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Das Geheimnis des schwarzen Spiegels
Verdächtigungen
Anti-Grayskull, Thronsaal

Die Anti-Sorceress stand allein in ihrem riesigen Thronsaal mit dem imposanten und feuerroten Treppenaufgang. Sie blickte immer noch zum Fenster hinaus, obwohl der Wind-Raider mit Evil-Lyn und Anti-Orko schon längst im schwarzen Schleier verschwunden war. Ihre Mine wirkte äußerst versteinert und feindselig. Ein Gefühl voller Hass und Rachsucht beherrschte sie. Ganz genau wusste sie, wer eben bei ihr im Thronsaal gewesen ist, und dass sie Anti-Teela getötet hatte. In diesem Moment schwor sie nicht nur Rache an He-Man und Skeletor, weil sie damals gemeinsam ihre Pläne durchkreuzt hatten. Sie schwor ganz speziell Rache auch an Evil-Lyn, weil sie ihre einzige Tochter auf dem Gewissen hatte. Plötzlich spürte sie durch ihre Aura die Anwesenheit eines Mannes, sowie einer weiteren Lebensform im Inneren ihrer Burg. Die Hausherrin von Anti-Grayskull drehte sich um, und bewegte sich vom Fenster weg. Da betrat auch schon Anti-He-Man den Raum. Er saß auf Anti-Battlecat, einem dunkelgrünen Panther mit feuerroten Streifen und messerscharfen Zähnen. Ausgerüstet war das Tier mit einem rabenschwarzen Sattel und ebenso schwarzem Helm. Die böse Zauberin ergriff ihren Falkenstab, und feuerte einen magischen Blitz auf den Hünen mit der roten Mähne. Anti-He-Man wurde durch den Zauber von seinem Kampftiger geworfen.

?Du lässt nach in letzter Zeit, He-Man. Früher bist du viel schneller hier erschienen.?, sagte Anti-Teelana böse. ?Ich werde versuchen mich zu bessern.?, versuchte sich Anti-He-Man zu entschuldigen. Er stand langsam wieder auf, und trat respektvoll einige Schritte an Anti-Teelana heran. ?Falls du mich wegen Silvia gerufen hast, ich war leider noch nicht im Stande sie zu schnappen.?, sagte Anti-He-Man leicht ängstlich. Der Bericht des bösen He-Mans machte die böse Zauberin noch viel wütender, als sie es ohnehin schon war. Sie verpasste ihm einen weiteren Blitz aus ihrem Stab. ?Du törichter Dummkopf._Die Person, die du gestern gefangen genommen hast, war überhaupt nicht Silvia. Das war Evil-Lyn. Sie war hier in diesem Raum, zusammen mit Orko.?

?Evil-Lyn??, fragte Anti-He-Man erstaunt, ?Aber das ist doch ...? ?Ja ganz genau, He-Man.?, fiel die Anti-Sorceress ihm ins Wort. Sie hatte seine Gedanken bereits gelesen, noch bevor er seinen Satz zu Ende sagen konnte. ?Evil-Lyn ist aus Skeletors Truppe. Jene Partei, die uns vor sechs Jahren mithilfe des weichherzigen He-Mans uns entgegengestellt hat. Ihre Gedanken versuchte sie zu verbergen, aber genau das hat sie verraten. ?Aber was kann Evil-Lyn so ganz alleine hier wollen? Sie sollte doch wissen, dass es hier gerade für sie besonders gefährlich ist.?, mutmaßte Anti-He-Man. ?Das ist unwichtig, He-Man. Tatsache ist, dass es hier ein Dimensionstor geben muss, das direkt in das Universum des Lichts führt. Finde dieses Tor und sorge dafür, dass Evil-Lyn nicht durch dieses entkommen oder Verstärkung herbeirufen kann. Was die Hexe betrifft, nimm sie endlich gefangen und bring sie hierher. Ich habe mit ihr noch eine ganz persönliche Rechnung zu begleichen.? Die böse Zauberin überreichte Anti-He-Man einen Diamanten, der genauso aussah, die der den sie Anti-Orko gegeben hat. ?Hier. Folge dem Licht dieses Steins. Ich habe Orko genauso einen gegeben. Er wird dich zu ihm bringen, und damit auch direkt zu Evil-Lyn.? Anti-He-Man nahm den Stein an sich. Er versprach heilig, die Anordnungen der bösen Zauberin genaustens zu befolgen, bevor er sich wieder auf Anti-Battlecat schwang.

?Noch etwas He-Man.?, sagte Anti-Teelana, während sie sich von ihm abwandte, ?Orko scheint ein verräterisches Spiel mit uns zu spielen. Falls sich mein Verdacht bewahrheitet, weißt du, was zu tun ist.? ?Ja natürlich, Sorceress. Voll und ganz.? bestätigte Anti-He-Man.


Luftraum über Anti-Eternia, 200 km östlich von Anti-Grayskull

Der schwarze Wind-Raider flog im hohen Tempo durch die Luft. Der schwarze Schleier lichtete sich nach und nach, je weiter sie sich von Anti-Grayskull entfernten. Die Landschaft bestand nicht mehr ausschließlich aus einer abgestorbenen Einöde, sondern wurde immer lebendiger und freundlicher, je weiter sie sich von der Festung fortbewegten. Evil-Lyn hatte sich der alten Kutte entledigt, die ihr mittlerweile lästig geworden ist. Sie hatte nun wieder ihren üblichen Kampfanzug mit der schwarzen Kappe auf dem Kopf an. Nur darin fühlte sie sich richtig wohl, sie war ohnehin kein Fan von Verkleidungen, erst recht nicht wenn nicht durch ihre eigene Magie hervorgebracht. Anti-Orko saß auf dem Sitz des Copiloten, und hielt den Kristall in seinen Händen, den ihn die Anti-Sorceress gegeben hatte. Er strahlte wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, und sah den Stein bewundernd an. Der Kristall begann, immer intensiver zu leuchten.

?Hahahar, wir haben die dumme Zauberin linken können. Sieh nur, Evil-Lyn. Der Kristall führt uns tatsächlich zu Silvia.?, sagte er begeistert zur Schwarzmagierin. Doch Evil-Lyn konnte seine Freunde nicht so recht teilen. Ihr war unwohl zumute, und hatte ein Gefühl voller Skepsis und Unsicherheit. ?Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, Orko. Aber mit eurer Sorceress stimmt irgendetwas nicht.?, räumte sie nachdenklich ein. ?Wieso, was meinst du damit??, fragte Anti-Orko. Evil-Lyn sah den Anti-Trollaner mit einem besorgten Blick an. ?Ich habe fast mein gesamtes Leben lang mit bösen Leuten und Kreaturen zu tun gehabt. Ihre Vorgehensweisen richten sich immer nach einem gewissen Grundprinzip. Am Anfang hat sie sich genauso verhalten, wie ich es erwartet habe. Doch nachdem du von Teelas Tod berichtet hast, wurde sie auf einmal anders. Ich glaube sie weiß ganz genau, wer ich bin und was wir zusammen vorhaben.? Die Hexe wurde noch nachdenklicher und grübelte herum. Und jetzt war es auch Anti-Orko, der sich seiner Sache nun doch nicht mehr ganz so sicher war. ?Aber wenn das wahr ist, wieso hat sie uns wieder gehen lassen??, fragte Anti-Orko zweifelhaft. Er wollte Evil-Lyns Worten nicht so ganz Glauben schenken. Trotzdem konnte er sich nicht erwehren, dass ihm jetzt nun auch immer mehr ein dumpfes und schlechtes Gefühl aufkam. ?Ich glaube, sie hat es nur getan, weil sie mit aller Macht meinen Heimatplaneten erobern will, und uns als Mittel zum Zweck dazu einsetzt.?, sagte Evil-Lyn mit einer furchterregenden Gewissheit. Sie machte eine längere Pause. Schließlich forderte sie von Anti-Orko: ?Gib mal diesen Kristall her, den dir die Sorceress gegeben hat.? Anti-Orko gab ihr den Stein umgehend. Ohne sich ihn näher anzuschauen, warf es die Schwarzmagierin im hohen Bogen aus dem Wind-Raider. Entsetzt sah der Anti-Trollaner dem magischen Artefakt hinterher. ?Aber Evil-Lyn, was tust du denn da? Jetzt werden wir Silvia niemals finden.?, sagte Anti-Orko fassungslos. Die Hexe sah den Anti-Trollaner berechnend an. Sie wusste ganz genau, was sie tat. ?Nun Orko, wenn ich die Sorceress wäre, und würde auf Gedeih und Verderb einen Weg ins Lichtuniversum suchen, würde ich in diesen Stein einen Peilsender verstecken. Dann würde ich jemanden auf uns ansetzen, um dann mit Hinterlist zuzuschlagen.?

?Und was sollen wir machen, um nach Hause zu kommen??, fragte der Anti-Trollaner ratlos.?Ganz einfach, Orko. Wir gehen nicht mehr nach dem Plan der Sorceress vor, sondern nach meinem Plan. Wenn wir nicht zu Silvia dürfen, dann sorgen wir einfach dafür, dass Silvia zu uns kommt.? Die Schwarzmagierin bediente mehrere Knöpfe auf der Steuerkonsole des Wind-Raiders, das Luftfahrzeug vollzog daraufhin eine Schleife, und flog in eine andere Richtung. Evil-Lyn schaltete den Autopiloten ein, und überließ somit der Technik des Luftfahrzeuges das Fliegen. ?Ich habe Kurs auf Snake Mountain gesetzt. Früher oder später wird mein Gegenstück dort aufkreuzen. Es ist völlig gleich, ob wir uns dort oder woanders treffen.? Anti-Orko schien von dem Vorschlag ganz und gar nicht begeistert. Er rutschte tiefer in seinen Sitz, und machte einen beinahe ängstlichen Eindruck. ?Aber das können wir nicht tun, Evil-Lyn. Schon der schwarze Wind-Raider wird die Rebellen mehr als nur stutzig machen. Keldor wird uns beide für den Rest des Lebens einsperren.?

Als Anti-Orko den Namen Keldor aussprach, wurde die Hexe extrem hellhörig.
?Keldor, Orko? Sagtest du wirklich Keldor??, fragte sie nochmal nach. Der böse Zauberer betätigte ihre Frage. ?Ja Evil-Lyn. Keldor ist der Anführer der Widerstandsbewegung.? Evil-Lyn konnte es kaum glauben. Aber offensichtlich nahm hier auf dieser Antiwelt auch die Geschichte einen anderen Verlauf. Sofort schossen der Schwarzmagierin brennende Fragen durch den Kopf. Wenn Skeletors Gegenstück hier Keldor war, hatte er wirklich noch ein intaktes Gesicht? War er vielleicht auch anders in Bezug von romantischen Beziehungen und Zärtlichkeit? Sie wollte unbedingt mehr über diesen Mann wissen, die sprichwörtlichen Herzchen schossen auf einmal in ihre Augen. ?Erzähl mir von diesem Keldor. Wie ist er so drauf??, fragte sie. Anti-Orko wurde stutzig, und fragte wieso diese Informationen für die Schwarzmagierin denn so wichtig seinen. Er wusste nicht, dass Evil-Lyn einst in Keldor verliebt war, bevor Hordak ihn in Skeletor verwandelte und ihr Liebesglück damit zu einem großen Teil zerstörte. Der böse Trollaner erzählte jedoch auf nachhaltigem Nachhaken der Schwarzmagierin alles, was er zu diesem Thema wusste.

Evil-Lyn beneidete ihr Gegenstück, nachdem Anti-Orko seinen Vortrag beendet hatte. Silvia musste hier wirklich ein wunderschönes Leben führen. Sie war mit ihm, wie Anti-Orko berichtet hatte, schon jahrelang verheiratet und hatte mit ihm eine gemeinsame Tochter. Eiversucht mischte sich unter ihren Gefühlen. Wieso konnte sie so ein lebenswertes Leben (wenn auch hier auf Anti-Eternia) führen, während im Leben der Schwarzmagierin bisher fast alles schief lief? Evil-Lyn dachte weiter über ihren bisherigen Lebenslauf nach, es war buchstäblich vermurkst im Gegensatz zu Silvia. Wenn nur sie an ihrer Stelle wäre, das wäre schön. Mit den Evil-Masters würde sie irgendwie schon fertig werden. Während der Wind-Raider weiter auf Anti-Snake Mountain zuflog, spielte Evil-Lyn in ihrem Kopf ein Planspiel. Nur rein hypothetisch stellte sie sich folgende Frage: Wie könnte sie Silvia ausschalten, an ihre Stelle treten und gleichzeitig ihre wahre Identität geheim halten?


Anti-Despondos, magisch-physisches Rehabilitationszentrum

Mit einer angespannt wirkenden Mine und mit einem Trinkbecher in der Hand blickte Silvia aus ihrem Krankenzimmer zum Fenster hinaus. Sie sah auf Anti-Despondos, eine riesige, mit Wolkenkratzern nur so protzende Großstadt. Draußen auf den Straßen tobte der Verkehr. Immer wieder flogen Rotons, Basher, Badmaxes der Hordes-Föderation und andere Luftfahrzeuge an ihrem Fenster vorbei. Es war eine äußerst belebte Stadt, was eigentlich auch kein Wunder war. Denn vor gut einem Jahrzehnt beschlossen Anti-Hordak und Silvia hier ein Dimensionstor zu errichten, welches eine sichere Passage nach Anti-Etheria ermöglichte. Seitdem diente dieses Tor dem Wohle des gegenseitigen Beistandes zwischen der Widerstandsbewegung und der Hordes-Föderation. Man hatte berechtigte Angst davor, dass die Evil-Masters dieses Tor irgendwann angreifen würden. Deswegen postierte man von Anfang an eine große Anzahl von Widerstandskämpfern und Förderationstruppen rund um das Tor. Schon bald sprachen sich das Tor und seine Bewachung auf dem ganzen Planeten herum. Immer mehr Bewohner siedelten sich in unmittelbarer Nähe des Tores unter dem Schutz seiner Verteidiger an. Was zunächst nur eine kleine Ansammlung von Gehöften war, entwickelte sich im Laufe der Jahre mehr und mehr zu einer blühenden Metropole, die sich sehen lassen konnte. Anti-Despondos war neben Anti-Snake Mountain einer der ganz wenigen Orte auf Anti-Etrernia, die nicht vom schwarzen Schleier bedeckt war. Auch hier schien die Sonne ununterbrochen am Tag am wolkenlosen Himmel.

Silvia ließ den Blick weiter schweifen über die Dächer der Hochhäuser hinweg zum Horizont, wo sie ihre Heimat, Anti-Snake Mountain als kleinen weiß-gelben Zipfel zwischen bewaldeten Bergen sah. Sie war das genaue Gegenstück zu Evil-Lyn in diesem Universum der Finsternis und stellvertretende Anführerin der Widerstandsbewegung. Sie sah genauso aus wie die Herrscherin des Schattenreiches und hatte ebenso einen schwarzen Umhang und einen dunkeloliven Kampfanzug. Nur ihre weißen Haare waren nicht wie bei Evil-Lyn kurzgeschnitten, sondern schulterlang und manchmal zu einem Zopf zusammengebunden. Ihre schwarze Kappe trug sie nur während eines Gefechts und ansonsten eher selten. Zu ihren Waffen gehörte ebenfalls eine magische Kristallkugel aus der sie Blitze abfeuern und Gegenstände schleudern konnte. Auch hatte sie ein Kampfmesser und mehrere magische Artefakte, mit dem sie die unterschiedlichsten Sachen anstellen konnte. Vor gut vier Wochen wurde die Kämpferin für das Gute in einem harten Gefecht auf Leben und Tod von der Anti-Sorceress schwer verwundet. Nur einem glücklichen Zufall und dem beherzten Eingreifen ihrer Kameraden verdankte sie damals ihr Leben. Seitdem erholte sie sich in diesem Krankenhaus von ihren Verletzungen. Die Genesung entwickelte sich gut, denn das Rehabilitationszentrum spezialisierte sich ganz speziell auf Verletzungen hervorgerufen durch magische Waffen, Blitze und Zaubersprüche. Imposant reihte sich das 100 Stockwerke große Krankenhaus in die Reihen der anderen Wolkenkratzer. Man hatte gut zu tun in diesem Rehabilitationszentrum, denn das Leid, welches Anti-Teelana den Bewohnern schon gebracht hatte, war immens. Aber auch Anti-Castaspella oder Anti-Madam-Razz richteten auf Anti-Etheria sehr viel Unheil unter ihrer unterdrückten Bevölkerung an, sodass auch von dort zahlreiche Patienten eingeliefert wurden. Doch trotz der vielen Arbeit erhielt jeder Insasse eine gute und ganz speziell auf ihn abgestimmte Behandlung. Jeder wurde in einem eigenen Zimmer untergebracht, dass er mit niemand anderes teilen musste. Des weiteren gehörte zum Krankenhaus auch ein eigenes Schwimmbad, eine eigene Sporthalle und weitere Annehmlichkeiten. So wurde eine optimale Genesung jedes Einzelnen garantiert.

Bei Silvia im Zimmer befand sich eine weitere Person namens Light-Weaver. Sie war das genaue Gegenstück zu Shadow Weaver und Gründerin dieses Krankenhauses. Ebenfalls trug sie einen feuerroten Anzug, allerdings mit sehr viel kürzeren Ärmeln. Und sie trug auch keine Kapuze über ihren Kopf. Ihr Gesicht entsprach das einer 25-jährigen. Sie hatte schulterlange und feuerrote Haare. Auf ihrer Brust trug sie ein großes Wappen. Darin war eine Taube abgebildet, die ein vierblättriges Kleeblatt im Schnabel trug. Mehrere gelbe Sterne bildeten einen Halbkreis über das Tier. Darunter standen die Initialen HF (HF für Hordes-Föderation).

Anti-Hordaks Assistentin legte behutsam ihren Arm über Silvias Schulter, während sie beide ein inniges Gespräch miteinander führten und zum Fenster herausblickten. ?Es ist schön, dass deine Genesung so schnell von statten geht,?, freute sich Light-Weaver, ?Laut der letzten Untersuchung hast du deine Zauberkraft zu 98% wieder. Wenn alles gut geht, kannst du das Krankenhaus bereits übermorgen wieder verlassen.? ?Ich bin auch froh, dass ich endlich wieder etwas für den Frieden auf diesen Planeten tun kann.?, erwiderte Silvia nachdenklich, ?Die Sorceress führt wieder was im Schilde, sie hat irgendetwas Schreckliches vor.? ?Bist du sicher Silvia??, hakte Light-Weaver etwas ungläubig nach. ?Ja das bin ich. Es geht eine bösartige Macht von Grayskull aus, das spüre ich ganz deutlich.?, bestätigte Silvia und sie wusste, was sie sagte. Schon so manches Mal hatte sie die fiesen und hinterhältigen Pläne der Anti-Sorceress durch ihre Aura vorausgesehen. Genauso wie die gute Teelana manchmal die bösen Vorhaben Skeletors voraussehen konnte, konnte auch Silvia die hinterhältigen Absichten der Anti-Sorceress erahnen.

Es klopfte an der Tür. Silvia wandte sich vom Fenster ab, und stellte ihren Becher auf einen Tisch beiseite. ?Ja, herein bitte.?, sagte sie, sodass man es von außen hören konnte. Die Tür öffnete sich, und drei Männer betraten den Raum. Dem Trio ging Anti-Keldor vorran. In der Antiwelt war er der Anführer der Widerstandsbewegung und Silvias Gatte. Er trug eine blaue Kampfrüstung, genauso wie Skeletor, und seine Haut hatte einen natürlichen Teint. Im Gegensatz zu seinem Gegenstück auf Eternia fiel er keiner Säurekapsel zum Opfer, sodass er noch sein natürliches Gesicht mit dem für Keldor typischen Bart hatte. An seiner Seite befand sich sein persönlicher Adjutant Anti-Beastman. Genauso wie der richtige Beastman hatte auch Anti-Beastman einen beachtlichen Körperbau, und er konnte auch mit Tieren telephatisch kommunizieren. Den Willen der Tiere beeinflusste er jedoch nur, sofern eine akute Gefahr für Leib und Leben von ihnen ausging. Anti-Beastman hatte einen aufrechten Gang. Sein Gesicht, was das eines ca. 35 Jahre alten Mannes mit einem gepflegten Vollbart sowie spitzen Ohren. Der Dritte im Bunde war Anti-Clawful. Er hatte ebenso wie sein Gegenstück eine mächtige Hummerschere an seinem rechten Arm. Ansonsten deuteten aber nur noch seine krabbenartigen Beine und Füße darauf hin, dass er nur zur Hälfte ein Mensch war.

?Keldor, wie schön dich zu sehen.?, sagte Silvia angenehm überrascht, als sie die drei Kameraden hereinkommen sah. Sie ging zu Anti-Keldor hin, umarmte ihn und gab ihn einen leidenschaftlichen Kuss. ?Wie ich sehe, geht es wieder ganz gut, Silvia.?, erwiderte Anti-Keldor, während seine Frau in seinen Armen lag. Doch nach einer Weile löste sie sich wieder, um auch die beiden anderen Widerstandskämpfer zu begrüßen. ?Clawful, Beastman. Schön, dass ihr da seid.?, sagte sie zu den beiden und gab ihnen die Hand.

?Light Weaver, wenn du uns bitte alleine lassen würdest. Wir müssen etwas mit Silvia besprechen.?
?Natürlich, Keldor. Ihr habt euch bestimmt viel zu erzählen.?, erwiderte die Magierin der Hordes-Föderation. Sie legte ihre Hände über ihren Kopf zusammen und schloss die Augen. Dann verwandelte sie sich in eine tiefrote Rauchwolke, die sich sehr schnell verflüchtigte.

Anti-Keldor wartete, bis von dem roten Rauch nichts mehr übrig war. Dann ging er mit einem sorgenvollen und ernsten Gesicht an Silvia vorbei und schaute aus dem Fenster. Nach einer guten Weile drehte er sich zu seiner Frau um, und sagte:

?Silvia, das Dorf Krag ist gestern Schauplatz eines brutalen und hinterhältigen Anschlags geworden. 16 Menschen starben. Der Gegner zerstörte einen Talon-Fighter und die Radareinrichtung, sodass erst keine Hilfe gerufen werden konnte. Er kam zu Fuß in das Dorf und erschlich sich das Vertrauen der Bewohner, um dann mit einem der dort stationierten Maschinen zuzuschlagen. Laut den Aussagen von mehreren Überlebenden soll jemand aus unseren Reihen dafür verantwortlich sein.?

?Was_? Keldor, jemand von uns? Oh nein_?, sagte Silvia entsetzt. Sie bemühte sich um Fassung und musste sich auf einen Stuhl setzen. Sie konnte es einfach nicht glauben, was Anti-Keldor da gerade sagte. Niemanden aus der Widerstandsgruppe traute sie auch nur im Entferntesten einen solchen Verrat zu.

?Keldor, ich möchte selbst mit den Überlebenden sprechen. Wer von uns soll es gewesen sein??, fragte sie mit besorgter Stimme.
?Du sollst diese Person gewesen sein, Silvia.?
?Was, ich??, fragte Silvia und war jetzt noch fassungsloser. Ihr war so, als ob man ihr den Teppich unter den Füßen wegziehen würde. Sie war es nicht und sie würde noch nicht einmal im Traum daran denken so etwas Grausames zu unternehmen. Ganz egal, gegen wen es ginge. Mit versteinertem Gesicht sah sie Anti-Keldor an und sagte:

?Da hat doch bestimmt wieder die Sorceress ihre schmutzigen Finger im Spiel. Ich habe schon ihre bösartige Aura gespürt. Das ist ihr Werk, da bin ich ganz sicher.?

?Ja ich glaube auch, dass dies wieder ein fieser Plan aus der Feder Teelanas ist. Aber bis die Sache geklärt ist, muss ich leider ...? Anti-Keldor fiel es sichtlich schwer weiterzusprechen, doch Silvia wartete gespannt auf seine weiteren Worte. Man sah es in ihrem Gesicht. ?Ich muss dich bitten, mich nach Snake Mountain zu begleiten. Du stehst unter Arrest.?
?Ich verstehe, Keldor. Meine Kristallkugel und mein Kampfgürtel befinden sich im rechten Kleiderschrank.?, bestätigte die Kämpferin betroffen.

Keldor machte eine zustimmende Kopfbewegung zu Anti-Beastman, der wiederum den Schrank öffnete und die Utensilien an sich nahm. Dann verließen alle vier gemeinsam das Zimmer, um nach Anti-Snake Mountain zurückzukehren.


250 Kilometer östlich von Anti-Grayskull. Irgendwo in einem abgestorbenen Wald

Ein schwarzer Wind-Raider landete auf einer Lichtung, umgeben von kahlen Bäumen und halb verwelkten Büschen. Auf dem echten Planeten Eternia wäre hier der immergrüne Wald. Doch hier gab es keine grünen Bäume oder Ähnliches. Hier war es trist, öde und feindselig wie fast überall auf dieser Antiwelt. Der schwarze Schleier verhüllte den Himmel vollständig, und trug somit zur extrem düsteren Atmosphäre bei. Das Triebwerk verstummte, Anti-He-Man, Anti-Duncan und Anti-Battlecat stiegen aus, und begannen sich in der Gegend gründlich umzusehen. Der Mann mit der roten Mähne hielt den Kristall, den er von Anti-Teelana erhalten hatte, in seinen Händen und peilte damit offensichtlich eine Richtung an. Er stieg auf seinen Kampftiger, und war im Begriff loszureiten.

"Wir müssen hier entlang, Duncan. Evil-Lyn ist ganz in der Nähe, sie rührt sich nicht vom Fleck.?, sagte er und wies seinen Waffenmeister an, ihn zu folgen.

Beide gingen los in die Richtung, in der sie der magische Kristall wies. Sie arbeiteten sich durch dickes, abgestorbenes Geäst und Unterholz. Doch von Evil-Lyn oder Anti-Orko konnten sie nicht die geringste Spur entdecken. ?He-Man meinst du wirklich, dass Evil-Lyn ausgerechnet hier zu finden ist? Ich meine, wir hätten doch inzwischen wenigstens ihren Wind-Raider finden sollen. Aber noch nicht mal der steht hier irgendwo. Dabei gibt es hier wahrlich nicht sehr viele Landemöglichkeiten.? Anti-Duncan wurde zunehmend skeptischer, je weiter sie sich von ihrem Luftfahrzeug wegbewegten. Der Kristall strahlte immer intensiver, bis er die höchstmögliche Leuchtkraft erhielt. Der böse Waffenmeister schaute sich um, und fand schließlich den anderen Stein, den Evil-Lyn weggeworfen hatte, auf den Boden.

?Sieh mal He-Man, da ist der Stein. Entweder hat der Trottel-Trollaner den Kristall verloren, oder sie haben ihn absichtlich weggeworfen.?, bemerkte Anti-Duncan.

?Verdammt, auch das noch.?, fluchte Anti-He-Man. Er sah zu seinem Kampftiger und sagte zu ihm: ?Battlecat, versuche von Orko eine Spur aufzunehmen.? Anti-Battlecat befolgte die Anweisung und schnüffelte am Boden. Er konnte jedoch keine Fährte ausmachen. Noch eine ganze Weile suchten sie die Gegend ab, jedoch ohne Erfolg.

?Tja, das wird wohl nichts mehr. Es wird bald dunkel, und dann hat es sowieso keinen Sinn mehr, die beiden zu suchen. Lasst uns in meine Werkstatt zurückkehren. Vielleicht kann uns Mekaneck helfen.?, schlug Anti-Duncan vor. Der rothaarige Hüne war damit einverstanden. So kehrten die drei Kämpfer für das Böse zu ihrem Luftfahrzeug zurück, und flogen nach Anti-Eternis.


Anti-Snake Mountain, Einflugschneise

?Und du bist wirklich ganz sicher, dass es klappen wird. Ich habe irgendwie bei deinem Plan nicht so ein gutes Gefühl, Evil-Lyn.? Der Anti-Trollaner machte einen ängstlichen und besorgten Eindruck. Er rutschte tiefer in seinen Sitz und zupfte nervös an seinem Schleier herum. ?Es wird ganz sicher klappen, Orko. Du brauchst keine Angst zu haben, in wenigen Stunden sind wir beide bei Skeletor.?, erwiderte Evil-Lyn. Sie versuchte dabei einen seriösen und beruhigenden Tonfall anzulegen. Tatsächlich hatte sie es nicht mehr ganz so eilig nach Hause zu kommen. Denn wenn das, was ihr Anti-Orko vorhin erzählt hatte, der Wahrheit entsprach, dann wäre dies hier für die Hexe das Paradies. Und sie hatte auch schon vor, es sich in Anti-Snake Mountain häuslich einzurichten. Doch zur Vollendung ihres Plans musste sie noch einige Hindernisse beiseiteschieben. Deshalb wandte sie sich dem trollanischen Passagier noch einmal zu.

?Sag mal Orko. Hast du die Zauberformel für den schwarzen Spiegel noch??, fragte sie.
?Ja natürlich, Evil-Lyn. Ich habe sie mitgenommen, als wir zur Sorceress flogen?, erwiderte Anti-Orko.
?Gib sie mir bitte.?

Ohne sich dabei etwas zu denken, holte der Anti-Trollaner die Schriftrolle aus seiner Kapuze, und gab sie Evil-Lyn. ?Deine Waffe brauche ich auch.?, sagte die Schwarzmagierin, nachdem sie das Dokument erhalten hatte. ?Wieso brauchst du denn meine Waffe, Evil-Lyn.?, fragte Anti-Orko verdutzt. Aber er gab sie ihr, was sich für ihn als fataler Fehler herausstellen sollte. ?Damit mein Plan funktioniert, muss ich noch jemanden aus dem Weg räumen.?, meinte Evil-Lyn, während sie die Pistole durchlud. Anti-Orko wunderte sich über Evil-Lyns Aussage, und fragte: ?Jemanden aus dem Weg räumen!? Wen?.? ?Dich, Orko!?, sagte sie entschlossen.

Noch bevor sich Anti-Orko mit irgendeinem Zauber dagegen wehren konnte, zielte Evil-Lyn mit der Handfeuerwaffe auf ihn, und gab einen Schuss ab. Die Kugel schlug in den Brustkorb des Anti-Trollaners ein. Eine beachtliche Menge an hellgrünen Trollanerblut spritze heraus. Anti-Orko schrie vor Schmerzen, und hielt sich seine Schusswunde mit beiden Händen. Dann klappte er in den Fußraum vor seinem Sitz zusammen und blieb dort regungslos liegen. Evil-Lyn quittierte das Geschehen mit einem bösartigen Lachen, während sie die Waffe wieder sicherte und an ihrer Taille befestigte.

Sie brauchte ihn als Verbündeten nicht mehr, da sie die Zauberformel hatte und wusste, wo sich der Spiegel befand. Nun konnte sie sich ganz und gar auf ihre eigenen Pläne konzentrieren. Der Anti-Trollaner hatte ihr von einem Keldor auf dieser Antiwelt erzählt. Auf jeden Fall wollte sie ihn kennen lernen. Vielleicht würde das, was Anti-Orko erzählt hatte, wirklich zutreffen. Aber selbst wenn es nicht der Wahrheit entsprechen würde oder ihr der Keldor der Antiwelt nicht gefallen würde, könnte sie immer noch die Karten auf den Tisch legen und Silvia bei der Rückkehr nach Hause um Hilfe bitten. So waren für sie alle Optionen offen. Sie konnte frei entscheiden, ob sie hier bleiben oder zurückkehren wollte. Das alles hing von Anti-Keldor ab, und wie er so drauf war. Evil-Lyn entschloss sich, ihren Gefühlen die Wahl zu lassen, wenn sie ihm gegenüberstehen würde.

Doch zunächst musste sich irgendetwas einfallen lassen, um die trollanische Leiche schnell verschwinden zu lassen. Aus dem Wind-Raider werfen konnte sie Anti-Orko nicht. Sie war schon zu nah an Anti-Snake Mountain dran, und sie hatte Angst dass einer der Widerstandskämpfer ihn finden und unangenehme Fragen stellen könnte. Sie schaute sich im Wind-Raider um, wo sie ihn vorläufig verstecken könnte, und machte einen Stauraum für Gepäck unterhalb des Copilotensitzes aus. Sie öffnete die Klappe des Stauraums, welches zugleich auch die Sitzfläche war. Danach nahm sie den in sich zusammengekauerten trollanischen Körper und steckte ihn dort hinein.

Kurze Zeit später kam auch schon das Schlangenberg-Gebäude in Sichtweite. Die Festung baute sich vor ihnen immer mehr auf, in ihren gold-silbernen Farben und dem riesigen Park davor, den Evil-Lyn schon einmal mit einem kleinen Mädchen durchqueren durfte. Evil-Lyn schaltete auf manuelle Kontrolle um, und griff zum Funkgerät. Tatsächlich konnte es sein, dass der schwarze Wind-Raider der Evil-Masters bei der Widerstandbewegung missverstanden wird.

"Snake-Mountain Flugkontrolle, hört ihr mich? Hier ist Silvia. Ich befinde mich im Anflug in einem schwarzen Wind-Raider. Erbitte Landeerlaubnis.?

?Schön deine Stimme zu hören, Silvia. Willkommen zu Hause. Du hast Landerlaubnis für Flugzeughangar 2.?, antwortete ihr Anti-Spikor. Der Wind-Raider flog weiter zielstrebig auf die Festung zu, bis sich eine riesige Klappe am Schlangenberg-Gebäude öffnete. Die Schwarzmagierin verringerte die Geschwindigkeit, sodass das Luftfahrzeug sanft in den Hangar hineinflog. Das Fahrwerk wurde ausgefahren, und das Flugzeug setze auf dem Boden auf. Schließlich kam es zum Stehen, und der Motor verstummte. Anti-Spikor stand bereits in der Halle, und wartete bis Evil-Lyn ausstieg.

?Gut, dass du wieder da bist. Wie ich sehe, konntest du deine Kristallkugel wiederbekommen.?, sagte Anti-Spikor erleichtert.
?Gut wieder hier zu sein, ja die Kristallkugel ist wieder mein.?, erwiderte die Hexe, während sie ihre magische Waffe sicher in den Händen hielt.
?Wo ist denn Trap-Jaw? Hast du ihn nicht wieder mitgenommen?
?Er hat es nicht geschafft, und ist tot.?, antwortete Evil-Lyn.

Diese Nachricht nahm Anti-Spikor mit Entsetzen auf sich. Er senkte den Kopf, und zeichnete ein sichtlich trauriges Gesicht. Evil-Lyn jedoch redete weiter auf den Stachelkämpfer ein.

?Spikor, mich schmerzt der Tod Trap-Jaws auch sehr. Aber Snake Mountain ist in großer Gefahr. Die Sorceress hat es geschafft, eine Doppelgängerin zu kreieren, die auf dem Weg hierher ist.?
?Ich verstehe, Silvia. Ich werde die Festung sofort in den Verteidigungsmodus setzen.?
?Nein Spikor, das halte ich nicht für gut. Sie könnte dadurch abgeschreckt werden. Es ist sehr wichtig, dass wir sie hier reinkommen lassen und sie gefangen nehmen. In Wahrheit ist sie eine unschuldige Frau, die verwandelt wurde und durch einen Zauberbann gezwungen wird, böse Taten zu begehen.?

Die Schwarzmagierin hoffte mit dieser Lüge Anti-Spikor täuschen zu können, denn sie wollte nicht, dass Silvia durch irgendetwas misstrauisch wird, sollte sie hier erscheinen. Sie wollte die Rebellin buchstäblich in die Falle laufen lassen, um sie so besser und leichter ausschalten zu können. Tatsächlich fiel der Stachelkämpfer im vollen Maße drauf rein. Er verließ den Hangar, um Vorbereitungen für einen stillen Alarm zu treffen. Evil-Lyn wollte sich währenddessen mit Anti-Snake Mountain besser vertraut machen, und verließ ebenfalls die Halle. Vor allem hoffte sie vor Silvias Eintreffen Anti-Keldor zu finden. Sie wusste nicht, dass er zu diesem Zeitpunkt den Angriff auf das Dorf Krag untersuchte. Jenes Dorf, welches Evil-Lyn hinterhältig angegriffen hatte.


Anti-Snake Mountain. Flugzeughangar 2, einige Zeit später

Der Basher mit Anti-Keldor, Silvia, Anti-Beastman und Anti-Clawful flog in den Hangar ein. Evil-Lyn und Anti-Spikor waren bereits verschwunden. Das Flugzeug landete sanft auf dem Boden und rollte in eine freie Parkposition zwischen den anderen zahlreichen Flugmaschinen, bevor die Besatzung ausstieg.

?Du darfst dich in unserem Gemach aufhalten, Silvia. Ich werde versuchen noch etwas herauszufinden.?, sagte Anti-Keldor zu seiner Frau. Doch Silvia war mit diesem Vorschlag nicht einverstanden. Sie kannte ganz genau den Umgang mit Leuten hier, die eines schweren Verbrechens beschuldigt wurden. Eine Sonderbehandlung, nur weil sie hier einen etwas höheren Status als die anderen hatte, kam für sie überhaupt nicht in Frage. Deswegen wollte sie in den Gefängnistrakt, wie es sich eben halt gehört. ?Deine Konsequenz, Silvia. Sie ist eine deiner wundervollen und positiven Eigenschaften, die ich so sehr an dir liebe.? sprach Anti-Keldor zu ihr, und nahm sie noch einmal tröstend in den Arm, ?Ich gehe ins technische Labor. Vielleicht finde sich etwas, was dich von diesem schlimmen Vorwurf freispricht.?

Anti-Keldor verließ die Gruppe, und steuerte alleine auf einen Ausgang zu. ?In Ordnung, gehen wir.? sagte die Rebellin, nachdem ihr Mann hinter einer Tür verschwunden war. Ihre Kameraden taten sich schwer damit, Silvia einzusperren. Nicht nur weil sie ihre Vorgesetzte war, sondern auch eine verdammt gute Freundin, mit der man sprichwörtlich Pferde stehlen konnte. So machten sich Anti-Beastman und Anti-Clawful schweren Herzens auf, um Silvia zu den Gefängniszellen zu geleiten. Sie mussten einen anderen Ausgang aus der Flugzeughalle wählen, um dort hinzugelangen. Ihr Weg führte sie am schwarzen Wind-Raider vorbei, mit dem Evil-Lyn in Snake Mountain angekommen ist. Solche Flugzeuge waren hier nichts Ungewöhnliches, denn immer wieder gelang es Widerstandskämpfern feindliche Wind-Raider zu erbeuten. Als sie sich in unmittelbarer Nähe zur schwarzen Maschine befanden, hörte Anti-Clawful ein leises Wimmern. Er erkannte sofort, dass da jemand in Not sein musste, und machte die anderen auf das Geräusch aufmerksam.

?Wartet mal einen Augenblick. Hört ihr das auch??, sagte er bestimmend. Die beiden anderen blieben verdutzt stehen, doch schon im nächsten Moment hörten sie die Klagerufe Anti-Orkos auch. ?Hilfe! Helft mir bitte. Es tut so weh. Aarg.?, jammerte der böse Trollaner kaum hörbar aus seinem unfreiwilligen Gefängnis. Nach Evil-Lyns Schuss hatte sich Anti-Orko nur tot gestellt, um sich bessere Überlebenschancen auszurechnen. Er hatte den einfliegenden Basher und die Konversation mit Anti-Keldor mitbekommen. Nun versuchte er auf sich aufmerksam zu machen, um gerettet zu werden.

?Das kommt aus dem Wind-Raider. Kommt mit, wir sehen mal nach.?, schlug Silvia vor. Die drei Rebellen gingen schnellen Schrittes zum Wind-Raider hin. Sie ahnten bereits, dass schnelle Hilfe erforderlich war. Anti-Beastman stieg in das Gefährt ein, und erkannte sofort eine Blutlarche direkt unterhalb des Copilotensitzes. Instinktiv öffnete der Adjutant den Zugang zum Stauraum und sah Anti-Orko blutüberströmt da drinnen liegen. Seine Atmung war nur noch äußerst flach, und seine Augen flackerten unregelmäßig. Er schien zu zittern. Sofort zog Anti-Beastman den schwerverletzem Anti-Trollaner aus dem Stauraum und auch gleichzeitig aus dem Wind-Raider. Silvia und Anti-Clawful waren entsetzt darüber, was ihm angetan wurde. Sofort erkannten sie, dass er von irgendjemandem angeschossen wurde. Anti-Beastman brachte ein großes Tuch hervor, und versuchte damit die Schusswunde abzubinden, damit der dem Tode Geweihte nicht noch mehr Blut verlor.

?Silvia bitte. Hilf mir, ich will nicht sterben.?, jammerte Anti-Orko schwer ächzend, als er die Rebellin zusammen mit Anti-Clawful herankommen sah. Die Angesprochene musste schon ganz genau hinhören, um die Worte zu verstehen. So schwach war seine Stimme bereits. Sie setze sich zu dem am Boden liegenden Zwerg, und wirkte beruhigend auf ihn ein. ?Keine Angst, Trollaner. Deine Verletzung wird umgehend behandelt werden.?, sagte sie. Anti-Orko zählte zwar zu ihren Feinden, doch sie konnte es absolut nicht haben, wenn jemand litt. Deshalb schaute sie zu Anti-Clawful und sagte ihm: ?Clawful, rufe Webstor über unseren Kanal für Notfälle, sofort.? Der Rebell mit der Hummerschere ließ sich diese Anweisung nicht zweimal geben. Sofort lief er los, um die angeforderte Hilfe zu holen. Silvia suchte wieder das Gespräch mit dem Anti-Trollaner. Sie wollte ihn wach halten und ablenken, damit er nicht auch noch ein einen schweren Schock fällt.

?Orko sage mir bitte, was hier eigentlich vor sich geht. Wer hat dich angeschossen, und wieso??, fragte sie sanft aber nachhaltig. Und wieder spitze sie ihre Ohren. Sie wusste, dass Anti-Orko wenn überhaupt nur noch ganz leise antworten konnte. ?Evil-Lyn, sie hat auf mich geschossen. Sie....Sie sieht genauso aus wie du, und ist dein Gegenstück aus dem ... ? Anti-Orko vermochte den Satz nicht mehr zu Ende zu sagen. Er schloss die Augen und wurde bewusstlos. ?Orko, was für ein Gegenstück? Nicht einschlafen, antworte mir.? Sie versuchte ihn wieder wachzurütteln, doch Anti-Orko reagierte nicht mehr. Im nächsten Moment kam auch schon Anti-Webstor zum Geschehen heran.

In der Antiwelt war der Spinnenmensch ein Mediziner, der in erster Linie für die Gesundheit der Rebellen unter Anti-Keldor verantwortlich war. Er trug eine typische Arztkleidung mit weißem Kittel und einer stark hellblauen Hose, er sah aber ansonsten genauso aus wie sein böses Gegenstück. Im Gegensatz zu ihm waren seine Spinnen jedoch nicht mit tödlichem Gift versehen, sondern wurden dazu eingesetzt, um kranken und verletzen Leuten zu helfen. Eine Methode, die Anti-Webstor häufig anwendete.

Der Arzt löste Anti-Beastman ab, der die Blutung durch sein Tuch erfolgreich stoppen konnte. Doch er erkannte sofort, dass der Zustand des Anti-Trollaners äußerst kritisch war. Er öffnete seinen Koffer, und holte daraus ein tragbares Gerät mit vielen Knöpfen und einem großen Monitor heraus. Er steckte mehrere Saugnäpfe, die mit Kabeln mit dem Gerät verbunden waren, auf Anti-Orkos Oberkörper und schaltete es ein. Ein ständiges Pfeifen ertönte, was nur den Herzstillstand bedeuten konnte. Die Werte auf dem Monitor zeichneten eine äußerst angespannte Mine auf seinem Gesicht.

?Das sieht nicht gut aus. Herzschlag und Atmung sind nicht vorhanden. Ich brauche eine Atropinspinne, schnell.?

Silvia fühlte sich vom Spinnenmenschen angesprochen. Sie kramte in dem Arztkoffer herum, und holte ein Gefäß mit einer orange-braunen Vogelspinne heraus. Anti-Webstor machte einen Arm seines Patienten frei, um dann die Spinne darauf abzusetzen. Das Tier bohrte seine Zähne in die Haut und pumpte das Atropin in Anti-Orkos Adern. Doch die Werte auf dem Monitor veränderten sich nicht, sodass die erhoffte Wirkung ausblieb. ?Verdammt, keine Reaktion. Noch eine Atropinspinne.?, brummte Anti-Webstor. Silvia holte eine weitere Vogelspinne aus dem Koffer. Wieder setze es Anti-Webstor auf Anti-Orkos Arm. Das Tier biss zu, doch auch diesmal blieb der Erfolg aus.

?Wir versuchen es mit dem Magiespender.?, sagte Anti-Webstor. Doch der Klang seiner Stimme war schon von Hoffnungslosigkeit geprägt. Die Widerstandskämpferin holte aus dem Koffer ein weiteres Instrument, an dem zwei dicke Kabel angebracht waren. Es war ein kleines kastenähnliches Gerät mit einigen Knöpfen, und speziell konstruiert für in Lebensgefahr befindliche Magier. Wie der Name schon sagte, pumpte der Magiespender externe Zauberkraft in den Körper des Patienten, um so die Vitalfunktionen mit einem Schlag zum Laufen zu bringen.

Das eine Ende des Kabels brachte Anti-Webstor mit einem dicken Saugnapf auf Anti-Orkos Brust an. Das zweite Kabelende befestigte Silvia mit einer Art Zange an ihrer Kristallkugel. Die magische Waffe der Rebellin wurde von violetten Blitzen durchzogen, nachdem das Gerät eingeschaltet wurde. ?5 Dezi-Merlin. Aktivieren, wenn bereit.?, sagte Anti-Webstor. Silvia drehte an einem schwarzen Regler, und betätigte anschließend einen dicken roten Knopf. Man sah förmlich, wie ein violetter Strahl durch die Kabel schoss. Es gab einen heftigen Knall, Anti-Orkos Körper glühte für einen Sekundenbruchteil grell auf und er zuckte zusammen. Lebenszeichen gab er nach dieser Prozedur jedoch nicht von sich. ?7 Dezi-Merlin.?, sagte Anti-Webstor resigniert nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen. Silvia drehte erneut am Regler und setze die Magiespenden fort. Noch einige Male jagte sie Zauberkraft in den Körper des Anti-Trollaners. Dann entfernte der Spinnenarzt die Saugnäpfe und schaltete seine Geräte aus. ?Es tut mir leid, er hat einfach zu viel Blut verloren.?, sagte er und verstaute nach und nach seine Spinnen und Gerätschaften in seinen Koffer.

?Nein, das glaube ich nicht.?, erwiderte Silvia. Sie stieß Anti-Webstor beiseite, und zog dem bösen Zauberer den Schal herunter, sodass sich sein Gesicht offenbarte. Zwar respektierte die Rebellin die trollanische Sitte in Bezug auf die Verschleierung. Aber Anti-Orko hatte etwas von einer Person gesagt, welche genauso aussah, wie sie, und irgendwie ein Gegenstück war. Sie wollte zu einem späteren Zeitpunkt mehr Informationen aus ihm herausholen, die möglicherweise sogar ihre Unschuld bewiesen.
Sie presste ihren Mund zwischen seine Lippen, um eine Atemspende durchzuführen. Im ständigen Wechsel führte sie auch eine Herzmassage durch. ?Silvia, es ist sinnlos. Du kannst nichts mehr für ihn tun.?. versuchte der Spinnenmensch zu erklären. Doch Silvia ließ sich nicht beirren. ?Lass mich, Webstor. Er ist für uns lebend wertvoller, als tot.?, erwiderte sie und setze die Herz-Lungen-Massage fort. ?Holt eine Trage, wir bringen ihn auf die Krankenstation.?, forderte sie barsch. Immer energischer wurden ihre Wiederbelebungsversuche, doch das trollanische Herz wollte einfach nicht schlagen. Schlussendlich musste die Rebellin einsehen, dass Anti-Orkos Leben nicht mehr gerettet werden konnte. Erschöpft und entmutigt ließ sie von ihm ab. Sie nahm seinen Schal, und wickelte ihn wieder um das Gesicht des toten Anti-Trollaners, sodass nicht einmal mehr die geschlossenen Augen zu sehen waren. Dann stand sie auf, und leistete sich eine kleine Verschnaufpause. Schließlich sagte sie:

?Er wurde ermordet von einer Person, die sich Evil-Lyn nennt. Höchstwahrscheinlich ist sie auch die Verantwortliche für das Massaker bei Krag. Wir müssen sie unbedingt aufhalten, bevor sie noch weiteren Schaden anrichten kann.?

Silvia nahm ihre Kristallkugel an sich, und lief nun zu dem Ausgang, den auch Anti-Keldor genommen hat. Sie war fest entschlossen, ihr böses Gegenstück zu stellen. Ihre Kameraden folgten ihr.

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