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 Spikor80
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SPIKOR
Men of War
Sie waren die ganze Nacht marschiert. Langsam hatten sie sich einen Weg durch den Immergrünen Wald gebahnt, einer nach dem anderen. Waren zwischen Bäumen und Büschen hindurch geschlüpft und den Spuren des Vordermannes gefolgt. Der Vordermann, das war in Spikors Fall Clawful, der rote Krebsmensch. Groß und breit und massig schob er sich hinter anderen Evil Warriors durch das Dickicht. Dem Schmied fiel es leicht, seiner Spur zu folgen. Er war etwas kleiner, doch er musste in dieser Umgebung ständig darauf achten, nicht mit seinen Stacheln an irgendwelchen Brombeeren oder ähnlichem Grünzeug hängen zu bleiben. Seine große Stachelkeule hatte er am Griff geschultert. Ihr nicht unerhebliches Gewicht machte sich nach Stunden des Schweigemarsches langsam bemerkbar. Doch Spikor biss die Zähne zusammen, so stark, dass die überstehenden Hauer sich blutig in seine blauen Lippen bohrten. Mit seiner blau-lila Färbung war er im Halbdunkel des Waldes kaum zu erkennen, nur seine gelben Augen reflektierten stark das Licht der Lampen in der Dunkelheit. Die Leute ganz vorne und ganz hinten am Zug trugen solche Lampen. Hinten war es Mer-Man, der grüne Fischmensch, der die Nachhut bildete und darauf zu achten hatte, dass keiner in der Dunkelheit verloren ging. Weit vorne trug Trap-Jaw die Lampe. Als Cheftechniker und Leibwächter Skeletors hielt er sich immer an dessen Seite, wie auch die anderen aus dem ?inneren Zirkel?, Skeletors engste Vertraute, die sich auch jetzt um ihren Herren gruppierten. Tri-Klops, der Kundschafter, der den Weg ausspähte und mit seinem grünen Schwert eine Schneise in den Wald schlug, auf der die anderen ihm folgen konnten. Beast-Man, der dumme Knecht Skeletors, bedingungslos loyal und mit Einfluss auf die Tiere des Waldes, die ihm den Weg wiesen. Und Evil-Lyn, die Zauberin, der Spikor sein Leben verdankte und die einst Skeletors Geliebte gewesen war, wie der Stachelkämpfer gehört hatte. Damals soll der Herr des Bösen noch kein Skelettgesicht getragen haben. Aber Genaueres wusste Spikor nicht darüber. Es war ihm eigentlich auch nicht wichtig.

Wichtig war nur die Schlacht! Bald würde es soweit sein! Bald würde die Armee des Bösen den Immergrünen Wald hinter sich gelassen haben und auf die grasbewachsene Ebene vorstoßen, auf der Castle Grayskull schon seit ewigen Zeiten stand. Skeletor war fest entschlossen, die mystische Burg der Zeitlosen diesmal einzunehmen und sich ihre gewaltigen magischen Kräfte einzuverleiben. Mit ihrer Hilfe würde er der Meister des Universums sein! Spikors Pläne gingen nicht so weit wie die seines Meisters. Der Schmied mit der Stachelrüstung wollte nur eines: Rache an He-Man! Der Stärkste der Starken MUSSTE sterben! Vier Mal schon hatte er Spikor besiegt, doch heute sollte sich sein Schicksal erfüllen. Grimmig dachte Spikor an die Niederlagen, die He-Man ihm beigebracht hatte. Jede einzelne verursachte einen stechenden Schmerz, tief in Spikors Seele. Nachdem der Stachelkämpfer vor ein paar Tagen sein altes Dorf und mit ihm alle, die sein altes Ich kannten, vernichtet hatte, blieb nur noch He-Man übrig, mit dem er eine Rechnung zu begleichen hatte. Und dann?ja, was dann? Spikor wusste es nicht. Der Gedanke an Rache hielt ihn derart gefangen, dass er sich nie überlegt hatte, was er nach He-Mans Ende tun würde. Als er sein Heimatdorf zerstört hatte, war ihm bereits aufgefallen, dass der Tod all jener, die er von ganzem Herzen hasste, ihn seltsamerweise völlig unberührt gelassen hatte. Was, wenn es mit dem Tod He-Mans genauso wäre? Was, wenn der Weg der Rache ihn nur ins Nirgendwo führte? Spikor wischte den Gedanken weg. Er durfte sich nicht verunsichern lassen, sonst wäre es im bevorstehenden Kampf um ihn geschehen.

Wie um sich abzulenken besann er sich auf seine Pflicht als Führer der Nachhut. Er sah sich um und zählte in der Finsternis, ob alle seine Leute noch beisammen waren. Clawful ging vor ihm, und Scare-Glow hinter ihm. Noch weiter hinten kam Strongarm, der sich inzwischen zu einem Gehilfen Trap-Jaws und damit zu einem Mitglied von Skeletors Technikerstab hochgearbeitet hatte. Nach Strongarm folgte Nightmare, Skeletors neuer, pferdeförmiger Kampfroboter. Auf Nightmares Sattel saß Screeetch, Spikors gefiederter Freund, und lies sich durch den nächtlichen Wald tragen. Ganz hinten ging Mer-Man mit der Lampe. Er war das Schlusslicht. Gut, es waren noch alle da. ?Dies ist MEINE Truppe!? schoss es Spikor durch den Kopf. Ja, er hatte es weit gebracht in der kurzen Zeit, die er erst an der Seite der Evil Warriors kämpfte. Viele altgediente Männer Skeletors hatten weniger zu sagen als er, obwohl er noch relativ neu bei den Kämpfern des Bösen war. Als Spikor weiterging, hob er den Kopf vor Stolz unwillkürlich ein Bisschen höher. In letzter Zeit war ihm des Öfteren aufgefallen, dass der Gedanke an Macht ihn mehr berauschte als der Gedanke an Rache. Vielleicht war ja das seine Zukunft, sein Ziel für die Zeit nach He-Mans Tod? Plötzlich zuckte er zusammen! Seine Gedankenspiele über die Zukunft hatten ihm ein Erlebnis ins Gedächtnis zurückgerufen, dass er lieber vergessen hätte: Die Prophezeiung! Was hatte das Mädchen aus dem Dorf doch gleich gesagt? Spikor würde den Berg der Macht besteigen und die Zeit besiegen, doch am Ende wäre er der Baum auf der sturmgepeitschten Ebene? Bis heute waren weder er noch Scare-Glow, der ebenfalls eine wenig erbauliche Vorhersage erhalten hatte, hinter den Sinn dieser Worte gekommen. Spikor hätte sie im Nachhinein vielleicht achselzuckend als das dumme Geschwätz eines Kindes abgetan, wenn der Skelettkönig sich wegen dieser Sache nicht so große Sorgen zu machen schien. Spikor hatte ihm schwören müssen, mit niemandem darüber zu reden, nicht einmal mit seinen Freunden Strongarm und Whiplash. Dankbar über die Ablenkung schweiften Spikors Gedanken zu Whiplash und drängten die Prophezeiung wieder in einen versteckten Winkel seines Gedächtnisses zurück, von wo aus sie keinen Schaden anrichten konnte, aber auf jede Gelegenheit lauern würde, wieder hervorzukriechen und den Schmied erneut zu quälen.

Suchend reckte Spikor den Hals, um einen Blick auf Whiplash werfen zu können, der weiter vorne in der Hauptgruppe ging. In der Dunkelheit des nächtlichen Waldes war kaum etwas zu erkennen, und die Evil Warriors bewegten sich im Gänsemarsch, um ihre Stärke zu verbergen, aber auch wegen des dichten Unterholzes. Wie ein langer Wurm schlängelte sich die Armee der Finsternis durch den Wald. Die Hauptmacht wurde von Webstor, dem Spinnenmenschen, angeführt, und außer Whiplash, der innerhalb dieser Gruppe relativ weit hinten ging, gehörten ihr auch die Brüder und Nahkampfspezialisten Jitsu und Ninjor an, ebenso Two-Bad, das doppelköpfige Ungeheuer, Goat-Man, ein Monsterkämpfer mit einem Ziegenkopf, dessen Hörner einem Gegner schwer zusetzen konnten, Stinkor, das schwarz-weiße Stinktier, Icer, der ohne Waffe in die Schlacht zog, da kein Schwert soviel Schaden anrichten konnte wie seine blauen Hände, die jedes Lebewesen, dass sie berührten, in einen Eisblock einfrieren konnten (somit war er kein Monsterkämpfer, sondern eher eine Art Magier, wenngleich er nur diesen einen Zauber beherrschte), und Faker, der inzwischen wieder reparierte Roboter, mit dem Spikor schon einmal zusammengearbeitet hatte. Fahrzeuge hatten die Evils keine weiteren dabei, denn der Baumbewuchs war zu dicht und der Boden zu schwierig, selbst für ein Kettenfahrzeug. Nur der auf vier Beinen gehende Nightmare wurde mit diesem Terrain fertig. Dafür bewegte sich ein eigenartiges Wesen neben den Kämpfern des Bösen durch den Wald und begleitete sie auf ihrem Weg in die Schlacht. Evil-Seed, das Pflanzenmonster! Ein Monsterkämpfer wie Clawful oder Whiplash, aber im Gegensatz zu ihnen nicht mit der Eigenschaft einer bestimmten Tierart, sondern mit der einer Pflanze ausgestattet, war das Ungeheuer ein mächtiger Verbündeter. Er war der einzige, der sich außerhalb der Marschordnung bewegte, indem er wie eine Hecke den Weg entlang wuchs, vorne neue Triebe sprießen und die hinteren verdorren ließ. Eine eigenartige Weise, sich fortzubewegen, aber Evil-Seed war beachtlich schnell damit! Von der Vorhut, zu der neben Skeletor, der seine neue, schwere Kampfrüstung mit dem Fledermaussymbol auf lilanem Hintergrund trug, Trap-Jaw, Beast-Man, Tri-Klops und Evil-Lyn auch Skeletors Reit- und Kampfkatze Panthor gehörte, konnte Spikor nichts außer dem aus der Entfernung schwach wirkenden Schein von Trap-Jaws Lampe erkennen. Sie waren zu weit voraus.

Spikor sah sich um, als hinter ihm jemand leise fluchte. Strongarm war in der Dunkelheit über eine Wurzel gestolpert und beinahe gestürzt. Obwohl er sein Freund war, konnte Spikor sich ein Grinsen nicht verkneifen, das Strongarm zum Glück nicht sehen konnte. Augenblicke später verging dem Schmied das Grinsen gleich wieder, als ihm ein Ast ins Gesicht schlug, den er nicht rechtzeitig erkannt hatte. Wütend schluckte er einen Fluch hinunter und brach den Zweig ab, damit er nicht noch jemanden erwischen konnte. Erstaunlich laut hallte das helle Knacken des Holzes durch den nächtlichen Wald. Obwohl sie noch weit von Grayskull entfernt waren, sah sich Spikor doch nervös um, ob sie wegen des Geräusches nicht von jemandem bemerkt worden waren. Er blieb fast eine ganze Minute stehen, konnte jedoch nichts Besorgniserregendes entdecken und ging weiter. Da überkam ihn mit einem Mal ein Gefühl der Bedrohung. Etwas stimmte nicht! Aber was? Er sah sich erneut um, diesmal ohne stehenzubleiben. Es dauerte eine Weile, bis er erkannte, was ich verändert hatte: Evil-Seed war nicht mehr da! Das Pflanzenmonster war einfach weg! Immer noch ohne stehenzubleiben, sah sich Spikor verstohlen nach Nightmare um. Das computergesteuerte Panzerpferd hatte von allen Kämpfern der Nachhut die besten Sensoren. Als Spikor sah, dass Nightmare die Zwillingslaserkanone auf seinem Heck zur Seite gerichtet hatte, blieb er wie angewurzelt stehen. Der Computer musste dort irgendetwas entdeckt haben, das ihm wichtig genug schien, vorsichtshalber darauf zu zielen. Der frischgebackene Offizier der Evil Warriors hob kampfbereit seine Keule. Da glitt auf einmal völlig lautlos und direkt vor ihm ein roter Schlangenmensch mit gelber Brust aus dem Gebüsch. Spikor zuckte zusammen. Hätte das Monster angegriffen, dann würde er jetzt schon unter Krämpfen am Boden liegen und die tödliche Wirkung des Schlangengifts zu spüren bekommen. Doch der Schlangenmensch sagte nichts und rührte sich nicht von der Stelle. Stumm und starr stand er da und blickte Spikor ungerührt aus seinen unbeweglichen, totengleichen Augen an. Dem Schmied des Bösen fröstelte es unwillkürlich. Ihm waren diese kaltblütigen Snakes nicht geheuer. Er wusste nicht viel von ihnen, nur, dass sie schon zu Urzeiten ein mächtiges Reich beherrscht hatten. Die Gründe für den Untergang dieses Reiches waren den Menschen der Gegenwart weitgehend unbekannt, doch in den südlichen Urwäldern, auch in der Nähe von Galirad, lebten noch heute Reptilienwesen, die ihre Ahnenreihe bis auf die alten Snakes zurückführten und als gefährliche Kämpfer bekannt waren. Dennoch blieben sie meist, wo sie waren, denn sie waren nicht zahlreich genug, um es mit den Menschen im großen Stil aufnehmen zu können. Zumindest bis vor einigen Jahren. Seitdem gingen Gerüchte um von einer bösen Macht im Süden, von alten, verwitterten Tempeln in den Tiefen der Wälder, von Schlangenpriestern und von Pyramiden, von deren Stufen das Blut der Menschenopfer in Strömen herab floss. Niemand wusste, was es damit auf sich hatte, doch wenige, die diese Wälder betraten, kehrten zurück, um davon zu berichten, und Skeletor hatte es einst auf unerklärliche Weise geschafft, ein Bündnis mit den Schlangen zu schließen. Der rote Krieger, der so unvermittelt vor Spikor aufgetaucht war, war offensichtlich hier im Norden, weit außerhalb seines Reviers, um dieses Bündnis einzulösen. Der Stachelkämpfer sah nach vorne, zur Hauptgruppe, und erkannte zwei weitere Snakes, einen grünen mit roter Pistole und einen rosanen mit einer großen Libellenarmbrust. Als Whiplash ihm zunickte, verstand Spikor das Zeichen: Die Snakearmee war zu ihnen gestoßen und hatte sich den Evil Warriors angeschlossen. Wie viele es waren, konnte Spikor in der Dunkelheit unmöglich sehen, aber sie würden die ohnehin schon mächtigen Reihen Skeletors noch weiter verstärken. ?Ja! Das ist der Sieg!? dachte Spikor und erschauerte bei diesem Gedanken. Bald würde He-Man tot sein! Als die Armee sich auf ein unhörbares Zeichen hin wieder in Bewegung setzte, war auch Evil-Seed wieder da und begleitete die Truppe durch das Unterholz. Er war wohl nur aus Vorsicht in Deckung gegangen, als er die Reptilien bemerkt hatte, was aber für seine den normalen Menschen überlegenen Sinne sprach, denn die meisten Evils hatten die Snakes nicht rechtzeitig entdeckt. Die rote-gelbe Echse, die mit einem Stab bewaffnet war, schloss sich stumm der Nachhut an.


Als der Morgen graute, erreichte die Armee der Finsternis den Waldrand. Panthor trat neben Trap-Jaw und Beast-Man aus dem Dickicht, und von seinem Rücken aus beobachtete Skeletor stumm das saftig grüne, leicht hügelige Land. In ein paar Meilen Entfernung waren die verwitterten Türme Grayskulls zu sehen. Still und erhaben ragten sie in den morgendlichen Himmel. Nebelschwaden trieben träge über das Grasland, doch die Sonne würde sie vertrieben haben, bis die Kämpfer des Bösen ihr Ziel erreicht hätten. Jeder von ihnen wusste, dass der Marsch über die Ebene noch mindestens zwei Stunden dauern würde. Erst dann würde man wirklich direkt vor der Burg der Zeitlosen stehen. Schon jetzt waren alle Evil Warriors gespannt, wie Skeletor den magischen Schild der Burg zu durchbrechen gedachte, und ob der Plan aufgegangen war, den Feind abzulenken und somit nur eine schwache Verteidigung bei der Burg anzutreffen. Skeletors leere Augenhöhlen starrten ausdruckslos nach Grayskull hinüber. Er beachtete seine Truppen gar nicht, die langsam, einer nach dem anderen, hinter Panthor aus dem Wald traten und nach rechts ausschwärmten. Aus dem langen Heerwurm wurde so eine breite Schlachtlinie, als Skeletors Männer von der Marsch- in die Kampfformation wechselten. Die Vorhut blieb stehen, wo sie war. Die Hauptmacht trat rechts neben sie, und die Nachhut wiederrum rechts neben die Hauptmacht. So wurde aus der Gruppe um Skeletor der linke Flügel, und Spikors Einheit, die als letzte aus dem Dunkel des Waldes trat, wurde zum rechten Flügel. Als der Stachelkämpfer sich überzeugt hatte, dass seine Leute alle da waren, befahl er Nightmare ganz nach außen. Der Roboter sollte mit seinen Laserkanonen dafür sorgen, dass niemand die Truppe in der Flanke umgehen konnte. Screeetch blieb auf dem Pferd sitzen. Später, in der Schlacht, würde er dann sowieso fliegen. Spikor schickte Strongarm neben Nightmare, damit er das Pferd gleich reparieren könnte, falls es im Kampf beschädigt werden sollte. Auch den rot-gelben Schlangenmenschen, der immer noch nicht gesprochen hatte und dessen Name Spikor nach wie vor unbekannt war (sofern Snakes überhaupt Namen hatten), schickte er ganz nach rechts. Dann trat Spikor einen Schritt vor und hob die Hand als Zeichen, dass der rechte Flügel bereit war. Nun, da er vor der eigentlichen Schlachtlinie stand, hatte er auch einen besseren Überblick über die gesamte Streitmacht. Webstor war ebenfalls vor seine Leute getreten und gab Spikors Signal nach Links weiter, wo Tri-Klops mit einem Handzeichen antwortete und sich dann an Skeletor wandte, der immer noch nach Grayskull starrte. Er ignorierte die Hexe Evil-Lyn genauso wie den grünen Schlangenmenschen mit dem roten Schutzschild, der neben ihm stand und scheinbar der Anführer der Snakes war. Das Reptil war offenkundig etwas ungehalten über diese herablassende Behandlung, und in einem Anflug von Sorge sah Spikor etwas genauer hin, um festzustellen, wie viele Schlangen sich zwischen den Evil Warriors befanden. Außer dem rot-gelben Krieger in seiner Truppe konnte der Schmied den grünen und den rosanen erkennen, die ihm schon vorhin aufgefallen waren. Sie standen bei Two-Bad und Icer. Ein paar Schritte weiter standen noch zwei Reptiloiden, ein blauer mit roter Weste und eine anderer, der sehr lange Arme hatte. Drüben bei Skeletor, am linken Ende der Reihe, standen nochmal zwei grüne Echsen mit dunkeln Rüstungen und schwarzen Pistolen. Und ein grau-grüner Kerl mit schwarzer Rüstung, der einen merkwürdig hellgrünen Schlangenschutzschild trug, schien ihr Offizier zu sein. Evil-Seed hielt sich unauffällig in seiner Nähe, was Spikor beruhigte, ihm aber gleichzeitig bewusst machte, wie gefährlich diese Kaltblüter waren, wenn sogar das mächtige Pflanzenwesen lieber hinter als neben ihnen stand. In den Augen seiner Kameraden las er, dass viele seine Sorge teilten und sich fragten, ob man diesen Echsenmonstern denn wirklich trauen konnte. Eines jedoch war sicher: Dies war die stärkste Armee, die Skeletor je angeführt hatte! Und auf ein stummes Zeichen von ihm hin setzte sie sich in Bewegung. Der Marsch auf Grayskull hatte begonnen!

Die breite Schlachtlinie schob sich langsam zu den monotonen Klängen einer Trommel über das Hügelland, die, von Beast-Man mit einem großen Tierknochen geschlagen, den Zweck hatte, die Evil Warriors immer auf der gleichen Geschwindigkeit und somit in Formation zu halten. Einige Kämpfer redeten leise miteinander. Andere aßen oder tranken von ihrer Marschverpflegung, denn schließlich waren sie schon sehr lange unterwegs und würden vor der Schlacht auch keine Pause mehr bekommen. Geschwindigkeit war alles in Skeletors neuer Strategie, darum hatte er auf dem nächtlichen Eilmarsch bestanden, und deshalb gab es auch jetzt keine Rast. Die Kämpfer des Bösen würden etwa 12 Stunden Marsch hinter sich haben, wenn die Schlacht begann. Auf diese Weise, so der Plan, sollte gewährleistet werden, dass die Eternier keine Zeit hätten, um mehr als nur eine Handvoll Masters nach Grayskull zu schicken. Das würde gegen diese gewaltige Armee nicht ausreichen, und somit wäre die bevorstehende Schlacht ein sicherer Sieg, trotz der großen Erschöpfung der Männer. Blieb als letztes Hindernis der magische Schutzwall um die Burg, doch das war ein Problem für Zauberer, von dem einfache Krieger wie Spikor nichts verstanden. Sie würden ohnehin nicht in die Burg gelassen werden. Nur Skeletor selbst, seine Hexe Evil-Lyn und vielleicht noch der Anführer der Snakes würden die Burg tatsächlich betreten. Alle anderen könnten nach dem Sieg vor ihren Mauern ausruhen.

Je näher sie der Burg kamen, desto schweigsamer wurden die Krieger. Als sie nur noch etwa eine Meile entfernt waren, verstummten die Gespräche ganz, und man hörte nur noch das dumpfe Schlagen der Trommel, das Klappern der Rüstungen und das Stapfen schwerer Stiefel auf nassem Gras. Die Sonne näherte sich ihrem Zenit, die Temperatur stieg und die Nebelschwaden lösten sich auf. Einige Kämpfer begannen zu schwitzen, und auch denjenigen, die dies aufgrund ihrer Natur nicht konnten, sah man die Anstrengung deutlich an. Spikor hatte seine Feldflasche fast völlig leergetrunken und sich nur ein paar Tropfen für später aufgehoben. Gegessen hatte er nichts mehr, denn ein voller Bauch machte ihn meist schläfrig und träge. Er ging, genau wie Webstor und Tri-Klops, die anderen Offiziere, etwas vor der eigentlichen Kampflinie und spürte die Blicke seiner Männer auf sich ruhen. Deshalb wagte er auch nicht, zu den beiden hinüber zu blicken, denn er fürchtete, dies könnte in den Augen der Soldaten den Eindruck von Schwäche erwecken. Zwar hatte er schon kleine Trupps zu partisanenartigen Einsätzen ins gegnerische Hinterland geführt, doch noch nie zuvor war er Offizier einer Formation innerhalb einer großen Armee gewesen. Viel würde heute von seinen Entscheidungen abhängen. Er war verantwortlich! Wenn er einen Fehler machte, würden seine Leute vielleicht verlieren. Nein, heute wollte er He-Man besiegen, und dabei konnte er sich keine Schwäche erlauben. Würde alles glattgehen? Würde er die richtigen Entscheidungen treffen? Wieder kroch die Prophezeiung in sein Bewusstsein. Die Vorhersage, dass er den Berg der Macht besteigen und die Zeit besiegen würde. Ob diese Worte etwas mit der bevorstehenden Schlacht zu tun haben mochten? Er konnte diese Frage nicht beantworten. Stattdessen schritt er einfach immer weiter zu den Trommelschlägen voran, die Prophezeiung wieder in den Tiefen seines Gedächtnisses vergrabend. Tumm-tumm, tumm-tumm, links-rechts, links-rechts. Immer weiter trotz der Hitze. Trotz der Müdigkeit. Trotz der schweren Keule auf der rechten Schulter. Tumm-tumm, tumm-tumm, tumm-tumm. Bloß nicht stehenbleiben oder stolpern, das wäre peinlich für einen Offizier. Immer einen Fuß vor den anderen. Links-rechts, links-rechts. Spikor blinzelte gegen die Sonne, vor der sich Castle-Grayskull immer bedrohlicher als großer, schwarzer Schatten abzeichnete. Inzwischen waren vor der Burg einige Gestalten zu erkennen, die sich hastig bewegten, hin und her eilten und offenbar bemüht waren, eine Verteidigungsstellung aufzubauen. Erst, als die Evil Warriors auf etwa eine halbe Meile herangekommen waren, ließen sich die einzelnen Personen vor dem Burgtor genau identifizieren. Spikor zählte mehrmals nach, konnte aber nur He-Man, Man-at-Arms, Orko, Teela, Man-E-Faces, Extendar, Fisto, Mekanek und Ram-Man erkennen. He-Man ritt natürlich auf Battle-Cat, und Fisto saß auf einem Roboter, der fast genauso aussah wie Nightmare. Überrascht stellte der Schmied des Bösen fest, dass auch He-Man eine bessere Rüstung trug als sonst. Sie bestand statt der üblichen Gurte aus soliden Metallplatten auf Brust und Rücken. Dennoch waren es nur elf Verteidiger, und zwei davon waren im Grunde bloß Reittiere. Und ein weiterer, Orko, war nur ein schwächlicher, schwebender Wicht ohne Kampfkraft. Spikor grinste böse, als er im Takt der Trommel weiter vorrückte, denn diese Schlacht war tatsächlich so gut wie gewonnen! ?Mein ist die Rache!? flüsterte er mit Blick auf He-Man grimmig.

Als sie auf etwa 50 Schritte herangekommen waren, verstummte die Trommel plötzlich. Die Kämpfer des Bösen blieben stehen. Vor ihnen, auf halber Höhe zwischen ihrer Kampflinie und der Burg, hatte das Trüppchen Verteidiger einen Halbkreis gebildet und harrte der Dinge, die da kommen mochten. Skeletor löste sich aus der Formation. Auf Panthors Rücken näherte er sich dem Feind. Dabei ritt er ohne Zaumzeug und lenkte die Katze nur mit den Beinen, während er sich lässig mit der linken Hand am Sattelknauf festhielt und in der Rechten seinen Zauberstab trug, dessen oberes Ende vom Totenschädel eines Widders geziert wurde. Aufgrund der ruckartigen Bewegungen der Katze ruckte auch Skeletors Körper auf dem Rücken des Tieres recht abgehackt hin und her, als er dem Muskelspiel seiner Reitbestie folgte. Panthor fauchte bedrohlich, als er Battle-Cats Nähe spürte. ?Gib auf, He-Man! Du hast keine Chance!? rief Skeletor drohend über das Stückchen Wiese, das gleich zum Schlachtfeld werden würde. ?ICH werde der Meister des Universums sein!? ?Das wirst du nicht, du Teufel!? brüllte Man-at-Arms an He-Mans statt, doch Skeletor beachtete ihn gar nicht. Der Waffenmeister war unwichtig. Nur He-Man zählte. ?Skeletor?, sagte He-Man da ruhig, ?du wirst Castle Grayskull nicht näher kommen, als du es jetzt bist!? ?Das werden wir sehen, He-Man!? antwortete Skeletor ebenso ruhig. Wozu hätte er sich auch aufregen sollen? Es war alles gesagt. Nun würde das Schwert entscheiden. Man-E-Faces riss seine Strahlenkanone hoch und zielte auf Skeletor, doch der Herr der Zerstörung war schneller. Ein Blitz aus seinem Widderstab warf den Giganten mit den drei Gesichtern zu Boden. Darauf hatte He-Man nur gewartet. Er gab Battle-Cat die Sporen und die grüne Katze sprintete los. Mit einem gewaltigen Satz sprang sie an Skeletor vorbei und landete direkt auf Webstor, der damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Während der Kampftiger seine Reißzähne in dem quiekenden Spinnenmann versenkte, sprang sein Reiter vom Sattel herunter, zog das Zauberschwert und rannte auf die Evil Warriors los, mitten in ihre Formation hinein. Die Kämpfer des Bösen waren überrascht und reagierten zu langsam. Goat-Man bekam He-Mans Schwertgriff ins Gesicht geschlagen und sackte schmerzerfüllt zusammen, bevor er noch irgendetwas hätte tun können. Jitsu und Ninjor, die beiden hinterhältigen Brüder, reagierten am Schnellsten und versuchten, He-Man in die Zange zu nehmen, doch er tauchte unter ihren Hieben weg, schlug eine Rolle und kam vor Icer wieder auf die Beine. Dieser versuchte gleich, He-Man einzufrieren, doch ein Schlag mit dem Zauberschwert verwundete ihn an der Brust und lies ihn zurücktaumeln. Two-Bad schlug mit den Fäusten nach He-Man, doch der sprang zurück, sodass der Hieb ins Leere ging. Der grüne Schlangenmensch mit der roten Pistole, der inzwischen auf He-Man angelegt hatte, konnte seinen Schuss aber nicht mehr rückgängig machen, und so ging der Strahl an He-Man vorbei und traf Stinkor, der sich gerade von hinten an den Helden herangeschlichen hatte, mitten in den Oberschenkel. Keuchend ging der schwarz-weiße Monsterkämpfer in die Knie.

Spikor kam beim Zusehen der Gedanke, dass es klug von He-Man gewesen war, zuerst auf Webstor loszugehen, denn ohne ihren Offizier schafften es die Kämpfer der Hauptmacht nicht, ihre Attacken zu koordinieren. Auch die Zusammenarbeit von Skeletors Dämonen und den Snakemen klappte offensichtlich nicht besonders gut. Der Stärkste der Starken hatte es geschickt verstanden, die große Zahl der Evil Warriors gegen sie selbst zu richten. Doch der Überraschungseffekt war nun verpufft, Skeletor hatte sich wieder gefangen und rief: ?Zum Angriff!!!? Mit lautem Gebrüll stürmten nun alle Bestien der Finsternis vor. Die Hauptmacht ging fast geschlossen auf He-Man los, und die übrigen Masters griffen an, um ihm zu Hilfe zu eilen. Spikor konnte sich jetzt nicht mehr damit aufhalten, He-Man zu beobachten, denn seine Gruppe wurde ebenfalls attackiert. Der Schmied des Bösen sah Ram-Man mit gesenktem Kopf auf den rechten Flügel zu rennen. ?Stoppt ihn!? befahl er, und Mer-Man und Clawful rückten vor. Doch der mauerbrechende Titan war geschickter, als sein massiges Aussehen vermuten lies, und wich beiden Männern aus. Spikor, der im Eifer des Gefechts gar nicht daran gedacht hatte, dass er auch selbst gegen Ram-Man hätte antreten können, konnte nur noch zusehen, wie dieser mit voller Wucht gegen Nightmare prallte und dessen linkes Vorderbein arg verbeulte. Das Pferd geriet ins Stolpern und drohte zur Seite zu kippen, als Scare-Glow von hinten an Ram-Man herantrat und ihm mit seiner Hellebarde in die Kniekehlen schlug. Vor Schmerz brüllend ging Ram-Man zu Boden und Scare-Glow holte mit seiner Waffe aus, um ihm den Rest zu geben, als er sie plötzlich nicht mehr in der Hand hatte. Verwirrt sah das Skelett auf und stellte fest, dass Extendar seinen Arm um mehrere Meter verlängert, die Waffe gegriffen und weit weg aus Schlachtfels geworfen hatte. Sofort drangen Clawful und Mer-Man auf den weiß-goldenen Ritter Eternias ein, der aber nun nicht nur seinen Arm, sondern den gesamten Körper durch das Ausfahren diverser Cyborg-Elemente auf fast vier Meter Höhe vergrößerte. Spikor war nicht überrascht, denn die Evils wussten schon lange, dass Extendar dies konnte. Was sie aber nicht wussten, war, dass sich dabei auch Extendars Körperkräfte vervielfachten. So packte er den völlig verdutzten Mer-Man am Kragen, hob ihn hoch und warf ihn quer übers Schlachtfeld, wo er sich mehrmals überschlug und erstmal benommen liegen blieb. Clawful hatte den Cyborg ebenfalls unterschätzt und sich mit seiner großen Schere an dessen rotem Schutzschild verkeilt. Extendar aber drückte diesen Schild mit solcher Wucht gegen den Boden, dass dem Krebsmensch glatt die Luft ausging. Da sprang auch schon der rot-gelbe Snakeman vor und kletterte mit der den Reptilien eigenen Agilität an Extendars Rüstung hoch, um ihm in den Hals zu beißen. Entsetzt musste das Reptil feststellen, dass Extendars Hals ein von Drähten und Transistoren überzogenes Paneel war. Hier konnte kein Schlangengift der Welt wirken. Noch bevor die Echse ihre Strategie der neuen Situation anpassen konnte, hatte Extendar sie schon gepackt und ebenfalls aufs Schlachtfeld geschleudert, wo sie mitten in Two-Bad krachte und ihn zu Fall brachte.

Spikor registrierte geschockt, dass dieser einzelne Kämpfer gerade dabei war, die gesamte rechte Flanke der Evils aufzurollen, da erinnerte sich der Stachelkämpfer an seine Aufgabe: ER war hier der Offizier! ER musste die Sache entscheiden! In einem routiniertem Befehlston, der ihn sogar selbst überraschte, wies er Strongarm an, Nightmare zu reparieren. Dann wandte er sich an Scare-Glow und deutete auf Ram-Man, der wegen seiner durchgeschnittenen Kniesehnen nicht mehr laufen konnte, aber ansonsten noch völlig unverletzt war. ?Erledige ihn endlich!? ?Wie?? fragte das Skelett, denn es hatte schließlich keine Waffe mehr, und seinen Angstzauber konnte es schlecht einsetzen, wenn es nicht die ganze Armee des Bösen ebenfalls in Panik versetzen wollte. ?Erwürg? ihn meinetwegen, aber mach ihn endlich tot!? rief Spikor verärgert. Musste man sich denn um alles selbst kümmern? Auf diese Idee schien des Skelettkönig im Eifer des Gefechts gar nicht gekommen zu sein, doch nun machte er sich sofort ans grausame Werk. Extendar war inzwischen bedrohlich nahe gekommen und Spikor bereitete sich darauf vor, ihm persönlich gegenüber zu treten. Er schnippte mit den Fingern der linken Hand, und sofort reagierte Screeetch. Der blau-lilane Dämonenvogel stieß mit einem Schrei vom Himmel herab und verkrallte sich in Extendars Gesicht. Er zerkratze ihm die Haut und hackte nach den Augen, sodass der weiß-goldene Gigant ins Trudeln geriet. ?Bring ihn zu Fall!? brüllte Spikor zu Clawful, der sich gerade hinter Extendar wieder aufgerappelt hatte. Das lies sich das Krabbenmonster nicht zweimal sagen. Ein Hieb mit der Keule auf das Bein des Helden verursachte zwar nur ein metallisches Scheppern und eine Delle in Extendars Panzerung, doch dann packte Clawful ihn an der linken Hand und begann, mit seiner riesigen Schere die künstliche Verlängerung zwischen Hand und Oberarm durchzuschneiden. Extendar, der immer noch versuchte, Screeetch aus seinem Gesicht zu entfernen, kreischte vor Schmerz und hob den noch freien, rechten Arm, um Clawful niederzuschlagen. Das war Spikors Chance! Er sprang vor und rammte seinen Dreizack genau in die ungepanzerte Achselhöhle des Helden. Sofort flogen Funken und der Arm sackte leblos zu Boden. Spikor hatte die Energieversorgung gekappt. Nun war Extendar wehrlos, denn er konnte nichts mehr sehen und seine beiden Arme waren ausgeschaltet. Der Riese versuchte zu fliehen, doch da er blind war, konnte Clawful ihm leicht ein Bein stellen und der Held stürze zu Boden. Skeletors rotes Krabbenmonster war sogleich über ihm und begann, nun auch das Verlängerungsglied am Hals zu durchtrennen.

Spikor aber kümmerte sich nicht weiter um Extendar. Der weiße Ritter war besiegt! Der Schmied des Bösen nahm sich nicht die Zeit, sich auf dem Schlachtfeld umzusehen, sondern blickte nach vorne und stellte überrascht fest, das sich kein einziger Verteidiger mehr zwischen ihm und Castle-Grayskull befand. Sollte er tatsächlich der erste Evil-Warrior sein, der die Burg der Zeitlosen erreichte? Langsam, ja schon fast bedächtig, schritt er auf die verwitterte grüne Mauer zu. Er registrierte kaum, dass der Schlachtlärm inzwischen schon merklich nachgelassen hatte. Er sah nur den Sieg vor sich! Er hatte gewonnen! Tatsächlich gewonnen! Er hatte Eternia erobert! Und wenn er nun selbst in die Burg eindringen würde? Wenn er, Spikor, die Macht von Grayskull erbeuten würde? Dann würde ER der Meister des Universums sein! Fiebrig vor Erwartung setzte er einen Fuß vor den anderen. Nur noch drei Meter. Nur noch zwei Meter. Wo war der magische Schild? War er etwa schon gefallen? Vielleicht während des Kampfes ausgeschaltet von weiß-Gott-wem und aus wer-weiß-welchem Grund? Es war egal, denn nur das Ergebnis zählte! Spikor würde der neue Stärkste der Starken sein! Er streckte die linke Hand aus, um die alte Mauer zu berühren! Das Gefühl des Triumphes überwältigte ihn! Er sah seine Hand zittern und seine Lippen beben. Macht! Grenzenlose Macht! Da wurde er plötzlich am Oberarm berührt. Unwillig blickte er sich um, denn die Berührung war nicht die eines Feindes gewesen. Er sah in Whiplashs Drachenaugen. Der grüne Monsterkämpfer sagte in ruhigem Tonfall: ?Rückzug!? und Spikor überkam das Gefühl eines Déjà-vu. Er erinnerte sich daran, als sie vor den Mauern von Eternis gestanden hatten und er es gewesen war, der Whiplash auf die Schulter getippt und ihm ?Rückzug? gesagt hatte, als dieser ganz gefangen gewesen war von seinem Kampf gegen Man-at-Arms. Damals hatte er Whiplash vor der Gefangenschaft bewahrt, und seitdem waren sie Freunde. Der Drachenkämpfer würde ihn nicht aus Spaß aufhalten, soviel war sicher. Spikor drehte sich zum Schlachtfeld um. Die Dämonen des Bösen flohen tatsächlich in alle Richtungen. Warum, das konnte Spikor sich nicht vorstellen. Es war doch alles so gut gelaufen! Und nun sollte es vorbei sein? Die Snakes kämpften zwar noch (?Was für kriegstolle Bestien!? dachte Spikor bewundernd), doch allein würden sie nur noch Minuten standhalten können. Die Masters konzentrierten sich jetzt auf Spikors Männer von der rechten Flanke, die als einzige noch ihre Stellungen hielten. Die Verteidiger Eternias hatten die Bösen von den Verwundeten Helden abgedrängt und versuchten nun, sie zu umzingeln. Spikor registrierte unbewusst, dass seine Leute die einzigen gewesen waren, die es geschafft hatten, den Gegnern nennenswerte Verletzungen beizubringen, denn außer Ram-Man und Extendar, die beide noch lebten, da die Hilfe gerade noch rechtzeitig eingetroffen war, waren alle Masters noch auf den Beinen. Die Schlacht war verloren! Aus und vorbei! Wie hatte das passieren können? ?Rückzug!? brüllte er seinen Leuten entgegen, und Screeetch flog sofort zum Waldrand zurück. Die anderen gruppierten sich um Nightmare, der zwar arg humpelte, aber immerhin überhaupt von Fleck kam ? nach Ram-Mans Treffer war das keine Selbstverständlichkeit. Spikor sah Webstor, Stinkor und Goat-Man verletzt am Boden liegen. Sie wurden von Mekanek bewacht. ?Wir können sie nicht zurücklassen!? schoss es dem Schmied durch den Kopf und er rief Whiplash zu: ?Nimm sie mit!? Der Drachenkämpfer packte den Evil, der ihm am Nächsten war, auf die Schulter und trug ihn zu den anderen. Es war Stinkor. Die anderen zwei waren zu weit entfernt. Ihnen war nicht mehr zu helfen. Nun gaben auch die Snakemen auf und flohen, und Spikors Gruppe folgte ihnen auf dem Fuße. Die Masters verfolgten sie nicht, da sie die Gefangenen bewachen und sich um ihre beiden Schwerverletzten kümmern mussten. Außerdem waren sie nach der harten Schlacht auch erschöpft.


Keuchend und völlig erschöpft erreichten Spikor und Whiplash den Waldrand. Von den Snakes war nichts zu sehen, vermutlich waren sie schon wieder auf dem Weg nach Hause, in die südlichen Urwälder. Auch die Evil Warriors waren nicht mehr da. Sie waren einfach geflohen, ohne sich um ihre zurückgebliebenen Kameraden zu kümmern. Die mächtige Armee der Finsternis existierte nicht mehr! Nur Mer-Man wartete am Waldrand, er wollte wohl Clawful nicht alleine lassen. Spikor zählte durch. Seine Truppe war vollständig, plus Whiplash und den immer noch bewusstlose Stinkor. Grimmig blickte er zurück nach Grayskull. Er war so nahe dran gewesen! ?Wer war das?!? schrie er wütend. ?Wer hat mich um den Sieg gebracht?!? ?Wir waren es nicht? hob Clawful beschwichtigend die Hände, denn er war es gewohnt, dass einfache Leute wie er für solche Fehlschläge zur Verantwortung gezogen wurden. ?Die Hauptmacht ist nach He-Mans Angriff total zusammengebrochen? berichtete Whiplash, der dabei gewesen war. ?Skeletor hat sich nicht weiter um den Kampf gekümmert, weil er den Schutzschild der Burg ausschalten wollte, und Webstor hat es gleich am Anfang erwischt. Danach brach das Chaos aus. Der eine Snakeman, der mit dem hellgrünen Schild, hat versucht, das Kommando zu übernehmen, aber Evil-Seed hat ihm den Gehorsam verweigert. Als dann die anderen Masters dazukamen, war nichts mehr zu retten.? ?Die linke Flanke hat so gut wie gar nicht mitgekämpft? schimpfte Mer-Man, der nach seinem Zusammenstoß mit Extendar in der Nähe dieser Truppe gelandet war. ?Trap-Jaw und Beast-Man wollten eingreifen, aber Skeletor hat ihnen befohlen, ihm den Rücken freizuhalten, damit er ungestört zaubern kann.? ?Das muss wohl geklappt haben, denn der Schild um die Burg war weg? dachte Spikor, der Castle-Grayskull ja beinahe berührt hätte, ?aber dafür hat Skeletor scheinbar nicht richtig mitgekämpft. Er hat sich wohl zu sehr auf seinen Zauber konzentriert.? ?Sowas darf nicht passieren?, sagte Scare-Glow, ?er hätte sich erst um die Schlacht kümmern müssen!? Betreten schwiegen die anderen. Sie wussten aus eigener, schmerzvoller Erfahrung, dass es nicht klug war, Skeletor einen Fehler vorzuwerfen, egal, ob dieser Vorwurf berechtigt war oder nicht. Spikor hatte diese Erfahrung noch nicht gemacht. Er sagte: ?Du hast recht! Es ist seine Schuld, dass wir heute verloren haben! Es ist seine Schuld, dass Webstor und Goat-Man gefangen wurden! ER HAT VERSAGT!? Schockiert blickten die anderen ihn an. Hatte der Schmied diese Worte wirklich laut ausgesprochen? Clawful duckte sich schon aus Reflex, weil er einen Energiestrahl seines wütenden Meisters befürchtete. Aber es kam kein Energiestrahl. Niemand bestrafte Spikor für diese Blasphemie! Alle sahen sich um, und es schien, dass sie erst jetzt registrierten, dass Skeletor diese Worte überhaupt nicht gehört hatte. Weil er gar nicht mehr hier war! Weil er auch geflohen war! Spikor war nicht geflohen! Er hatte sich dem Feind gestellt und tapfer gekämpft! Sie sahen den Stachelkämpfer an. In ihren Blicken war Furcht zu lesen, aber auch Ehrfurcht und Erwartung. Was würde geschehen?

Scare-Glows Augen schienen rot zu leuchten, als er auf Spikor zuschritt. ?DU hast heute am Besten gekämpft!? Strongarm glaubte, in Scare-Glows Totengesicht Hinterlist aufblitzen zu sehen, doch er vergaß den Gedanken sofort wieder. Scare-Glow wandte sich an die anderen: ?Ich finde, Spikor sollte uns in den Kampf führen! Dann würden wir gewinnen! Ganz sicher!? Nun glaubte Whiplash, in Scare-Glows Tonfall Berechnung gehört zu haben, doch auch er vergaß es sofort wieder. ?Wenn sie wüssten, dass Angst nicht meine einzige Magie ist? dachte Scare-Glow heimtückisch und wirkte weiter seinen anderen, roten Zauber. Ungläubigkeit machte sich auf den Gesichtern von Mer-Man und Clawful breit. War das tatsächlich ein Aufruf zur Meuterei? Gespannt sahen sie zu Spikor. Der war nicht weniger überrascht als sie. Aus ihm hatte die Wut des Augenblicks gesprochen, der Ärger über die unverdiente Niederlage. An so etwas hatte er nicht gedacht! Er sah Scare-Glow in die Augen, und es schien ihm, als ob sie kurz rot aufblitzen würden. Er vergaß es sofort wieder und dachte sich nun: ?Warum eigentlich nicht? Ich bin der beste Kämpfer! Ich habe heute sogar besser gekämpft als Skeletor! Und ich habe besser geführt! Ich habe es verdient, der Anführer zu sein!? Laut sagte er: ?Du hast recht! Unter meinem Kommando wird es keine Niederlagen geben! Ich werde Eternia erobern und He-Man endlich töten!? Strongarm und Whiplash konnten sich trotz Scare-Glows Magie des Gefühls nicht erwehren, dass ihr Freund da gerade in eine Falle tappte. ?Aber du hast doch gar keine Armee!? sagte der Drachenkämpfer. ?Nur uns paar Leute, das reicht nicht!? ergänzte der Mann mit dem Maschinenarm. ?ICH habe eine Armee!? triumphierte Scare-Glow. Alle, auch Spikor, sahen ihn verdutzt an. Obwohl er keine Gesichtszüge mehr hatte, konnte man doch leicht erkennen, wie sehr Scare-Glow diesen Moment genoss, als er ausführte: ?Die Armee meines Königreichs. Die Armee von Galirad!? Er wandte sich an Spikor: ?Sei mein General und befehlige diese Armee, und gemeinsam werden wir Eternia versklaven! Niemand wird uns aufhalten können!?

Dem Schmied ging ein Licht auf. Deshalb hatte Scare-Glow also seine wahre Herkunft verschwiegen! Deshalb hatte das Skelett allen erzählt, er wäre nur ein einfacher Soldat Galirads gewesen, obwohl er König Baldur persönlich war! Scare-Glow hatte das von Anfang an geplant! Spikor sah den antiken Knochenkönig an und hatte erneut kurz den Eindruck, als leuchte das Skelett rot auf. Der Farbschimmer war aber sofort wieder verschwunden und im Nachhinein war Spikor sich nicht sicher, ob er ihn wirklich gesehen hatte. Er erinnerte sich auch nicht mehr daran, dass er eben noch gedacht hatte, Scare-Glow habe dies alles von langer Hand geplant. Stattdessen kam ihm in den Sinn, was für ein glücklicher Zufall es war, der ausgerechnet ihn, Spikor, in den Ruinen von Galirad auf Scare-Glow treffen lies. Zusammen würden sie Eternia erobern, daran bestand überhaupt kein Zweifel! Skeletor hatte Spikor nie die Chance gegeben, eine ganze Armee zu befehligen, aber heute hatte er bewiesen, dass er es konnte! Besser sogar, als jeder andere von den Evil Warriors! Er würde He-Man besiegen und seine Rache vollenden! Und er würde sich den Traum erfüllen, den er jenseits dieser Rache hatte: Macht! ER würde herrschen! Er, ein einfacher Schmied, den alle immer nur ausgelacht hatten! Er würde der König sein! Na gut, Scare-Glow war der König von Galirad, aber wenn sie erst einmal ganz Eternia erobert hatten, würde genug übrig bleiben, damit Spikor auch ein großes Reich regieren könnte. Plötzlich erinnerte er sich wieder an die Prophezeiung. War DAS damit gemeint gewesen? Oder hatte das Mädchen ihn vor genau dieser Sache gewarnt? Er sah wieder zu Scare-Glow und hatte erneut kurz den Eindruck, als ob das Skelett rötlich leuchten würde, doch er vergaß es sofort wieder. Er blinzelte, und das Leuchten war weg, und auch die Erinnerung an die Prophezeiung war wieder in den Tiefen seines Gedächtnisses verschwunden. ?Ich schlage ein!? sagte er laut und deutlich, ?Ich werde die Armee von Galirad zum Sieg führen!?

Zufrieden blickte Scare-Glow in die Runde. Auch den anderen war, als ob er kurz rötlich geschimmert hätte, doch sie vergaßen es und riefen: ?Es lebe der König von Galirad! Hoch! Hoch! Hoch!? Scare-Glow grinste sein Totenkopf-Grinsen. ?Wer glaubt, dass der Angstzauber mein stärkster Zauber ist, weiß gar nicht, wie sehr er sich täuscht!? dachte er selbstgefällig. ?Und wenn ich erst mein Zepter wieder habe, wird mir keiner mehr widerstehen können!?
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