Von allen Neuversionen der ?Ersten Acht?(Anm.: Serie 1 der Figuren aus den 80ern bestand aus acht Charakteren) mussten die Fans auf Zodak am längsten warten. Noch bevor er im Herbst 2003 erschien, herrschte aber einiges an Aufregung um den ?Cosmic Enforcer?. Dass er nun mit ?k? statt ?c? am Ende geschrieben wurde, bereitete den wenigsten Fans Probleme, immerhin wusste viele nicht einmal selbst, wie der Ärmste eigentlich wirklich geschrieben wurde. Dass er aber braune statt helle Haut hatte, sorgte zum Teil für regelrechte Wortkämpfe, die mitunter darin gipfelten dass den einen blanker Rassismus, den anderen Untreue zum Original vorgeworfen wurde! Da half es auch nicht, dass das ursprüngliche Neudesign der Four Horsemen sogar vorgesehen hatte, dass Zodak überhaupt kein Mensch, sondern ein den bekannten ?grauen Männchen? ähnlicher Außerirdischer sein sollte.
Rassistisch waren freilich die wenigsten Gegner der ?Hautfarbenänderung?. Sie fanden schlichtweg, dass Zodak nur dann der ?echte? Zodak ist, wenn auch die Farben samt Hautfarbe dem Vorbild der 80er entsprechen. Immerhin waren auch schon viele Fans sehr ungehalten, als die Riemen von He-Man?s Rüstung nicht länger grau, sondern braun waren. Auch war die Gegenseite nicht untreu gegenüber dem Erbe der Classicline, oder gar keine wahren Fans! Stattdessen sehen sie diese Änderung als Teil der Fortentwicklung in der neuen Serie an oder halten sie einfach für eher unbedeutend. Wie dem auch sei, die Dinge stehen wie sie stehen und ob man den ?braunen? Zodak nun schlechter oder besser als den ?weißen? findet, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. Zodak?s Charakter jedenfalls nimmt im neuen Cartoon eine weitaus aktivere Rolle als sein 80er Alter Ego ein. Zwar blieb er eine rätselhafte Figur mit immensen Kräften, gewaltigem Wissen und unbekanntem Alter, aber nun ist Zodak zugleich auch ein Kampfsportexperte und trotz seiner Distanziertheit ein Mann mit menschlichen Gefühlen wie Rache, der sich selbst bei den Masters nicht unbedingt größter Beliebtheit erfreut.
Wie gesagt lehnte Mattel das ursprüngliche "Alien-Design" der Four Horsemen ab. Stattdessen wollten die Verantwortlichen, den Cosmic Enforcer als menschlichen Kampfsportler sehen. Aus diesem Grund entschlossen sich die Horsemen, eine Hand in der eigentümlichen "2-Finger-Spreitz" Form zu modellieren. Insgesamt aber ist Zodak wie gewohnt der klassischen Vorlage äußerst ähnlich und im Grunde nur "aufgetunt" worden. Während der 80er Zodac mit den Krallenhänden und -Füßen eher wie ein Bösewicht wirkte, scheint der neue nun mit seinen High-Tech Stiefeln und Handschuhen weitaus eher auf Seite des Guten zu stehen. Natürlich bekam er auch einen neuen Lendenschurz verpasst, der ebenso wie die übrige Kleidung andeutet, dass dieser Charakter wirklich "kosmisch" ist. Die Rüstung wurde kaum verändert, allein in die Rückenpartie wurde eine Art Weltraumrucksack mit kleiner Antenne modelliert. So eigenartig sich dies anhört, so gut sieht es aus. Seltsam ist der Hals, welcher ähnlich der von Tri-Klops mit einer metallenen Prothese verstärkt oder davon umgeben zu sein scheint. Neben der neuen Hautfarbe ist farblich noch interessant, dass Zodak?s Körper nun auch mit hellblauen Streifen versehen ist. Diese sollen den Martial Arts Aspekt hervorheben und zeigten im Cartoon an, wenn Zodak seine Kräfte zum Kampf bündelte. Dennoch wirken sie für die Figur eher deplatziert, und leider versäumte Mattel die Möglichkeit, eine "streifenlose" Variante zu produzieren.
Natürlich darf bei Zodak auch der obligatorische Helm nicht fehlen. Das besonders tolle an diesem ist, dass er nun endlich auch das Gesicht der Figur preis gibt! Der separat angefertigte Helm kann nämlich beliebig über den solide modellierten Glatzkopf geschoben oder sogar völlig abgenommen werden. Allein der frühere Kinnschutz ist fest an den Kopf modelliert, welcher ohne Helm weder zu klein, noch mit Helm zu groß wirkt. Trotz dieser tollen Verbesserung hat das ganze jedoch ein sehr lästiges Problem. Zodak?s Kopf wurde nämlich so modelliert und am Rumpf angebracht, dass es wirkt, als schaut er leicht nach unten. Zieht man ihm auch den Helm korrekt an, blickt er endgültig den Boden an, als habe er gerade bemerkt dass die Zehen seines schurkischen Gegners schmutzig wären.
An Zubehör hat Mattel zumindest nicht gespart. Helm und Rüstung (im klassischen Riemenstil) sind voll abnehmbar, zudem trägt Zodak noch eine Kanone. Leider aber wurde seine klassische Pistole zugunsten eines Kampfstab eingetauscht (erneut: Unterstreichung des Martial Arts Aspektes), welcher das Pistolendesign immerhin noch "beinhaltet". Findige Customizer haben mittlerweile diesen eigenartigen Hinweise der Four Horsemen entschlüsselt und entdeckt, dass man mit nur wenig Mühe eine perfekte Neuversion von Zodak?s 80er-Pistole erhält, wenn man den Stab zerschneidet und die Einzelteile neu zusammen setzt! Aber auch der Stab selbst schaut recht ordentlich aus, nur wurde er leider aus einem Weichplastik gefertigt, das sich sehr leicht verbiegt. Für weitaus größerem Ärger hingegen sorgt die beigelegte Kanone. Diese ist nämlich nichts anderes als die Waffe von Samurai He-Man! Lediglich das Projektil wurde nun blau (statt orange) gefärbt. Eine Unverschämtheit ist diese Waffe abgesehen vom plumpen Recycling vor allem auch deswegen, weil ihr Griff so dick ist, dass er Zodak?s Hand auseinander dehnt, und er später gar nicht mehr den viel dünneren Stab halten kann. Auch befindet sich an der Figur keinerlei Waffenholster, und da nur eine Hand eine Waffe halten kann, bleibt die andere stets am Boden liegen.
Abgesehen von der schiessenden Kanone weist auch die Figur selbst ein Action-Feature auf: Am Rücken befindet sich ein Hebel, über den Zodak?s "Kampfarm" zum Schlag herab schnellt. Die Aktion funktioniert gut, allerdings kennt man den Mechanismus schon seit den Welle 1 Schurken. Immerhin wurde ihm zur Verstärkung noch der (ebenfalls oft verwendete) Hüftschwung gegeben, aber es drängt sich doch der Eindruck auf, dass Mattel?s Mitarbeiter in ihrer Kreativität recht eingeschränkt sind und sich bei der 200x Line lieber auf die immer gleichen Aktionen (Hüftschwung, Schlagarm, schiessende Kanonen) begrenzte, statt wie in dern 80ern fast jeden Charakter mit etwas neuem und anderem zu versehen. Ansonsten weist der Kosmische Magier die üblichen Gelenke an Kopf, Beinen, Schultern, und Händen auf, wobei die Beine wieder einmal durch den Lendenschurz behindert werden.
Trotz des Weltraum-Touches passt Zodak nach wie vor ausgezeichnet zu den fantasylastigeren Charakteren. Die Horsemen haben es hier geschafft, eine Brücke zwischen den bei MotU vertretenen Science Fiction und Sword & Sorcery Elementen zu schlagen und man kann beinahe erahnen, was sie dann vielleicht sogar noch aus den New Adventures Charakteren hätten machen können. Zodak?s Design ist wahrhaft hervorragend gelungen. Geschmälert wird die Freude nur durch den ungeheuer nervig nach unten schauenden Kopf, das altbackene Action-Feature und die Tatsache, dass Mattel wie schon bei Fisto die klassische Waffe durch eine neue, sehr viel schlechtere ersetzt hat. Dennoch können sowohl Kinder als auch Sammler hier gerne zugreifen, denn neben doch zahlreichem Zubehör und Action-Feature ist Zodak eine sehr schön modelliertere und detailreiche Figur. Zusatzhinweis: In den Staaten erschien Zodak nur auf grüner Karte, in Europa hingegen auf roter. Aus diesem Grund ist letztere Version besonders in Übersee sehr begehrt, aber auch hierzulande nicht sehr günstig, da sie in nur geringer Menge ausgeliefert wurde. Später wurde Zodak aber noch einmal auch in Deutschland auf grüner Karte ausgeliefert. Von dem angesprochenen Alien-Design existiert nur ein Entwurf der Four Horsemen sowie ein sehr grober Figurenprototyp.
Fotos: Toni Schuster