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Das Geheimnis des schwarzen Spiegels
Bittere Erkenntnis
Bittere Erkenntnis

Keine Frage, die Schwarzmagierin war in großen Schwierigkeiten. Sie ruhte mit ihrem Oberkörper auf dem Pflock und in wenigen Sekunden würde ihr der Kopf abgeschlagen. Beinahe genauso wie im Traum, den sie letzte Nacht in diesem merkwürdigen Dorf mit den zwei Talon-Fightern hatte. Sie schielte zu Orko, der immer noch ihre Kristallkugel in den Händen hielt. Doch schon bald sah sie auf ihre gefesselten Hände herunter. Ihr Blick fiel insbesondere auf den Stein mit der übermäßig scharfen Kante, den sie noch immer in den Händen hielt. Erst jetzt wurde ihr klar, warum die Frau von vorhin es ihr gegeben hatte. Sie sollte sich mit dem Stein von ihren Fesseln lösen. Dafür ist sie gestorben, damit Evil-Lyn eine Möglichkeit hatte der Exekution zu entgehen. Unauffällig schnitt sie damit ihre Fesseln los, das ging schneller und leichter als zunächst gedacht. Dann konzentrierte sie ihre ganze noch verbliebende magische Energie, und ließ sie in ihre Fingerspitzen gleiten. Sie schielte zu Orko hin. Ihr Plan war es, in einer überraschenden Aktion, die Kugel mit einem magischen Blitz aus seinen Händen zu reißen.

He-Man trat an sie heran, nachdem er die buhende und pfeifende Menge noch zusätzlich verhöhnt hatte. Er legte sein feuerrotes Schwert in den Nacken der Schwarzmagierin, genauso wie er es bei Trap-Jaw schon getan hatte. Sie spürte eine eisige Kälte in ihrem Nacken, die von der Schwertklinge ausging, sowie einen leichten Druck. Dieser Druck verschwand nach einigen Sekunden, als He-Man mit seinem Schwert zum tödlichen Schlag ausholte.

"Entweder jetzt oder nie.", dachte sich die Hexe. Sie rollte sich mit einem Male von dem Holzpflock weg und mit dem Rücken auf den Boden. Dabei trat sie dem Stärksten der Starken genau an die Stelle, wo es bei einem Mann besonders weh tut. He-Man schrie auf, und krümmte sich vor Schmerzen. Er fiel halb auf die Knie und ließ dabei sein Henkerschwert fallen. Glücklich sah die Hexe in sein verzehrtes Gesicht. Sie wollte jedoch nicht denselben Fehler zweimal begehen, und in einen Siegestaumel verfallen. Dies wurde ihr nämlich schon einmal zum Verhängnis, als sie die Möglichkeit hatte, He-Man in der Nähe des schmalen Höhleneingangs zu erstechen. Deswegen rollte sie sich schnell auf dem Boden vom Holzpflock weg, um etwas Abstand zu gewinnen. Sie sprang auf und setzte alles an magischer Kraft ein, was sie noch zu bieten hatte, um die Kristallkugel aus Orkos Hand zu ziehen. Evil-Lyn richtete ihre Hände in die Richtung des schwebenden Zauberers, um einen gigantischen Energieblitz herausschießen zu lassen. Der Blitz erfasste in Sekundenbruchteilen die begehrte magische Waffe. Der Trollaner leistete überhaupt keinen Widerstand, was Evil-Lyn völlig überraschte. Sie hatte ein sogar wenig den Eindruck, dass Orko ihr ihre Waffe entgegenwerfen würde. Die Kristallkugel flog ihr beinahe ins Gesicht. Sie hatte große Mühe, das Ding sicher aufzufangen. Jedoch ließ die Waffe ihr wieder etwas magische Energie in ihren Körper fließen, sodass sie einigermaßen kämpfen konnte. Das klappte mit dieser Kugel nur bei ihr, denn sie war genau auf sie abgestimmt.

Erstaunt blickte die Schwarzmagierin während dieses Prozesses zu Orko, hatte sie vom Trollaner doch zumindest etwas Gegenwehr erwartet. Der kleine Zauberer blickte sie böse und berechnend an, und beamte sich schlussendlich weg. Doch Evil-Lyn blieb keine Zeit, um über das merkwürdige Verhalten des schwebenden Zwerges nachzudenken, denn Duncan kam herangestürmt. Er wollte Evil-Lyn aufhalten. Die Hexe konnte jedoch rechtzeitig ihre Waffe nach ihm ausrichten, und einen Blitz daraus abfeuern. Der Waffenmeister wurde von der Wucht wieder in die Ecke geschleudert, aus der er kam. He-Man hielt sich währenddessen immer noch seinen Schritt, und war damit offenbar noch ziemlich beschäftigt. Dennoch feuerte Evil-Lyn aus prophylaktischen Gründen einen Energieblitz, der ihn endgültig umhaute.




Die Hexe sprang vom Schafott. Unten war bereits eine Straßenschlacht ausgebrochen, von dem Moment an, als sich die Todeskandidatin der Hinrichtung entzogen hatte. Die Leute nahmen sich Knüppel, Pflastersteine und was sich sonst noch so anbot und lieferten sich gegen das zahlenmäßig unterlegene Heer der schwarzen Soldaten eine heftige Prügelei. Sie durchbrachen auf der ganzen Linie die Absperrung. Das Königspaar zog sich daraufhin feige in das Innere des Palastes zurück, während die Hinrichtungsstätte nach und nach demoliert wurde. He-Man und Duncan wurden mit in das Handgemenge verwickelt. Sie wollten hinter Evil-Lyn her, doch sie wurden zu sehr unter Bedrängnis gebracht. Vorsichtig aber flink bahnte sich Skeletors rechte Hand einen Weg durch das Scharmützel. Niemand griff sie an. Der Mob ließ sie ganz gewusst in Ruhe, und die Soldaten hatten viel zu viel damit zu tun, sich selbst zu verteidigen. Ein Kontrahent stellte sich der Schwarzmagierin doch in den Weg, und versuchte ihr die Kristallkugel abzunehmen. Einer der Aufständischen kam ihr schon im nächsten Moment zur Hilfe, und gab dem Gegner mit einem Stahlrohr eine ordentliche Tracht Prügel. Gemeinsam schlugen sie den Kämpfer zu Boden.

Dann lief Evil-Lyn weiter, und machte auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes eine kleine Gasse aus, die ideal zur Flucht geeignet war. Sie erledigte noch einen Gegner, und lief schnell aus der Schlacht hinaus durch diese Gasse. Am anderem Ende baute sie vor ihr eine Hauptstraße auf. Sie war stark verwinkelt, überall führten kleine Gassen und Querstraßen von ihr ab. Kein einziges Haus hüpfte markant aus den Reihen, sie sahen alle zum Verwechseln ähnlich aus. Genau wie bei der Straße, die zur Hinrichtungsstätte am Palast führte, waren sie auch hier sehr dunkel bis schwarz und machten einen unprofessionellen Eindruck. Die Straße war nicht besonders breit, bot aber trotzdem kaum Deckungsmöglichkeiten. Evil-Lyn musste also vorsichtig sein. Wer hier vorbeikam, konnte sie leicht entdecken. Es war menschenleer, kein einziger war auf den Beinen. Und es war sehr ruhig und still. Man hätte das Fallen einer Stecknadel hören können. Es war eine trügerische Stille, denn die Schwarzmagierin dachte sich, dass der Gegner garantiert alles daran setzen würde, um sie wieder einzufangen oder gar zu töten. Sie feuerte mit ihrer Kristallkugel zweimal in die Gasse hinter ihr. Die Blitze schlugen jeweils rechts und links in die Häuserfront ein. Stein- und Geröllmassen brachen heraus, und versperrten den Weg hindurch. Zumindest dadurch konnte ihr jetzt niemand mehr folgen.

Die Flüchtige sah an sich herunter zu ihren Armen, um ihre Verletzungen zu begutachten. Von den Ketten im Kerker waren ihre Handgelenke ziemlich blutig gescheuert. Und auch die inzwischen wieder schlimm gewordene Schnittwunde am Arm machte ihr wieder zu schaffen. Sie schmerzte zwar nicht, aber die Verletzung war wieder aufgeplatzt. Das Blut lief langsam aber stetig den Arm herunter und bildete Flecken auf dem dunkelgrauen Asphalt. Sie hielt sich mit der anderen Hand ihre Wunde, um zumindest nicht allzu viel Blut zu verlieren. Dann begab sie sich langsam und vorsichtig in eine Richtung. Sie schlich mehr, als dass sie ging. Stets passte sie auf, nicht in einen Hinterhalt zu geraten. Irgendwann kam sie an eine große Kreuzung an, von rechts tauchten auf einmal mehrere schwarze Soldaten und ein dunkles Panzerfahrzeug auf. Dieses Fahrzeug hatte ein massives durchgehendes Kettenfahrwerk wie bei einem Kampfpanzer, und ähnelte optisch sehr einem regulären Attack-Track der Masters. Die Vorderseite rundete sich jedoch stark ab, ähnlich wie die Front eines Land-Sharks. Eine massive schwarz getönte Windschutzscheibe war darin eingearbeitet. Das Heckteil hatte einen kastenartigen Aufbau, mit ebenfalls schwarz getönten Fenstern. Auf dem Dach befanden sich mehrere mächtig aussehende Kanonen auf einer drehbaren Lafette.

Evil-Lyn konnte sich gerade noch rechtzeitig hinter einer großen Mülltonne, welcher sich in einem seitlichen Durchgang befand, verstecken. Von dort aus beobachtete sie den feindlichen Trupp, er wurde von dem dunklen und anders aussehenden He-Man angeführt. Der rothaarige Hüne wies seine Untergebenen an, in verschiedene Richtungen nach der Hexe zu suchen. Einige liefen in eine der vielen Seitenstraßen. Andere bewegten sich unter He-Mans Führung von der Flüchtigen weg, weiter die Hauptstraße hinunter. Das Panzerfahrzeug drehte sich auf seiner eigenen Achse und ratterte in Evil-Lyns Richtung. Die Hexe duckte sich und verkroch sich noch mehr hinter der Mülltonne, um nicht entdeckt zu werden. Das Rattern der Panzerketten wurde immer lauter, bis schließlich der Panzer an ihr vorbeifuhr. Der Fahrer bemerkte die Hexe in ihrem Versteck nicht, sondern fuhr weiter unbehelligt die Straße weiter herunter. Skeletors Ziehtochter blieb noch eine Weile hinter der Tonne, bis sie langsam wieder hervorkam. Aber aus dem Durchgang hinaus zurück auf die Straße traute sie sich nicht. Zu groß war die Gefahr, dass der Feind sie dort erwischt. Also ging sie weiter in den Durchgang hinein, und fand sich in einem kleinen Hinterhof wieder. An einer Hauswand stand eine Leiter, die bis auf das Dach reichte. Ohne groß darüber nachzudenken, stieg Evil-Lyn auf das 20 Meter hohe Dach. Oben angekommen zog sie die Leiter zu sich hinauf, um sicherzustellen, dass ihr niemand hier rauf folgt. Während sie wie eine geschmeidige Katze von Dach zu Dach sprang, beobachtete sie mit einer gewissen Genugtuung, wie Soldaten und Panzerfahrzeuge unter ihr auf den Straßen nach ihr suchten.

Plötzlich hörte sie einen Schrei, der immer lauter wurde. Noch ehe sie sich versah, wurde sie von einem kräftigen Tritt zu Boden geschleudert. Evil-Lyn verlor ihre Kristallkugel, die klimpernd auf ein Vordach flog. Sie blickte um sich, und sah in der Nähe einer gegenüberliegenden Dachkante eine jung aussehende Frau mit einer zierlichen Figur. Sie trug Teelas Kampfanzug und hatte eine dunkle Hautfarbe. Ihre Haare waren pechschwarz und zu einem Zopf zusammengebunden. Feuerrot leuchteten ihre Augen, genau diese Farbe hatte auch ihr Kobrastab, den sie in den Händen hielt. Während Evil-Lyn noch darüber nachdachte, dass diese Frau verblüffende Ähnlichkeit mit Teela hatte, und doch ganz anders aussah, sah sie ihre Gegnerin schon auf sie zu rennen. Dabei rief sie wieder diesen schrillen Schrei aus, den sie schon bei ihrem ersten Anflug auf Evil-Lyn auf den Lippen hatte. Schnell musste sich Evil-Lyn aus ihren Gedanken reißen und handeln, denn die Dame rannte mit ihrem Stab auf sie zu und holte zum Schlag aus. Sie strahlte in ihrem Gesicht eine ungeheure Entschlossenheit aus, die Evil-Lyn den Schauer über Rücken laufen ließ. Schnell sprang sie wieder auf die Beine und schaute sich nach ihrer magischen Waffe um. Diese entdecke sie auch schon bald auf dem Vordach. Sie streckte ihre Hand aus, und zog sie mit ihrer Magie souverän zu sich hin. Doch die Zeit reichte nicht mehr aus, um einen magischen Blitz daraus abzufeuern. Gerade noch rechtzeitig konnte Evil-Lyn ihre Kristallkugel hochnehmen, um einen Schlag mit dem Kobrastab zu parieren. Die Frau lieferte sich mit Evil-Lyn einen verbissenden Stabkampf. Die Hexe konnte mit ihrem verletzen Arm nicht so gut kämpfen, wie ihr Gegenüber. Schon gar nicht war sie in der Lage einen magischen Blitz abzufeuern, da ihre Gegnerin ihr überhaupt keinen Raum ließ. So musste sie in die Defensive und wurde immer mehr zur Dachkante gedrängt.

Schon bald bemerkte die Gegnerin auch Evil-Lyns verletzen linken Arm, den sie nach Möglichkeit besonders zu schützen versuchte. Eine kleine Unachtsamkeit reichte aus, um diese Schwäche auszunutzen. Evil-Lyn hob ihre Deckung nur für einen Sekundenbruchteil auf. Das reichte der Gegnerin, um einen kräftigen Schlag direkt auf die Verletzung zu platzieren. Sie verlor ihre Kristallkugel erneut, und hielt sich ihre Wunde. Ein weiterer Schlag mit dem Kobrastab brachte Evil-Lyn zu Fall. Jetzt beugte sich die Gegnerin über sie. Mit nur einer Hand versuchte sie Evil-Lyn zu würgen und sie gleichzeitig über die Dachkante zu schieben.

?So meine liebe Silvia, jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen.? sagte sie mit einer boshaften Freude. Evil-Lyn versuchte mit der rechten Hand den Würdegriff zu lösen, was jedoch hoffnungslos war. Mit der linken Hand ertastete sie jedoch bald einen Gegenstand, der auf dem Dach herumlag. Sie konnte in diesem Moment nicht sagen, was es war. Aber es war etwas Hartes und Schweres und vielleicht ihre letzte Hoffnung. Sie umklammerte mit ihrer Hand das Teil, ohne ihre Gegnerin aus den Augen zu lassen.

?Soll ich dir mal was sagen, du Kröte??, sagte Evil-Lyn entschlossen.
?WAS!? Ich bin ganz Ohr.?, warf die Frau zurück.
?Ich bin nicht eure Silvia!?, antwortete Evil-Lyn und warf ihr kurz darauf den Gegenstand (es war ein Pflasterstein) mit voller Wucht an den Kopf.

Vollkommen überrascht von dieser Attacke ließ die Frau von Evil-Lyn ab. Sie fiel neben sie und rollte sich von ihr weg, während sie sich den Kopf hielt. Die Schwarzmagierin stand schnell auf, nahm ihre Kristallkugel wieder an sich und sprang über mehrere Plattformen vom Dach. Nun war sie wieder unten in den Straßen. Die Dächer waren doch keine sichere Alternative, wie zunächst gedacht. Also musste sie sich auf konventionellem Wege weiter hier rausschleichen. Vorsichtig arbeitete sie sich weiter vorran, sie wollte die Stadt ohne großes Aufsehen, und ohne die ganze königliche Armee hinter ihr ist, verlassen. Sie befand sich nun in einer etwas schmaleren Straße. Diese bot etwas bessere Versteckmöglichkeiten, als die Erste. Langsam ging sie weiter, keinen einzigen Menschen traf sie. Als sie sich dem Ende näherte, erblicke sie ein weiteres schwarzes Panzerfahrzeug, das quer über der Straße stand. Ob es das Fahrzeug von vorhin war, oder ein anderes, konnte sie nicht sagen. Auf jeden Fall ging sie schnell hinter einigen Kisten in Deckung, aber das Fahrzeug schien irgendwie verwaist zu sein. Es stand so still und ruhig da, als hätte es jemand dort einfach so abgestellt und wäre gegangen. Evil-Lyn nahm ihre Kappe ab, und reichte sie vorsichtig mit ihrem Kristallkugelstab aus der Deckung heraus. Nichts geschah, niemand feuerte und das Fahrzeug rührte sich weiterhin nicht. Jetzt wurde die Schwarzmagierin mutiger. Sie kam ganz aus ihrer Deckung heraus, aber noch immer machte niemand irgendwelche Anstalten, auf sie zu feuern. Spätestens jetzt war es amtlich, der Panzer war verlassen und bot sich gleichzeitig als ideales Flutfahrzeug an. Sie setzte ihre Kappe wieder auf, und ging langsam darauf zu, als sie von hinten das Klicken einer Handfeuerwaffe hörte. Schon kurze Zeit später spürte die Schwarzmagierin auch schon den dazugehörigen Mündungskolben an ihrem Hinterkopf.

?So, jetzt habe ich dich endlich dort, wo ich dich haben will. Mit meinen Zauberkräften kann ich dich vielleicht nicht besiegen, aber ein Schuss aus einer 9mm wird selbst dir den Tod bringen. Also keine Dummheiten, denn das wäre für uns beide sehr bedauerlich.?

Es war die Stimme des Trollaners, die Evil-Lyn hinter sich hörte. Offenbar ganz bewusst hatte er ihr aus dem Hinterhalt aufgelauert. Aber anstatt sie abzuschießen, was selbst für ihn aus dieser Position ein Leichtes gewesen wäre, zog er es vor, sie gefangen zu nehmen. Langsam erhob die Schwarzmagierin ihre Hände, als Zeichen, dass sie sich ergeben wollte. Gewaltsam riss ihr Orko die Kristallkugel aus den Händen.

?Das nehme ich dir mal lieber ab, dann hast du nicht so schwer zu tragen.?, sagte er.
?Was hast mit mir vor, du Zwerg? Wieso knallst du mich nicht einfach ab??, wollte Evil-Lyn wissen.
?Ich soll dich erschießen? Hahahar. Oh nein, so leicht kommst du mir nicht davon.?, gab Orko zurück.
?Na das kann ja wirklich heiter werden.?
?Schluss mit dem Geschwafel. Los, steig in den Attack-Track da hinten. Beweg dich.?

Sie gingen langsam los in die Richtung des schwarzen gepanzerten Fahrzeugs, welches am anderen Ende der Straße stand. Sowieso wollte sie in diesen schwarzen Attack-Track steigen, aber ein unangenehmer trollanischer Fahrgast musste nicht unbedingt mit dabei sein. Deswegen wurde die Hexe allmählich langsamer, bis sie schließlich stehen blieb. Orko wurde daraufhin sehr ungeduldig und forderte Skeletors rechte Hand nachhaltig dazu auf, weiterzugehen. ?Ja, Trollaner ich werde in das Fahrzeug steigen, aber du wirst nicht mitkommen.?, dachte sie sich. Kurze Zeit später rammte sie ihren Ellenbogen in Orkos Magengegend. Der kleine Zauberer wurde von der Attacke vollkommen überrascht. Er verlor die Kristallkugel und seine Waffe und taumelte zurück, während er sich den Bauch hielt. Die Schwarzmagierin drehte sich blitzschnell um, und schleuderte den Trollaner mit aller Kraft gegen eine Hauswand. Dann nahm sie ihre Kristallkugel an sich, und rannte so schnell sie die Füße tragen konnten in Richtung Attack-Track. Die Strecke kam ihr unendlich lang vor, obwohl es nur 50 Meter waren.

Sie hatte schon zwei Drittel geschafft, als auf einmal drei mit Gewehren bewaffnete Soldaten hinter dem vermeidlichen Fluchtfahrzeug hervorkamen. Als sie Evil-Lyn sahen, eröffneten diese sofort das Feuer auf die Schwarzmagierin. Evil-Lyn bremste schlagartig ab und wollte so schnell wie möglich zum Stehen kommen. Sie riss ihre Kristallkugel hoch und feuerte einen Blitz auf das Trio ab. Einer wurde von dem Zauber voll getroffen. Er flog im hohen Bogen durch die Luft, und blieb regungslos am Boden liegen. Die zwei verbliebenden Kontrahenten verfolgten die Hexe, die in der Zwischenzeit wieder in die andere Richtung lief. Dabei feuerten sie immer wieder auf die Hexe, trafen sie jedoch nicht. Es ging an Orko vorbei, der ganz langsam wieder aufschwebte. Als die Soldaten die Höhe des kleinen Zauberers passierten, ließ dieser seinen Schmerz-Zauber auf einen von ihnen los. Dem bösen Kämpfer zog ein schmerzhafter Krampf durch den Körper, der ihn dazu zwang das Feuer einzustellen und stehen zu bleiben. Auch sein Kamerad hielt inne, ihm wollte es nicht genauso ergehen. Orko schwebte zornig an die beiden heran.

?Ihr schwachsinnigen Idioten. Stellt sofort das Feuer ein, ich will sie lebend.?, fauchte er patzig.
?Tut uns leid, mächtiger Orko.?, stammelte einer von ihnen, ?Aber wir haben den Befehl....?

Orko lies den Mann nicht ausreden. Der Trollaner ließ mit einem Zauber seine Waffe, die noch auf dem Boden lag, in seine Hand fliegen. Er zielte damit auf den Kopf des Soldaten.
?Wollen wir das jetzt ausdiskutieren, du nichtsnütziger Pappkamerad??, fragte er böse.
?Nein natürlich nicht, mächtiger Orko.?
?Gut, sehr gut. Los folgt mir, wir müssen sie unbedingt wieder einfangen.?, sagte der Trollaner jetzt in einem viel sanfteren, aber immer noch bestimmenden Tonfall. Er ließ die Pistole in seiner Kapuze verschwinden, bevor sie gemeinsam die Verfolgung Evil-Lyns wieder aufnahmen.

****

Orkos Konversation mit seinen scheinbar untergebenen Soldaten gab Evil-Lyn einen beachtlichen Vorsprung. Sie schlug einige Haken durch Seitenstraßen und Gassen, und schaute sich nach einer gewissen Zeit um. Es schien so, als ob sie ihre Verfolger abgeschüttelt hatte. Aber darauf verließ sie sich nicht. Sie spürte förmlich die Anwesenheit des Feindes und dass er hinter jeder Ecke auf sie lauern könnte. Deshalb schlich sie sich weiter vorran. Plötzlich fasste sie jemand von der Seite an die Schulter. Evil-Lyn erschrak, sie drehte sich blitzartig in die Richtung und richtete ihre Kristallkugel auf einen hageren Mann mit hellbraunen Haaren und schmalen Gesicht. Dabei ging sie einige Schritte zurück. Doch schon im nächsten Moment erkannte die Hexe, dass keinerlei Bedrohung von ihm ausging. Deswegen senkte sie ihre Waffe wieder.

?Silvia, um Gottes Willen. Was machst du denn hier in Eternis??, fragte der Mann. Noch bevor Evil-Lyn etwas auf diese eher obligatorische Frage antworten konnte, nahm er die Schwarzmagierin sanft an sich und führte sie zu einer großen Eingangstür. ?Und ich hab schon gedacht, sie wären hinter mir her. Komm schnell in meine Wohnung. Wenn sie uns hier draußen erwischen, sind wir beide erledigt.? Sie gingen durch die Eingangstür in einen langen und großen Hausflur. Links führte ein großzügiger Treppenaufgang in den ersten Stock. Ein dicker und langer Eichenschrank baute sich seitlich der Treppe auf. Auf der rechten Seite des Korridors befanden sich zwei Türen. Die Tür, die unmittelbar an der Haustür war, führte in eine große Küche. Der andere Durchgang führte in ein anderes Zimmer. Am anderen Ende des Ganges schloss sich ein Durchgang zu einem großen Lagerraum an.

"Wer bist du?", wollte die Schwarzmagierin wissen.
"Du erkennst mich nicht? Ich bins, Christor von der Hordes-Föderation."

Evil-Lyn musterte ihr Gegenüber genau. Und tatsächlich, sein Körperbau und sein Gesicht hatten große Ähnlichkeiten mit Christor. Aber seine Anwesenheit hier in Eternis war selbst für ihn (wie auch für sie) recht ungewöhnlich. Deswegen stelle die Schwarzmagierin ihm neugierig eine Frage.

?Und was machst du hier in dieser Stadt??

?Hordak hat mich vor einer Woche hierhergeschickt. Ich soll als Agent eine Waffenlieferung an die Rebellen auf Etheria vereiteln.?

Christor bemerkte alsbald Evil-Lyns Verletzungen im Gesicht und an den Armen.

?Oh mein Gott, du siehst ja wirklich schlimm aus. Was haben sie nur mit dir gemacht??
?Naja, ich durfte ein wenig ihren Kerker von innen betrachten. Mit all den üblichen Einlagen.?, antwortete die Hexe.
?Und ich dachte immer, She-Ra wäre so grausam. Die Masters stehen ihr wirklich in nichts nach.?, sprach Christor entsetzt, ?Komm mit in die Küche. Ich bin im Verarzten zwar nicht so gut wie light Weaver, aber ich werde tun, was ich kann.?

Gemeinsam gingen sie in die Küche links vom Flur. Erschöpft lies sich Evil-Lyn auf einen Stuhl fallen. Sie war ausgelaugt von der Flucht und von dem Stabkampf auf dem Dach. Von den Torturen im Gefängnis ganz zu schweigen. Christor holte sich eine Wundheilsalbe und ein paar Verbände aus einem Hängeschrank, und machte sich daran die Verletzungen zu versorgen. Die Schwarzmagierin ließ sich die Behandlung sehr willig über sich ergehen. Denn die Wunden schmerzten, und machten der Hexe doch sehr zu schaffen. Umso mehr war sie jetzt froh, dass jemand da war, der sich darum kümmerte.

****

Währenddessen unweit der Wohnung draußen auf den Straßen. Orko schwebte im schnellen Tempo vorran. Die zwei schwarzen Soldaten, die dem Trollaner über den Weg gelaufen sind, folgten ihm. Unterwegs trafen sie auf die Frau, die sich mit Evil-Lyn auf den Dächern einen heftigen Stabkampf geliefert hatte. Sie hielt sich mit einem Tuch ihre Stirn, die nicht unwesentlich blutete. Evil-Lyn hatte sie genau an dieser Stelle mit dem Stein getroffen. Ihre ohnehin schon schlechte Laune sank auf einen weiteren Tiefpunkt, als sie den Trollaner sah.

?Orko, was machst du denn hier zum Teufel? Spannst du etwa schon wieder meine Leute für deine Intrigen ein??, fragte sie zornig. Der Trollaner war ganz überrascht, sie zu sehen. Schnell sagte er: ?Oh hallo Teela. Ähm, wir beteiligen uns an der Suche nach der entflohenen Silvia.? Die Kämpferin musterte den kleinen Zauberer genau. Obwohl er die Wahrheit gesagt hatte, mochte sie ihm nicht so ganz glauben.

?Ach ja wirklich??, fragte sie, ?Und warum ist sie mir oder euch dann nicht über den Weg gelaufen??
?Das weiss ich nicht.?, antwortete der schwebende Zwerg schulterzuckend.
Teela wurde noch wütender, sie drückte ihren Kobrastab unsanft in sein kleines Mäntelchen.

?Ich warne dich, Trollaner. Treibe es nicht zu weit, mit deinen eigensinnigen Spielchen. In diesem Monat hast du dir für meinen Geschmack wieder viel zu viel herausgenommen. Glaub bloß nicht, dass die Sorceress das immer so durchgehen lässt.?

Nach dieser Standpauke schaute sich Teela gründlich um, wenn sie es sich recht überlegte, konnte an Orkos Aussage doch etwas Wahres dran sein.

?Hmm, wieder aufs Dach kann sie nicht. Hier ist nirgendwo ein Aufgang. Sie muss sich in eines der Häuser verkrümelt haben.?, mutmaßte sie.
?Ihr zwei da.?, sie deutete auf die Soldaten, ?Ihr nehmt euch die linke Häuserseite vor. Durchsucht jede Wohnung, lasst keine aus. Und wenn ihr sie findet, erschießt sie.? ?Ähm, wäre es vielleicht nicht besser, wenn wir sie lebend fangen??, wandte sich Orko ein. ?Nix da, Orko. Es ist mir Sch****egal, ob Randor an ihr ein Exempel statuieren will. Wir haben sie in Notwehr erschossen, das nimmt uns jeder ab. Erst recht, nachdem sie mir dieses Ding hier an den Kopf geschlagen hat.?, sagte sie bestimmend und deutete auf ihre Wunde an der Stirn. ?Na los ihr zwei, ihr habt eure Befehle! Vorwärts!? ?Jawohl, Force-Captain Teela.?, sagte einer von ihnen. Dann gingen die Zwei weg, und ließen Orko und die Kämpferin zurück.

****

In der Wohnung schloss Christor das Anlegen der Verbände an Evil-Lyn ab. Die Schwarzmagierin bat danach um ihre Kristallkugel, den der Hordes-Offizier ihr umgehend gab. Sie setze sich in eine andere Ecke und stellte ihr magisches Zepter vor sich auf, während sie die Waffe mit einer Hand aufrecht hielt. In diesem Haus war sie sicher vor ihren Gegnern, zumindest vorläufig. Jetzt wollte sie endlich ihre heiß ersehnten Antworten aus ihrer magischen Waffe herbeischwören. Sie richtete ihre freie Hand auf das Glas und ließ einen Zauberblitz darauf abprallen.

?Oh Kristallkugel, wie du bist bei mir.?
?Sage mir, an welchem Ort befinde ich mich hier.?

Das Kugelglas änderte seine Farbe von Olivblau nach Tiefschwarz. Ansonsten geschah nichts weiter. Evil-Lyn war enttäuscht. Sie hatte so um ihre Waffe gekämpft, Strapazen auf sich genommen und Leute dabei verloren. Das Ergebnis all ihrer Mühen war nichts weiter als ein nichtssagender Farbwechsel. Niedergeschlagen wollte sie ihre Kristallkugel schon beiseitelegen, als sich in dem Glas nun doch etwas mehr regte. Das Schwarz nahm langsam aber sicher Formen an. Es bildeten sich schwarze Wolken und es erschienen abgestorbene kahle Bäume, die Evil-Lyn schon zweimal in pro natura gesehen hatte. Und noch etwas rückte in das Bild der Kristallkugel. Ein strahlend weißes Gebäude offenbarte sich nach und nach. Es war eine riesige Burg mit vier Türmen und einem großen Tor an der Vorderseite. Dieses Tor hatte die Gestalt eines Engelgesichtes, und Evil-Lyn verstand. Die Festung, die sich ihr nun immer mehr in seiner vollen Größe zeigte, hatte sie schon einmal während eines Missionsbriefings auf einem riesigen Dimensionsspiegel gesehen. An diesem Tage führte Skeletor das verbotene Experiment durch, um seinen Erzfeind endgültig zu besiegen. Er baute den Weltenwandler, und konstruierte gleichzeitig mit ihr zusammen den schwarzen Spiegel, den er an einem geheimen Ort deponierte. Dieser sollte als Plan B fungieren für den Fall, dass der blonde Hüne die Dimensionsmaschine zerstört. Doch diese Antiwelt erwies sich als böser, gefährlicher und unberechenbarer als gedacht. In voller Verzweiflung und auch um seine eigene Haut zu retten, musste er sich mit He-Man verbünden. Nur mit vereinten Kräften konnten sie den Weltenwandler zerstören, und somit die Gefahr für Eternia gerade noch so abwenden. Skeletor verbot seinen Untergebenen noch am selben Abend jegliche Experimente und Beziehungen zur Antiwelt und seiner Bewohner. Der schwarze Spiegel jedoch geriet in Vergessenheit. Als tickende Zeitbombe blieb er in irgendeinem verstecktem Winkel Eternias zurück, bis ihn zwei Widgets wieder hervorbrachten und auf einem Leiterwagen transportierten.

Evil-Lyn wurde ganz flau im Magen. Denn jetzt ergaben auch diese ganzen merkwürdigen Vorkommnisse auf einmal einen Sinn. Dieses andere Snake Mountain mit seinem großem Park unter strahlend blauem Himmel. Die Tatsache, dass aber auch wirklich alle sie mit Silvia ansprachen (offenbar hatte auch Evil-Lyn hier ein Gegenstück). Diese unangemessene Grobheit von He-Man (oder besser gesagt Anti-He-Man) und seine große Lust zu töten. Die vom König angeordnete Hinrichtung und noch vieles mehr. Die Kristallkugel bestätigte schlussendlich alle Befürchtungen.
Evil-Lyn war auf Anti-Eternia, dem schaurigen Gegenstück ihres Heimatplaneten im Universum der Finsternis. Der schwarze Spiegel hatte sie durch die Dimensionsgrenze nach hier hin geschleudert. Sie wusste, dass wenn man ihn falsch beschwört, er unberechenbar sein kann. Aber eben genau das ist passiert, und es war noch nicht einmal beabsichtigt. Eigentlich hatte sie es schon lange geahnt und die Hinweise und Indizien darauf verdichteten sich seit dem ?Unfall? in dieser Höhle mit den zwei Widgets immer mehr. Trotzdem hatte sie die Wahrheit unbewusst verdrängt, aber jetzt wurde sie ihr eiskalt und gnadenlos präsentiert. Die Erkenntnis war da, und es war eine bittere Erkenntnis. Die Hexe verfluchte diesen Widget, der sich ihr bei der bevorstehenden Zerstörung in den Weg stellte. Wäre er nicht so dumm gewesen und hätte sie angegriffen, beide wären garantiert jetzt wieder heil und gesund zu Hause. Sie würde ihn dafür langsam sterben lassen, wäre er nicht schon tot. Doch diese Gedanken waren jetzt ganz und gar fehl am Platze. Panik und Angst kamen in ihr auf. Sie wusste, dass es mit ihr zu Ende wäre, wenn sie den Evil-Masters erneut in die Hände fällt. Ob jetzt nun als Silvia oder als Evil-Lyn, das Ergebnis wäre so oder so der Tod. Doch diese Angst war jetzt irrational, das wusste sie. Sie musste einen Weg zurückfinden und gleichzeitig dafür sorgen, dass niemand ihr in ihr Heimatuniversum folgt. Dass dies nicht leicht wird, konnte sie sich schon an fünf Fingern abzählen. Aber sie musste es versuchen, nicht nur weil es ihr Auftrag war. Alles würde zerstört werden, woran sie jemals geglaubt hatte, würde sie versagen. All ihre Ideale, ihre Pläne, ihre Wünsche und Träume. Das musste verhindert werden, Anti-He-Man oder einer seiner Schergen durften auf keinen Fall den Spiegel in die Finger bekommen. Schlussendlich ging es auch um ihr Leben, das stand auch auf dem Spiel.

Also beschloss sie, sich aufzumachen um erstmal aus Anti-Eternis zu fliehen. Hier rumsitzen und zusehen, wie die Zeit gegen sie arbeitet, würde nichts bringen. Sie machte sich auf, um sich aus der Wohnung zu begeben. Doch Anti-Christor hielt sie zurück.

?Silvia, wo willst du denn hin? Draußen suchen sie dich überall, du kannst jetzt nicht raus.?
?Ich bin nicht diejenige, für die du mich hältst, Christor. Und mit dieser Widerstandsbewegung habe ich nicht das Geringste am Hut.?, sagte Evil-Lyn entschlossen. Sie stieß Anti-Christor beiseite, um sich aus der Wohnung zu begeben. Christors Gegenstück wurde konfus und wollte Evil-Lyns Worten nicht so recht Glauben schenken. Er fragte: ?Aber wenn du nicht Silvia bist, wer bist du dann?? ?Glaub mir, das willst du lieber nicht wissen. Nur soviel: Ich komme aus einem anderen Universum und möchte nichts weiter, als dahin zurück.? Der hagere Mann wurde noch verdutzter als zuvor, aber Evil-Lyn hatte nicht die Absicht, weitere Erklärungen abzugeben. Sie steuerte auf die Eingangstür zu, als plötzlich jemand von draußen wie wild daran hämmerte. ?Hey, du da drinnen. Sofort aufmachen.? Anti-Teela stand zusammen mit dem bösen Trollaner draußen und pochte vehement gegen die Tür. Evil-Lyn blieb erschrocken stehen. Spätestens jetzt wusste sie, dass es im Moment tatsächlich fatal war, die Wohnung durch diese Tür zu verlassen. Der Feind stand da draußen, fest dazu entschlossen, Evil-Lyn auf die ein oder andere Weise zu schnappen und zu erledigen. Hilfesuchend blickte die Schwarzmagierin zu Anti-Christor. ?Gibt es hier noch einen anderen Ausgang, ich darf denen auf keinen Fall in die Hände fallen??, fragte sie ängstlich. ?Ich helfe dir auf jeden Fall.?, beruhigte er sie. ?Auch wenn du nicht Silvia bist. Jeder Feind, der Evil-Masters, ist im Prinzip auch ein Freund der Widerstandbewegung. Komm, ich bringe dich in den Lagerraum. Dort kannst du dich verstecken.?

Der Herr führte Evil-Lyn nach hinten in den Lagerraum. Zahlreiche Kisten und Regale standen an den Wänden dieses riesigen Raums. In der Mitte befand sich ein großer Tisch mit allerei Zeugs darauf. Anti-Christor machte eine Kiste frei, in der die Schwarzmagierin hineinkroch, um sich zu verstecken. Ihre Kristallkugel deponierte er in einer Ecke hinter diversen Gegenständen, weil diese nicht mit in die kleine Kiste hineinpasste. Skeletors rechte Hand war sichtlich erleichtert aber zugleich erstaunt. Der Mann half ihr, und das ganz uneigennützig. Sicherlich wäre es besser für ihn gewesen, hätte er sie ausgeliefert. Evil-Lyn dachte nach. Wären die Rollen vertauscht, und sie an seiner Stelle, sie hätte ihn an die Evil-Masters verraten. Ein beschämendes Gefühl kam ihr bei diesem Gedanken auf. Anti-Christor ging zur Haustür, um die ungebetenen Gäste zu empfangen. Er öffnete sie, und die zwei Evil-Masters standen ihm gegenüber.

?Hallo mächtige Masters. Wie schön euch einmal bei mir begrüßen zu dürfen.?, sagte der hagere Mann furchtsam. ?Spar dir deine Höflichkeitsfloskeln.?, entgegnete ihm Anti-Teela, ?Die Gefangene Silvia ist geflohen. Hast du sie gesehen??
?Nein mächtige Teela, habe ich nicht. Möglicherweise ist sie schon aus der Stadt raus.?

Mit einer solchen Antwort gab sich der Force-Captain nicht zufrieden. Sie schubste ihn unsanft zurück, um sich Zugang zu seiner Wohnung zu verschaffen. Anti-Orko folgte ihr.

?Ich habe wirklich keine Ahnung, wo sie ist. Du weißt ja selbst, dass sie sehr schnell von irgendwo verschwinden kann.?, versuchte Anti-Christor weiter zu beschwichtigen.
?Möglicherweise hast du sogar recht.?, antwortete ihm Anti-Teela, ?Aber irgendwie fällt es mir sehr schwer dir zu glauben. Orko, zeig doch mal was ihn erwartet, falls er uns gerade angelogen hat.?

Der böse Trollaner richtete seine Hände auf den Mann, dann ließ er seinen Schmerz-Zauber auf ihn los. Er zuckte schreiend und krampfhaft zusammen. Anti-Teela packte den wehrlosen Offizier am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. ?So, mein Freund. Stell dir das in zehnfacher Stärke vor. Bete, dass Silvia nicht hier ist. Denn sonst wird es dir wesentlich dreckiger gehen.?, sagte sie. Sie rammte ihm ihren Kobrastab in die Magengegend, worauf er zusammenbrach. Mit einem erneuten Schlag schickte Anti-Teela den wehrlosen Mann endgültig zu Boden. ?Ich weiß nicht, wer du bist. Aber mein Gefühl sagt mir, dass mit dir ganz gewaltig was nicht stimmt. Pass bloß auf, dass ich dich nicht irgendwann drankriege.?, sagte sie böse zu ihm. Nach diesen Worten ließ die Peinigerin endlich von ihrem Opfer ab. Sie zog eine Pistole und lud die Waffe durch. ?Orko, du siehst dich im Erdgeschoss um. Ich suche im ersten Stock.?, sagte sie zum Anti-Trollaner. Danach arbeitete sie sich die Treppe rauf, die Schusswaffe stets im Anschlag.

Anti-Orko nahm ebenfalls seine Pistole aus seiner Kapuze und begann die Küche rechts von der Eingangstür zu durchsuchen. Aber von Evil-Lyn gab es keine Spur. Der böse Zauberer nahm sich daraufhin das Zimmer dahinter vor, aber auch hier blieb die Suche erfolglos. Jetzt schwebte Anti-Orko in den Raum, wo sich Evil-Lyn in einer Kiste versteckte. Durch einen schmalen Ritz konnte Skeletors rechte Hand das Geschehen mitverfolgen. Auch hier schaute sich der schwebende Zwerg gründlich um. Schon sehr bald entdeckte er die Kristallkugel, die nicht sehr gut versteckt wurde. Er legte seine Waffe auf den Tisch ab, und schwebte zur Ecke, wo sich die magische Waffe befand. Der böse Zauberer nahm sich die Kristallkugel, hielt sie in seinen Händen und studierte sie. Jetzt war Evil-Lyn aufgeflogen. Der Anti-Trollaner wusste von ihrer Anwesenheit hier. Aber die Hexe sah für sich noch eine kleine Change. Die Pistole auf dem Tisch lag inzwischen weit außerhalb der Reichweite des Anti-Trollaners, dafür aber sehr nahe an Evil-Lyns Versteck. Also bereitete sie sich vor, um ihn mit einer schnellen Aktion zu überrumpeln. Evil-Lyn hechtete mit einem schnellen Sprung aus der Kiste, schnappte sich die Pistole und drückte sie Anti-Orko an den Kopf. Der Anti-Trollaner wurde vollkommen überrascht. Er blieb erstmal starr in der Luft schweben, ließ die Kugel fallen und erhob die Hände.

?Ach sieh mal einer an, die Gute ist ja doch hier.?, sagte er erstaunt.
?Wie dumm für dich, was Orko? Du bist jetzt meine Fahrkarte hier raus.?
?Aber gerne doch werte Dame. Dafür musst du mir noch nicht einmal die Knarre an den Kopf halten.?
?Mund halten, Trollaner. Wir zwei gehen jetzt ganz langsam zur Haustür, und wenn du irgendwelche faulen Zaubereien versucht, bist du tot.?

Der böse Zauberer wog sich in sein Schicksal, während Evil-Lyn sich ihrer Kristallkugel wieder bemächtigte. Zusammen verließen sie den Lagerraum, und betraten den Flur. Anti-Orko schwebte langsam und mit erhobenen Händen vorran. Skeletors Ziehtochter folgte dem Trollaner im geringen Abstand, während sie ihm weiter die Pistole an den Kopf drückte. Anti-Teela kam die Treppe herunter und stellte sich den beiden in den Weg. Sie nahm keinerlei Rücksicht auf Evil-Lyns Geisel und eröffnete sofort das Feuer auf die Schwarzmagierin. In einer schnellen Blitzaktion schleuderte Evil-Lyn Anti-Orko von sich weg und warf sich hinter den dicken Eichenschrank in Deckung. Ihr großes Glück war es, dass die böse Kämpferin sich nicht die Zeit zum Zielen nahm. So schossen die tödlichen Kugeln knapp an ihnen vorbei. Anti-Orko suchte sich ebenfalls ein sicheres Versteck, er schwang sich geschwind hinter den Durchgang zum Lagerraum. Evil-Lyn erwiderte das Feuer, ihre Schüsse waren ebenfalls nicht gezielt, sodass Anti-Teela souverän hinter der anderen Seite des Schranks Schutz suchen konnte. Beide lieferten sich einen harten Feuerkampf. Anti-Teela setzte der Schwarzmagierin immer mehr zu, sodass Evil-Lyn sich kaum noch aus ihrer Deckung traute. Anti-Christor näherte sich der bösen Kämpferin unbemerkt von der Seite. Er hatte ein großes silbernes Tablett in den Händen und schlug damit auf Evil-Lyns Kontrahentin ein. Anti-Teela war auf diesen Angriff nicht vorbereitet. Sie verlor ihre Waffe und ließ sich zurückdrängen, während sie sich ihre Hände schützend vors Gesicht hielt. Doch schon bald ergriff sie ihren roten Kobrastab und schlug damit ihrem Gegner das Tablett aus der Hand. Mit einem weiteren kräftigen Hieb traf sie ihn am Kopf, worauf Anti-Christor zu Boden fiel. Evil-Lyn nutze das Scharmützel gekonnt aus. Sie sprang aus ihrer Deckung, und schoss dreimal gezielt auf Anti-Teela. Die Kugeln trafen die Kontrahentin tödlich. Sie wurde auf den Boden geschleudert und starb nur wenige Sekunden später.

Die Siegerin des Feuerkampfes ging zu Anti-Teelas Leiche. Eigentlich wollte sie ihr noch einen Kopfschuss verpassen, und setze dazu auch schon an. Doch als sie ihren blutüberströmte Oberkörper und ihre weit aufgerissenen und in die Leere blickenden Augen sah, erkannte sie, dass dies nicht mehr nötig war. Ihr Blick wandte sich von der Toten ab, hin zu Anti-Christor, der sich nur langsam wieder bemühte, aufzustehen. Sie brachte ein gezwungenes Danke heraus, bevor sie die Wohnung verließ.

Nachdem die Schwarzmagierin gegangen war, kam Anti-Orko wieder aus seinem Versteck hervor. Er schwebte zu seiner toten Kameradin hin und blickte kurz darauf böse auf den drahtigen Mann, der noch immer Mühe mit dem Aufstehen hatte.

?So, Silvia ist also nicht hier. Dafür wirst du mit deinem Leben bezahlen.?, sagte er schließlich und richtete seine Hände auf Anti-Christor.
?Nein bitte tu es nicht, mächtiger Orko.?
?Hmm, du hast recht. Ich werde dafür meine Zauberkräfte nicht verschwenden.? Der Anti-Trollaner nahm sich schnell Anti-Teelas Pistole, die auf den Boden lag. Damit tötete er den Föderations-Offizier mit nur einem einzigen Schuss.

****

Evil-Lyn war wieder allein auf den Straßen. Der schwarze Attack-Track, zu dem Anti-Orko sie hineinzwingen wollte, stand nicht sehr weit von ihrer Position weg. Dort hin wollte sie zurück, denn wenn es eine Change hier gibt, hier rauszukommen, dann nur mit einem solchen gepanzerten Fahrzeug. Schnell, aber leise bewegte sie sich vorwärts, bis sie den Ort erreichte.

Kurz vor dem Ziel stellte sich wieder vor ihr jemand in den Weg, diesmal war es Anti-Ram-Man. Dieser hatte sie schon bei ihrer Gefangennahme zugesetzt, als er sie überraschend von der Seite rammte. Der mauerbrechende Titan nahm Anlauf, doch Evil-Lyn war diesmal darauf vorbereitet, da er direkt von vorne kam. Mit einem magischen Blitz aus der Kristallkugel lenkte sie die Flugbahn des Gegners ab. Anti-Ram-Man flog im hohen Bogen über der Hexe weg und krachte in eine Häuserwand. Evil-Lyn sah ihm hinterher, und bemerkte Anti-Orko mit zwei Soldaten heranstürmen. Der böse Zauberer feuerte Blitze auf sie, gerade noch rechtzeitig konnte sie einen magischen Schirm vor ihren Körper halten. Er war aufgrund ihrer schwachen und zugesetzten Magie nicht sehr stark, aber trollanischer Zauber konnte er gerade noch so abwehren. Die Schwarzmagierin lief weiter. Irgendwie erreichte sie das Fahrzeug und stieg geschwind ein. Skeletors Ziehtochter wollte den Attack-Track starten, aber sie kam zunächst nicht mit der Steuerung zurecht. Noch niemals zuvor hatte sie ein solches Fahrzeug gefahren, erst recht nicht ein solches von der Antiwelt. Anders wie beim Land-Shark waren hier die Knöpfe, Hebel und Schalter vollkommen anders angeordnet auf der rabenschwarzen Konsole. Entsetzt sah die Schwarzmagierin durch die Windschutzscheibe, wie Anti-Orko mit den zwei schwarzen Soldaten immer näher kam. Kurze Zeit später kam auch noch Anti-Ram-Man aus einer Tür direkt unterhalb des Loches haus, in der er hineingeschleudert worden war. Alle vier liefen auf den Attack-Track mit Evil-Lyn zu und würde sie bald erreichen. Doch die Flüchtige fand doch noch rechtzeitig den Anlasser. Sie ließ die Motoren aufheulen und fuhr direkt auf das feindliche Quartett zu. Anti-Ram-Man sprang noch rechtzeitig zur Seite. Auch der böse Trollaner konnte noch früh genug in die Höhe schweben, sodass das Fahrzeug unter ihn hindurchfuhr. Die zwei Soldaten versuchten sich ebenfalls zu retten, einer schaffte es jedoch nicht. Er wurde vom Kettenfahrwerk des Attack-Tracks zermahlen. Erst sehr langsam und unbeholfen, dann aber immer schneller entfernte sich das Panzerfahrzeug von den drei verbliebenen Kontrahenten.

?Silvia fährt noch viel zu langsam. Ich werde das Fahrzeug rammen, dann ist es aus mit ihr.?, sagte Anti-Ram-Man und wollte gerade ansetzen.

?Nein, Rammy nicht!? Anti-Orko schwebte herab, und hielt seinen mauerbrechenden Partner mit einer Geste zurück. ?Mach einen Wind-Raider startklar. Ich weiß ganz genau, wohin Silvia will. Wir werden vor ihr dort sein, und sie gebührend empfangen.?

****

Die Fahrt verlief ohne weitere Zwischenfälle. Die schwarzen Soldaten, von denen sie zuvor noch gejagt worden ist, liefen ihr zwar über den Weg, griffen sie aber nicht an. Offensichtlich hielt man sie als einen von ihnen. Tatsächlich konnte man von außen unmöglich die Fahrerin durch die schwarz getönte Scheibe erkennen. Unbehelligt passierte sie sogar einige Straßensperren, bevor sie die Stadt verließ. Sie steuerte den direkten Weg zur Höhle an, aus dem sie gekommen war, als sie in dieses Universum der Finsternis geschleudert wurde. Kein anderer Attack-Track, kein feindlicher Blaster-Hawk und auch keine sonstigen Fahrzeuge der Evil-Masters verfolgten die Schwarzmagierin. Trotz des schweren Kettenfahrwerks konnte das Kampffahrzeug eine annehmbare Geschwindigkeit von bis zu 50km/h erreichen, sodass die Fahrerin schnell und gut vorran kam. Insgeheim hoffte sie, dass Anti-Orko dumm genug gewesen ist und sich nur auf ihre Kristallkugel fixiert hat, als er von Anti-Duncan an diesen Ort geschickt wurde. Aber wenn sie es sich recht überlegte, war es sehr wahrscheinlich, dass die Evil-Masters den Spiegel bereits hatten. Das wäre der ultimative Supergau für sie selbst und ihren Heimatplaneten. Evil-Lyn versuchte sich diese Horrorvorstellungen aus dem Kopf zu schlagen. Denn es konnte einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Die Hexe hielt an ihrem Ziel direkt vor dem Höhleneingang an. Sie betrat den Bau und begab sich zu der Stelle, an der die Fragmente des Spiegels sein sollten. Sie traf wieder auf die Körper der zwei Widgets, die beim Übergang in diese andere Welt ums Leben gekommen sind. Aber die Fragmente des Spiegels waren weg. Evil-Lyn suchte wirklich überall, und drehte jeden Stein in der Höhle um. Doch die Suche blieb erfolglos. Nicht ein einziges Fragment konnte sie finden. Verzweifelt setze sich die Schwarzmagierin auf einen Stein. Ihre schlimmste Befürchtung ist eingetroffen, der Spiegel ist tatsächlich in feindliche Hände geraten. Die Fakten ließen keinen anderen Schluss zu. Wie sollte sie jetzt jemals wieder zurück nach Hause kommen? Und was am wichtigsten war: War der Planet Eternia überhaupt noch zu retten, oder hatten die Evil-Masters bereits erbarmungslos zugeschlagen? Skeletors Ziehtochter stand nochmal auf, und suchte erneut, mehr aus Verzweiflung und weil sie es nicht wahrhaben wollte. Diesmal nahm sie sich beinahe die gesamte Höhle vor, denn sie wusste nicht, was sie sonst machen sollte. Plötzlich beamte sich Anti-Orko in die Höhle. Der böse Trollaner öffnete seine Kapuze und brachte ein Stück vom schwarzen Spiegel hervor. ?Du suchst nicht zufällig das hier, liebste Silvia??, sagte er und schwebte näher zur Hexe hin, die sich schlagartig zu ihm umdrehte, ?Oder sollte ich dich besser mit Evil-Lyn ansprechen??

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