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Fan-Fictions
SPIKOR
Army of Immortals
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| SPIKOR Army of Immortals |
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Ein sichelförmiger Mond warf ein fahles Licht auf den staubigen Pfad, der sich heckengesäumt zwischen Feldern hindurch schlängelte und hier, kurz vor dem Waldrand, einen kleineren Weg kreuzte, der im Unterholz gut versteckt und kaum zu erkennen war. Draußen aus dem Gebüsch neben dem Feld ertönte der Ruf eines Kauzes, der um diese Zeit auf Mäusejagd war. Und drinnen, aus den finsteren Tiefen des dichten Waldes, erklang ein undefinierbares Rauschen, ein Knacken von Ästen und Raunen von nachtaktiven Tieren. Die Geräusche vermischten sich und bildeten eine leise, heimliche Kulisse, vor der sich jeder von einem Menschen verursachte Ton deutlich abheben musste. Doch die beiden Männer verursachten keinen Laut. Völlig regungslos standen sie im Zwielicht zwischen den Bäumen, nur ein paar Meter hinter dem Waldrand, und doch schon völlig verborgen im Gewirr gespenstischer Schatten. Ihre schwarzen Augen starrten, ohne zu Blinzeln. Ihre schwarzen Haare waren zu Zöpfen zusammengeknüpft. Ihre braungebrannte, dunkle Haut ließ sie fast völlig unsichtbar werden neben den nachtschwarzen Baumstämmen. Und wenn sie sich doch bewegten, so erzeugten sie dabei kein Geräusch, denn sie gingen barfuß und waren nur mit einfachen Lendenschurzen bekleidet. Um die Hüften hatten sie lederne Gürtel geschlungen, an deren Seiten kurze, bronzene Schwerter befestigt waren. Es waren ihre einzigen Waffen. Die Männer waren schlank, ja schmächtig, ohne jede Körperbehaarung, dafür von Kopf bis Fuß mit merkwürdigen, fremdartigen Mustern tätowiert, und sie waren deutlich kleiner als jene Männer, die in diesem Wald und auf den Feldern davor zu Hause waren. Sie waren Bewohner des Vine-Jungles. Sie waren das Volk von Galirad. Fast wie Kinder wirkten sie, klein und haarlos, wie sie waren. Doch ihre Augen waren hart und entschlossen. Tausend Jahre lang hatten sie wie Steinzeitnomaden im Urwald gelebt, waren mit ihren Sippen umhergezogen und hatten mit Speeren oder Blasrohren Affen und Wildschweine gejagt. Und sie hatten sich abends am Lagerfeuer die alten Legenden erzählt. Die Legenden von der goldenen Stadt Galirad und ihrem mächtigen König Baldur. Die Legenden ihrer Vorfahren! Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht in den letzten Monaten unter den Dschungelstämmen verbreitet: König Baldur von Galirad war zurück und rief sein Volk zu sich! Und sie waren gekommen! Von überall her strömten die Menschen des Waldes in den Meteoritenkrater, der Galirad als natürliche Festung diente, und verneigten sich vor ihrem schönen König, dessen wahre Natur, ein abstoßendes Gerippe, durch sein magisches Zepter vor ihren Sinnen verschleiert wurde. Er wirkte wunderschön in ihren Augen. Seine Herrlichkeit überstrahlte alles! Er war wie ein Gott für sie! Sie waren bereit, für ihn zu sterben. Und sie waren, so klein sie auch sein mochten, keineswegs schwach. Das Leben im Dschungel war kein Kinderspiel, und nur die Stärksten hatten dort eine Zukunft. Drahtig und schnell waren sie, die Galirads, wie sie sich selbst nannten, nun, da sie wieder EIN Volk geworden waren. Und zäh waren sie auch! General Spikor hatte sich beim Training mehrmals bewundernd darüber geäußert, wie viel diese kleinen Kerle einstecken konnten. Sie kämpften solange, wie sie noch Kraft in ihren Armen hatten, und wie schwer sie auch verwundet sein mochten, nie drang ein Wimmern oder ein Schmerzensschrei über ihre Lippen. Sie schienen überhaupt keinen Schmerz zu kennen! Und so standen sie nun hier, in diesem Wald, der ihnen so fremd war, und warteten. Seit Stunden schon, ohne Anzeichen von Müdigkeit. Ohne sich zu beschweren. Still, schnell und tödlich. Spikor war sehr zufrieden mit seinen Soldaten.
In den letzten Monaten war seine Armee fast täglich gewachsen. Immer nur um ein paar Männer zwar, aber stetig und unaufhaltsam. Inzwischen wohnten schon wieder gut Tausend Menschen in den Ruinen, die einst Galirad waren, und die Aufräumarbeiten an den alten Häusern und Straßen machten gute Fortschritte. Die kleinwüchsigen Waldmenschen waren tüchtige Arbeiter. König Scare-Glow hatte ein altes Waffenlager geöffnet, das damals, bei der Zerstörung der Stadt durch die Truppen Grayskulls, magisch versiegelt und dessen Inhalt so vor dem Zahn der Zeit geschützt worden war. Wie einst trugen die Männer Galirads nun wieder ihre kurzen Bronzeschwerter, ihre leichten Helme und Schilde (ebenfalls aus Bronze) und Schuppenpanzer, etwa knielange, kurzärmelige Lederhemden, die mit kleinen, überlappenden Bronzeplatten beschlagen waren. Arme und Beine wurden mit Schienen geschützt. Es war eine Armee mit antiker Ausrüstung. Keine Schusswaffen, und die Bronze war schwächer als das Eisen, welches moderne Streitkräfte benutzten. Aber es war Spikors Armee! Ihr Kampfgeist und ihre Zähigkeit waren fast grenzenlos, und obwohl sie bisher nur den Kampf Mann gegen Mann gewohnt gewesen waren, hatte er es geschafft, sie beim Training in Formation zu bringen und auch zu halten. Sie marschierten jetzt in mehrreihigen Schlachtlinien und bildeten eine Phalanx mit überlappenden Schilden. Aber sie waren noch zu wenige! Deshalb war der General heute Nacht hier an diesem Wegkreuz. Er wollte sich Verstärkung verschaffen. Wieder blickte er ungeduldig hinaus auf den Feldweg. Wo blieb dieser Kerl? Spikor hasste es, zu warten. Dabei war er früher so geduldig gewesen, und wenn es um den Kampf ging, dann war er es immer noch. Aber diese Art von Warten, wie sie ihm hier abverlangt wurde, die ärgerte ihn, denn schließlich war er jetzt der General von Galirad. Es gehörte sich einfach nicht, ihn warten zu lassen! Dennoch konnte der ehemalige Schmied die Vorsicht des Mannes verstehen, mit dem er hier, an diesem dunklen und abgelegenen Ort, zusammentreffen wollte. Es war die Vorsicht eines Mannes, der aus Erfahrung klug geworden war. Und genau deshalb wollte Spikor ihn anheuern, denn Galirad brauchte solche Leute. Wenn Whiplash mit seiner Mission Erfolg hatte, dann würden zwar auch die Snakemen nach Galirad kommen, um für König Scare-Glow zu kämpfen, doch wer wusste schon, wie viele Schlangen es überhaupt noch gab? Und verlässlich schienen sie Spikor ohnehin nicht zu sein. Sicher, wer dringend Männer brauchte, durfte nicht wählerisch sein, und der Stachelkämpfer würde durchaus Verwendung für die Schlangenkrieger haben. Aber wirklich bauen wollte er nicht auf sie! Da trat ein Mann aus dem Schatten der Hecke mitten auf das Wegkreuz. Das Mondlicht ließ seine Glatze schimmern, und sein Kettenhemd glitzerte wie ein Abbild des Sternenhimmels über ihm. Es war aber nur ein kleines Kettenhemd, der größte Teil der Schutzkleidung des Mannes war aus Leder. Seine blasse, im Mondlicht noch bleicher wirkende Haut bildete einen scharfen Kontrast zu der schwarzen Augenklappe, die er über dem linken Auge trug. Selbstsicher sah er sich um. Spikor nickte seinen beiden Soldaten kurz zu, dann trat er hinaus zu dem Fremden auf den Feldweg. Kein Laut war zu hören, die Tiere waren verstummt. Die ganze Welt schien in gespannter Erwartung zu verharren. Spikor war ohne seine Keule nach draußen getreten, hatte aber seinen Dreizack um den linken Arm geschnallt. Der Mann schien zahlreiche Messer zu tragen, seine Hauptwaffen waren aber zwei lange, schmale Schwerter. Angeblich konnte er sie gleichzeitig führen. Die beiden Kämpfer musterten sich eine Weile schweigend. ?Ihr seid Spikor, nehme ich an?? fragte der Fremde. ?General Spikor!? betonte der Angesprochene. Der Fremde sagte nichts. ?Und ihr müsst Blade sein?? stellte Spikor nach einer kurzen Pause fest. ?Hauptmann Blade!? meinte der andere. Diesmal entgegnete Spikor nichts. Wieder sahen beide sich an, schätzen den anderen ein, überlegten. War das ein guter Partner für das Geschäft, das beide vorhatten? Spikor sprach wieder: ?Seid ihr auch so gut wie euer Ruf?? Der Fremde grinste und zog beide Schwerter, mit jeder Hand eines. ?Findet es heraus!? Spikor war schon versucht, ihn anzuspringen, doch dann fiel ihm ein, dass er dies ja als General nicht mehr nötig hatte. Er schnippte mit den Fingern, und pfeilschnell und völlig lautlos glitten die beiden Galirads aus dem Gebüsch, die Schwerter gezogen. ?Eine Falle!? schrie Blade, und augenblicklich trat ein großer, bärtiger Mann hinter einem Baum am Wegrand hervor und zielte mit einer kleinen Pistole auf die beiden Dschungelkämpfer. ?Aber nein, nur ein Test.? beschwichtigte Spikor. ?Zeigt, was ihr könnt!? Einen Moment lang blickte Blade unsicher zwischen seinem Schützen und den beiden kleinen, knabenhaften Galirads hin und her, dann befahl er, nicht zu schießen, und trat an seine Gegner heran. ?Wär doch gelacht, wenn ich mit den zwei halben Portionen nicht fertig werde!? brummte er und griff an. Doch die beiden Waldbewohner schlugen sich prächtig, arbeiteten gut zusammen und suchten immer wieder gezielt nach Schwächen in Blades Deckung. Der stumme Kampf dauerte nur ein paar Minuten, dann gelang es Blade, einen Feind zu entwaffnen. Als er ihm sein Schwert an die Kehle hielt, war der andere aber zur Stelle und richtete seine Waffe auf Blades Seite. Ein Patt! Oder etwa nicht? Spikors Blick folgte dem des zweiten Galiradkämpfers, der Blade im Rücken angegriffen hatte. Das zweite Schwert des Söldners war auf seinen Bauchnabel gerichtet. Der Glatzkopf hatte sie beide gleichzeitig besiegt! ?Das reicht!? befahl Spikor, und sofort ließen die beiden von Blade ab. ?Gut, ihr habt mich überzeugt, Hauptmann!? gab er zu. ?Lasst uns ein Geschäft abschließen.? ?Gerne? meinte der angesprochene und steckte seine Schwerter weg. ?Ich hab? eine komplette Kompanie, 150 Mann, alles erfahrene und mutige Burschen, voll ausgerüstet und mit ihren eigenen Offizieren. Was bietet ihr dafür?? Spikors gelbe Augen blitzten, als er von seinem Gürtel ein Beutelchen löste und es Blade zuwarf. ?Drei Tonnen davon! Für 6 Monate!? Spikor wusste, dass Galirads Schatzkammern immer noch voll waren. Zur Not könnte man die riesigen Türen zu Scare-Glows Thronsaal verkaufen. Es war auf jeden Fall noch viel mehr da. Blade öffnete das Päckchen, blickte kurz hinein und sah dann wieder zu Spikor. Noch breiter als vorher grinsend erklärte er: ?Das reicht. Ihr habt soeben die ?Schwarze Bruderschaft? angeheuert! Eine gute Wahl, General!? Eine Woche später rückten die 150 Söldner der ?Schwarzen Bruderschaft? in Dreierreihen einen engen Dschungelpfad entlang vor. Sie stiegen hinauf in schwindelerregende Höhen, vorbei an klaffenden Schluchten und durch Schlupflöcher, die in dem dichten Blattwerk kaum zu erkennen waren für jemanden, der hier nicht zuhause war. Doch die beiden Galirads, die Spikor mitgenommen hatte, waren hier aufgewachsen und fanden ihren Weg mit traumwandlerischer Sicherheit zurück in ihre Heimatstadt. Immer höher ging es, bis man schließlich den schmalen Grat erreichte, der den Kraterrand markierte. Dort oben standen eine Handvoll anderer Galirads Wache und beobachtete schweigend die Söldner bei ihrem beschwerlichen Abstieg ins Tal. Zwischen beiden Gruppen bestand, wenn man sie so direkt nebeneinander stehen und gehen sah, ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Die Galirads, klein und drahtig, glitten wie Geister durch den Urwald in ihrer leichten Kampfausrüstung. Die Söldner, große, muskelbepackte Burschen mit langen, offenen Haaren und dichten Vollbärten, die nicht selten bis zum Gürtel reichten, litten unter der feuchten Hitze und wuchteten ihre massigen Körper durch den grüne Hölle. Doch sie waren zweifellos mächtigere Kämpfer als die Galirads, nicht nur wegen ihrer viel größeren Körperkraft. Auch ihre ganze Ausrüstung war hochwertiger. Jeder Söldner trug eine robuste, von Blut und Feuer geschwärzte Lederkleidung, die mit Eisenteilen beschlagen oder mit Kettenhemden überzogen war. Auch ihre Helme waren aus eisenbeschlagenem Leder und mit einem Nasenschutz versehen. Sie hatten alle schwere Eichenschilde und, neben Dolchen und ähnlichen Waffen, große Äxte für den Nahkampf. Es war keine Schützenkompanie, aber fast alle hatten kleine Pistolen dabei, fürs Handgemenge. Die ?Schwarze Bruderschaft? war eine klassische Formation schwerer Infanterie. Zusammen mit den schnellen und ortskundigen Galirads würden sie eine schlagkräftige Armee formen, wenn auch die Zuverlässigkeit von Söldnern im Allgemeinen nicht besonders hoch war. Doch sie würden bleiben, solange die Bezahlung stimmte, und Gold gab es in Galirad schließlich reichlich! Als sie den engen Saumpfad in die Stadt hinunter stiegen, meinte Blade, der sich die halb verfallenen Befestigungen Galirads im Vorbeigehen ansah: ?Gut zu verteidigen!?, doch Spikor antwortete ihm nur: ?Leicht zu belagern!? Der Söldner runzelte die Stirn, entgegnete aber nichts. Sie waren den Abhang etwa halb hinunter gegangen, als Stinkor ihnen entgegenkam. Leicht außer Atem begrüßte er Spikor, doch der nickte ihm zwar zu, blieb aber nicht stehen und wurde auch nicht langsamer. Stinkor, der den General an sich hatte vorbeiziehen lassen, musste sich jetzt beeilen, um noch mit ihm Schritt halten zu können, und stieß, durch die Eile und die klamme Hitze erschöpft, die ihn wegen seines dichten Fells besonders belästigte, seinen Bericht hervor: ?Ich sehe, Ihr wart erfolgreich, General! Ich beglückwünsche Euch dazu!? Da Spikor auf derlei Speichelleckereien nicht einging, sprach er nach kurzer Pause weiter. ?Auch Commander Whiplash hatte Glück. Er kam letzte Woche mit der gesamten Schlangenstreitmacht hier an.? Diese Nachricht erregte nun Spikors Aufmerksamkeit, und ihm Weitergehen fragte er das Stinktier: ?Wie viele Männer?? Der Schwarzweiße wurde kleinlaut, doch als Spikor ihn scharf ansah, flüsterte er: ?Leider nur neun, den König mitgerechnet.? ?Nur neun!? Spikor war stehen geblieben und starrte Stinkor wütend an. ?E-e-es sind einfach nicht mehr übriggeblieben, nach so langer Zeit!? stotterte dieser entschuldigend. ?Aber sie haben alle gewaltige Kräfte, und einige von ihnen können Zaubern! Und sie haben riesige Reittiere mitgebracht, Kampfechsen aus den Tiefen der Wälder! Außerdem hat Master Strongarm die Roboter repariert, sie sind alle wieder einsatzbereit!? fügte er noch schnell hinzu. Spikor schnaubte nur und setzte seinen Weg in die Stadt jetzt noch schneller fort. Er grummelte eine Weile wütend vor sich hin, dann befahl er Stinkor und Blade: ?Lasst die Söldner sofort in der Stadt Quartier nehmen, und morgen früh will ich, dass alle Truppen auf dem großen Platz in voller Ausrüstung zur Inspektion antreten. ALLE, ist das klar?? ?Jawohl, Sir!? riefen beide im Chor. Während die Söldner einquartiert wurden und ein Abendessen erhielten, tigerte Spikor im Innenhof des königlichen Palastes hin und her. Die zerstörte Statue der nackten Frau, die immer noch mitten im Springbrunnen im Zentrum dieses Platzes stand und ihn sonst immer daran erinnerte, wie er damals zum ersten Mal diesen Säulenhof betreten hatte, bemerkte er diesmal gar nicht. Zu tief hatte ihn die Nachricht erschüttert, dass die paar Snakemen, die seinerzeit Skeletor beim Angriff auf Grayskull unterstützt hatten tatsächlich die letzten ihres Volkes sein sollten. Womit sollte er nun Galirad verteidigen? Mit den paar hundert Einheimischen, die noch dazu nur veraltete Bronzewaffen hatten? Die 150 Söldner, die er eben mitgebracht hatte, reichten bei weitem nicht aus, um die Lücken zu schließen. Vor allem fehlte es an Flugzeugen, Panzern, Kanonen und überhaupt an Feuerwaffen aller Art. ?So kann ich nicht arbeiten!? rief er König Scare-Glow zu, als dieser gerade die offen stehenden goldenen Torflügel passierte, die den Innenhof von seinem Thronsaal abschirmten. ?Ich brauche mehr Zeit, um die Armee aufzustellen, Scare-Glow!? ?KÖNIG Scare-Glow!? verbesserte dieser, und als Spikor keine Anstalten machte, sich zu korrigieren, wies das Gerippe ihn zurecht darauf hin, dass er selbst es gewesen war, der auf einer Einhaltung der allgemeinen Formen bestanden hatte, um endlich von allen mit ?General? und ?Sir? angesprochen zu werden. ?Schon gut, schon gut? beschwichtigte Spikor und tat seinem Herrn den gefallen, ihn mit ?Majestät? zu titulieren. Der ehemalige Schmied war die Nummer 2 in dieser Stadt, und es schmerzte ihn immer wieder, wenn sein einziger Vorgesetzter ihn daran erinnerte. Bevor der Stachelkämpfer aber wieder zurück zum eigentlichen Grund seiner Aufregung kommen konnte, trat noch eine Person aus dem Thronsaal ins rötliche, warme Licht der schräg einfallenden Abendsonne. Spikor blieb das Wort im Halse stecken, als er sah, wie das Abendrot die blasse Haut golden färbte. Schwarze Augen blickten ihn voller Wärme an (oder war diese Wärme nur eine Täuschung durch die Sonne?), und ein Lächeln flog über die Lippen, als ihr Blick den seinen traf. Evil-Lyn! Die Hexe Skeletors, die Spikor vor so langer Zeit gerettet hatte, der er alles verdankte, was er heute war, sogar sein Leben! Sie war gekommen, um ihn zu sehen! Scare-Glow blickte zwischen dem General und der Hexe hin und her, und wäre sein ewig gleiches Totenkopfgrinsen nicht ohnehin auf seinem Antlitz festgemeißelt gewesen, er hätte wohl gelächelt, als er sich wieder in den Thronsaal zurückzog und die beiden sich selbst überließ. ?Warum bist du gekommen?? fragte Spikor die schöne Frau in der knappen, dunklen Lederrüstung. ?Hat Skeletor dich etwa gehen lassen?? ?Nein, Skeletor weiß nichts davon. Ich habe mich heimlich hierher geschlichen, um dich zu sehen.? meinte die Hexe, deren Alter Spikor unmöglich schätzen konnte. Sie sah aus wie Anfang 30, doch womöglich war sie schon viele hundert Jahre alt und ihr Äußeres beruhte nur auf Zauberei. ?Mich sehen?? ?Nun ja, auf Snake-Mountain gibt es kein anderes Gesprächsthema als euch! Noch nie zuvor hat es jemand gewagt, Skeletor zu verraten. Und ihr habt es nicht nur versucht, sondern sogar geschafft. Er hat nicht vor, euch anzugreifen. Ihr kommt tatsächlich durch mit eurer Rebellion!? ?Hat er Angst vor uns?? fragte Spikor mit einem Anflug von Stolz. ?Nein, das nun nicht, aber er will sich nicht zwischen euch und seinem Bruder auftreiben lassen. Du weißt ja, ein Krieg zwischen drei Parteien ist kompliziert.? Sie gingen, während sie so sprachen, aus dem Palast hinaus und aus geradewohl eine Straße entlang. Die Stadt war noch recht belebt um diese frühe Abendstunde. Auf den Straßen waren Soldaten jeglicher Herkunft, aber auch Stadtbewohner unterwegs. Kinder spielten auf dem Kopfsteinpflaster, Frauen trugen Körbe mit Essen oder Kleidung hin und her, und aus manchem Haus drangen Musik und Männerstimmen, wo Krieger ihr Geld ausgaben und feierten. Spikor ging aufrecht. Dies war seine Stadt, Scare-Glow hin oder her. Er hatte das Zepter geholt, er hatte die Söldner angeheuert, er hatte die Krieger Skeletors überredet, sich Galirad anzuschließen. Das Skelett mochte der König sein, doch Spikor war hier der Herr. Die Frau blickte ihn mit einer Mischung aus Bewunderung und Amüsiertheit an. Sie respektierte durchaus, was Spikor erreicht hatte, aber sie wusste auch um die tatsächlichen Machtverhältnisse, innerhalb dieser Stadt wie auch außerhalb. ?Ich bin beeindruckt? sagte sie deshalb ehrlich, ?noch vor ein paar Monaten waren dies alles nichts als antike Ruinen.? ?Ja, wir haben viel geschafft? entgegnete Spikor und meinte mir ?wir? vor allem ?sich?, was die Hexe wieder kurz und milde auflächeln lies, ?und es kommen jeden Monat mehr Leute. In ein oder zwei Jahren werde ich tausend Soldaten kommandieren!? ?Ich fürchte, soviel Zeit wirst du nicht haben.? sprach sie mit plötzlich düster gewordener Stimme. ?Das ist der Grund, weshalb ich hier bin. Unsere Aufklärer haben gemeldet, dass Randor von Eternis Galirad angreifen will, bevor es zu stark für ihn geworden ist. Davor wollte ich dich warnen.? Spikor schwieg einige Sekunden lang und nichts an seinem Blick, seinem Gang oder seiner Haltung lies den Schluss zu, dass ihre Warnung ihn beunruhig hätte. Schließlich sagte er: ?Du hast Skeletor verlassen, um mich vor einem Angriff zu warnen?? ??Verlassen? würde ich nun nicht gerade sagen, das wage ich nicht. Ich werde wieder nach Snake-Mountain zurückkehren, noch heute Nacht. Aber ja, ich kam hierher, um dich zu warnen.? ?Warum?? fragte er direkt. ?Frag nicht so dumm, du weiß schon, warum. Ich habe dir damals das Leben gerettet, da werde ich heute nicht zusehen, wie du es wieder verlierst.? ?Du hast mich nicht nur gerettet. Damals in der Schlucht war mein Leben vorbei, du hast mir ein neues geschenkt. Ein großartiges Leben! Früher, in meinem alten Leben, war ich ein Niemand. Heute bin ich General! Früher habe ich mein Leben gehasst. Heute gibt es mir einen Grund, zu kämpfen. Und die Kraft, zu siegen!? ?Ich hätte nie gedacht? sinnierte Evil-Lyn, ?das dieser Zauber, den ich in jener Nacht in der Höhle am Ufer des Flusses aussprach, solch gewaltige Folgen haben würde.? Wieder sah sie Spikor mit einem eigenartigen Blick an, einem Blick, wie ihn der Krieger noch niemals zuvor erlebt hatte. Es war ein Blick, nach dem er sich sein Leben lang gesehnt hatte. Während sie weiter die Straße entlang gingen und schwiegen, dachte er darüber nach, weshalb er sich all die Jahre als Schmied in dem kleinen Dorf, das inzwischen durch seine eigene Hand vernichtet worden war, so sehr gewünscht hatte, auf diese Weise angesehen zu werden. In Evil-Lyns Blick war keine Furcht vor dem Krieger gewesen, auch keine Abscheu vor dem Monster, und ebensowenig Respekt vor dem Mächtigen. Einen Augenblick lang glaubte Spikor, in dem Blick die Zuneigung einer Frau gesehen zu haben, doch er erkannte selbst, dass es nicht so ein Blick gewesen war. Wieder betrachtete er die Hexe, wie sie anmutig neben ihm über die Pflastersteine schritt, und wieder fühlte er ihren Blick. Er verlor den Faden und seine Konzentration wurde abgelenkt, als ein kleiner Junge quer über die Straße rannte, in ein wildes Spiel vertieft, wie alle kleinen Jungen überall auf der Welt es wohl spielen mochten. Seine Mutter trat aus dem Hauseingang gegenüber und rief ihm besorgt hinterher, er solle nicht zu lange wegbleiben, weil das Abendessen bald fertig sei. Spikor sah der Frau direkt in die Augen, als er und Evil-Lyn an diesem Geschehen vorbeischritten, doch sie registriere es nicht. Zu sehr waren ihre Gedanken mit ihrem Sohn beschäftigt. Der Schmied und die Hexe gingen noch ein Stück weiter und befanden sich jetzt am Platz, auf dem die Arena stand. Sie umrundeten das Bauwerk und kehrten dann zu Scare-Glows Palast zurück. Erst jetzt, auf dem Rückweg, ergriff Spikor wieder das Wort. ?Randor wird also angreifen. Mit wie vielen Männern? Wann?? ?Das weiß ich auch nicht genau? lachte Evil-Lyn, ?ich kann Zaubern, aber nicht Hellsehen! Aber er greift an. Bald.? ?Und du willst dich uns wirklich nicht anschließen?? ?Nein. Ich könnte Skeletor niemals im Stich lassen. Er wird versuchen, Castle-Grayskull zu erobern, während die Masters mit euch beschäftigt sind. Wahrscheinlich werden He-Man und die meisten anderen aus Randors Elitetruppe dort sein, dass heißt, du und deine Freunde, ihr bekommt es nur mit normalen Soldaten zu tun.? ?Mit denen werden wir fertig!? war Spikor zuversichtlich. ?Sei dir nur nicht zu sicher, sie sind viele, und sie haben schwere Waffen!? ?Mach dir um mich keine Gedanken, ich glaube, ich weiß schon, wie ich?s anstellen muss.? Mit solchen und ähnlichen Worten verbrachten sie den Rest ihrer Unterhaltung, und als sie wieder vor dem Königshaus standen, verabschiedete sich die blasse Hexe von dem dunklen Stachelkämpfer. ?Gib auf dich acht!? Er blickte er ihr nach, bis sie in der Dunkelheit verschwunden war, und es schien ihm, als hätte sie sich just in dem Augenblick, wo er sie aus den Augen verloren hatte, noch einmal zu ihm umgedreht. Nachdenklich betrat er wieder den Innenhof mit dem zerstörten Springbrunnen. Seine Freunde Whiplash und Strongarm warteten dort auf ihn, und unter dem klaren Sternenhimmel der südlichen Tropen schmiedeten sie ihren Kriegsplan, mit dem sie Randor das Fürchten lehren wollten. Um Punkt Zehn Uhr vormittags trat König Scare-Glow, begleitet von General Spikor und flankiert von seinen Skelettwachen, durch das goldene Tor und den Innenhof mit dem Springbrunnen auf den Vorplatz seines Palastes, der von Menschen überfüllt war. Um den Platz herum, in und auf den Häusern, stand und saß das Volk und beobachtete das Schauspiel. Auf dem Platz selbst aber waren die Formationen der Armee in Reih und Glied angetreten. Ganz vorne standen die vier wichtigsten Offiziere, die ?Commander?: Whiplash, Strongarm, Blade und Hiss, der zuvor, als sie noch ein freies Volk gewesen waren, König der Snakemen gewesen war. Doch die Magie von Baldurs Zepter hatte die Schlangen dazu gebracht, in Scare-Glow ihren wahren Meister zu erkennen, und Hiss war nun nicht mehr als einer von vielen Truppenkommandanten in der Armee Galirads. Hinter diesen vier Männern standen in Säulenformation die vier Kompanien der Armee. Drei davon bestanden aus Galirads in ihren Bronzerüstungen und waren je 100 Mann stark, die vierte war die ?Schwarze Bruderschaft? mit 150 Mann. Im Hintergrund standen die Roboter Twistoid und Blast-Attack sowie das große Roboterpferd Nightmare. Neben ihnen hatten die Snakemen ihre Kampfechsen aufgestellt. Ein riesiger, auf vier Beinen gehender Gigantisaur mit langem Hals ragte weit über die Dächer der Stadt heraus. Gefährlicher war aber zweifellos der ebenfalls große, auf zwei Beinen gehende Tyrantisaurus Rex, und der Bionatops, ein Dreihornsaurier, war ideal zum Durchbrechen feindlicher Linien geeignet. Sogar einen geflügelten Saurier gab es, dessen Schwingen durch Cyborgtechnik mit Düsentriebwerken aufgerüstet worden waren und ihn recht fremdartig aussehen ließen, weshalb Screeetch, Spikors Dämonenvogel, ihn misstrauisch beäugte. Sowohl die Saurier als auch der Vogel hatten Rüstungen oder Sättel, an denen Schusswaffen befestigt waren. Strongarm hatte sie gebaut, denn diese Tiere mussten den Galirads schließlich die schweren Fahrzeuge ersetzen, an denen es einer antiken Ruinenstadt zwangsläufig mangelte. Zwischen den Sauriern standen einige Snakemen herum und kümmerten sich um die Tiere. Die übrigen Schlangenkrieger hatten sich vor den Echsen in einer Reihe mit den restlichen Deserteuren aus Skeletors Armee aufgestellt. So fanden Stinkor, Clawful und Mer-Man sich neben Kreaturen wieder, deren Namen Kobra-Khan, Tung-Lashor, Rattlor, Ssqueeze, Snake-Face, Saurod, Lizor und Fang-Man lauteten. Diese letzte Reihe auf dem Platz, bestehend aus Monstern, Monsterkämpfern und Maschinen, war das eigentliche Rückgrat der Armee von Galirad. Sie waren die kampfstärkste Gruppe. Scare-Glow inspizierte seine Streitmacht in aller Ruhe, und es war Mittag geworden und die Sonne brannte vom Himmel, als der König endlich zufrieden war. Vor der Truppenparade hatte Spikor stundenlang allein mit Scare-Glow geredet und ihm seinen Plan für den Krieg gegen Eternis mitgeteilt. Das Skelett war unwillkürlich beeindruckt, welche Einfälle der einfache Schmied gehabt hatte. Beide Männer stimmten allerdings darin überein, dass der Armee von Galirad noch etwas Wesentliches fehlte, um wirklich mächtig zu sein. Nachdem sie also mit der Besichtigung der Truppen fertig waren, ließen sie die Männer nicht wegtreten, sondern weiter in der Hitze warten. Scare-Glow und Spikor hingegen begaben sich, nur von ein paar Skelettwachen begleitet, in die Katakomben unterhalb des Königspalastes, wo Baldurs Volk in den vergangenen Monaten auf Scare-Glows Anweisung hin ausgiebige Ausgrabungsarbeiten durchgeführt hatte. Und das, was sie gefunden hatten, wurde nun von den Skelettwachen Stück für Stück nach oben getragen und fein säuberlich auf dem Platz vor der versammelten Armee abgelegt. Neugierig verfolgten die Kämpfer und Soldaten diese merkwürdige Prozedur und vergaßen dabei sogar ihre Erschöpfung vom stundenlangen Stillstehen. Was trieben der König und der General da bloß? Allmählich setzte sich aus hunderten von Einzelteilen etwas Großes zusammen, das den Beobachtern seine Tragweite erst nach und nach völlig offenbarte: Das Gerippe eines riesigen Dinosauriers! Damals, in der Blütezeit Galirads, war er Baldurs Haus-Monster gewesen. Inzwischen war das vierbeinige Tier mit dem gewaltigen Maul voller scharfer Zähne und dem langen Schwanz schon lange tot, doch das hinderte Scare-Glow nicht daran, es von seinen Leuten wieder vollständig zusammensetzen zu lassen. Nicht der kleinste Knochen fehlte. Dann, als alles an seinem Platz war, hob der König sein magisches Zepter. Die goldene Kugel am oberen Ende klappte auf und offenbarte einen grünen Kristall, der hell aufleuchtete, und mit einem gewaltigen Knirschen erhob sich die tote Bestie, um ein weiteres Mal für ihren Meister unschuldige Menschen zu reißen! Scare-Glow hatte den Battle-Bones wiederbelebt! Ein Raunen ging durch die Menge, und die Commander wichen unwillkürlich einen Schritt zurück angesichts des Ungeheuers, dass da genau vor ihren Füßen wieder lebendig geworden war. Auf dem Battle-Bones konnten gut und gern zwanzig Männer gleichzeitig reiten. Zwischen den enormen Knochen waren sie gut vor feindlichem Beschuss geschützt und konnten selbst auf die am Boden gebliebenen schießen. Das machte den toten Saurier zu einer gewaltigen Waffe! ?Damit haben wir jetzt auch genug schweres Gerät, um es mit Randors Fuhrpark aufnehmen zu können? meinte Spikor zufrieden und trat auf die oberste Stufe des Treppenabsatzes, der zum Königspalast hinauf führte. Von hier aus konnte der General den ganzen Platz überblicken, und die Gebäude um den Platz herum waren so angelegt, dass jeder, der von diesem Fleck aus sprach, überall auf dem Platz gut verstanden werden konnte. Scare-Glow trat neben Spikor, aber etwas hinter ihn, so dass jedem der Anwesenden klar war, dass hier der General sprechen würde, nicht der König. Dies war Spikors Stunde! Er wartete einen Moment, bis auch das letzte Raunen und Wispern verhallt war und sich alle nur noch die Köpfe ausrenkten, um ihn sehen zu können. Schweigen herrschte auf dem Platz und in der ganzen Stadt, denn alle Bewohner waren hier versammelt. Das ganze Volk war hier! Die Sonne brannte drückend vom Himmel herab, doch jetzt störte sich keiner daran. Alle wollten nur hören, was ihr General zu sagen hatte. Spikor holte tief Luft und sprach dann mit fester und laut über den Platz tragender Stimme. Er hatte diese Ansprache die halbe Nacht lang vorbereitet. Es war seine erste! Er hatte keine Ahnung, ob er ein guter Redner war oder nicht. Bald würde er es wissen. Er begann: ?Könnt ihr zählen? Ich frage euch, könnt ihr zählen? Wenn ihr zählen könnt, Männer von Galirad, dann wisst ihr, dass wir Hunderte sind! Wenn ihr zählen könnt, dann wisst ihr, dass wir heute viel mehr sind als gestern, und dass wir überhaupt jeden Tag mehr werden. Die Macht Galirads wächst und wächst mit jedem Tag. Unsere Feinde wissen das, und deshalb hat Randor von Eternis beschlossen, uns anzugreifen, bevor wir so viele sind, dass er unsere Massen nicht mehr zählen kann. Noch ist seine Armee die größere, noch glaubt er sich stärker. Noch glaubt er, uns töten zu können. Aber wenn es nach Randor und den Eterniern ginge, wären wir ohnehin alle schon längst tot! Seht euch doch nur mal an, Männer Galirads! Eure Stadt ist eine Ruine, so wie euer ganzes Königreich. Schon vor tausend Jahren hatten Randors Vorfahren hier alles zerstört, weil ihnen unsere schöne Stadt, unsere goldene Stadt, ein Dorn im Auge war, weil sie ihre Macht fürchteten. Und doch ? haben all die Zerstörungen nicht gereicht, um Galirad wirklich auszulöschen. Wir, die wir heute hier stehen, sind der lebende Beweis! Diese Stadt ist nicht zu brechen! Und ihr Volk ist auch nicht zu brechen! Wir bauen die alten Häuser wieder auf! Das Wasser fließt wieder auf dem Aquädukt. In der Arena finden wieder Spiele statt. Wir waren totgesagt, aber wir lassen uns unsere Zukunft nicht nehmen! Unser König Baldur ist das beste Beispiel! Die Eternier hatten ihn damals in seinem Palast eingeschlossen, damit er dort stirbt. Aber er ist nicht tot, er steht hier neben mir und wird uns anführen im Kampf! Ja, wir sollten tot sein, schon lange, aber wir sind es nicht! Und nicht nur die Männer Galirads kennen dieses Gefühl. Auch die Krieger des Reptilienvolkes, die sich uns angeschlossen haben, wissen sehr wohl, wie es sich anfühlt, tot zu sein. Zu lange schon haben die Eternier sie gejagt. Zu lange schon haben Randor und seine Vorgänger versucht, die Snakes auszurotten! Wenige nur sind ihnen bis heute entkommen, doch diese wenigen leben noch! Auch sie sind nicht tot zu kriegen! Ja selbst die Söldner unter euch, unsere Kameraden von der ?Schwarzen Bruderschaft?, gehören einem totgeglaubten Berufszweig an, denn in Randors Königreich, da soll es doch, er sagt es ja dauernd selber, keinen Krieg und keinen Kampf mehr geben. Keine Arbeit für Meister des Kriegshandwerks! Auch ihr, meine Freunde, gehört einer aussterbenden Kaste an. Und so seid ihr alle, die ihr hier vor mir steht, verbunden durch das eine Schicksal: Tot zu sein in den Augen unserer Feinde! Auch ich, euer General, bin eigentlich schon tot. Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, dass ich bei einem Kampf in eine Schlucht stürzte und dabei schwer verwundet wurde. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und glaubte, mein Leben wäre vorbei. Doch ich sollte mich täuschen. Denn wie ihr sehen könnt, stehe ich hier und heute vor euch, voller Kraft wie eh und je. Nein, ich bin noch nicht tot, und ihr seid es auch nicht. Keiner von uns ist tot. Und das werden die Eternier sehr bald erkennen müssen, wenn sie gegen uns ins Feld ziehen und glauben, ein leichter Sieg würde ihnen bevorstehen. Wie bitter wird ihre Erkenntnis sein, dass sie selbst es sind, auf die der Tod wartet! Wir werden sie am Eisenpass empfangen, und keiner von ihnen soll dieses Nadelöhr lebend passieren! Dann werden wir sehen, wer am Ende wirklich tot ist! Wir nicht, dass versichere ich euch. Wir sollten schon lange tot sein, doch wir sind Galirads ? wir sterben nicht so einfach. Wir sind Unsterbliche! Keine Macht der Welt hat uns je zerschmettern können, und auch am Eisenpass werden wir triumphieren! Dann wird sich zeigen, ob wir zählen können ? oder ob die Leichen unserer Feinde unzählbar über den Pass verstreut liegen werden!? Mit dieser letzten Drohung beendete Spikor seine Rede, und brausender Jubel tobte vom Platz zu ihm hinauf. Es war vollbracht: Die Krieger und Soldaten waren eingeschworen! Sie würden kämpfen bis zum letzten Mann! Der eigenen Überlegenheit war Spikor sich keineswegs so sicher, wie er es in seiner Rede dargestellt hatte, doch der Eisenpass war wirklich ein Nadelöhr, wo auch eine kleine Truppe eine überlegene Streitmacht herausfordern konnte. Dort würde sich sein Schicksal offenbaren. Spikor war bereit, ihm entgegenzutreten. |
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