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Ungebetener Besuch
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Auf dem Weg ins Dorf grübelte Teelana darüber nach, woher sich Duncan und Fisto kennen konnten. Woher wusste Fisto von der Narbe, die normalerweise von Kleidung bedeckt war? Gut, wenn ihr Freund schmiedete, dann trug er wegen der Hitze schon mal Kleidung mit kurzen Ärmeln. Vielleicht war es dem rothaarigen Krieger wirklich durch einen Zufall aufgefallen. Duncan hatte mal einen älteren Bruder kurz erwähnt, der jedoch seit Jahren verschwunden war. Ihr Kamerad hasste es, über seine Familie zu sprechen und vermied das Thema sorgsam. Die Magierin hatte es respektiert und nicht weiter nachgehakt. Für Brüder hatten die beiden wirklich zu wenig Ähnlichkeit.

Als sie in die Burg zurückkehrte, stand der Rothaarige zu ihrer Überraschung gewaschen und angezogen in der Küche und deckte den Tisch. Den Bart hatte er sich allerdings zu ihrem Leidwesen nicht rasiert.
?Ich dachte, du wärst müde. Bist du schon ausgeschlafen??
?Ja.?
Fisto wirkte verschlossen wie bei ihrer ersten Begegnung.
?Um noch mal auf das Thema ?Rasieren? zurückzukommen...!
?Das Thema ist abgeschlossen.?
?Komm schon! Du würdest ohne diesen roten Fusseln im Gesicht richtig gut aussehen.?
?Es ist mein Gesicht und ich mag meine Fusseln. Was gibt es zu essen??
Teelana grinste. Diese Runde ging eindeutig an ihn. Es war schön, dass sie jemand erwartete und es war schön, nicht mehr alleine essen zu müssen. Leider waren ihre Kochkünste nicht die besten. Fisto kostete und verzog angewidert das Gesicht.
?Pfui Teufel, willst du mich vergiften? Das Zeug kriegt man ja nicht durch den Hals.?
?Über die Möglichkeit habe ich noch nicht nachgedacht. Danke für den Tipp. Kochen ist nicht meine Stärke. Dafür kann ich andere Sachen.?
?Dann gibt es eben nur Brot. Morgen lässt du mich an den Herd, einverstanden??
?Kannst du das denn??
?Schlechter als du kann ich gar nicht sein. Schau, nicht mal die Katze mag dein Essen.?
Der fette Hauskater hatte sich beim Anblick des Essens tatsächlich unter die Bank verkrochen.
Teelana droht der Katze spaßeshalber: ?Verräter. Wenn du wieder Flöhe hast, ich helfe dir nicht.?
Am nächsten Morgen stellte das Mädchen erschrocken fest, dass der rothaarige Krieger verschwunden war. Sein Schwert hatte er mitgenommen. War er wirklich fort, ohne sich zu bedanken? Hatte er das Ganze zwischen ihnen nicht ernst genommen? Gut, wirklich passiert war ja auch nichts, aber so einfach verschwinden, ohne ein Dankeschön war auch keine Art.
?Guten Morgen, du Langschläferin!? Fisto stand vor ihr, verschwitzt, abgekämpft, aber mit leuchtenden Augen. Seine ganze Haltung strahlte Zufriedenheit aus.
?Wo warst du? Konntest du keinen Zettel hinterlassen.?
?Trainieren. Ich muss doch wieder in Gang kommen, ich bin vom vielen Liegen ganz außer Übung. Ich gehe nicht, ohne vorher Bescheid zu sagen. Soviel Vertrauen musst du schon in mich haben.?
Die Magierin begriff, dass er zu den Menschen gehörte, die eine gewisse körperliche Auslastung brauchten, um sich wohl zu fühlen. Nahm man ihm den Kampf, so nahm man ihm die Seele. Es wäre, als würde man ihr die Bücher oder Duncan die Werkstatt verbieten.
Ihr ging das gestrige Gespräch nicht aus dem Kopf. Woher kannte er ihren Freund?
?Fisto? Wie heißt eigentlich dein jüngerer Bruder? Wie alt ist er ungefähr??
?Habe ich dir das nicht gesagt??
?Nein, du hast immer nur von ?dem Kleinen? oder ?dem Kurzen? gesprochen. Seinen Namen hast du nie erwähnt.?
?Hör mal, ich will mir nicht den Tag verderben und von der kleinen Kröte reden. Das Thema ist beendet.?
?Aber...?
Fisto richtete sich zur vollen Größe auf. Sein Tonfall wurde hart.
?Ich will nicht über ihn sprechen. Was ist daran so schwer zu verstehen?!?
Der Mann verließ die Küche und warf laut die Tür hinter sich in Schloss. Teelana blieb wie betäubt sitzen. Ava hatte recht, einen einfachen Charakter hatte er wirklich nicht.

Der Rothaarige hatte eigentlich vorgehabt, nur eine kurze Runde im Wald zu drehen und dann zur Burg zurückzukehren. Am Wegrand fiel ihm ein schmaler, dunkelhaariger junger Mann auf. Es war Yaris, einer der Mitglieder seiner letzten Truppe. Fisto erinnerte sich unangenehm an seinen unrühmlichen Abgang. Der Junge strahlte ihn zu seiner Verblüffung erfreut an.
?Fisto! Ein Glück, dass ich dich treffe. Wir brauchen so dringend einen Schwertkämpfer, der Hauptmann würde dich sofort wieder aufnehmen.?
?Nachdem, was ich mir geleistet habe? Sicherlich nicht. Ich kann euch auch nicht wieder unter die Augen treten.?
Yaris sah das anders: ?Du könntest wieder gutmachen, was du angerichtet hast. Krister ist wieder auf der Schule, Bengt wurde verletzt und fällt die nächsten Wochen aus. Gute Kämpfer sind rar im Moment. Überlege es dir! Wir sind noch zwei Tage hier, bis dahin musst du dich entschieden haben.?
?Ich denke darüber nach, in Ordnung??
Yaris beschrieb dem anderen kurz den Weg zu ihrem Lager. Dann trennten sich ihre Wege wieder. Fisto hatte sich bereits schon halb entschieden. Er wollte zu seiner ursprünglichen Truppe zurück und beweisen, dass er durchaus auch verantwortungsvoll handeln konnte. Jetzt musste er das Ganze nur noch Teelana schmackhaft machen.

Als er zur Burg zurückgekehrt war, fand er die junge Frau über einem Buch sitzend vor.
Vorsichtig berührte er sie an der Schulter.
?Willst du vernünftig mit mir sprechen, oder willst du mich wieder anbrüllen? Ich bin nicht dazu da, deine Launen auszuhalten, merk dir das.?
Der Krieger machte einen zerknirschten Eindruck.
?Entschuldige. Hast du heute Abend ein paar Stunden Zeit? Ich würde dir gerne einen ganz besonderen Ort zeigen.?
?Das muss ich mir noch überlegen.? Teelana verzog keine Mine.
?Sei nicht zickig. Ich habe gesagt, dass es mir leid tut. Was willst du denn noch??
?Wer von uns beiden ist denn ?zickig?? Ich habe dir lediglich eine ganz normale Frage gestellt und du tust, als hätte ich dich schwer beleidigt. So wird das nichts mit uns.?
?Komm heute abend einfach mit. Du wirst es nicht bereuen, ich verspreche es dir.?
Das Mädchen war schon neugierig, aber sie versuchte, es nicht zu zeigen. Er sollte ruhig noch ein wenig über sein Verhalten nachdenken.
?Mal sehen.?
Teelana entschloss sich dann doch mitzukommen. Sie kannte die Gegend hier gut. Sie wollte wissen, womit er sie noch überraschen wollte.

Gegen Abend verließen beide die Burg. Es war warmer Frühherbst. Die Blätter der Bäume färbten sich schon langsam im rotgolden Ton. Ein paar Sterne schienen und ein großer Vollmond stand am Himmel. Teelana war erstaunt, wie sicher sich Fisto orientierte. Das fahle Licht des Mondes schien ihm zu auszureichen. Sie waren ein gutes Stück durch den Wald gelaufen. Nach einiger Zeit nahm der Rothaarige ihre Hand in seine. Das Mädchen ließ ihn gewähren. Sie genoss das Gefühl, Hand in Hand neben ihm zu laufen. Nach einiger Zeit sprach Fisto sie an: ?Jetzt bleib stehen. Nicht gucken.? Er hielt ihr die Augen zu und führte sie noch ein Stück weiter. Teelana folgte ihm blind. Sie fühlte nachgiebigen Boden wie Sand unter den Schuhen.
?So. Jetzt schau mal! Ist das was??
?Es ist phantastisch!? Vor sich sah sie einen klaren See, in dem sich der Mond spiegelte. Es war vollkommen ruhig, bis auf ein paar Grillen, die zirpten. Teelana legte ihren Arm um seine Taille. Beide standen Arm in Arm nebeneinander und schauten auf das Wasser. Eine seltsame Spannung entstand zwischen den beiden. Fistos Blick bekam etwas Aufforderndes. Die Magierin löste ihre Spange und ließ ihr Haar wie eine rotbraune Flut auf ihre Schultern fallen. Sie hatte keine Angst. Sie wollte ihn ganz spüren, sie wollte ihm so nahe sein, wie es nur möglich war. Was kümmerte sie ihre Bestimmung? Es zählte nur das Hier und Jetzt.
?Ich werde bei ihm bleiben,? war ihr letzter Gedanke. ?Um Grayskull soll sich jemand anders kümmern. Er ist alles, was ich will und brauche.?

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