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Sturm der tausend Strafen
Kein Fund ohne Suche: Teil 6
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| Sturm der tausend Strafen Kein Fund ohne Suche: Teil 6 |
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Doch plötzlich Hitze... Nurmehr diese furchtbare Hitze... Selbst der über ihn hinweg fegende, scharfe Wind vermochte Orkos kleinen Körper nicht zu kühlen, im Gegenteil. Er brachte nur noch mehr Hitze mit sich und etwas, das über die Haut des Trolaners peitschte, tausender, winziger Nadeln gleich und genauso sehr schmerzte es auch. Von Wasser schien hier nicht die geringste Spur zu sein und es kam ihm mit einem mal so vor, als hätte er stundenlang halluziniert.
Wo war er nur? Und wie, bei seinem verlorenen Stab, war er hierher gekommen? Das waren seine ersten Gedanken, die sich ihm ins Bewusstsein schlichen, während seine Sinne langsam erwachten und die bleierne Schwere einer langen Ohnmacht von ihm abließ. Orkos Finger krallten sich in den Untergrund, auf dem er lag und der nicht minder heiß war, als die Luft, die ihn umgab. Das, was er zu fassen bekam, gab erstaunlich leicht nach und schließlich hob der kleine Trolaner mühsam die Augenlider, welche Tonnen zu wiegen schienen. Das erste, was er sah, war Sand. Das zweite, was er sah, war auch Sand und so stemmte er sich aus seiner Bauchlage ein wenig in die Höhe. Das dritte, was er sah, war wiederum Sand. Sand, der sich bewegte, nicht nur aufgrund des Windes, der die Körnchen wie splitterfeine Geschosse vor sich hertrieb, sondern er wanderte selbständig umher. Die mal mannshohen, mal mauskleinen Dünen gingen ihre eigenen Wege, nicht nur langsamer oder schneller als der Wind, sondern auch ihm entgegen oder wer-wusste-schon-wohin. Sandarra!, schoss es Orko durch den Kopf und ihm wurde ganz anders. Er lag irgendwo inmitten der Wandelnden Wüste von Sandarra, einem Ort, den keine arme Seele, die vor ihm hierher gekommen war, jemals wieder verlassen hatte. Ein Ort, von dem niemand mehr kannte, als die Gerüchte und Geschichten, die sich auf dem ganzen Planeten erzählt wurden. Und er, Orko von Trolan, war nun hier. Ausgerechnet! Ein Anflug von Panik ergriff den kleinen Trolaner und er versuchte instinktiv, auf die Beine zu kommen, schaffte es aber nicht. Die Hitze hatte seinen Körper so sehr geschwächt, dass er kaum in der Lage war, für längere Zeit auch nur den Kopf zu heben, geschweige denn, dass er aufstehen konnte. Noch dazu war seine Haut dermaßen ausgetrocknet - wie der Rest seiner ärmlich dreinschauenden Selbst auch - dass sie bei jeder Bewegung wie tausend Jahre altes Pergamentpapier in Stücke zu reißen drohte. Und so sackte Orko, von diesem winzigen Kraftakt jeglicher der restlichen ihm innewohnenden Energie beraubt, wieder in sich zusammen, ohne überhaupt von dem Sandboden unter ihm losgekommen zu sein. Schwärze umhüllte sein Denken, eine erdrückende Müdigkeit legte sich über ihn, der er kaum widerstehen konnte, doch zwang er sich trotzdem, die Augen offen zu halten. So blinzelte er in die vor Hitze flimmernde Luft, die seine Aussicht auf die wandernden Dünen vollends verschwimmen ließ. Mit jedem Male des Augenzwinkerns wurden seine Lider schwerer und mit jedem Male dauerte es länger, bis er sie wieder öffnete, doch ein letztes Mal wenigstens wollte er noch den blassorangen Himmel Trolans über sich sehen, bevor sie sich für immer schlossen. Also raffte Orko all seine verbliebene Kraft - wenig, aber immerhin - zusammen, drehte seinen ausgemergelten Körper leicht auf die Seite, öffnete die widerwilligen Augen und sah ... Sand. Er schaffte es nicht weiter. Er konnte nicht einmal mehr den Kopf drehen, um nach oben zu sehen. Er lag halb auf dem Bauch, halb auf der Seite und sah nur diesen verfluchten Sand und ... noch etwas. Ziemlich verschwommen war das, was sich vor ihm auftat, doch er konnte sie erkennen: eine junge, kräftige Pflanze, deren Blätter frisches Grün trugen und deren voluminöse Blüte in sattem Rot erstrahlte. Orko kannte diese Pflanze, erinnerte sich an den süßen Duft, welchen sie verströmte. Schon einmal hatte er sie gesehen, als die Asche ihn zu Boden gerissen hatte und ihn aus ihrer Umarmung nicht mehr hatte freigeben wollen, nach seiner Flucht aus dem Kubus. Und wieder erinnerte sie ihn an Onkel Montork. Warum auch immer. Jedenfalls spürte Orko auch jetzt wieder neue Energie in sich aufsteigen, als der fast schon berauschende Duft der Pflanze seine Lungen durchströmte und er war gerade im Begriff endlich aufzustehen, als plötzlich etwas Großes nur wenige Schritte von ihm entfernt aus dem Sand empor wuchs. Es nahm recht schnell Form an, aber viel von ihm wurde dennoch nicht sichtbar. Kopf, Arme, Beine und Körper waren zwar zu erkennen, schienen sich aber nicht so recht zeigen zu wollen und verbargen sich unter dem stetig und in Mengen an dem Wesen herabrieselnden Sand, aus dem es ganz und gar zu bestehen schien. Einzig die rot glimmenden Augen waren klar und deutlich zu sehen und sie fixierten den kleinen Trolaner mit stechendem Blick, während dieser feststellen musste, dass jenes schwerfällig wirkende Wesen schneller war, als es aussah. Kaum dass es aufgetaucht war, eilte es auf Orko zu, zerstampfte mit einem Fuß die wundersame Pflanze mit der roten Blüte und schon war es über ihm. Den kleinen Trolaner seinerseits verließen abermals jegliche Kräfte mit dem Augenblick, in dem die Pflanze zerstört war, sein Kopf fiel kraftlos zu Boden und nur Sekunden später packte ihn etwas am Kragen und hob ihn hoch. Er blinzelte, dabei versuchend sich umzusehen und erspähte mehr schemenhaft, als dass er es wirklich erkennen konnte, noch mehr dieser Wesen aus Sand. Sie waren überall, einige umkreisten ihn und denjenigen, der ihn aufgehoben hatte, andere scharten sich um etwas anderes, dass Orko nurmehr als verschwommenen, großen, dunklen Fleck erkennen konnte. Und plötzlich glaubte der Trolaner, sich an etwas zu erinnern, begann rein reflexartig, mit den Armen schwach in der Luft zu rudern, woraufhin sich eines der anderen Wesen ihm näherte, ihm direkt in die Augen starrte und den Arm hob. Orko spürte, wie feiner, sehr weicher Sand über seine Ohren gestreut wurde, wie er an ihnen herunter rieselte, direkt unter seinen Hut und über sein Gesicht und dann spürte er nichts mehr, während abermals die Dunkelheit sein stiller Begleiter wurde. Abrpubt schreckte Orko viele Stunden später aus einem tiefen, traumlosen Schlaf hoch, der ihm vor wer-weiß-wie-lange aufgezwungen worden war und sogleich überkam ihn ein gewaltiges Dejavu, denn er fand sich in einer kleinen Kammer wieder mit Wänden ganz und gar aus Sand. Nicht anders verhielt es sich mit dem rechteckigen Klotz, auf den man ihn gebettet hatte: er bestand aus sehr feinem und ungewöhnlich weichem Sand, der sich dem auf ihm liegenden Körper perfekt anpasste. Doch so bequem dieser Klotz auch war, der kleine Trolaner entschied sich, eindeutig lange genug herumgelegen zu haben, richtete sich langsam auf und sah an sich herunter. Sein Gewand war offenbar von geschickten Fingern genäht worden und sah aus wie neu. Auch spürte er an zahlreichen Stellen seines kleinen Körpers feste Verbände, aber keinen Schmerz. So wie es aussah, hatte man seine Wunden gesäubert und versorgt - auch wenn er sich nicht erinnern konnte, woher er so viele davon hatte- und man meinte es wohl gut mit ihm. Dennoch hatte Orko keine Ahnung, ob er sich darüber freuen sollte, oder nicht. So entschloss er sich dazu, so lange nicht weiter darüber nachzudenken, ehe er nicht wirklich wusste, was diese Sandwesen im Schilde führten. Statt sich also unnötig den Kopf zu zerbrechen, kletterte er von seinem Lager herunter und kaum, dass er es verlassen hatte, rottete sich der Sand zusammen, sodass der Klotz eine vollkommen glatte Oberfläche bekam, woraufhin Orko sich zu einem kurzen, verwunderten Blick hinreißen ließ. Allerdings zog schnell ein in der anderen Ecke der Kammer auf einem kleinen Quader (natürlich auch aus Sand) stehender Glaskrug die volle Aufmerksamkeit des kleinen Trolaners auf sich. Mit wenigen Schritten war er bei dem Krug und stellte zu seiner Überraschung fest, dass er bis zum Rand mit kristallklarem, angenehm kühlem Wasser gefüllt war. Damit hätte er gerade in Sandarra nun am allerwenigsten gerechnet. Einige Sekunden lang starrte Orko den Krug an und wagte seinen Augen nicht zu trauen, während er gleichzeitig spürte, wie unglaublich durstig er doch war. Gleichwohl ihn ein gewisses Misstrauen überkam ob dieser Großzügigkeit von Wesen, die er zuvor noch nie zu Gesicht bekommen hatte, zögerte er nicht länger, schnappte sich den Krug und trank so schnell und so viel er konnte. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sein Durst gestillt war, wobei er sein Unwohlsein getrost beiseite geschoben hatte, da es war wirklich ?nur? Wasser, was er trank. Als er das Gefäß dann aber endlich wieder abstellte, hatten Sandarra und seine Bewohner doch noch eine weitere Überraschung für ihn parat, denn der Glaskrug vor ihm hatte sich kein bisschen geleert. ?Bei meinem verlorenen Stab?, murmelte Orko vor sich hin. Er hatte ja in seinem Leben schon so einiges gesehen, aber ein selbstfüllender Wasserkrug inmitten einer Wüste war sogar ihm noch nicht untergekommen. ?Pass auf, dass du dich nicht vergiftest, Meister Münztrick. Ich hab? noch einen Job zu erledigen und blöderweise bist du ein Teil davon.? Erschrocken zuckte der kleine Trolaner zusammen, als er die rauhe Stimme eines alten Bekannten hinter sich vernahm und gleichzeitig sprang die Erinnerung aus einer dunklen Ecke hervor und tobte durch sein Hirn. Jetzt wusste er wieder, wie er nach Sandarra gekommen war! Es hatte einen Kampf gegeben unweit dem Übergang von fruchtbarem Land zu den Wandelnden Wüsten und er hatte Orko dort hinein gedrängt, hatte offenbar gehofft, hier den Sieg zu erringen, dieser Unwissende, doch genützt hatte es nichts. Siegreich gewesen war nur die Hitze. Sonst niemand. Der kleine Trolaner drehte sich mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube langsam herum. Die Stimme war so nah, als stünde ihr Besitzer direkt hinter ihm, aber dem war nicht so. Erst jetzt sah Orko, dass eine Wand der Kammer aus Glas bestand, während er eher nebenbei registrierte, dass sich noch mehr dieser Kammern an einen langen Flur reihten, was ihn irgendwie an den Kubus erinnerte, nur dass es hier um einiges gemütlicher war. Wie dem auch sei, jedenfalls fand er in dem Räumchen dem seinigen gegenüber denjenigen welchen, mit dem er gerechnet hatte. ?Tri-Klops?, sagte Orko nur und musterte den Muskelberg im gegenüberliegenden Raum von oben bis unten. Dieser hockte seinerseits ein wenig zusammengesunken auf einem Sandklotz, der unlängst größer war als jener in des kleinen Trolaners Kammer. Auch ihm waren zahlreiche Verbände angelegt worden, die sich um seinen nackten Oberkörper schlangen. Seinen Brustharnisch mit dem lilafarbenen Emblem - dem eigentlichen Schuldträger für das Absorbieren von Magie, wie Orko mittlerweile herausgefunden hatte - hatte man ihm abgenommen und wahrscheinlich an einen sicheren Ort verbracht. Der Helm mit dem Augenring lag neben Tri-Klops im Sand, der nun den Kopf gehoben hatte und den Trolaner aus seinem leblosen, einzelnen Auge direkt und durchdringend anstarrte. Jeniger welcher war sich nun nicht mehr so sicher, ob der Kundschafter des Bösen auf diesem Auge tatsächlich blind war, so wie alle glaubten. ?Also ich an deiner Stelle hätte die Brühe nicht so in mich rein geschüttet?, sprach dieser unbeirrt weiter und deutete mit dem Daumen in die Ecke rechts von ihm, in der ein umgekippter Krug am Boden lag, aus dem stetig Wasser lief und im Sand langsam versickerte. ?Ich glaube, was anderes kannst du mit dem Zeug nicht anfangen. Im schlimmsten Fall schmilzt der Sand, im besten Fall wächst dort ein Blümchen.? Er grinste abfällig, schüttelte den Kopf und lachte leise vor sich hin, ganz so, als würde er sich über seinen eigenen - Orkos Meinung nach nicht vorhandenen - Witz amüsieren. ?Tja, wenn du mich fragst?, erwiderte Orko schulterzuckend ?verdurstest du im besten Fall und ich habe ein Problem weniger.? ?Hm?, machte Tri-Klops. ?Da hab ich schon ganz andere Sachen hinter mir. Aber wo wir gerade bei Problemen sind... Wenn hier einer ein Problem ist, dann du. Du versuchst, uns den ganzen Spaß zu versauen, so wie damals auf Eternia. Aber da hattest du deine vermaledeiten Masters im Rücken. Hier steht niemand auf deiner Seite.? Wieder lachte er finster. ?Sieh es ein, Kleiner. Du hast keine Chance. Nicht gegen mich. Und schon gar nicht gegen Lynnie.? ?Oh, von wegen!?, rief Orko aus, dem eine Welle heißer Wut durch den Körper rollte. ?Ich bin nicht das Problem, ganz im Gegenteil! Das Problem seid ihr. Du, Evil-Lyn und diese stinkenden Sultur-Flohsäcke, in denen ihr dankbare Idioten gefunden habt, die euch wie sabbernde, dressierte kleine Fiffis hinterher hecheln! Und du bist da nicht anders! Wenn Evil-Lyn dir sagt bau dies, bau das, dann machst du das. Wenn Evil-Lyn dir sagt töte den Trolaner, dann machst du das. Und wenn Evil-Lyn dir sagt friss Dreck, dann machst du das sicher auch noch!? ?Hey, hey, hey!?, grollte Tri-Klops, erhob sich langsam von seinem Platz, richtete sich zu voller Größe auf und ballte die Fäuste. ?Jetzt bleib mal ganz ruhig du fliegende Flitzpiepe, sonst...? Doch Tri-Klops kam nicht dazu, sich im Vortragen sämtlicher ihm bekannter Foltermethoden zu ereifern, um anschließend die Haltbarkeit des Glases, dass ihn von dem Trolaner trennte, genauer zu prüfen, sondern wurde von einem leisen, aber dennoch erstaunlich durchdringenden Geräusch jäh unterbrochen. Die Köpfe beider ruckten in die Richtung, aus der sie dieses Geräusch - eine Art Rauschen, wie es Sand erzeugt, wenn er auf den Boden geschüttet wird - vernommen hatten und sie staunten nicht schlecht ob des Anblicks, der sich ihnen nun bot. Fünf Sandrianer betraten den Flur, in dem sich die unfreiwilligen Unterkünfte der beiden Kontrahenten befanden. Die Sandwesen hatten nun ihre Form gefestigt und erschienen von menschlicher Statur. Vier der Sandrianer, gekleidet in schlichte Lendenschürze aus Leder, trugen Banner mit sich, auf denen ihr Wappen zu sehen war: ein weißer, sich windender Wurm auf schwarzem Grund. Sie flankierten den Fünften im Bunde, der gehüllt war in einen langen Umhang, verziert mit vielen filigranen Mustern und der eine Art golden glänzende Schale vor sich her trug, welche von winzigen bläulichen Lichtern umgeben war. Irgendwie fand Orko, dass dieser fünfte Sandrianer etwas priesterhaftes an sich hatte und er sollte recht behalten. Langsamen Schrittes näherte sich die kleine Gruppe Tri-Klops und dem Trolaner und hielt schließlich zwischen ihren Zellen an, woraufhin die vier Bannerträger eine Verbeugung vollführten und sich zehn Schritte rückwärtsgehend von dem fünften Sandrianer entfernten, sich dann umdrehten und den Flur wieder verließen, während der fünfte Sandrianer die goldene Schale behutsam vor sich auf dem Boden abstellte. Er faltete die Hände vor der Brust, wobei einige ihrer Sandkörner das tanzende bläuliche Licht reflektierten und hell glitzerten, setzte ein gütiges, sanftes Lächeln auf und verbeugte sich nun seinerseits. Erst vor Orko, dann vor Tri-Klops. ?Seid willkommen in den Gemächern der sandrianischen Gäste?, sagte er mit einer Stimme, die in Sanftheit und Gütigkeit seinem Lächeln in nichts nachstand. ?Ich bin Nah?ag, Gelehrter und Geweihter in den Diensten des sandrianischen Volkes und seines Herrn und ich bin gekommen, um euch zu sagen, dass ihr Teilhaber eines Festmahles sein werdet für unseren Obersten. So dies denn euer Wunsch sei, scheut euch nicht, euch geehrt zu fühlen zu solch einmaligem Spektakel eingeladen zu sein.? Abermals verbeugte er sich vor dem Kundschafter des Bösen und dem kleinen Trolaner, welcher Nah?ag einen ratlosen Blick zuwarf, während der sandrianische Priester selbst nun seine Aufmerksamkeit auf die goldene Schale richtete. Er begann, ein tiefes und dennoch lautes, kehliges Summen von sich zu geben, dessen Tonlagen sich nicht wirklich zu einer harmonischen Melodie zusammenfügen wollten. Es klang mehr wie eine Aneinanderreihung hoher und tiefer Töne ohne jeden Sinn - so erschien es wenigstens den Beiwohnern dieses neuerlichen Schauspiels. Doch als wäre das seltsame Summen noch nicht genug, begann Nah?ag ausladend mit den Armen zu ruden und sie hin und her zu wiegen, wobei die winzigen Lichter sich einer Säule gleich zur Decke des Flures erhoben. Zum guten Schluss beugte sich der Priester mit Schwung zu der Schale herunter und schlug dabei abrupt und mit einem plötzlich Ausruf eines Wortes, welches keiner verstand, die Hände zusammen, woraufhin die Säule aus bläulichen Lichtern auseinander stob und binnen Sekunden in der goldenen Schale verschwunden war. Kaum einen Wimpernschlag später fand der sandrianische Priester sich vor zwei großen Silbertafeln wieder, die über und über mit allen Leckereien und Gaumenschmäusen bedeckt waren, die selbst ein wacher Geist sich nur zu erträumen vermochte. Orko blieb ob dieses Anblickes der Mund offen stehen und der kleine Trolaner spürte, wie ihm das Wasser in selbigem zusammenlief und sein Magen sich krümmte und wand. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie lange er schon nichts Anständiges mehr gegessen hatte. Und wenn er sich das Gesicht seines Kontrahenten ansah, schien es ihm ähnlich zu gehen. ?Dies ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was euch morgen bei Sonnenaufgang zum Festmahle unseres Herrn erwartet, liebe Gäste?, sagte Nah?ag, grinste und hob beide Hände. Die Silbertafeln stiegen vom Boden auf und schwebten langsam in die beiden bewohnten Zellen. Sie durchdrangen das Glas, als sei es nicht vorhanden und landeten schließlich sanft vor jenen, für die sie bestimmt waren, auf dem Boden. ?Lasst euch Zeit?, fuhr der sandrianische Priester fort. ?Und vor allen Dingen: lasst nichts übrig. Unser Oberster wird hocherfreut sein, wenn er erfährt, dass keine noch so kleine Speise auf den Tafeln zurückgeblieben ist.? Mit diesen Worten wandte Nah?ag sich von seinen Gästen ab und verließ den Zelltrakt, während Orko ? und offenbar sogar Tri-Klops ? ihm mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Verwunderung nachsahen, bevor sie sich alle Vorsicht vergessend auf die Köstlichkeiten vor ihnen stürzten. Orko fiel buchstäblich wie ein ausgehungertes Tier über die Speisen her, die ihm dargeboten worden waren und obgleich eine innere Stimme ihm sagte - nein, ihm zuschrie - dass die Sache einen Haken hatte, konnte er sich dem Reiz und dem verführerischen Duft der Leckereien nicht entziehen und so aß er und aß er und aß, immer die letzten Worte des sandrianischen Priesters im Hinterkopf habend. Wäre ihm doch bloß das hämische Funkeln in den Augen von Nah?ag nicht entgangen und der plötzlich aufgetauchte, finstere Unterton in dessen Stimme, als er jene Worte gesprochen hatte... |
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