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Das Geheimnis des schwarzen Spiegels
Heimweh und Fernweh
Von Angesicht zu Angesicht. Evil-Lyn und Anti-Orko standen sich in der Höhle gegenüber. Vom schwarzen Spiegel gab es nicht die geringste Spur, abgesehen von dem einen Fragment den der böse Zauberer in der Hand hatte. Offenbar wusste der Anti-Trollaner über den Verbleib des Spiegels Bescheid. Demonstrativ ließ er das Spiegelstück in der Hand auf und abspringen. Was die Hexe jedoch noch mehr beunruhigte, war die Tatsache, dass er im Gegensatz zu all den Anderen ihren richtigen Namen wusste.

?Nun Evil-Lyn, hast du mir nichts zu sagen??, fragte er nach einer Weile. Die Schwarzmagierin druckste herum, und versuchte sich als Silvia auszugeben. Doch der Anti-Trollaner ließ sich von ihr nicht täuschen.

?Den anderen kannst du mit dieser Masche vielleicht was vormachen, aber nicht mir.?, sagte der böse Zauberer demonstrativ, ?Du hast dich bereits verraten, als du in unserem Kerker angefangen hast, von Skeletor zu sprechen. Als ich dann von Duncan hierher geschickt wurde, um deine Kristallkugel zu bergen, fielen mir sofort diese ganzen Trümmerteile und die zwei Leichen der Widgets auf. Sofort wusste ich, dass es sich nur um den schwarzen Spiegel handeln konnte, den du damals mit Skeletor zusammen konstruiert hast. Ich organisierte mir also einen Wind-Raider, und brachte alle Teile an einen sicheren Platz, um dort den Spiegel erstmal in Ruhe wieder zusammenzusetzen. Ich habe es vorausgesehen, dass du früher oder später in diese Höhle zurückkehren würdest. Ich beamte mich nach hierhin zurück, und siehe da, du hast wirklich nicht lange auf dich warten lassen, hehehehe.?

Ein Gefühl der Niederlage und der Angst kam in Evil-Lyn auf, nachdem der Anti-Trollaner seinen Vortrag beendet hatte. Jetzt war es amtlich, dass sie ihm nichts vormachen konnte. Der böse Zauberer wusste ganz genau über sie und den schwarzen Spiegel Bescheid. Eigentlich auch kein Wunder, denn Skeletor hatte damals ihn zuerst mithilfe des Weltenwandlers nach Eternia geholt. Vor allen anderen Evil-Masters und Kreaturen der Antiwelt, und noch bevor er zusammen mit Evil-Lyn den schwarzen Spiegel konstruiert hatte. Er hatte der Konstruktion mit beigewohnt, und half ihnen sogar mit einigen Tipps bei der Perfektionierung.

?Ok Orko, du hast gewonnen. Wirst du mich ausliefern??, fragte Evil-Lyn seufzend.

?Nein, das habe ich eigentlich nicht vor. Es sei denn, du zwingst mich dazu.?, erwiderte der böse Zauberer. Er lehnte sich lässig an eine Höhlenwand, und verschränkte dabei die Arme.

?Weißt du, Evil-Lyn. Manchmal habe ich so Tage, da kann ich ganz entgegenkommend sein. Du hast großes Glück, dass heute so ein Tag ist. Ich gab dir deine Kristallkugel zurück, kurz bevor He-Man sich anschickte, dir auf dem Schafott den Kopf abzuschlagen. Und ich stellte dir den Attack-Track zur Verfügung, mit dem du hierher gefahren bist. Zu Fuß wärst du nämlich niemals aus Eternis herausgekommen. Ist zwar bedauerlich, dass du mich nicht gleich mitgenommen hast, aber darüber sehen wir mal hinweg.?

Anti-Orko stieß sich von der Höhlenwand ab, und schwebte wieder zu Evil-Lyn hin. Der böse Trollaner machte einen 3/4-Kreis um die Schwarzmagierin herum, und begab sich zu einem der zwei toten Widgets. Er schwebte zu ihm herab und musterte ihn genau. Dann schwebte er wieder auf, und wandte sich der Hexe wieder zu.

?Es grenzt an ein Wunder, dass es dir nicht genauso ergangen ist, wie deinen zwei Freunden hier. Offenbar hat dich deine Magie vor Schlimmeren bewahrt. Hast du etwa vergessen, dass man für die Aktivierung einen speziellen Zauberspruch aufsagen muss??

?Glaubst du tatsächlich, ich bin freiwillig hier? Das war alles nichts, als ein dummer Zufall. Ich will einfach nur wieder zurück nach Hause, und mit euch nichts zu tun haben.?, sagte die Hexe barsch.

?So ist das also, warum hast du das denn nicht gleich gesagt??, lachte Anti-Orko, ?Ich könnte dir dabei helfen, und das sogar mit der richtigen Zauberformel. Ich habe mir damals erlaubt, diese an mich zu nehmen. Wie gesagt, ich kann manchmal recht entgegenkommend sein.?

Evil-Lyn musterte Anti-Orko genau und fragte nach einer Weile: ?Du hilfst mir doch bestimmt nicht aus reiner Herzensgüte, was ist dein Preis?? Die Augen des Anti-Trollaners begannen bösartig zu funkeln. ?Oh ja, Evil-Lyn ich verlange einen Preis von dir. Den Spiegel hätte ich schon längst für mich selbst genutzt. Aber meine Magie allein ist zu schwach, um ihn zu aktivieren. Ich will, dass du mich mitnimmst in dein Heimatuniversum. Dort werde ich mich Skeletor anschließen und Castle Grayskull erobern. Nur mit mir, einem mächtigen Zauberer aus dem Universum der Finsternis, wird ihm der Sieg gelingen.?

Evil-Lyn war gar nicht begeistert über Anti-Orkos Vorschlag. War es wirklich sein Ernst mitzukommen? Und selbst wenn sie einwilligen würde, Skeletor wäre ganz und gar nicht begeistert über Anti-Orkos Anwesenheit. Denn dies wäre zwangsläufig ein Indiz dessen, dass die Schwarzmagierin irgendwelche Experimente mit dem Spiegel versuchte, was ja im eigentlichen Sinn nicht der Wahrheit entsprach. Sie wollte mit Anti-Orko nichts weiter zu tun haben, und sie wollte auch keinen Ärger mit dem Hexenmeister. Deshalb kam für sie der Vorschlag überhaupt nicht in Frage. Wütend packte sie den Anti-Trollaner an den Kragen, und drückte ihn gegen die Höhlenwand. Dann zog sie die Pistole, die sie dem Anti-Trollaner in Anti-Christors Wohnung weggenommen hatte, und drückte sie ihren Gegenüber an die Schläfe.

?Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ich dich mitnehmen werde.?, fauchte sie böse.
?Du hast keine andere Wahl, Evil-Lyn.?, erwiderte der böse Zauberer.
?Wo hast du den Spiegel hingebracht??, fragte die Hexe drohend. Doch Anti-Orko lachte nur.
?Na los doch, du Hexe. Drück ab. Töte mich und wirst hier den Rest deines Lebens hier bleiben.?

Wütend versetzte die Schwarzmagierin dem Anti-Trollaner mit dem Lauf der Pistole einem Kinnhaken. Die darauf eintretende schwere Benommenheit ihres Gegenübers nutze sie, um ihn den Teil des Spiegels aus der Hand zu reißen. Sie als 2. Konstrukteurin des schwarzen Spiegels wusste ganz genau, der dieser nicht funktioniert, wenn auch nur ein Fragment davon fehlt. Deswegen war der Spiegel ohne dieses Teil für ihn, als auch für die Evil-Masters nutzlos und somit für Eternia überhaupt nicht gefährlich. Evil-Lyn wusste nur noch eine einzige Möglichkeit, um wieder zurück nach Hause zu kommen. Sie musste nach Anti-Snake Mountain. Dort angekommen wollte sie die Karten auf den Tisch legen, und die Wahrheit über sich erzählen. Wenn die Masters hier auf der Antiwelt böse und grausam waren, müssten die Evils der Logik zufolge tolerant und friedliebend sein. Sie hoffte inständig darauf, dass ihr dort geholfen würde, ohne irgendwelche Gegenleistungen zu verlangen, die für sie unzumutbar sind. Sie machte sich auf die Höhle zu verlassen, und lief durch den Ausgang. Doch draußen landeten zwei rabenschwarze Wind-Raider direkt neben Evil-Lyns schwarzem Attack-Track. Aus den Luftfahrzeugen sprangen Anti-He-Man, Anti-Ram-Man und ein halbes Duzend schwarzer Soldaten.

?Orko hatte doch Recht, da ist Silvia. Schnappt sie euch, knallt sie ab.?, rief der rothaarige Hüne. Er zog sein feuerrotes Schwert, und gestikulierte damit wild herum. Die Soldaten eröffneten daraufhin das Feuer auf Evil-Lyn, und rannten auf ihre Position zu. Die Schwarzmagierin schleuderte mit ihrer Magie einige kleine bis mittelgroße Steine in die Richtung des Feindes, doch dies waren nur Nadelstiche gegen einen entschlossenen und übermächtigen Gegner.

Sie lief zurück in das Innere der Höhle. Nachdem sie einige Meter hinter sich gelassen hatte, feuerte sie mehrere Blitze in die Decke, woraufhin der Durchgang hinter ihr verschlossen wurde. Sie rannte weiter. Schon einmal konnte sie durch den anderen Ausgang aus dieser Höhle entkommen, als sie durch den schwarzen Spiegel in diese Antiwelt gelangte. Genauso wollte sie es jetzt auch machen, doch der böse Trollaner stellte sich ihr entgegen. Er schleuderte seinen Schmerz-Zauber, mit dem er sie schon in Kerker von Anti-Eternis gefoltert hatte, entgegen. Der Blitz traf sie am Bein, und warf sie zu Boden. Ein fürchterlich schmerzhafter Krampf war die Folge, der es ihr unmöglich machte, mit dem Bein aufzustehen. Evil-Lyn verlor ihre Kristallkugel, das Spiegelfragment und auch Anti-Orkos Pistole. Der böse Zauberer ließ die Gelegenheit nicht aus, um sich die Utensilien an sich zu nehmen. Er ließ Kristallkugel und Fragment in seiner Kapuze verschwinden. Mit der Pistole zielte er auf die Schwarzmagierin. Der Steinhaufen, der den Durchgang hinter den beiden versperrte, begann sich langsam aber sicher aufzulösen. Offenbar leistete Anti-He-Man schon ganze Arbeit, und es war nur eine Frage der Zeit, bis er den Gang wieder frei hatte. Anti-Orko schaute dem Treiben berechnend zu, dann wandte er sich Evil-Lyn zu, und stelle ihr die alles entscheidende Frage.

?Genug der Kraftspiele, Evil-Lyn. Es wird Zeit, dass du dich entscheidest. Entweder kehrst du mit mir in deine Heimatwelt zurück, oder du stirbst in meiner Welt einen qualvoll langen Tod. Wie lautet deine Antwort??

Evil-Lyn blickte verzweifelt zu dem Steinhaufen und zu Anti-Orko. Man musste wirklich kein Prophet sein, um zu erkennen, dass Anti-He-Man nicht mehr lange benötigte, um durchzubrechen. Dann würde er mit seiner ganzen Truppe hier sein, und die Hexe wäre geliefert, von der Nutzung des Spiegels durch den Feind mal ganz abgesehen. Ihr blieb keine andere Wahl, als Anti-Orko das erwünschte Zugeständnis zu machen.

?Also gut Orko, in Ordnung. Ich werde dich mitnehmen, und jetzt bring uns bitte hier raus.?, flehte Evil-Lyn, während sie sich mit verzerrtem Gesicht das Bein hielt.
?Welch eine weiße Entscheidung. Ich wusste, dass du vernünftig bist.?

Freudig ließ der Anti-Trollaner seine Pistole in seiner Kapuze verschwinden, um die Hände für einen Zauber freizuhaben.

?Oh Orko aus dem Magierland, reiche mir deine helfende Hand.?
?Das Schicksal bringe uns ein Stück näher nach Haus, und vor allem aus dieser Höhle heraus.?


Das für einen trollanischen Zauber typische Glockenspiel ertönte. Kurz darauf lösten sich die beiden in einem grellen Lichtblitz auf und verschwanden. Nur wenige Sekunden später konnte Anti-He-Man sich durch den Steinhaufen arbeiten. Er ging mit seinen Männern zu der Stelle, wo die beiden zuvor noch waren. Sie konnten jedoch keinen Hinweis mehr finden, dass irgendjemand hier gewesen war. Auch nach intensivem Durchforsten der gesamten Höhle blieb man erfolglos.

****

Das ungleiche Paar materialisierte sich in einer Gegend weit außerhalb der Höhle. Die Schmerzen im Bein der Schwarzmagierin neutralisierten sich mit dem Teleportationszauber. Weil sie keinerlei Beschwerden mehr hatte, konnte sie ohne Probleme aufstehen. Neugierig schaute sie sich um. Vom schwarzen Spiegel gab es weit und breit nicht die geringste Spur. Sie befanden sich in einem riesigen Canyon, der sich in langen Kurven schlängelte. In der Mitte befand sich ein langgezogener Abgrund, mit einer unendlichen Tiefe. Die Wände des Canyons ragten felsenartig in die Höhe. Ab und zu wuchsen kleine Pflanzen aus den Felsen, die aber schon gut zur Hälfte abgestorben waren. Der Himmel war, wie sonst fast überall auf Anti-Eternia auch, mit schwarzem Schleier verhangen. Doch hier war es nicht vollständig bedeckt. Die Sonne schaffte es immer wieder, beachtliche Löcher in den Schleier zu schlagen. So spendete der Himmelskörper etwas mehr Licht, als anderswo.

?Orko, wo sind wir hier? Und wo ist der Spiegel??, fragte die Hexe leicht verärgert.
?Oh, ähm. Ich glaube wir sind etwas ins Abseits geraten.?, murmelte Anti-Orko kleinlaut.
?Ins Abseits geraten, was hat das zu bedeuten??
?Nun naja, der Zauber hat nicht so ganz funktioniert, wie ich mir das erhofft habe. Der Spiegel ist etwa vier Kilometer in dieser Richtung.?, sagte Anti-Orko etwas verlegen. Er deutete mit einem Finger in eine Richtung des Canyons.

?Ähm, vielleicht kann ich uns auch direkt zum Spiegel zaubern oder ein Dimensionstor öffnen.?, schlug Anti-Orko nach einer Weile vor. Ohne auf eine Rückantwort Evil-Lyns zu warten, machte er sich für einen weiteren Zauberspruch bereit.

?Oh Orko aus dem Magierland, reiche mir deine helfende....?

?Nein lass mal lieber, Orko.?, unterbrach ihn Evil-Lyn, ?Wer weiß, wo wir dann landen, bestimmt nicht beim Spiegel. Außerdem solltest du deine Kräfte für die Aktivierung schonen. Ich laufe, die vier Kilometer schaff ich auch noch.?
?Na schön. Ein kleiner Spaziergang tut mir auch mal ganz gut.?, antwortete der Anti-Trollaner.




Beide gingen sie in die Richtung los, in die Anti-Orko hingedeutet hatte. Der Bereich zwischen Felswand und Abgrund breitete sich bis zu 20 Meter aus, sodass es zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr gab, in die Tiefe zu stürzen. Es ging durch zahllose Kurven herum, teilweise mit einem Winkel von über 90 Grad. Anti-Orko schwebte angespannt neben der Hexe her. Er schien sich voll darauf zu konzentrieren, den magischen Spiegel in Gang zu setzten, um dann den Dimensionskorridor für die Reise nach Eternia zu nutzen. So jedenfalls nahm es die Hexe an. Evil-Lyn beschloss die Stille zu brechen, und begann ein Gespräch mit dem Anti-Trollaner.

?Sag mal Orko, wieso willst du eigentlich diese Welt verlassen? Der Wunsch, mit Skeletor zusammenzuarbeiten, ist doch bestimmt nicht der einzige Grund, oder???, fragte sie neugierig. Der Anti-Trollaner blickte sie daraufhin mit einer Mischung aus Wut, Verzweiflung und Traurigkeit an. ?Wieso_? Ich habe einfach die Kapuze voll von dieser blöden Antiwelt hier, kann man das nicht verstehen? Du hast doch gesehen, wie Duncan mich im Kerker behandelt hat. Genauso ist es auch mit den Anderen. Egal ob He-Man, die Sorceress oder Lord Randor. Alle schubsen mich nur herum, ich kann nur die niederwertigste Schmutzarbeit machen. Was das Schlimmste dabei ist, niemand weiß meine hoch talentierten magischen Fähigkeiten zu schätzen.? Evil-Lyn hörte ihrem Gesprächspartner gut zu, und sie konnte seine Motive irgendwie nachvollziehen. Was sich Anti-Duncan mit ihm im Palastkerker geleistet hat, war selbst für böse Verhältnisse nicht gerade die feine Art. Sie ertappte sich sogar dabei, Verständnis und Mitgefühl für den Anti-Trollaner zu empfinden.

?Und du meinst bei Skeletor wird alles besser??, fragte sie.
?Skeletor versteht mich. Er hat schon damals meine Talente besonders geschätzt.?

?Orko, damit eines klar ist. Ich habe von Skeletor den Auftrag, den Spiegel zu zerstören. Wenn du erstmal den Dimensionskorridor passiert hast, gibt es keine Möglichkeit mehr, nach hier hin zurückzukommen. Überlege es dir also gut, es ist eine Entscheidung für die Ewigkeit.?, mahnte die Schwarzmagierin.

?Irgendwie hatte ich darauf gehofft, Evil-Lyn. Wirst du auch beide Spiegel zerstören??

Diese Frage brachte Evil-Lyn etwas ins Stutzen, denn sie war berechtigt. Es gab in der Tat zwei schwarze Spiegel, die jeweils das Ende des Dimensionskorridors darstellten, das Eternia mit Anti-Eternia verband. Um den Korridor zu öffnen, reichte es aus einen Spiegel auf einer Seite zu aktivieren. Der jeweils andere setzte sich dadurch automatisch mit in Aktion, sofern er nicht beschädigt oder zerstört war. Skeletor deponierte damals heimlich den zweiten schwarzen Spiegel auf Anti-Eternia in einer abgelegenen Höhle, während He-Man und seine Freunde Eternis gegen den schwarzen Schleier verteidigten. Den anderen stelle er auf Eternia ebenfalls an einem abgelegenen Ort auf. Beide bildeten somit eine sichere Passage zwischen beiden Welten, sofern man dafür den richtigen Zauberspruch anwandte. Durch diese Passage konnte man Waffen, Leute und sogar Fahrzeuge hindurchschicken. Doch die Spiegel wurden niemals aktiviert, sie blieben als Reserve in ihren Verstecken.
Normalerweise hätte es ausgereicht, einen Spiegel unschädlich zu machen. Denn hätte man es gewagt, nur einen ohne den anderen zu aktivieren, wäre man ins unendliche Nichts geschleudert worden, und auf der Stelle tot. Evil-Lyn dachte nach. Wenn sie schon zufällig hier auf der Antiwelt war, war es nur logisch, wenn beide Spiegel zerstört würden. Nur so war es ganz sicher, dass diese absolut keine Gefahr mehr für Eternia darstellten. Zwar konnte sie sich nicht vorstellen, über welche Umwege man doch noch eine Verbindung schaffen könnte, aber so war es ganz einfach sicherer. Die Schwarzmagierin gab auf Anti-Orkos Frage eine glasklare Antwort.

?Da ich schon mal hier bin, werde ich beide Spiegel zerstören, Orko. Nur so ist sichergestellt, dass keine Bedrohung mehr von ihnen ausgeht.?, sagte sie. Als Anti-Orko die Antwort hörte, machte er einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Denn jetzt gab es auch für ihn keinen Zweifel mehr diese Welt hinter sich zu lassen. Endlich konnte er seine Vergangenheit abhaken, es war wegen der ständigen Tyranneien Anti-He-Mans und der Anti-Sorceress nicht gerade eine glückliche Zeit für ihn. Innerlich bereitete er sich schon auf sein neues Leben im Dienste Skeletors vor. "Das freut mich sehr, Evil-Lyn. Ich habe zwei Mesotronenbomben. Damit können wir die Dinger in die Luft jagen.?, sagte er begeistert.

Die beiden gingen weiter. Nach dem Durchqueren von zahllosen Kurven im Canyon erreichten sie schlussendlich einen großen Platz. Die unendlich tiefe Schlucht schlängelte sich weiter am den Canyon entlang. An einer Felswand erblickte Evil-Lyn den schwarzen Spiegel. Direkt daneben befand sich ein schwarzer Wind-Raider. Damit hatte der böse Trollaner offenbar die Spiegelfragmente transportiert. ?Wir sind da. Juhu.?, eiferte Anti-Orko. Er schwebte zu dem Spiegel hin, es wurde bereits vollständig wieder zusammengesetzt. Nur in der Mitte klaffte noch ein nicht zu übersehendes Loch. Der böse Zauberer nahm das letzte Spiegelfragment, und setze es in das Loch ein. Es passte genau. Der Spiegel strahlte einmal kurz grell auf, und war wieder ganz. Evil-Lyn wurde gebeten, aus dem Gepäckraum des Wind-Raiders zwei Mesotronenbomben zu holen.

Nachdem die Schwarzmagierin dies getan hatte, stellte Anti-Orko eine Art Notenständer vor sich auf, und rollte darauf eine große, alte Schriftrolle aus. Dann nahm er Evil-Lyns Kristallkugel aus seiner Kapuze ?Gib mir deine Hand, Evil-Lyn. Dann werde ich den Spiegel für uns aktivieren.?
Evil-Lyn tat, was Anti-Orko verlangte. Dann schaute der böse Trollaner noch einmal aufmerksam auf die Rolle, bevor er die Kristallkugel auf den Spiegel richtete. Zusammen mit Evil-Lyns Magie beschwor er den schwarzen Spiegel.

?Oh Orko aus dem Magierland, reiche mir deine helfende Hand.
Aka losdo, aka so. Aks contais, do Eternio.?

Ein Blitz zuckte aus der Kristallkugel und traf den Spiegel. Das Objekt fing an zu vibrieren, und heulte wie ein anspringender großer Lüfter auf. Gelbe Punkte bildeten sich am Rand des Spiegelglases, und zogen sich immer schneller zur Mitte hin. Anti-Orko war glücklich und zufrieden, man sah es ihm an. Er gab Evil-Lyn ihre Kristallkugel zurück. ?Wir sehen uns auf der anderen Seite. Home sweet home, Evil-Lyn.? Der Anti-Trollaner nahm ein kleines Köfferchen, und schwebte zum Spiegel hin. Kurz darauf wurde er von einem weißen Blitz erfasst, und hineingezogen.

Evil-Lyn blieb zurück, während sie den aktivierten Spiegel betrachtete. Anti-Orko war jetzt bestimmt schon auf der anderen Seite angekommen, denn eine Reise durch dieses Dimensionsportal ging normalerweise binnen von Sekunden von statten. Zwar wurde ihr schlecht bei dem Gedanken, dass nun ein Trollaner mit ihr an der Seite Skeletors kämpfen würde. Doch zumindest schien er einigermaßen loyal zu sein. Irgendwie würde sie dem Knochenmann schon die neue Allianz Anti-Orkos erklären, erst recht wenn sie ihm gleichzeitig einige Trümmer des zerstörten Spiegels mitbringen würde. Immerhin war er damals als Einzigster gegen eine Vertreibung Skeletors aus Snake Mountain.

Sie nahm eines der zwei Mesotronenbomben und stellte den Zeitzünder auf 30 Sekunden ein. Soviel sollte reichen, um sicher durch den Dimensionskorridor nach Eternia zurückzukehren. Gerade wollte sie die Bombe scharf machen, als auf einmal Anti-Orko wieder aus dem Spiegel zurückgeschleudert wurde. Er stieß mit Evil-Lyn zusammen. Der Spiegel hörte auf zu vibrieren und verstummte.

?Puh, was für eine Reise. Ein Glück, dass ich nicht täglich so einen interdimensionalen Trip machen muss.?, murmelte der böse Zauberer und hielt sich den Kopf. Er schwebte auf und sah sich um. Schon bald bemerke er, dass er sich immer noch auf Anti-Eternia befand.

?Aber was ist denn das? Warum sind wir immer noch hier??, rief der Anti-Trollaner entsetzt.
?Ich fürchte, es hat nicht so ganz geklappt wie geplant.?, antwortete Evil-Lyn.
?Das kann überhaupt nicht sein. Der Zauberspruch war doch richtig.?, erwiderte Anti-Orko und schaute ratlos auf die Schriftrolle. Nach kurzer Zeit öffnete er sein Köfferchen, und holte so etwas wie ein Blutdruckmessgerät heraus. Es hatte eine überdimensionale Skala mit einem großen Zeiger. ?Gib mal deinen Arm her. Das ist ein Magie-Messgerät. Ich will wissen, wie es um deine Zauberkraft steht.? Anti-Orko band das merkwürdige Gerät um Evil-Lyns Arm, und schaltete es ein. Der Zeiger schlug jedoch nicht sehr stark aus. ?Du meine Güte, deine Zauberkraft ist ja gerade mal 5 Millimerlin höher, als meine.? , sprach Anti-Orko erstaunt. ?Ja das ist leider wahr, Orko.?, sagte Evil-Lyn, ?Das kommt daher, weil ich meine Kräfte in letzter Zeit nicht trainieren konnte.? ?Ach Evil-Lyn. Hast du etwa die Regel vergessen, die jedem Zauberlehrling im ersten Jahr eingetrichtert wird? Zaubere jeden Tag mindestens eine Stunde. Tja, es hat nicht sollen sein.?, sagte Anti-Orko enttäuscht.

Der Anti-Trollaner schleuderte überraschend seinen Schmerz-Zauber auf Evil-Lyn. Die Hexe wurde in die rechte Seite der Hüfte getroffen, und erhielt dort schmerzhaften Krampf. Sie konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, und taumelte mit verzerrtem Gesicht zu Boden. Der böse Trollaner schickte einen weiteren Schmerz-Zauber hinterher. Dieser traf Evil-Lyn in den Unterleib. Die Schmerzen breiteten sich im gesamten Bauchraum aus. Schreiend windete sich die Hexe am Boden.

?Tja, zu schade. Es hat nicht sollen sein. Jetzt musst du mit all deinen Freunden ins Grass beißen. Wenigstens kann ich auf eine angemessene Belohnung hoffen, wenn die Sorceress mit He-Man das Lichtuniversum erobert.?, sagte Anti-Orko ernüchternd und enttäuscht. Er holte ein Handfunkgerät aus seiner Kapuze, um mit seinen Freunden Kontakt aufzunehmen.

?Orko an Mekaneck. Ich habe bei Suche nach Silvia etwas gefunden, was für die Sorceress sehr interessant sein könnte. Ich bin hier in einem Canyon mit einer tiefen Schlucht in der Mitte. Mekaneck hörst du mich? Kommen!?, sprach er ins Gerät. Doch der böse Zauberer erhielt keine Antwort auf seine Rufe. Immer wieder versuchte er es, doch Anti-Mekaneck meldete sich nicht. ?Zum Teufel, warum sitzt dieser Idiot nicht auf seinem Posten. Mekaneck, antworte mir doch.?, rief er jetzt schon fast zornig. Währenddessen versuchte Skeletors Ziehtochter aufzustehen, was wegen der Schmerzen jedoch unmöglich war.

?Orko, bitte! Warte einen Moment, es ist doch noch nichts verloren. Wir könnten eine andere Lösung finden.?, flehte sie verzweifelt.
?Eine andere Lösung gibt es nicht, Evil-Lyn. Hätte ich gewusst, dass du so erbärmlich schwach bist, hätte ich dir die Kristallkugel nicht ans Schafott gebracht.? Der Anti-Trollaner schleuderte erneut einen Schmerz-Zauber auf Evil-Lyn. Die Hexe konnte sich jedoch noch rechtzeitig zur Seite rollen, sodass der Blitz wirkungslos im Boden verpuffte.

?Orko, bitte hör mir für einen Moment zu. Ihr habt mich doch alle für Silvia gehalten. Ich stelle mir gerade vor, dass es auch eine richtige Silvia hier auf dieser Antiwelt gibt, richtig??

?Schon wenn ich den Namen von dieser dreckigen Rebellin höre, wird mir schlecht. Ja natürlich gibt es eine Silvia hier. Aber was hat sie mit dem schwarzen Spiegel zu tun??

?Ganz einfach, Orko. Wir werden sie aufsuchen und darum bitten, dass sie den Spiegel für uns aktiviert. Wenn sie tatsächlich so barmherzig ist, wie ich es vermute, wird sie es bestimmt tun.?

?Pah, dir wird sie garantiert die Reise durch den Spiegel gestatten, so weichherzig wie sie ist. Aber mich wird sie ohne zu zögern in das Gefängnis von Snake Mountain stecken. Netter Versuch, Evil-Lyn. Aber so läuft das hier nicht.?

?Dann fliege ich alleine zu Silvia, du könntest in dich verstecken, zum Beispiel hinter diesem Felsen hier.?, Evil-Lyn deutete auf einen größeren Stein, der aus dem Boden ragte, ?Wenn ich mit meinem Gegenstück nach hierher zurückkomme, sie den Spiegel aktiviert und ich hindurch schlüpfe, wirst du die Mesotronenbombe zünden. Du folgst mir dann, Silvia fliegt mit dem Spiegel in die Luft und wir hätten den Evil-Masters zum Abschied noch einen Gefallen getan.?

Evil-Lyns Vorschlag brachte den bösen Zauberer zum Nachdenken. Fast schien es so, als hätte ihn die Schwarzmagierin überzeugt, denn er warf auf einmal sein Funkgerät weg. Es landete direkt neben dem schwarzen Spiegel. Der Anti-Trollaner verschränkte seine Arme hinter dem Rücken und schwebte nachdenklich im Kreis herum.

?Hmmm, dein Plan gefällt mir, Evil-Lyn. Vielleicht kommen wir zwei ja doch noch nach Hause. Und Silvia wird bei diesem Vorhaben auch noch getötet. Das ist einfach genial.?

Anti-Orko machte wieder einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Er lachte laut und siegessicher. Die Schwarzmagierin ließ sich von dem Gelächter anstecken, und machte fröhlich mit. Doch auf einmal wurde der böse Zauberer wieder todernst.

?Es gibt leider nur einen Haken.?, sagte er nachdenklich, ?Die Sorceress hat sich vor vier Wochen mit Silvia ein hartes Gefecht geliefert. Sie hat der Rebellin ordentlich eins drauf gegeben, aber sie konnte trotzdem noch entkommen. Seitdem ist sie untergetaucht. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo sie jetzt ist.?

Der Anti-Trollaner lehnte sich an einen Felsen, und ließ den Kopf hängen. Doch plötzlich schwebte er wieder auf, als sei ihm eine Idee gekommen.

?Aber die Sorceress weiß, wo sie ist. Wir fliegen hin, und fragen sie.?, sagte er entschlossen.
?Ähm, hattest du ?wir? gesagt??, fragte Evil-Lyn leicht ängstlich.
?Ja natürlich wir, mir allein wird sie keine Auskunft geben. Ich kenne sie.?

?Du hast es vielleicht vergessen, Orko. Aber die Sorceress hat uns mit dem schwarzen Nebel damals fast fertig gemacht. Ist wohl nicht so gut, wenn sie mich sieht. Denn dann weiß sie, dass es eine Verbindungsmöglichkeit in meine Heimatwelt gibt.?

?Dann wirst du eben als jemand anderes auftreten. Das Talent dazu hast du ja heute schon zur Genüge bewiesen.?

Anti-Orko schleuderte einen magischen Blitz auf die Schwarzmagierin. Diesmal war es jedoch kein Schmerz-Zauber, sondern eine neutralisierende Aura, die Evil-Lyn von ihren Beschwerden befreite. Die Hexe stand auf, und ihr Partner machte sich für einen Zauberspruch bereit.

?Oh Orko aus dem Magierland, reiche mir deine helfende Hand.?
?Evil-Lyn, das alte Hexenweibe. Eine schöne junge Frau soll sie sein. Und das beileibe.?

Das Glockenspiel ertönte, doch Evil-Lyn verwandelte sich nicht in eine junge Frau. Stattdessen geschah etwas vollkommen anderes. Anti-Orkos Zauberblitze schlingerten sich immer mehr um Evil-Lyns Körper herum. Als es vorbei war, trug die Schwarzmagierin über ihrem Kampfanzug eine alte, grünlich-graue Kutte mit für sie viel zu langen Ärmeln und einem dicken schwarzen Gürtel um ihre Taille. Die Kutte machte zudem auch noch einen nicht sonderlich guten Eindruck. Die Nähte waren bereits an vielen Stellen aufgerissen. Anderswo wurde das Kleidungsstück bereits mit einigen Stofffetzen notdürftig geflickt. Anti-Orko betrachtete sein Werk, und schien etwas überrascht.

?Na gut, es ist nicht so ganz das, was ich im Sinn hatte. Aber das müsste eigentlich auch gehen?, räumte er ein. Der böse Zauberer schwebte zu Evil-Lyns hin, und nahm ihr die schwarze Kappe ab. Dann griff er nach einer Kapuze, die Evil-Lyns neues Kleidungsstück hatte, und stülpte es der Schwarzmagierin über den Kopf. Ihr Gesicht war unter der Robe nun so gut wie nicht mehr zu erkennen. Nur noch ihre zwei Augen blinzelten heraus. ?Ok lasst uns aufbrechen. Ich erzähle dir unterwegs, was ich mir ausgedacht habe. Wir können die Sorceress bestimmt täuschen.?

Anti-Orko und Evil-Lyn stiegen in den schwarzen Wind-Raider ein, um zur Anti-Sorceress zu fliegen. Dabei vergaß der böse Zauberer sein Funkgerät. Er ließ es neben dem schwarzen Spiegel liegen, wo er es hingeworfen hatte. Die Motoren des Wind-Raiders heulten auf, Evil-Lyn gab den Kurs für Anti-Grayskull ein und das Gefährt bewegte sich immer weiter vom Ort des Geschehens weg. Das Luftfahrzeug hatte sich bereits schon längst entfernt, als auf einmal eine Stimme aus Anti-Orkos Funkgerät ertönte. ?Orko bist du das, der da soeben gerufen hat? Orko, melde dich mal. Hier ist Mekaneck, kannst du mich hören? Orko, bitte kommen...? Immer wieder versuchte der böse Kundschafter Anti-Orko zu erreichen, das war jedoch hoffnungslos. Der Anti-Trollaner war schon längst mit Evil-Lyn in Richtung Anti-Grayskull unterwegs. Jetzt lag das Funkgerät da, unmittelbar neben dem Spiegel und es war noch eingeschaltet. Ohne Erfolg versuchte Anti-Mekaneck seinen trollanischen Kameraden immer wieder zu erreichen.


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