hoch wie Spikor, und jeder Flügel doppelt so breit wie der Schmied. Und sie schien komplett mit Bronze, Messing oder einem ähnlichen Material beschlagen zu sein. Trotz der Patina der Jahrtausende schimmerte die Tür immer noch. ?Wieso ist diese Tür nicht verrottet?? fragte Strongarm sich selbst, doch niemand wusste eine Antwort darauf. ?Ist doch egal? meinte Spikor unwirsch, ?brecht sie auf!? Strongarm fuhr seinen Arm aus und krallte seine Stahlfinger in die Tür. Der Mann mit der Langaxt stemmte seine Waffe wie ein Brecheisen zwischen die Türflügel und die Drehräder an seinen Schulter- und Ellenbogengelenken begannen zu surren. Eine Tür dieser Größe musste ein großes Gewicht haben, und sicherlich waren auch die Angeln in all der Zeit eingerostet, doch trotzdem hätte es nicht so schwer sein dürfen, die Tür zu öffnen. Mit aller Kraft mussten sich die beiden Maschinenmenschen ins Zeug legen, bis sich endlich der rechte Torflügel langsam und überraschenderweise völlig lautlos öffnete. Rost hatte die Tür also nicht blockiert. Staunend erkannten die drei, dass es sich bei der Tür nicht um metallbeschlagenes Holz handelte, sondern um pures Gold. Die beiden Türflügel allein mussten ein Vermögen wert sein, größer, als alle drei zusammen es je in ihrem Leben gesehen hatten. Mit Spikor an der Spitze betraten sie den Raum dahinter, der augenscheinlich keine Fenster hatte, da er nur von dem Licht erhellt wurde, dass durch die offene Tür hineinfiel und gespenstische Schatten an die gegenüberliegende Wand warf. Der größte Teil des Raumes war abgesenkt. Man musste, von der Tür kommend, drei Stufen hinunter gehen. Auf der anderen Seite ging wiederum eine breite Treppe drei Stufen nach oben auf ein Podest, welches die gegenüberliegende Seite des Raumes einnahm. An den Rändern zu beiden Seiten führte eine Art Absatz um den Raum, auf dem Säulen standen, die das Dach trugen. Ein Dach, das ebenfalls keinerlei Verfallserscheinungen aufwies, obwohl alle anderen Dächer in der Stadt längst eingestürzt waren. Doch all dies registrierten die Evil Warriors nur am Rande, denn ihr Hauptaugenmerk richtete sich auf das Podest gegenüber, in dessen Zentrum ein goldener, samtbezogener Thron stand. Auf dem Thron saß ein bleiches Skelett, das sie mit seinen leeren Augenhöhlen anstarrte, wie es sonst nur Skeletor konnte. Auch auf dem Absatz an den Raumseiten, zwischen den Säulen, erkannten sie jetzt Skelette. Sie standen stumm auf Posten: Die alte Leibwache Baldurs in ihren goldenen Harnischen und Sturmhauben, mit großen, runden Metallschilden und langen, goldenen Hellebarden in den Händen. Das Skelett auf dem Thron trug keine Rüstung. ?Das muss Baldur sein? sagte Spikor. Auf einmal hatte er einen trockenen Hals. ?Seine Kleider sind wohl verrottet, wie die der anderen. Nur die Rüstungen und Waffen sind noch da? ergänzte Strongarm. ?Aber wieso stehen sie noch?? fragte der Mann mit der roten Axt, ?und wieso sind ihre Kleider zerfallen, der Rest des Gebäudes aber nicht?? Spikor trat in die Mitte des Raumes. Er kam sich vor, als ob alle Skelette an den Wänden ihn fixieren würden, als er sich umsah. Zögernd antwortete er: ?Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem die Tür so schwer aufging, ohne verrostet zu sein. Ich schätze, wir haben den Grund für den Untergang Galirads gefunden!? ?Was meinst du?? fragte Strongarm. ?Sieh ihn dir an? antwortete Spikor und deutete auf das, was von Baldur dem Großen übrig war. ?Er hat sein Zepter nicht dabei! Er konnte wohl ohne nicht zaubern. Zumindest nicht besonders gut. Seine Feinde müssen es irgendwie geschafft haben, es ihm wegzunehmen. Oder sie haben ihn überlistet, damit er es irgendwo liegen gelassen hat in dem Glauben, es nicht zu brauchen. So konnten sie ihn und seine Leibwache hier einsperren. Die Tür war sicher mit einem Zauber versiegelt. Nach so vielen tausend Jahren ist der wohl schon abgeschwächt gewesen, aber wir haben trotzdem Maschinenkraft gebraucht, um die Tür zu öffnen. Innerhalb des Bannfluchs ist nichts verrottet, außer den Menschen! Sie konnten nicht hinaus. Vermutlich hat der Zauber sie völlig überraschend erwischt und auf ihren Plätzen festgesetzt, wo sie gerade standen ? oder saßen? fügte er mit Blick auf Baldur hinzu. ?Das heißt, das Zepter ist nicht hier? folgerte Strongarm, denn wenn es hier gewesen wäre, hätte Baldur es sicher benutzt. ?Sieht so aus? bestätigte Spikor. ?Es muss in einem anderen Gebäude sein.? Enttäuscht verließen die drei den Thronsaal, in dem Baldur nun schon seit Jahrtausenden stumme Audienz hielt, und traten zurück auf den Hof mit dem Brunnen. ?Wir müssen die ganze Stadt durchsuchen? befahl Spikor. ?Das kann dauern? meinte Strongarm, und hätte er nicht eine Eisenmaske getragen, so hätten seine Begleiter gesehen, wie er die Stirn runzelte ob dieser Vorstellung. Die Stadt war riesig. ?Ein Grund mehr, sofort anzufangen? sagte Spikor streng. ?Wir suchen zuerst nach Gebäuden, die als Schatzkammern oder Zeughäuser in Frage kommen. Vielleicht liegt das Zepter beim Gold oder bei den Waffen.? Sie nahmen ihr Pferd wieder mit und kehrten auf die Hauptstraße zurück. Das goldene Tor ließen sie offen. Fortsetzung folgt (SPIKOR Kapitel V)! |
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