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 Spikor80
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SPIKOR
Nightmare
?Ich will euch begleiten!? sagte Whiplash mit festem Blick. ?Und weshalb?? fragte Spikor. ?Weil?ich?das kann euch doch egal sein. Nehmt ihr mich nun mit?? ?Einer mehr kann nicht schaden? warf Strongarm ein, ?vor allem, weil wir sonst die ganze Zeit über mit IHM allein sind.? Die letzten Worte des Cyborgs mit dem Maschinenarm waren geflüstert und wurden begleitet von einem Seitenblick auf das Skelett, das mit ausdruckslosem Totenkopf-Grinsen auf dem Vorplatz von Snake-Mountain stand und auf den Rest der Gruppe wartete. Scare-Glow, wie sich Baldur Skeletor gegenüber vorgestellt hatte ? und er hatte mit dem furchtbarsten Schrecken gedroht, den man sich nur vorstellen konnte, falls Spikor oder Strongarm ihrem Meister den wahren Namen seines neuesten Mitstreiters verraten hätten ? schien wie immer alles zu wissen, was in den Köpfen der Männer in seiner Umgebung vorging, und selbst jetzt, bei Tageslicht und in vertrauter Umgebung, wurde Spikor mulmig bei dem Anblick dieses toten Tyrannen, dessen bleiche Knochen durch einen uralten Fluch am Leben gehalten wurden, und zwischen denen hindurch die man die Bäume und Felsen dahinter sehen konnte. Denn Scare-Glows Körper hatte keine Substanz. Nur, wenn er seinen Angstzauber wirken lies, erschien ein grünes Leuchten um seine Knochen, sonst aber war dazwischen nur Luft, und dieser Anblick war unheimlich, selbst für einen Evil-Warrior, der Knochen ja schon von seinem Meister Skeletor her gewohnt war. ?Also gut, du kannst mitkommen? sagte Spikor deshalb zu Whiplash, und die drei gingen hinunter auf den Vorplatz der Burg. Unterwegs kamen sie an Tri-Klops vorbei, der ihnen mürrisch nachsah und zu dem neben ihm stehenden Beast-Man leise etwas flüsterte, das Spikor nicht ganz verstehen konnte. Es hörte sich jedoch so an wie ?Jetzt auch noch Whiplash?. Scare-Glow wartete in aller Ruhe auf Spikor und die anderen, lässig auf seine grüne Hellebarde gelehnt und das Treiben um ihn herum beobachtend. Seinen violetten Reiseumhang hatte er abgelegt, wodurch er noch magerer aussah als sonst. ?Seid ihr endlich soweit?? fragte er mit grabeskalter Stimme. Spikor nickte nur und das Quartett machte sich auf den Weg zu seinem nächsten Einsatz. Begleitet wurden sie von Screeetch, Spikors Dämonenvogel. Doch wie schon beim letzten Mal im Dschungel, als sie Scare-Glow das erste Mal begegnet waren, so würde das Tier sie auch diesmal nicht bis zum Ende ihrer Reise eskortieren können, denn das letzte Stück der Strecke würden die Vier unter der Erde zurücklegen, wohin ihnen der Vogel nicht folgen konnte.

Bis dahin waren aber noch viele Meilen zurückzulegen, und so marschierten sie schweigend vor sich hin. Strongarm ging voraus, danach kam Spikor als der Anführer der Gruppe. Diesen Rang bei den Evil Warriors hatte er sich immerhin inzwischen durch seine Taten für Skeletor verdient, wie beispielsweise die Befreiung Strongarms oder das Auffinden des Skelettkönigs. Danach kam Scare-Glow, und es war Spikor gar nicht recht, das ebenso unheimliche wie mächtige Gerippe direkt hinter sich zu wissen. Er glaubte, Scare-Glows Blick in seinem Genick zu spüren, und er fürchtete, jederzeit verflucht oder verhext werden zu können. Dennoch zwang er sich, nicht dauernd über die Schulter auf seinen Hintermann zu blicken, denn schließlich war er hier der Offizier und musste ein gewisses Selbstbewusstsein ausstrahlen, wenn seine Leute ihm folgen sollten. Whiplash lief hinter Scare-Glow und war so schweigsam wie die anderen auch. Spikor hatte seit dem Tag, an welchem er sich den Evil-Warriors angeschlossen hatte, noch nie wirklich etwas mit Whiplash zu tun gehabt. Sie waren nie gemeinsam auf einer Mission gewesen, und auf Snake-Mountain hatten sie kaum miteinander geredet. Eigentlich waren nur gelegentliche Belanglosigkeiten ausgetauscht worden, und umso überraschter war der Stachelkämpfer gewesen, als der grüne Whiplash ihn gebeten hatte, sich seiner Gruppe anschließen zu dürfen. Whiplash hatte eine schuppige Haut, war aber dennoch kein Snakeman. Dies erkannte man sofort an der Art des Schuppenpanzers, der auf Brust und Rücken zu riesigen, äußerst stabilen Platten zusammengewachsen war, während echte Schlangenmenschen viel kleinere, weniger steife Schuppen hatten und somit beweglicher, aber auch weniger gut geschützt waren. Auch Whiplash? Schwanz unterschied sich deutlich von den Schwänzen, die manche Snakes trugen, denn er war viel dicker und massiger, und der Kämpfer Skeletors konnte damit schwere Schläge austeilen wie ein Krokodil. Überhaupt war Whiplash, trotz seines echsenhaften Aussehens, nicht einmal entfernt mit dem Reptilienvolk verwandt. Whiplash gehörte zu einer Gruppe von Lebewesen, die bei den Evil-Warriors gerne ?Monsterkämpfer? genannt wurden. Auch Clawful, Webstor und andere waren solche Kreaturen, und selbst bei den Masters, den ewigen Feinden dieser Krieger, gab es solche Wesen. Buzz-Off war einer, gegen den Spikor schon einmal gekämpft hatte. Diese Monsterkämpfer gehörten keinem Volk an, sondern sie waren einzigartig und auf Eternia gab es viele von ihnen, alle unterschiedlich und jeder für sich etwas Besonderes. Es gab Gerüchte, dass Magie die Ursache für ihr Entstehen war, doch niemand wusste Genaueres, und Männer wie Spikor fragten gewöhnlich auch nicht nach. Dem Schmied genügte es, zu wissen, dass Whiplash nicht nur mit seinem roten Speer, sondern auch mit seinem Schwanz kämpfen konnte, und das sehr gut, denn der Grüne war unglaublich stark. Wie stark genau, das wusste Spikor nicht, denn er hatte noch nie mit Whiplash trainiert. ?Nun, bald werde ich es ja sehen? dachte er auf dem langen Marsch nach Eternis.

In den ersten Tagen durchquerten sie die Ödnis, welche zu Skeletors Machtbereich gehörte. Als das Land langsam fruchtbarer wurde, sich zuerst in Weiden und dann in Wälder verwandelte, wurden sie vorsichtiger und mieden die vielbefahrenen Wege. Hier, im Grenzgebiet, gab es bereits zahlreiche Bauerndörfer, die meisten davon mit Palisaden geschützt und von Wachposten gesichert. Dies war die Lehre, welche die Dorfbewohner und ihr König Randor aus den ständigen Grenzkämpfen gegen Skeletors Truppen gezogen hatten. Aber zwischen den Dörfern lagen noch größere Gebiete zusammenhängender Wildnis, durch die man leicht ungesehen hindurch schlüpfen konnte. Als sich die Evil Warriors dem Zentrum des Königreichs Eternia näherten, wurden diese unbewohnten Bereiche aber immer seltener, bis sie schließlich ganz verschwanden. Darum kamen Spikor und seine Begleiter immer langsamer vorwärts, denn für ihren Plan war es von entscheidender Bedeutung, dass sie nicht vorzeitig entdeckt würden. Sie nutzten jedes Stückchen Wald, jedes Fleckchen Gebüsch und jedes Bisschen versumpften Flussufers, das sie finden konnten, und mussten dennoch immer häufiger vielbefahrene Straßen und Wege benutzen, wo sie sich nur durch einen Sprung ins Gebüsch vor Entdeckung zu schützen vermochten, und schließlich lies es sich nicht mehr vermeiden, meistens des Nachts, sogar durch Dörfer und kleine Städte schleichen.

Auf diese Weise vergingen mehr Tage, als eine Reise nach Eternis üblicherweise gedauert hätte, doch schließlich erreichten sie ihr Ziel. Nun war es Zeit für Spikor, sich von Screeetch zu verabschieden. Der Vogel würde außerhalb der Stadt bleiben, sich von der Jagd ernähren und für Notfälle zur Verfügung stehen, während die vier Männer, sofern man bei Scare-Glow noch von einem ?Mann? sprechen konnte, in einen dreckigen Fluss stiegen. Sie würden die Stadt über die Kanalisation betreten, deren Abwässer durch eben jenen Fluss nach draußen geleitet wurden. Eternis mochte eine mächtige Festung sein, doch auch hier gab es Schmutz, der weggespült werden musste, um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Strongarm hatte die Idee mit dem Kanal gehabt, und Spikor hatte sie begeistert aufgenommen. Jetzt, bis zum Hals in der stickenden Brühe steckend, erschien ihm die Wahl nicht mehr ganz so glücklich, doch er riss sich zusammen und hielt die Luft an, so gut er konnte. Natürlich war auch der Kanal gesichert, und zwar mit einem schweren Eisengitter, doch hielt dieses die Evil-Warriors nicht lange auf, da Strongarms mechanischer Arm das Gitter leicht verbiegen konnte und so eine Öffnung schuf, durch welche das Böse in die Stadt gelangen konnte. Spikor dachte noch, wie leichtsinnig es doch von Randor und seinen Leuten war, hier keine Wachen postiert zu haben, doch offenbar hatten die Verteidiger des Königreichs keine Lust, sich länger als unbedingt nötig neben der stinkenden Suppe aufzuhalten. ?Ein Fehler, den sie noch bitter bereuen werden? dachte Spikor und konnte trotz des Gestanks sogar kurz und böse lachen.


2 Tage später?

Teela war durch ein Geräusch wach geworden. Aufmerksam lauschte sie im Dunkeln. Sie lag in ihrem Bett und hatte sich die Decke bis zum Hals gezogen, um sich vor der Kälte der Nacht zu schützen. Da war es wieder! Sie hörte es leise, aber ganz deutlich! Es klang, als ob etwas durch den Gang vor ihrer Zimmertüre schleichen würde. Nervös stand die Kommandantin der königlichen Leibgarde auf. Sie trug nur ein Nachthemd, doch lag immer ein Schwert griffbereit neben ihrem Bett. Sie ergriff die Waffe und schlich sich barfuß zur Tür. Ans Holz gelehnt, horchte sie auf das, was im Flur vor sich ging. Wie weit war das Schleichen entfernt? Kam es näher, oder entfernte es sich? Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken, als sie glaubte, jemanden vor der Tür atmen zu hören. Es war wie ein Keuchen, oder nein ? eher wie ein Grabeshauch! Leise, kaum hörbar, aber böse! Ja, etwas Böses schlich nachts durch den Palast! Etwas abgrundtief Böses! Teela ergriff ihr Schwert fester und wollte gerade zurücktreten, um die nach Innen schwingende Tür zu öffnen, als sie erstarrte: Jemand strich von draußen mit den Fingern über das Holz. Der Feind war nur wenige Zentimeter von ihrem Kopf entfernt! Nur eine etwa fingerdicke Schicht Buchenholz lag zwischen ihrem Hals und seiner Hand! Die junge Frau hörte ihr Herz so laut schlagen, dass sie kaum noch den Geräuschen von draußen lauschen konnte. Kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn und lief ihr in schaurigen Bahnen den Rücken hinunter. Da war es wieder, dieses Keuchen. Dieses Hauchen. ?Teela? flüsterte es. ?Teela? Die Stimme klang wie direkt aus dem Grab. Die Lippen des Mädchens begannen zu zittern, und nur mit Mühe konnte sie ein Zähneklappern unterdrücken. Ihr Atem ging immer schneller, und sie musste ihn anhalten, um überhaupt noch horchen zu können. Sie nahm das Schwert mit beiden Händen, als die Stimme wieder sprach: ?Du gehörst mir, Teela! Mir allein! Ich hole dich! Ich nehme dich mit mir, Teela, denn jetzt gehört deine Seele mir!? ?Nein!? schrie die entsetzte Teela mit einem schrillen Unterton in der Stimme. ?Doch? sagte die Stimme, und diesmal kam sie nicht mehr von draußen! Diesmal kam sie von hinten. Das Ungeheuer war im Raum! Teela fuhr hektisch herum, schritt schnell zum Bett und suchte das Zimmer mit den Augen ab, doch es war nichts zu sehen. Dennoch spürte sie ganz deutlich, dass sie nicht mehr allein war. Sie fühlte die Anwesenheit eines Dämons, einer unsagbar bösen Schattengestalt aus den Tiefen der Hölle. Panisch glitt ihr Blick von einer dunklen Ecke in die andere. ?Ich nehme dich mit in die Unterwelt? sprach die Stimme, und Teela fuhr erneut herum, nun wieder in Richtung Tür. Da stand ein Skelett im Raum. Es stand einfach da, so als ob es eben durch die verschlossene Tür hereingekommen wäre. Und es streckte seine knochige Hand nach der Kriegerin aus. ?Nein, weg von mir! Niemals werde ich mit dir kommen!? schrie Teela panisch und voller Angst, so laut sie konnte, und schlug mit dem Schwert nach der Hand. Plötzlich hatte das Gerippe eine Hellebarde in der anderen Hand und parierte ihren Schlag, so dass sie ihr Schwert verlor. Klirrend fiel die Klinge auf den Boden, und eine lähmende Kälte kroch durch das Zimmer. Teela wich langsam zurück, doch das Skelett ging ihr nach. Die Kälte kam vom Boden, und Teela spürte sie an ihren nackten Füssen. Sie spürte, wie sie ihre Beine hochkroch und unter ihrem Nachthemd nach oben stieg. Teela fror, und sie schwitzte zugleich. Angstschweiß lies ihr das Nachthemd am Leib kleben, als sie mit dem Rücken an die Wand stieß. Sie konnte nicht mehr weiter zurück! Und das Skelett stand nun direkt vor ihr. ?Du gehörst mir! Deine Seele ist mein und ich werde dich in mein Reich mitnehmen, wo du mir bis in alle Ewigkeit dienen wirst! Es gibt kein Entkommen mehr für dich, Teela!? drohte das Skelett mit grausamer Stimme. ?Nein!? schrie Teela angsterfüllt ein weiteres Mal und diesmal in heller Panik. Sie drehte sich um und riss das Fenster auf. Lieber wollte sie hinaus und in den sicheren Tod springen, als diesem Monster ihre Seele zu überlassen. Doch mitten in der Bewegung verharrte sie. Entsetzt starrte sie mit weit aufgerissenen Augen nach draußen, auf die Dächer der Stadt Eternis, ihrer geliebten Heimat. Es war, als ob die ganze Stadt innerhalb der Stadtmauern ein Meer von Blut sei, so rot schienen die Dächer der Häuser, und über allem hörte sie das Lachen des bösen Geistes, der sie bedrohte. Verzweifelt schrie Teela auf.

Schweißgebadet lag die Kommandantin der Leibgarde des Königs in ihrem Bett. An ihrer Zimmertür klopfte jemand. Von draußen hörte sie die besorgte Stimme des Soldaten, der dort als Wache postiert war. ?Mylady, ist alles in Ordnung?? ?Ja? sagte Teela, ?ich habe nur schlecht geträumt.? ?Schon wieder? fügte sie in Gedanken hinzu und lies sich erschöpft zurück auf ihr Kissen fallen. Das war nun schon der zweite Alptraum in zwei Nächten. Und jedesmal war sie am Morgen noch erschöpfter als am Abend zuvor, als sie sich schlafen gelegt hatte. Was war nur los? Ob Adam, Man-at-Arms und die anderen auch wieder schlecht geträumt hatten, so wie letzte Nacht? Stöhnend stand sie auf und schlurfte an den Spiegel, der über ihrer Kommode hing. Sie sah verschlafen hinein und stellte fest, dass sie genau so aussah, wie sie sich fühlte. Sie griff in die auf dem Möbelstück bereitstehende Schale mit kaltem Wasser, erfrischte ihr Gesicht und sah wieder auf. Im Spiegel sah sie das Skelett hinter sich stehen und sie angrinsen! In Panik kreischte sie auf und fuhr herum ? und wachte diesmal wirklich schweißgebadet auf.


?Sie sind mit ihren Nerven am Ende? berichtete Strongarm erfreut. Er war, in einen Umhang gehüllt, oben in der Stadt gewesen und hatte auf dem Markt Essen besorgt, natürlich ohne dafür zu bezahlen. Dabei hatte er sich umgehört in Eternis, und sein Bericht an Spikor und die anderen könnte nicht besser ausfallen. Alle Menschen in der Stadt, vom einfachen Kammerdiener bis hin zu Ram-Man, dem mauerbrechenden Titanen, litten seit der von ihnen unbemerkten Ankunft der Evil Warriors unter furchtbaren Alpträumen, die bei jedem anders ausfielen, die aber bei allen dafür sorgten, dass sie im Schlaf keine Erholung mehr fanden, immer müder und unkonzentrierter wurden und inzwischen schon anfingen, Angst davor zu haben, abends wieder in ihre Betten zu steigen. Zur Zeit machte in der Stadt besonders die Geschichte eines frisch vermählten Paares die Runde, denen in der Hochzeitsnacht ein Ungeheuer erschienen sein soll, was beiden dermaßen in Mark und Bein gefahren war, dass sie es nicht mehr wagten, gemeinsam zu Bett zu gehen und nun sogar darüber nachdachten, die Ehe wieder aufzulösen in dem Glauben, die Götter seien gegen die Verbindung. Spikor lachte böse, als Strongarm ihm davon erzählte, und Scare-Glow, wie immer kalt grinsend, meinte nur: ?Natürlich sind sie am Ende! Ganz so, wie ich es euch vorausgesagt habe. Noch ein paar Tage mehr, und die Selbstmordrate in dieser Stadt wird regelrecht explodieren, hahaha!? Spikor war zufrieden. Das Skelett hatte wirklich nicht zu viel versprochen. Nur Whiplash sagte nichts und sah auch nicht besonders glücklich aus. Missmutig saß er auf einem Mauersockel und starrte abwechselnd mit grollendem Blick auf Scare-Glow, so als ob er wütend auf das Skelett sei, und in das dreckige Wasser des Kanals, neben dem sie sich immer noch, tief unten, in den Eingeweiden der Stadt, versteckten. ?Was ist los, Whiplash? Stört dich etwas?? fragte Spikor deshalb seinen neuesten Mitstreiter. Wie ertappt fuhr der Drachenkämpfer hoch, blickte einen Moment lang verwirrt von einem zum andern, fasste sich dann aber und antwortete mit betont gelangweiltem Tonfall: ?Nein, ich habe es nur satt, hier herumzusitzen und nichts zu tun. Wann treten wir endlich in Aktion?? ?Eine berechtigte Frage? antwortete Spikor und wandte sich an Scare-Glow. ?Wir sind in der Tat nicht hier, um den Eterniern Angst zu machen, sondern um die neuesten Baupläne aus Man-at-Arms? Werkstatt zu erbeuten. Ich denke, heute Nacht können wir es wagen. Nach allem, was Strongarm berichtet hat, werden wir kaum auf Wachen und ganz sicher auf keinen nennenswerten Widerstand stoßen.? Die anderen nickten und legten sich schlafen. Heute Nacht würde das Böse tatsächlich umgehen in den Straßen von Eternis!

Die große Turmuhr am Marktplatz schlug gerade Mitternacht, als Spikor, Strongarm, Scare-Glow und Whiplash durch die finsteren Gänge und Katakomben unter dem königlichen Palast schlichen. Sie hatten einen Weg nach oben gewählt, der sie ins Innere der zentralen Anlage bringen würde, wo sich Man-at-Arms? Werkstatt befand. Dabei hatten die Evil Warriors Glück gehabt, nicht entdeckt worden zu sein, denn entgegen Scare-Glows Versicherung waren die Masters keineswegs bereits besiegt. Schon nach der ersten Nacht, in der merkwürdigerweise alle Einwohner der Stadt von Alpträumen geplagt worden waren, hatte He-Man die Sorceress um Rat gefragt, und war von ihr darauf hingewiesen worden, dass sich Dämonen unter der Hauptstadt befanden. Sofort waren Suchtrupps hinunter geschickt worden, doch die endlosen Gänge, Kanäle und Auffangbecken erstreckten sich zusammengerechnet über viele hundert Meilen, und so waren sie Männer zunächst erfolglos geblieben, und Eternis musste eine zweite Alptraumnacht über sich ergehen lassen. Die Suche wurde aber fortgesetzt, und kaum eine Stunde, nachdem Spikor und die anderen aufgebrochen waren, um sich in den Palast zu schleichen, kam ein von Man-E-Faces geführter Spähtrupp genau an der Stelle vorbei, wo die Feinde Eternias kurz zuvor noch gelagert hatten. Doch davon wussten die Kämpfer des Bösen nichts, als sie über ein Brunnenhaus, welches sich innerhalb der Zitadelle befand und in Kriegszeiten der Wasserversorgung des Palastes diente, an die Oberfläche stiegen und durch einen Verbindungsgang in das zentrale Gebäude eindrangen. Ein einzelner Wächter war hier postiert und sicherte den Durchgang, doch er wandte den Evil Warriors den Rücken zu, denn niemand rechnete mit einem Angriff aus dieser Richtung. So war es für Strongarm ein leichtes, seinen mechanischen Arm auszufahren, den Mann völlig überraschend von hinten am Genick zu packen und ihn zu töten, noch bevor er überhaupt bemerkt hatte, was vor sich ging. Die Leiche wurde in den Verbindungsgang gezogen und die Tür dorthin geschlossen. Spikor plante, noch vor der nächsten Wachablösung zurück zu sein, und bis dahin würde niemandem das Fehlen des Postens auffallen. Wenige Minuten später erreichten die vier Dämonen ein Tor, das von zwei Wachen gesichert wurde, doch auch hier waren Strongarms Teleskoparm und ein gezielter Speerwurf von Whiplash ausreichend, um sich ohne viel Lärm den Weg freizukämpfen, zumal die Männer durch die schlaflosen Nächte der letzten Zeit zermürbt waren. Die beiden Toten wurden in einer Mauernische nur sehr notdürftig versteckt, doch Spikor war sicher, dass dies für ihre Zwecke ausreichend war. Weiteren Soldaten begegneten die Evil Warriors nicht, was aber nur zum Teil mit der sich durch Scare-Glows Zauber allmählich in der Stadt breitmachenden Erschöpfung zu tun hatte, denn viele Männer waren auch in der Kanalisation, um dort nach den Feinden ihrer Heimat zu suchen.

Bald erreichten die Dämonen ihr Ziel und brachen in die Werkstatt des Waffenmeisters ein. Sie war zwar gesichert, aber nicht besonders gut. Man-at-Arms war wohl davon ausgegangen, dass seine Erfindungen hier, mitten im Palast und beschützt von den Masters und der Armee des Königs, sicher vor bösen Augen waren. Strongarm knackte die Verriegelung der Tür, und kurz darauf durchwühlten die vier den Schreibtisch und die Unterlagen. Sie stopften allerlei kleines Gerät in die mitgebrachten Taschen und Säcke, darunter einen Strahler, ein merkwürdiges Werkzeug, dessen Zweck sie nicht ergründen konnten, und etwas, das wie eine Batterie aussah. Es würde an Trap-Jaw, Skeletors Techniker, liegen, all diese Dinge auszuwerten und das, was nützlich war, nachzubauen. Auch einige Mikrochips, Transistoren und Platinen packten sie ein. Auf dem Schreibtisch stieß Spikor auf eine Rolle mit Bauplänen, die er ausbreitete und in Augenschein nahm. Als Schmied verstand er sich zwar nicht auf Elektronik, hatte aber durchaus Ahnung von großen Maschinen und Fahrzeugen. Fasziniert betrachtete er den Entwurf des Waffenmeisters und las die Überschrift: Stridor! ?DAS Ding muss ich haben!? rief Spikor begeistert und knüllte alle Baupläne in seine Tasche. Dieses Fahrzeug würde Trap-Jaw für ihn bauen, und wenn es fertig war, würde Spikor auf dem Rücken eines mächtigen Roboterpferdes in die Schlacht ziehen! Was für eine beeindruckende Erfindung! ?Wir sind fertig? sagte Whiplash. ?Gut, dann nichts wie zurück nach unten, dann raus aus der Stadt und ab nach Hause!? befahl Spikor zufrieden, und die vier liefen wieder zurück in die Kanalisation. Wieder begegneten sie kaum einer Menschenseele, denn außer den Männern, die sie schon auf den Hinweg ausgeschaltet hatten, und denen, die unten in der Kanalisation nach ihnen suchten, war niemand auf den Beinen, weil es bis zur nächsten Wachablösung noch fast eine Stunde dauerte. Der Hauptgrund aber war der, dass Scare-Glow, da die Knechte Skeletors diesmal selbst in die Stadt gegangen waren, auf seinen Angstzauber verzichtet hatte, um nicht die eigenen Leute damit auszuschalten. So konnten die völlig übermüdeten Bewohner von Eternis in dieser Nacht endlich wieder einmal gut schlafen, und sie taten dies so tief und fest, dass niemand von den eiligen Schritten wach wurde, die des Nachts durch die Gänge huschten.

Wieder in der Kanalisation angekommen, machten sich die vier Männer auf den Rückweg zum Gitter, wo sie hereingekommen waren. Diesmal mussten sie darauf achten, dass ihre Taschen nicht nass wurden, und so hoben sie diese hoch über ihre Köpfe, als sie durch das faulige Wasser wateten. Wieder hielt Spikor die Luft an, so gut es ging, und dann atmeten sie auf und waren draußen! Sie kletterten ans Ufer des Flusses, um kurz ihre Ausrüstung zu richten, bevor sie den Rest des Weges nach Snake-Mountain in Angriff nehmen wollten. Immer noch thronte die Stadtmauer bedrohlich über ihnen, doch sie kümmerten sich nicht mehr darum, denn sie hatten die Stadt, in der es keinerlei Schwierigkeiten gegeben hatte, gedanklich schon hinter sich gelassen. Wieder einmal sah sich Spikor schon als großer Held und träumte von Ruhm und Ehre, die ihm bei seiner Rückkehr sicher zuteil werden würden. Doch diesmal wurden seine Träume gestört durch die wissenden Blicke Scare-Glows, und erneut fragte der Schmied sich, ob der tote Hexer wohl seine Gedanken lesen könnte. Ärgerlich stand er auf und befahl: ?Also los, machen wir, dass wir zurück nach Snake-Mountain kommen!? Die anderen erhoben sich und waren abmarschbereit, als alle vier erstarrten: Eine ihnen nur allzu bekannte Stimme sagte: ?Was denn, wollt ihr schon gehen? Das ist aber unhöflich von euch, hier einfach so wegzuschleichen!? Spikor und die anderen drehten gleichzeitig die Köpfe und blickten auf das Gebüsch am Flussufer, wo die Stimme herkam. Da traten auch schon He-Man und Battle-Cat heraus, gefolgt von Man-at-Arms, Teela und Mekanek. Die Helden hatten das beschädigte Gitter gefunden und beschlossen, einfach draußen auf die Einbrecher zu warten, denn schließlich mussten diese ja auch irgendwann mal wieder zurück. Und die Rechnung war aufgegangen! Oben auf der Mauer erschienen Soldaten und legten ihre Gewehre auf die Evil Warriors an. ?Ergebt euch! Diesmal entkommt ihr nicht!? sagte Man-at-Arms.

Spikor sah die Masters an, dann die Soldaten auf der Mauer. Schließlich traf sein Blick seine Mitstreiter. Er zwinkerte kaum merklich mit den Augen. Oh nein, er würde nicht zulassen, dass He-Man ihm schon wieder einen Strich durch die Rechnung machte! Als er den Blick zurück auf die Verteidiger Eternias richtete, stürmte er völlig unvermittelt los und griff Mekanek an, der ihm zufällig am Nächsten stand. So schnell konnte keiner der Eternier reagieren. Mekanek riss seine Keule hoch und parierte Spikors Schlag gerade noch rechtzeitig, während die anderen Dämonen nun ebenfalls auf die Masters losgingen. Battle-Cat sprang Whiplash an und riss ihn mit sich zu Boden, und Man-at-Arms zog eine Strahlenpistole und schoss auf Strongarm, der sich duckte. Auch die Männer auf der Mauer eröffneten das Feuer, doch Scare-Glow wandte sich ihnen zu und begann, grün zu leuchten. Dies schien zu wirken, denn die Soldaten stellten das Feuer ein und begannen, wild durcheinander zu rufen. Einige verließen ihre Posten, andere ließen ihre Waffen fallen und starrten einfach nur stumm gerade aus. Nur Scare-Glow selbst wusste, welche Alpträume er mit seiner Magie in ihnen geweckt hatte. Als Teela das sah, verlor sie die Beherrschung. Das war das Gerippe aus ihrem Traum! Das war der Dämon, der sie so in Furcht versetzt hatte! Wütend ging sie auf Scare-Glow los, doch der Kämpfer Skeletors wehrte ihre Schwerthiebe mit seiner grünen Hellebarde ab, genau wie in ihrem Traum. Dann blitzte es kurz in seinen Augenhöhlen auf, ganz so, als ob er etwas erkannt hätte, was vorher noch im Dunkeln gelegen hatte, und mit einer Bewegung, die identisch war mit der, von welcher Teela geträumt hatte, schlug er ihr das Schwert aus der Hand und lies ihren Alptraum wahr werden. Das grüne Leuchten wurde stärker, als Scare-Glow die freie Hand nach Teela ausstreckte und begann, leise und mit kalter Stimme zu flüstern. Wegen des Schlachtenlärms konnten die anderen nicht verstehen, was er sagte, doch Teela verstand es und wurde leichenblass! He-Man wollte ihr zu Hilfe kommen, als Spikor eine Lücke in Mekaneks Deckung gefunden hatte und ihm einen Schlag in den Magen verpasste. Der galaktische Kundschafter ging in die Knie, und He-Man musste sich nun mit dem Schmied des Bösen befassen, als der sich ihm in den Weg stellte. Während Spikor und He-Man gegeneinander kämpften, hatte Scare-Glow die offenbar vor Schreck erstarrte Teela fast erreicht. Kalter Schweiß glänzte auf ihrer Haut, und ihr Blick war geweitet vor Furcht, vor einem namenlosen Schrecken, der ihr tief in die Glieder gefahren war. Doch nicht nur Teela hatte Angst. Auch Man-at-Arms bemerkte die aufsteigende Panik, als er sah, wie Scare-Glow mit seiner Hellebarde zum tödlichen Schlag ausholte. Der Waffenmeister hörte auf, Strongarm zu beschießen, und zielte stattdessen auf den Herrn der Angst. Dies nutze der Cyborg sofort aus und sein hydraulischer Arm schoss hervor und stieß Battle-Cat von dem am Boden liegenden Whiplash herunter. Während der Drachenkämpfer aufstand und der Kampfkatze He-Mans nun seinen Speer in die Flanke rammte, sodass diese aufheulte und schwer verletzt zusammenbrach, schlug Scare-Glow zu! Doch der Schuss des Waffenmeisters war trotz seiner Furcht zielgenau und traf das Skelett. Oder zumindest hätte er es getroffen, wenn es ein gewöhnlicher Mann gewesen wäre. So aber ging der Schuss zwischen den Knochen hindurch und verpuffte an der Stadtmauer im Hintergrund. Dennoch hatte Man-at-Arms sein Ziel erreicht, denn Scare-Glow war vom Laserstrahl am Arm gestreift worden und hatte deshalb seine Waffe verrissen. Die Hellebarde schlitzte Teela nur den Arm auf, anstatt sie zu enthaupten, wie Scare-Glow es eigentlich vorgehabt hatte.

Inzwischen spürten alle Anwesenden die Kälte und die Furcht, die Scare-Glow verbreitete. Auch die Evil Warriors waren davor nicht geschützt. He-Man empfand Angst um seine verwundeten Freunde, Strongarm und Spikor fürchteten, von diesem Schlachtfeld nicht mehr entkommen zu können. Und auch Whiplash hatte Angst. Doch seine Beklommenheit wurde noch überlagert von einem anderen Gefühl, einem, dass er schon lange Zeit verspürte und das ihn überhaupt erst veranlasst hatte, sich dieser Mission anzuschließen. Nun, da er Battle-Cat los war, schlug er mit seinem Schwanz nach Man-at-Arms, der ? abgelenkt von seinem Schuss und der von Scare-Glow verursachten Angst ? überhaupt nicht mehr auf ihn geachtet hatte. Der wuchtige Hieb schleuderte den Waffenmeister zu Boden und verletzte ihn schwer. Während Whiplash langsam auf den gefallenen Gegner zuschritt, trieb He-Man Spikor immer weiter zurück, sodass dieser seinen Leuten zurief: ?So helft mir doch! Zusammen können wir He-Man ein für alle mal besiegen!? Strongarm reagierte sofort, und auch Scare-Glow lies von Teela ab und stürzte sich auf den Stärksten der Starken, und in diesem Augenblick stieß sogar Screeetch, der den Kampf gesehen hatte und herbeigeflogen war, auf He-Man hinab. Zu viert bedrängten sie den Verteidiger Eternias, dem aber Mekanek, der sich von Spikors Schlag wieder etwas erholt hatte, zu Hilfe kam. Whiplash hingegen ignorierte Spikors Befehl und stand nun über Man-at-Arms. Der Waffenmeister atmete schwer. Blut ran aus seinem rechtem Mundwinkel und in seinem linken Auge war ein winziges Äderchen geplatzt. Er hatte seinen blauen Helm verloren und Schweiß floss über sein Gesicht. Whiplash sah in die Augen des von ihm verfluchten und verhassten Mannes. Der Drachenkämpfer hatte nie jemandem erzählt, welche Geschichte ihn mit Man-at-Arms ? und Teela ? verband, doch sie war der Grund gewesen, weshalb er sich überhaupt den Evil Warriors angeschlossen hatte. Nun war der Zeitpunkt der Rache gekommen. Nun würde er Man-at-Arms leiden lassen! Er wollte die Angst in den Augen des Waffenmeisters sehen, sie genießen und auskosten. Er wollte ihn nicht einfach nur töten, er wollte ihn demütigen, so wie er selbst gedemütigt worden war. Doch er sah nur Verachtung im Blick des Helden. Hatte der Waffenmeister nicht gerade etwas gesagt? Bei all dem Kampflärm vom Flussufer her, wo Spikor und die anderen fochten, und wegen des schweren Atems des Feindes war es nicht ganz deutlich zu verstehen gewesen. Doch Man-at-Arms wiederholte seine Worte: ?Armseliger Verräter?! Mehr brachte sein geschundener Körper nicht hervor, doch seine Augen sprachen den Rest seiner Gedanken aus. Sie sagten: ?Ich habe von Anfang an recht gehabt? und ?Du taugst wirklich nichts?! Zorn überkam den grünen Monsterkämpfer. Wie konnte der Alte es wagen, ihn einen Verräter zu schimpfen? Er, Man-at-Arms, hatte doch alles in seiner Macht stehende getan, um den Drachenkämpfer loszuwerden, als er damals hier in Eternis gewesen war. Neid und Eifersucht hatten ihn dazu veranlasst und deshalb hatte er allein es doch zu verantworten, dass Whiplash Skeletor regelrecht in die Arme getrieben wurde. Und jetzt hatte Teelas Vater die Stirn, ihn deswegen als Verräter zu beschimpfen? Dafür sollte der Waffenmeister bezahlen! Die Stunde der Abrechnung war gekommen! Doch Whiplashs Hand, in der er wieder seinen Speer hielt, mit dem er zustoßen wollte, zitterte. Was war mit ihm los? Sicher, der Kampf gegen Battle-Cat war anstrengend gewesen, aber er konnte unmöglich deswegen zu schwach sein, um seinen Gegner qualvoll zu Tode zu bringen, wie er es so lange ersehnt hatte! Aber doch schien es so zu sein. Er fühlte, wie nun auch seine Beine zu zittern anfingen. Verdammt! Nicht so kurz vor dem langersehnten Ziel! Nun hatte er keine Wahl mehr. Er musste auf seine grausame Rache verzichten und es sofort zu Ende bringen, bevor er nicht mehr dazu in der Lage wäre. Erneut hob er den Speer, um ein letztes Mal zuzustoßen. Da trat Teela zwischen ihn und ihren Vater. Sie trug keine Waffe mehr und blutete an ihrem rechten Arm, wo Scare-Glow sie vorhin getroffen hatte. Sie war kein Gegner mehr für Whiplash, das musste sie doch wissen. Wie um alles in der Welt wollte sie ihn jetzt noch aufhalten? Sie warf sich über den verwundeten Waffenmeister. Tränen traten aus ihren Augen, doch nicht genug, um ihr die Wangen hinunter zu laufen. ?Lass ihn leben. Bitte lass ihn leben.? Ihre Stimme klang erstickt, als sie ihrer Tränen wegen schlucken musste. Man konnte sehen, dass es ihr nicht leicht fiel, zu bitten, und der Drachenkämpfer wusste ? denn er kannte sie gut ? dass sie es eigentlich gewohnt war, sich zu nehmen, was sie wollte. Whiplash zögerte. In seiner Wut auf Man-at-Arms hatte er diese Möglichkeit nie bedacht. Sollte er ihn trotzdem töten? Sie würde sich dazwischen werfen. Er würde sie auch töten müssen. Wollte er das? Konnte er das überhaupt? Plötzlich wurde er an der Schulter berührt und so in seinen Gedanken unterbrochen. Es war Spikor, sein neuer Kommandant. ?Rückzug? sagte der Schmied nur. Aus den Augenwinkeln konnte Whiplash sehen, dass die anderen Kämpfer des Bösen bereits ein gutes Stück des Weges zum nächsten Waldrand zurückgelegt hatten. Sie hatten trotz allem verloren, und als Whiplash sich umsah, erkannte er auch den Grund: Eine Menge Soldaten, angeführt von Fisto und Ram-Man, kamen aus einem der Stadttore gestürmt und liefen auf den Schauplatz des Geschehens zu. Und auch aus dem Kanal trat nun ein Trupp Männer mit Man-E-Faces an der Spitze. Die Evil-Warriors hatten gegen diese Übermacht keine Chance mehr und ergriffen die Flucht. Ein Gedanke schoss durch Whiplashs Kopf. Sollte er nicht lieber hier bleiben? Es noch einmal versuchen? Auf Teelas Gnade hoffen? Aber dann würden sie Spikor fangen. Ihn, den einzigen, der je etwas für Whiplash getan hatte, indem er jetzt bei ihm geblieben war, ihn nicht im Stich gelassen hatte. Und würde Teela ihm überhaupt vergeben? Wohl kaum! Vielleicht war er doch dazu bestimmt, ein Kämpfer des Bösen zu sein. Er folgte Spikor wortlos in den Wald, wo sie die Verfolger bald abschütteln konnten.


Einige Abende später saßen Spikor und Whiplash auf den Zinnen von Snake-Mountian und blickten in den blutroten Sonnenuntergang. Sie hatten während des ganzen Rückweges kein Wort geredet, waren nur stumm nebeneinander oder hintereinander her gelaufen. Skeletor war höchst zufrieden gewesen, denn ihre Beute aus der Werkstatt des Waffenmeisters hatten sie retten können, und auf Spikors Wunsch hin hatte Trap-Jaw sofort begonnen, das Roboterpferd zu bauen, welches der Schmied auf den Namen ?Nightmare? getauft hatte, der angesichts der Art, wie die Evil Warriors an die Pläne gekommen waren, sehr gut zu dem Fahrzeug passte. Whiplash wunderte sich, weshalb Spikor ihn nicht wegen seiner Befehlsverweigerung vor Skeletor angeschwärzt hatte. Mehr noch hatte den Drachenkämpfer aber eine andere Sache beschäftigt. Bisher war ihm immer klar gewesen, weshalb er sich Skeletor angeschlossen hatte. Er war ihm als der einzig logische Schritt erschienen, nach dem Vorfall im Wespenturm, damals vor zwei Jahren. Doch Whiplash hatte nie jemandem davon erzählt, nicht einmal Skeletor, den er mit der halben Wahrheit abgespeist hatte. Immer war der grüne Krieger überzeugt gewesen, nur hier bei den Evil Warriors zu sein, weil er Vergeltung am Waffenmeister Randors üben wollte, Rache für die Demütigung, die er damals erfahren hatte. Nun aber, da er auf die Rache verzichtet hatte, als sich ihm die Gelegenheit dazu bot, musste er sich fragen, ob er vielleicht nur deshalb hierher zu den Evil Warriors gehörte, weil er ganz einfach böse war. Aber wenn er doch böse war, warum hatte er dann Man-at-Arms nicht töten können? Er wusste nun, dass es keine Erschöpfung gewesen war, die ihn zuerst hatte zögern lassen, bevor Teela dazugekommen war. Es war Mitleid. Mitleid mit einem Mann, der ihm, Whiplash, niemals gewachsen gewesen war. Und der vor dieser Unterlegenheit, dieser Schwäche Angst gehabt hatte. Angst vor ihm! Und Mitleid mit einem, der Angst hat, dass passte nicht zu einem Bösewicht. Also war er nun böse, oder war er es nicht? ?Warum bist DU eigentlich hier?? fragte er Spikor. ?Und du?? fragte dieser zurück. ?Ich wollte einmal zu den Masters gehören? antwortete Whiplash, und Spikor zuckte kurz, unterbrach ihn aber nicht. ?Ich wurde auch aufgenommen, aber nur zur Probe.? ?Und was ist dann passiert?? ?Dann begegnete ich Teela!? Spikor runzelte die Stirn, doch dann sah er Whiplash in die Augen ? und verstand. ?Man-at-Arms war dagegen? fuhr Whiplash fort, ?weil ich kein Mensch bin. Ich wollte ihm beweisen, dass ich sogar besser bin als ein normaler Soldat. Und da hat er mich in den Wespenturm geschickt. Die machtlosen Götter waren zu stark für mich, und das wusste er ganz genau. Und ich wusste es auch. Ich war nur zu stolz, um es zuzugeben. Er hat mich bewusst in einen Kampf geschickt, den ich niemals gewinnen konnte. Und dazu kamen noch die Wespen. Es war eine einzige Blamage. Ich konnte nicht zurückkehren. Stattdessen ging ich hierher, um ihn eines Tages dafür bezahlen zu lassen. Und vor ein paar Tagen, vor der Stadt, am Ufer des Kanals, war die Gelegenheit dazu!? ?Aber du hast ihn nicht getötet.? ?Nein ... nein, das habe ich nicht. Ich hatte Mitleid mit ihm, denn er war schwach. Und jetzt frage ich mich deswegen, ob ich überhaupt hierher gehöre. Vielleicht sollte ich lieber wieder nach Hause gehen und versuchen, alles zu vergessen.? Die beiden schwiegen eine Zeit lang. Und dann erzählte Spikor seine Geschichte. Er erzählte von der Rache an seinem Dorf, die immer noch nicht vollzogen war, und von der Rache an He-Man, an dem er am Kanal nun schon zum vierten Mal gescheitert war. Ja, auch er war wegen einer Fehde hierher auf diese Burg gekommen. Aber inzwischen war er sich nicht mehr sicher, ob das wirklich der einzige Grund war, weshalb er hier blieb. Auch Spikor musste über das vergangene Abenteuer nachdenken, denn ein wahrer Evil Warrior hätte Whiplash doch einfach zurückgelassen, als dieser seinen Feind nicht töten wollte. Oder?
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