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Das Geheimnis des schwarzen Spiegels
In der Falle
Der Mann mit (oder besser gesagt ohne) dem Stahlkiefer legte ein ordentliches Tempo vor, und hechtete durch den Park zurück zum Schlangenberg-Gebäude. Evil-Lyn hatte große Mühe nicht ins Laufen zu kommen, um an ihn dran zu bleiben. Es ging denselben Weg zurück, den die Hexe mit dem Kind genommen hatte. Unterwegs sah Skeletors Ziehtochter, dass die Grünanlage vom Angriff einigen Schaden genommen hatte. Einige Bäume und Hecken wurden angesengt und brannten sogar noch etwas. Bombenkrater taten sich am Wegesrand auf, und einige Male ging es an verletzten und getöteten Menschen vorbei. Nach kurzer Zeit erreichten die beiden die riesige Glastür am Schangenberg. Es ging am Foyer vorbei durch die hell-grauen Gänge bis zur Flugzeughalle, in der die Schwarzmagierin hereingeflogen war. Spikor stand am großen geöffneten rechteckigen Tor. Diesmal hatte er einen Dreizack an seinem linken Arm. Er zeigte damit in die Luft nach draußen, als wolle er irgendein fliegendes Objekt anvisieren. Trap-Jaw und Evil-Lyn traten an ihn heran.

?Silvia, Trap-Jaw. Geht es euch gut, habt ihr alles heil überstanden??, fragte der Stachelkämpfer besorgt.
?Sie haben uns ganz schön zugesetzt. Aber Silvia konnte einen von den Kerlen abschießen und damit die anderen vertrieben.?, berichtete Trap-Jaw stolz.
?Du bist eine ganz große Heldin, Silvia. Lieferst wieder herausragende Taten ab, kaum dass du wieder hier bist.?, bemerkte Spikor bewundernd.
?Ja, genug des Lobes Spikor. Wir brauchen den Talon-Fighter, hast du ihn wieder startklar gemacht??, fragte die Hexe bestimmend.
?Er steht dir zur Verfügung, Silvia. Möchtest du die Angreifer verfolgen??
?Nein, ich muss meine Kristallkugel wiederhaben. Ich habe sie vor meiner Ankunft verloren.?
?Das ist gar nicht gut, Silvia. Du solltest sofort losfliegen.?, sagte Spikor jetzt in einem viel besorgteren Ton.

Er führte die beiden zum besagten Fluggerät und ließ mit einem Knopfdruck das Cockpit aufklappen. Trap-Jaw und Evil-Lyn stiegen in den Fighter ein. Skeletors vermeidlicher Leibwächter nahm vorne auf den Pilotensitz Platz, während Evil-Lyn sich hinten hinsetzte. Die Kanzel schloss sich, nachdem der Mann ohne Stahlkiefer einen Kopf betätigt hatte. Die Motoren des Fighters heulten auf, kurz bevor sich die Maschine in die Luft erhob und auf das offene Tor zuflog. Es ging aus dem Schlangenberg-Gebäude hinaus über den riesigen Park, den man schnell hinter sich ließ. Skeletors rechte Hand versuchte sich an die Positionsangaben zu erinnern, die sie zuletzt auf der Anzeigentafel im Doom Buster gesehen hatte, als sie mit Beastman den Leiterwagen der Widgets bombardieren wollte. Nach längerem Überlegen fielen ihr die richtigen Zahlen ein.

?Kurs setzen: 291,24N zu 75,98O.?, ordnete sie an.
?Kurs gesetzt, Silvia. Aktiviere Hyperantrieb.?, antwortete ihr Flugpartner trocken.

Ein Pfeifen ertönte in der Kabine, während der Flieger immer schneller wurde. Die Landschaft drum herum zog sich immer mehr in die Länge, bis nur noch grünblaue Linien zu sehen waren. Diese Linien nahmen aber schon bald die Farben dunkelgrau bis schwarz an. Das Pfeifen verstummte wieder allmählich und es formierte sich eine Landschaft, die sich von der von Snake Mountain völlig unterschied. Es bot sich den beiden ein Bild eines total abgestorbenen Waldes, ähnlich dem den Evil-Lyn schon einmal durchschritten hatte. Auch hier hing ein dunkelgrauer bis pechschwarzer Schleier am Himmel.

Die Hexe war sich sicher, hier richtig zu sein. Die Anordnung der Bäume war gleich. Sonstige Landschaftsmerkmale befanden sich genau an derselben Stelle, auch wenn hier alles schwärzer und dunkler war. Genauso wie zuvor, als die Schwarzmagierin mit dem Fallschirm aus dem explodierenden Doom Buster aussteigen musste. Der Talon-Fighter landete sicher auf der Erde, nachdem Evil-Lyn dazu den Befehl gab. Eigentlich nur beiläufig kommentierte die Schwarzmagierin den Wolkenschleier und den sehr schlechten Zustand des Gebietes vor ihnen, während sie ausstiegen. Trap-Jaw ging auf diese Bemerkung jedoch ein.

?Ja, es ist schon schlimm was die Sorceress mit unserem einst so wunderschönen Planeten anstellt. Diese Gegend verwandelte sie in eine trostlose Wüste, als sie die siebte Kristallkugel erbeuten konnte.? Evil-Lyns Begleiter verfing sich weiter ins Reden, während er sich eine Armprothese mit einer Seilwinde anlegte. ?Wenn Teelana jetzt auch noch deine Waffe in die Finger bekommt, die letzte Kugel der acht Weisen von Grayskull, dann ist das Polygon der dunklen Macht komplett. Sie wird dann den gesamten Planeten Eternia in eine rabenschwarze Einöde verwandeln. Doch damit nicht genug. Das gesamte Universum wird sich unter ihrer Herrschaft verfinstern.?

Die Worte von Trap-Jaw ließ Evil-Lyn einen wahren Schauer über den Rücken laufen. Irgendwie war dies eine Welt geworden, in der sie nicht so ganz hineinpasste. Eigentlich war es so, dass die Evils (in Konkurrenz mit den Snakes) die Macht über Eternia anstrebte und die Sorceress über diese wachte, und nicht umgekehrt. Und sicherlich, es gab einmal einen Rat der Weisen, aber er war nun beileibe nicht mit Kristallkugeln ausgerüstet. Dennoch begann Evil-Lyn zu verstehen. Ihre eigene magische Waffe (obwohl sie eigentlich nichts mit dem Rat der Weisen gemein hatte) war auf einmal ein begehrtes Ziel der Sorceress. Unter normalen Umständen könnte sie eigentlich nichts weiter damit anfangen, aber das war hier mittlerweile alles andere als normal. Dass ausgerechnet ihre Kristallkugel eine tragende Rolle im Kampf um die Macht Eternias spielen sollte, wollte sie nicht so ganz verstehen. Dennoch, so dachte sie es sich, wäre es gut, wenn die Hüterin von Grayskull die Kristallkugel erstmal nicht bekommt. Evil-Lyn musste ihre Waffe wieder in den Händen halten, erst dann würde sie sofort verstehen, was hier vor sich ging.

Sie konzentrierte sich wieder auf die Aufgabe, die vor ihr lag und suchte nach den Fahrspuren des Leiterwagens, mit dem die Widgets den schwarzen Spiegel transportierten. Doch so sehr sie sich auch umschaute, die Fahrspuren waren wie vom Erdboden verschluckt. Sie ging hin und her, ohne sich dabei wirklich von der Stelle zu bewegen, auf der Suche nach diesen besagten Spuren.

Trap-Jaw wurde ungeduldig und sagte: ?Silvia, bist du dir sicher, dass es hier gewesen ist? Vielleicht irrst du dich.?
?Nein Trap-Jaw, es war hier gewesen.?, sagte die Hexe bestimmend, ?Ich bin mir ganz sicher, dass hier Spuren zu finden sind.?

Jetzt schaute sich auch Evil-Lyns Partner gründlich um. Er entdecke zwar Spuren, diese waren jedoch vollkommen anders. Es waren Fußstapfen eines übergroßen Monsters. ?Silvia, sieh mal. Hier sind Spuren eines Schattenmonsters.? Skeletors rechte Hand begutachtete die Fußstapfen, und sie erinnerte sich. Diese Spuren konnten nur von einem Wesen stammen, welches sie am Höhleneingang angegriffen hatte. Sie konnte dem nur knapp entkommen, indem sie ihm ihr Messer in die Hand rammte. Evil-Lyn kombinierte. Ausgehend von der Tatsache, dass es solche Exemplare dieser Art nur sehr selten gab (ohnehin hatte sie noch niemals zuvor ein so gigantisches Schattenmonster gesehen), konnte sie sich sicher sein, dass diese Spuren sie zurück zur Höhle führen mussten. ?Wir müssen diesen Spuren folgen. Ich erinnere mich, dass ich von einem Schattenmonster angegriffen wurde.?. Trap-Jaw wurde sichtlich nervös. Seine Erfahrung war, dass mit Kreaturen dieser Art nicht gut Kirschen zu essen waren. Sehr gerne hätte er jetzt auch Beastman bei dieser Mission dabeigehabt.

?Ich nehme lieber meine MG-Prothese mit, sicher ist sicher.?, sagte er. Dann gingen beide den Spuren, welche dieses riesige Monster hinterlassen hatte, nach. Und tatsächlich, sie erreichten den Fuß eines Berges mit der besagten Höhle. Das riesige Schattenmonster hatte an dem schmalen Höhleneingang seine Spuren hinterlassen, als es versucht hatte dort zu Evil-Lyn vorzudringen.

?Ok, Trap-Jaw. Hier ist der Höhleneingang. Am besten nimmst du jetzt deine Seilwinde, und....?

Evil-Lyn vermochte ihren Satz nicht mehr zu Ende sagen. Denn als sie sich umdrehte, bemerkte sie, dass niemand mehr da war, der ihr zuhörte. Ihr Partner war wie vom Erdboden verschluckt, von ihm war weit und breit nichts zu sehen. ?Trap-Jaw habe ich dir gesagt, dass du weglaufen sollst? Komm gefälligst her, wir haben eine Aufgabe zu erledigen.?, motzte Evil-Lyn herum. Sie blickte sich um, und suchte ihn. Doch die Schwarzmagierin konnte ihn nirgendwo finden.
?Wir haben jetzt keine Zeit für Versteckspiele, Trap-Jaw. Wo treibst du dich schon wieder rum??, rief sie fast schon zornig.
?Suchst du jemanden, Silvia??
Evil-Lyn erschrak. Sie hatte nicht erwartet, hier noch jemanden anzutreffen. Doch als sie sich umdrehte, sah sie einen vor Muskeln nur so trotzender Mann mit einer langen Haarmähne.
?Ich fürchte dein Freund ist verhindert, du musst mit mir alleine klarkommen.?, sagte er.
?Wer bist du denn??, wollte Evil-Lyn wissen.
?Stell dich nicht dumm, Rebellin. Du weißt ganz genau, dass ich He-Man bin. Und jetzt wird abgerechnet.?

Die Schwarzmagierin traute ihren Ohren nicht. Das soll He-Man sein? Die Hexe konnte es kaum glauben. Zwar waren Größe und Statur exakt gleich. Aber er hatte keine blonde, sondern eine rote Haarfarbe und eine sehr viel dunklere bis fast schon schwarze Haut. Seine Rüstung war komplett in schwarz gehalten. Einzig allein das Kreuz auf der Brust war nach wie vor rot. Seine Augen leuchteten komplett in einem noch viel intensiveren und feurigeren Rot, sie schienen keine Pupillen zu haben. Auch dieser Mensch, der sich vor ihr als He-Man ausgab, sprach sie mit dem Namen Silvia an. Die Hexe verfing sich wieder ins Grübeln, wie schon einige Male zuvor im Schlangenberg. Aber auch jede Person, die sie traf, schien sie offensichtlich nur noch mit diesem Namen zu kennen. Das konnte nur mit dem schwarzen Spiegel zusammenhängen, und dass damit irgendetwas Schlimmes passiert ist. Das wurde ihr immer klarer. Völlig in ihren Gedanken abwesend bemerkte sie nicht bzw. zu spät, dass He-Man sie direkt angriff. Er packte sie mit den Händen an die Hüfte und an der Schulter, hob sie mit Leichtigkeit hoch und schleuderte sie mit äußerster Gewalt wie eine Puppe zu Boden. Evil-Lyn hatte großes Glück, dass sie auf sandigen Boden fiel. Ansonsten hätte sie sich sicherlich bei diesem gigantischen Niederwurf etwas gebrochen. So blieb es nur bei ein paar kleinen Beulen und unbedeutenden Kratzern. Aber ihre Fleischwunde am linken Arm platzte unter ihrem Verband wieder auf, sodass das Blut daraus hervorquoll. Während sie sich ihren Arm hielt, sah die Hexe ihren Gegner bedrohlich auf sie zukommen. Entsetzt war sie über diesen überraschenden Angriff des Hünen. Und auch die Kraft, die er dabei einsetzte, erschrak die Hexe. Fast hatte sie den Eindruck, als wolle er sie umbringen. Schon oft lag sie mit He-Man in einem Gefecht. Doch noch niemals hatte er seine Stärke gegen eine physisch sehr viel schwächere Person, wie sie nun mal ist, so brutal eingesetzt. Im Gegenteil, die Hexe war daran gewöhnt, dass der Stärkste der Starken immer nur soviel Kraft gebrauchte, dass er gerade mal ein kleines bisschen überlegen war. Außerdem bemühte sich He-Man möglichst, Evil-Lyn nicht zu verletzten. So waren die Kämpfe immer ausgeglichen, auch wenn die Hexe trotzdem fast immer verlor.

He-Man beugte sich zu ihr herab und packte sie mit einer unangemessenen Grobheit am Hals. Ohne eigentlich groß darüber nachzudenken, sammelte Evil-Lyn unauffällig etwas Sand und kleinste Steinchen in ihrer linken Hand, während sie mit der rechten den Würgegriff zu lösen versuchte. Der Hüne hob die Hexe langsam in seinem Würgegriff hoch, sodass Evil-Lyn den Boden unter den Füßen verlor. Die Schwarzmagierin versuchte sich weiter vom Griff zu lösen, was jedoch hoffnungslos war. He-Man spielte seine überlegende Stärke gnadenlos aus.

?Ich könnte dir jetzt mit nur einer einzigen Hand das Genick brechen, aber das würde nicht sehr viel Spaß machen.?, sagte er in einem sadistischen Unterton.
?Es ist ein großer Fehler, dass du es nicht tust.?, erwiderte Evil-Lyn röchelnd.

In der nächsten Sekunde schleuderte die Hexe ihn den Sand, den sie zuvor in ihrer Hand gesammelt hatte, ins Gesicht. Schlagartig ließ der Muskelmann von Evil-Lyn ab, und rieb sich die Augen. Sie fiel erneut auf den Boden, doch hatte sie diesmal mit dem Sturz gerechnet. Deswegen konnte sie sich erfolgreich abrollen. Das Ergebnis war, dass sie sich schnell wieder auf die Füße stellen konnte, und nun ihrerseits die Initiative zum Angriff hatte. ?So, und jetzt bin ich am Zug, du Muskelprotz. Hehehe.?, sagte Evil-Lyn siegessicher. Sie zog ihr Messer und wollte den Stärksten der Starken jetzt niederstechen. Doch die Schwarzmagierin agierte in ihrem Siegeswahn nicht schnell genug. He-Man konnte sich den Sand rechtzeitig aus den Augen reiben, und fing den ersten Messerhieb souverän ab. Er schlug ihr das Messer aus der Hand. Unmittelbar danach schlug er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht, um sie auf Abstand zu bringen. He-Man setzte eine schnelle Rechts-Links-Kombination nach. Der erste Faustschlag verpasste ihr ein blaues Auge. Der zweite Schlag ließ die Unterlippe aufplatzen. Evil-Lyn wurde durch die Wucht des zweiten Faustschlages mehrmals um die eigene Achse geschleudert und fiel erneut zu Boden. Plötzlich schmeckte sie Blut und sie merkte etwas Hartes und Rundes im Mund. Sie nahm es mit der Hand aus dem Mund, und sah es mit Entsetzen an. He-Man hatte ihr eines ihrer Eckzähne ausgeschlagen.

?He-Man, sag mal bist du verrückt geworden? Du kannst mir doch nicht einfach die Zähne aus dem Mund schlagen.?, sagte sie und hielt ihn vorwurfsvoll den ausgeschlagenen Zahn in ihrer mit Blut getränkten Hand entgegen. ?Ich schlag dir gleich noch was ganz anderes ab, du dreckige Rebellin.?, antwortete He-Man zynisch. Er zog sein feuerrotes Schwert, und setzte damit zu einem erneuten Angriff auf Evil-Lyn an. Spätestens jetzt wusste die Schwarzmagierin, dass dieser He-Man nicht der war, für den er sich ausgab. Denn so etwas wie Moral, Ehre oder Gewissen war bei ihm ganz und gar nicht zu erkennen. Entschlossen schlug er mit dem Schwert nach Evil-Lyn, die den Hieben nur schwer ausweichen konnte. Da erblickte sie über sich an der Felswand einen Haufen mittelgroße bis große Steine, die scheinbar nur von einem einzigen toten Baumstumpf an ihrer Position gehalten wurden. Das, so dachte sich die Hexe, währe vielleicht die einzige Change, ihren Gegner zumindest kurzzeitig außer Gefecht zu setzen. Denn da oben lagen sehr viele Steine dieser Art auf einem einzigen Haufen. Nur dieser Baumstumpf hinderte den Steinhaufen daran, herunterzufallen. Also müsste ein kleiner magischer Blitz ausreichen, um die Lawine ins Rollen zu bringen. Das einzige Problem bestand darin, den Stärksten der Starken genau unter diese ruhende Lawine zu locken.

He-Man schlug weiterhin wie wild mit seinem Schwert nach Evil-Lyn, ohne dabei auf irgendetwas anderes zu achten. Die Hexe wich immer mehr zurück. Sie rechnete sich gute Changen aus, ihren Kontrahenten genau an die richtige Stelle zu lotsen. Sie streckte Hände in Richtung des Gegners, und feuerte magische Blitze auf ihn ab. Dieser ließ die Blitze souverän mit seinem roten Schwert abprallen. Sie waren sowieso nicht sonderlich stark. Die Schwarzmagierin wollte erstens ihre ohnehin schon schwache Magie nicht unnötig verschwenden, und zweitens war dies nur Provokation, damit He-Man sich unter den Baumstumpf begibt. Der Plan schien aufzugehen, denn der Stärkste der Starken war schon fast unter dem Stumpf.

?Wahahar, du glaubst doch nicht, dass deine lächerliche Magie mir etwas anhaben kann.?, sagte He-Man spöttisch.
?Nun vielleicht nicht direkt, He-Man.?, gab Evil-Lyn zurück und feuerte weitere Blitze ab.
?Ich werde dich vernichten, Silvia. Gib auf, und ich verspreche dir einen schnellen Tod.?
?Und ich an deiner Stelle würde mit dem Namen Silvia nicht so rumprotzen.?

Nachdem die Hexe diese Worte ausgesprochen hatte, feuerte sie einen letzten magischen Blitz ab. Mit diesem zielte sie jedoch nicht auf He-Man, sondern auf dem Baumstumpf, der sich mittlerweile direkt über ihrem Gegner befand. Mit einem gewaltigen Knall zersprang der Stumpf zu Kleinholz und gab die gewaltigen Steine frei, die sich in Bewegung setzten. He-Man erkannte seine Falle, in der Evil-Lyn ihn gelockt hatte, zu spät. Er war nicht mehr in der Lage, der herabfallenden Lawine auszuweichen. Mit einem großen Gepolter wurde er von den Steinen vollständig begraben. Er verlor sein rotes Schwert.

Zufrieden betrachtete die Hexe das Ergebnis ihrer Tat. Sie nahm das Schwert an sich, und betrachtete den Steinhaufen. ?So! Das ist für den Zahn, den du mir rausgedonnert hast.?, sagte sie selbstgerecht. Sie spuckte eine blutige Masse aus, die sich in ihrem Mund gesammelt hatte. Dann begutachtete sie ihre aufgeplatzte Wunde am Arm, die schmerzte und blutete. Sie legte den Verband anders an, um zumindest für kurze Zeit die Blutung zu stoppen.

Obwohl sie über He-Man obsiegt hatte, wollte sie keineswegs am Ort des Geschehens verweilen. Denn die Erfahrung lehrte ihr, dass eine Steinlawine dieser Art He-Man nur mit einer zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit töten würde. Ganz gewiss wäre es nur eine Frage der Zeit, bis der Hüne aus diesem Haufen wieder hervorkam. Und tatsächlich bewegten sich bereits einige Steine auf und ab. Es würden allenfalls nur Minuten vergehen, bis He-Man aus dem Haufen wieder hervorspringen würde. Also galt es jetzt schnellstens Trap-Jaw wiederzufinden, und am besten mit ihm und ihrer Kristallkugel diesen Ort zu verlassen. Zurück in diesem, wenn auch etwas anderem, Schlangenberg würde sich sicherlich ein geheimes Plätzchen finden, um die Kugel zu beschwören und endlich die ersehnten Antworten erhalten. Die Hexe bewegte sich vom Steinhaufen weg, als plötzlich Ram-Man wie aus dem Nichts angeflogen kam. Der mauerbrechende Titan rammte Evil-Lyn voll in die Seite. Völlig überrascht fiel sie zu Boden und verlor dabei He-Mans Schwert. Geistesgegenwärtig versuchte sie wieder so schnell wie möglich hochzukommen, um zu fliehen. Doch das gelang nicht. Ein weiterer Rammstoß schickte sie erneut zu Boden. Dann stellte sich Ram-Man neben ihr auf, und warf eine Schlafgasbombe. Diese gab Evil-Lyn den Rest und ließ sie einschlafen. He-Man arbeitete sich währenddessen wieder aus dem Steinhaufen hervor, unter dem er begraben war. Er ging zu seinem Freund hin, um ihn für die Unterstützung zu danken.

?Sehr gute Arbeit, Ram-Man.?, lobte der Hüne seinen Freund.
?Trap-Jaw habe ich auch erwischt.?, antwortete der mauerbrechende Titan, ?Er sitzt weiter unten in einem Reisegefängnis.?
?Die Sorceress wird zufrieden sein, unsere Erkundungsmission können wir mit einem Erfolg abschließen.?
?Nur leider hat Silvia ihre Kristallkugel nicht dabei.?
?Das ist schon etwas sonderbar. Ohne verlässt die gute Fee eigentlich niemals ihr Heim.?
?Glaubst du, das hat irgendetwas Besonderes auf sich??
?Genau das müssen wir herausfinden Rammy, und ich weiß auch schon den richtigen Mann für diese Aufgabe. Er wollte schon seit Tagen sein neues Folterinstrument ausprobieren, hehehe.?
.
****

Das Piepsen und das Rascheln von Ratten, die sich aus irgendwelchen Ecken ihr Futter suchten, war laut und deutlich zu vernehmen. In der Luft lag der modrige Gestank von verfaultem Blut und verwesten Leichen. Dies waren die ersten Eindrücke, die Evil-Lyn wahrnahm, als sie aus der Bewusstlosigkeit erwachte. Langsam öffnete sie ihre Augen, und sah sich um. Ihre Fleischwunde schmerzte zusehends unter dem mit Blut schon völlig durchgeweichtem Verband. Alsbald bemerkte sie auch, dass man sie in einer äußerst unbequemen Haltung mit Händen und Füßen an die Wand gekettet hatte. Völlig unnötig, wie sich die Schwarzmagierin dachte. Sie war sowieso in diesem Kerker eingesperrt. Das schwarze Gitter vor ihr war bestimmt zusätzlich verriegelt in dieser kleinen dunklen Zelle von noch nicht einmal fünf Quadratmetern, in der sich im Grunde genommen nichts weiter befand, als eine kleine, schon halb zusammengebrochene Pritsche. Es war dunkel in dem Raum, wo sie sich jetzt befand. So dunkel, wie es nur in einem alten verwitterten Kerker sein konnte. Wasser tropfte im gleichmäßigen Rhythmus von der Decke, und eine kleine Fackel an der Wand außerhalb des Haftraums spendete das einzigste Licht an diesem Ort.

Evil-Lyn versuchte sich von den schon halb verrosteten Ketten zu lösen, doch es war sinnlos, denn sie waren sehr gut in der Wand eingearbeitet. Und ihre Magie konnte sie auch nicht einsetzen, denn sie spürte, dass ein Anti-Magie-Schild sie umgab. Schon bald gab sie das Vorhaben auf, denn die Befreiungsversuche gingen nur unnötig auf die Gelenke, die ohnehin schon durch die Fesseln in Mitleidenschaft gezogen wurden. Kurze Zeit später hörte Skeletors rechte Hand eine Tür auf und zu gehen. Jedoch konnte sie keine Schritte vernehmen, so wie sie eigentlich erwartet hätte. Statt dessen sah sie einen Schatten, der langsam auf sie zu kam. ?Sieh an, welcher Fisch uns heute ins Netz gegangen ist.? Die Stimme kam aus der Richtung des Schattens, und war der Hexe durchaus bekannt. Sie gehörte jemanden, der schon viel zu oft Evil-Lyns Pläne durchkreuzt hatte.

?Wenn das nicht unsere Silvia ist.?, führte die Stimme weiter aus. Dann mündete plötzlich ein magischer Blitz aus dem Schatten, schoss an den Gitterstäben vorbei und traf Evil-Lyns Körper. Die Herrscherin des Schattenreiches schrie vor Schmerzen auf. Ihr war so, als man ihr tausend Messer unter die Haut rammen würde, aus der flüssiges Feuer trat, und sich im ganzen Körper ausbreitete.

?Hurra, mein Schmerz-Zauber. Er funktioniert, endlich.?, jubelte die Stimme des Schattens, der nun ins Licht rückte und sich offenbarte. ?Lass deine faulen und unnützen Zaubersprüche sein, Orko.?, fauchte die Hexe dem Trollaner entgegen, ?Was machst du eigentlich hier unten im Kerker? Du hast dich doch noch nie hierher getraut. Und wieso quaken mich in letzter Zeit alle, denen ich begegne, mit Silvia an?? ?Ich stelle hier die Fragen. Zu allererst, wo hast du deine Kristallkugel versteckt??, entgegnete ihr Orko und traktierte Evil-Lyn mit einem weiteren Blitz. Dieser schlug in ihren rechten Arm ein. Die Schmerzen waren fürchterlich, als würde man ihr die Gliedmaße mit einem stumpfen Messer einfach so abreißen.

?Arrrg, du miese kleine Ratte. Warte nur bis Skeletor mich hier ausholt, dann werde ich mit deinem Körper den Fußboden aufwischen.?, schrie sie mit verzerrtem Gesicht. ?Was, wie bitte!? Wer wird dich rausholen, Skeletor?? Der Trollaner stutzte und hielt einige Sekunden inne. Er dachte angestrengt nach, und murmelte den Namen des Kochenkopfes immer wieder vor sich hin. Kurze Zeit später brach er allmählich in einem bösartigen Gelächter aus. Er konnte sich kaum noch einkriegen und krümmte sich vor Lachen.

Auf einmal betrat Duncan den Kerker. Als der Trollaner ihn bemerkte, verstummte sein Lachen schlagartig. ?Orko, ich habe von der Sorceress eine Vision erhalten. Die Kristallkugel befindet in Sektor CD 459 in den Mystic Mountains. Sie ist in eine tiefe Spalte in einer Höhle gefallen. Nur du kannst sicher in diese Spalte hinunter schweben. Beame dich dorthin, hole die Kugel und bring sie zur Zauberin.? ?Ja Man-At-Arms, ich mache mich sofort auf den Weg.?, antwortete der kleine Zauberer. Er wollte sich gerade aufmachen, als der vollbärtige Waffenmeister ein schwarzes Schwert zog. Er streckte Orko von hinten nieder. Dann packte er den wehrlosen Zwerg am Kragen und drückte ihn gegen die Gitterstäbe. ?Wenn du versagst, leistest du Silvia in dieser Zelle Gesellschaft.? ?Natürlich, Man-At-Arms. Du kannst dich voll auf mich verlassen, ehrlich.?, stammelte Orko. Dann beamte er sich weg.

Duncan betätigte einen Schalter, der das Gitter hochfahren lies. Dann begab er sich zu Evil-Lyn in die Zelle.

?Hallo Duncan. Bist du in den Teersumpf gefallen, oder warum ist deine Rüstung völlig schwarz??, fragte die Hexe spöttisch. Tatsächlich präsentierte sich seine Rüstung vom Helm bis zum Stiefel im absoluten Schwarz.
?Mach deine Witze, solange du noch kannst.?, antwortete der Waffenmeister trocken und ging ganz nah an die Schwarzmagierin heran. Sein Gesichtsausdruck war ernst und er schien auch etwas besorgt um Evil-Lyn zu sein.

?Was habt ihr eigentlich mit mir vor, werde ich vor Gericht gestellt??, fragte sie.
?Lord Randor hält es nicht für nötig, sich noch mit Formalitäten abzugeben. Es ist vorbei, Silvia. Du hast endgültig verloren.?

Duncan ging noch näher an Evil-Lyn heran, und legte seine Hand auf ihre Schulter.

?Du hättest dich eben nicht mit diesem Keldor einlassen sollen, ich habe es dir ja schon in Zalesia gesagt.?, sagte er.
?Ich suche mir eben die Leute selbst aus, mit denen ich verkehre.?
?Verdammt noch mal Silvia. Jetzt vergiss doch mal für einen Moment deine Revolution. Es gibt immer noch eine Möglichkeit, dich zu retten.?
?Ach ja, und was soll ich dafür tun??
?Sag mir, dass du mich liebst.?, forderte er die Hexe auf. Während er diese Worte sprach, glitt seine Hand an Evil-Lyns Körper herunter. Er begann, sie unsittlich zu berühren.

?Nimm deine dreckigen Pfoten von mir!?, rief die Schwarzmagierin böse und spuckte den Waffenmeister ins Gesicht. Man-At-Arms wurde daraufhin sehr wütend. Er verpasste ihr mit einem Faustschlag ein zweites Feilchen und eine offene Wunde an der Wange. Er ging aus der Zelle, und ließ das Gitter herunterfahren. ?Ganz wie du willst, Silvia. Deine Hinrichtung ist für 16 Uhr angesetzt.?, sagte er noch, während er schleunigst den Kerker verließ. Skeletors rechte Hand konnte es kaum fassen, was Duncan da gerade gesagt hatte. Sie sollte hingerichtet werden? Die Schwarzmagierin rief noch etwas hinter dem Waffenmeister her, doch er war schon längst weg. Evil-Lyn war jetzt wieder alleine in dem kleinen Raum. Die Stunden vergingen, der Ziehtochter Skeletors kamen diese Stunden jedoch wie Tage vor in diesem kalten und feuchten Kerker. Sollte es jetzt wirklich vorbei sein, und sie heute sterben? Sie wollte es nicht glauben, und versuchte es zu verdrängen. Irgendwie würde sie schon hier rauskommen, da war sie sich sicher.

Irgendwann kamen zwei mit Gewehren bewaffnete Soldaten in den Kerker. Sie hatten komplett schwarze Uniformen an, genau wie Duncan. Brust, Knie, Arme und Füße waren durch dicke Rüstungen aus Stahl geschützt. Ihre Gesichter erkannte man so gut wie gar nicht unter ihren schwarzen Helmen. Sie kamen zu Evil-Lyn in die Zelle, nahmen sie von der Kette und banden ihre Hände mit einem dicken Strick zusammen. Dann führten sie die Hexe aus der Kerkeranlage hinaus ins Freie.

Die Straßenführung und die Anordnung der Häuser kamen der Schwarzmagierin bekannt vor. Sie musste sich in Eternis befinden. Doch die Gebäude waren allesamt dunkel bis schwarz und machten einen Eindruck, als hätte man sie vollkommen lieblos und unsachgemäß zusammengeschustert. Am Himmel türmte sich wieder dieser schwarze Schleier auf, voran sich die Hexe eigentlich schon gewöhnt hatte. Fast überall war es mittlerweile so, nur eben halt nicht über Snake Mountain. Doch hier schien der Schleier mit am intensivsten zu sein. Es grollte und donnerte, Blitze schossen aus diesem Schleier immer wieder heraus. Man führte Evil-Lyn auf einen großen Hof vor einem riesigen Palast, der von der Architektur her genauso aussah, wie der von König Randor. Nur dieser war vollkommen schwarz. Ein großes Schafott mit zwei Holzpflöcken hatte man vor diesem riesigen Gebäude aufgebaut. Trap-Jaw, ebenfalls von den Masters gefangen genommen, hatte man bereits auf dieses Schafott geführt. Er ruhte mit seinem Oberkörper auf einem der zwei Pflöcke, und schien sich bereits in sein Schicksal zu ergeben. He-Man und Duncan standen direkt hinter ihm auf dieser Hinrichtungsstätte.

Das Ganze wurde großflächig mit Absperrungen aus Stahl abgeriegelt, hinter denen sich eine gewisse, nicht sehr große Menschenmenge versammelte. Die Leute verfolgten das Schauspiel keineswegs freiwillig. Sie wurden auf der Straße zusammengetrieben, oder aus ihren Häusern geholt und auf den großen Vorplatz vor der Hinrichtungsstätte gebracht. Man führe Evil-Lyn weiter auf das Schafott zu. Sie hatte keine andere Wahl, denn ihre zwei Begleiter zwangen sie förmlich dazu. Die Hexe blickte zur Menschenmenge und sah in die zum Teil verzweifelten und traurigen Gesichter der Leute. Auf einmal blieb sie stehen, denn sie nahm eine junge Frau wahr, die wild gestikulierend und rufend auf sich aufmerksam machte. ?Ihr Mörder, das dürft ihr nicht. Diese Menschen haben doch niemanden etwas getan.?, rief sie immer wieder aus der Menschenmenge. Die blonde Schönheit drängte sich durch die Reihen ihrer Mitbürger bis zur Absperrung. Ein Soldat versuchte die zierliche Dame auf ihrer Seite der Barriere zurückzuhalten, aber sie ließ sich nicht beirren. Entschlossen sprang sie drüber hinweg und schupste ihr Gegenüber mit einem kräftigen Stoß zu Boden. ?Silvia, Silvia!?, schrie die Dame immer wieder. Sie kramte irgendetwas aus ihrer Hosentasche hervor, während sie zur Schwarzmagierin lief. Der Soldat sprang sehr schnell wieder auf seine Beine. Er lud seine Waffe durch und zielte auf die Frau, die weiterhin unbeirrt auf Evil-Lyn zurannte. ?Halt, oder ich schieße.?, rief er. Doch die Dame hörte nicht, und lief weiter auf die Todeskandidatin zu. Der dunkle Kämpfer sprach keine weiteren Warnungen aus. Er feuerte zweimal auf die Unruhestifterin. Die beiden Kugeln trafen sie in den Rücken. Trotzdem konnte sie sich noch mit allerletzter Kraft zu Evil-Lyn schleppen. Sie stütze sich auf die Schwarzmagierin und drückte ihr heimlich so etwas wie einen flachen Stein in die Hand. ?Hier Silvia, nimm das. Rette dich, und kämpfe weiter für die Freiheit Eternias.?, schnaufte sie noch leise, bevor sie sterbend zusammenbrach. ?Los, weitergehen.?, motzte einer von Evil-Lyns Bewachern und drängte sie unsanft weiter in Richtung Henkersplatz. Der andere lud seine Waffe durch und verpasste der toten Frau noch einen Kopfschuss, um sicherzugehen, dass sie wirklich erledigt ist. Evil-Lyn betrachtete unauffällig den Stein in ihrer Hand. Es hatte eine übermäßig scharfe Kante, die Schwarzmagierin hatte sich daran fast die Finger aufgeschnitten. Aber sie warf es nicht weg, wie sie es zuerst vorhatte. Sie spürte, dass ihr der Stein noch nützlich sein wird.

Evil-Lyn wurde weiter auf das Schafott geführt. Man zwang sie, sich mit dem Oberkörper auf den freien Pflock zu legen. Dann gingen die zwei Soldaten zu der Absperrung, um die Leute zurückzuhalten. Sie wollten weitere Zwischenfälle vermeiden. Auf einem Balkon des Palastes ging eine Tür auf, und zwei Leute traten heraus. Einer davon musste vom Aussehen König Randor sein. Er hatte jedoch einen rabenschwarzen Vollbart und eine dunkelgelbe Krone auf dem Kopf. Er präsentierte sich in einem dunkelgrauen bis schwarzen Gewand. Ihn begleitete eine alte Frau mit einem verrunzelten und vernarbten Gesicht. Sie hatte ebenfalls eine dunkelgelbe Krone auf dem Kopf. Bekleidet war sie mit einem dunkelgrünen Umhang mit schwarzem Gürtel. Der König rollte vor sich eine Schriftrolle aus, und wandte sich mit einer Rede an das unfreiwillige Publikum.

?Meine sehr geehrten Volksgenossen, wir haben uns hier heute versammelt, um zwei gefährliche Feinde ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen. Dies ist keine gewöhnliche Exekution, sie ist gleichzeitig ein Signal und eine Warnung, für jeden der es wagen sollte, sich gegen das eternianische Imperium aufzulehnen.? Der König machte eine kurze Pause, um seinen Blick über den Platz schweifen zu lassen. Dann redete er weiter. ?Meine Gemahlin Marlena und ich sind zu der Auffassung gekommen, die Rebellen Silvia und Trap-Jaw wegen Diebstahls, Verschwörung, Aufmüpfigkeit und Verrats mit dem Tode zu bestrafen. Wollt ihr zwei noch was sagen, bevor das Urteil vollstreckt wird??

Trap-Jaw ergriff als Erster das Wort. Er sagte: ?Du bist noch lange nicht am Ziel, Lord Randor. Selbst wenn wir heute hier sterben, die Widerstandsbewegung wird weiter existieren und sogar noch stärker werden. Denn mit jedem Toten von uns werden min. zwei Neue hinzukommen.?

Als Evil-Lyn dran war, fielen ihr eigentlich keine großartigen Worte ein. Sie sagte nur: ?Leck mich am A****, du jämmerlicher Abklatsch eines Königs.? Ihre Worte wurden von einem tosenden Beifall quittiert.

Auf einmal beamte sich Orko an Randors Seite. In seiner Hand hielt er Evil-Lyns Kristallkugel, und fuchtelte damit herum. Der König war über das plötzliche Erscheinen des Trollaners ganz und gar nicht erfreut. Sofort wandte er sich dem unerwünschten Gast zu, und stellte ihn zur Rede.

?Orko, was machst du denn hier? Du solltest doch die Kugel zur Sorceress bringen.?, sagte er zornig.
?Ich will doch dabei sein, wenn zwei Rebellen endlich das bekommen, was sie verdienen.?, antwortete der kleine Zauberer in voller Erwartung auf die bevorstehende Hinrichtung.
?Also gut, wenn es unbedingt sein muss.?, murmelte Randor widerwillig.
?Darf ich Silvia mit einem Zauberspruch töten??, fragte der schwebende Zwerg gierig.
?Nein Orko. Auf deine ach so tollen Zaubertricks können wir heute verzichten.?
?Ich kann sie qualvoll in der Hölle verschwinden lassen. Jetzt klappt es bestimmt, ich habe trainiert.?
?Orko, die Antwort ist nein. Du trotteliger Trollaner hast einmal zu oft versagt.?
?Ach menno, ich bekomme niemals einen ab.?

Orkos Stimme klang keineswegs enttäuscht oder traurig, sondern mehr berechnend und böse lachend. Er schwang Evil-Lyns Kristallkugel vor sich hin und her, und nahm die Entscheidung des Königs zur Kenntnis. Randor gab He-Man ein Zeichen. Dieser zog sein feuerrotes Schwert und ging als Erstes zu Trap-Jaw hin. Langsam legte er seine Klinge in den Nacken seines Opfers und ließ sie sekundenlang darin liegen. Dann holte er aus, und trennte mit einem einzigen kräftigen Schlag den Kopf vom Rumpf ab. Das Blut spritzte nur so durch die Gegend, während der Kopf mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden fiel. Evil-Lyn konnte es kaum glauben, aber es war geschehen. He-Man hatte Trap-Jaw wirklich getötet, und das mit voller Absicht und ohne mit der Wimper zu zucken oder Reue zu zeigen. Genauso wird er in wenigen Sekunden mit ihr verfahren, wenn sie jetzt nicht irgendetwas dagegen unternahm. Verzweifelt blickte sie zu ihrer Kristallkugel hin, die Orko in seinen Händen hielt. Sie wusste, dass in ihrer Waffe noch genug Magie sein müsste, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Wenn sie doch nur irgendwie dran kommen könnte.


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