Nahezu jeder Superheld besitzt einen Feind, der sein verzerrtes Spiegelbild ist. Auch He-Man steht dem in Nichts nach, dank seines bösen Doppelgängers Faker. Dieser erschien schon 1983, in Form eines blauhäutigen Repaints mit oranger Skeletor-Rüstung. In den diversen Masters Medien wurde er aber häufig ganz anders dargestellt, und auch seine Entstehungsgeschichten variierten mitunter sehr deutlich voneinander. Genau diese beleuchten wir hier, inklusive nie umgesetzter Pläne!
Fakers Auftritt im Filmation Cartoon 1983
Faker erhielt bei seinem Erscheinen kurioserweise keinen Minicomic Auftritt. Stattdessen wurde er erstmals in der Zeichentrickserie thematisiert. Gemäß Michael Halperins Beschreibung in der Filmation Bibel wurde Faker in
Der Verwandlungsstab (002) aber nicht als bläuhäutiger Androide dargestellt. Vielmehr war er ein durch Skeletors Magie geschaffenes,
nahezu perfektes Duplikat! Lediglich seine weiß glühenden Augen und eine etwas verzerrte Stimme ließen den Unterschied erkennen. Hierdurch konnten die Animateure kostengünstig Bilder von He-Man verwenden. Schon am Ende der Folge stürzte Faker auf Nimmerwiedersehen in den Castle Grayskull umgebenden Abgrund.
Tatsächlich aber war
Fakers Rückkehr im Cartoon zu einem späteren Zeitpunkt fest geplant, und er sollte dann auch wie Mattels Actionfigur aussehen. Warum es letztlich nie dazu kam, bleibt bis heute spekulativ. So ist es eine gewisse Ironie, dass Faker auch in den nachfolgenden, anderen Medien meist nur einen Auftritt ohne Wiedersehen erhielt. Ein kleiner Hinweis auf jene Idee findet sich allerdings im
Filmation Serienführer von 1983 wieder, der als Leitfaden an TV-Sender ausgegeben wurde. Dort wird Faker als unvollkommenes Duplikat beschrieben, da Skeletor Zauber fehlgeschlagen sei. Schon nach kurzer Zeit lässt die Wirkung der Magie nach, und Fakers wahres Aussehen wird sichtbar. Wie schon gesagt, wurde all dies im Zeichentrick nicht aufgegriffen - ganz im Gegensatz zu einem britischen Bilderbuch!
: Fakers Beschreibung in der Filmation Bibel und sein Auftritt im Zeichentrick
Faker im 1984er UK Annual
Das britische Jahrbuch von 1984 war gefüllt mit einigen bebilderten Geschichten und Informationen zu den Charakteren. Hier wurde Fakers Beschreibung aus dem schon erwähnten Filmation Serienführer nahezu Eins zu Eins übernommen und lediglich leicht umgetextet. Interessant ist auch die im Annual enthaltene Geschichte
The Fight for Prison Star. Hier ist Faker wohlauf und wurde erst kürzlich für seine "schrecklichen Verbrechen" auf dem Gefängnisstern eingesperrt. Bemerkenswert ist dabei, dass Faker nicht als emotionsloser Roboter, sondern wie ein lebendiges, böses Wesen spricht und agiert.
: Im UK Annual von 1984 wurden Elemente aus Filmations Serienführer verwendet
Das deutsche Werbecomic von 1984
Etwa zur gleichen Zeit wie das UK Annual erschien in Deutschland das kostenlose
Werbeheft "Der Doppelgänger". In diesem kleinformatigen Magazin schraubt Skeletor in Form eines Roboters das perfekte Ebenbild von He-Man zusammen. Nachdem der echte He-Man in eine Falle gelockt ist, infiltriert der Doppelgänger Castle Grayskull, lässt die Schurken hinein und übergibt Skeletor das Zauberschwert. Am Ende wird der Roboter vom echten He-Man in seine Einzelteile zerlegt. Ein besonderer Umstand ist, dass das künstliche Wesen hier nie Faker genannt wird und sich selbst auch stets als He-Man bezeichnet.
: Das Werbeheft "Der Doppelgänger" von 1984
Das "Doppelgänger" Hörspiel
Ebenfalls 1984 erschien das
EUROPA Hörspiel Doppelgänger (7). Dessen Titel war kein Zufall, denn hier adaptierte Autor H.G Francis das Werbeheft nahezu vollständig! Zumindest der Grundplot blieb gleich, und auch hier wurde der falsche He-Man am Ende völlig zerstört. Im Detail weichen die Geschehnisse jedoch ab, wobei ein Punkt sehr erwähnenswert ist. Im Hörspiel hieß der Androide nämlich wieder Faker. Und obwohl er ein künstliches, auf Skeletors Befehl hörendes Wesen war, zeigte Faker eine gewisse Selbständigkeit und Freude am Bösen, was sich wiederum mit dem UK Annual deckt.
: Auch das Hörspiel-Cover basierte auf anderem Material
Faker 1986 in den UK Geschichten
Während Fakers Auftritte in deutschen Medien damit erschöpft waren, nahm man ihn sich rund zwei Jahre später in den britischen Comics zur Brust. In Ausgabe 10 vom Sommer 1986 wurde abermals die Idee aufgegriffen, dass Faker durch Skeletors Magie wie He-Man aussähe. Jedoch ignorierte die Geschichte
"When Strikes... The Faker!" sowohl den Zeichentrick als auch das alte Jahrbuch. So trifft He-Man hier zum ersten Mal auf seinen mysteriösen Doppelgänger, der sich als "der Faker" vorstellt. Als dieser ins Wasser stürzt, schwindet Skeletors Magie, und der falsche He-Man wird blau. Zudem wird Faker erstmals nicht sofort vernichtet, sondern flüchtet und schwört Rache!
Acht Monate später trat er in Ausgabe 18 (November 1986) erneut auf. In
"Return of the Faker" war er nun kurioserweise wie Prinz Adam gekleidet, konnte sich aber erneut in He-Mans Ebenbild verwandeln. Als er He-Man später mit dessen Zauberschwert töten will, verwandelt die Magie der Waffe ihn aber in den Blauhäutigen zurück, und er flieht wieder einmal. Was diese beiden UK Hefte abgesehen von den bereits erwähnten Punkten auszeichnet ist, dass Faker unabhängig und intelligent agiert und sogar zu menschlichen Gefühlen wie Rachsucht fähig ist.
: Faker in zwei UK Comic-Magazinen von 1986
An dieser Stelle ist auch die
Ladybird Kurzgeschichte "The Curse of Crystal Mountain" erwähnenswert. Ebenfalls 1986 gedruckt, trifft He-Man hier am Ende einer Mission abermals auf Faker. Der Androide hat sich erneut als He-Man ausgegeben, wird aber durch die Kraft des Zauberschwertes gewissermaßen kurzgeschlossen und von den Eiszwergen schließlich in eine Gletscherspalte geworfen. In der Geschichte wird gezielt erwähnt, dass He-Man Faker bereits kennt. Zu der Historie in den UK-Magazinen hat das Ladybird Buch jedoch keine Verbindung.
: 1986 trat Faker auch in einem Ladybird Buch auf
Fakers einziger Minicomic Auftritt
1987 brachte Mattel Faker plötzlich mit neuer Verpackung und dem Schriftzug "He?s back!" zurück in die Regale. Anbei lag das Heft
"The Search for Keldor", in dem der Android zum ersten und letzten Mal in einem der Vintage Minicomics zu sehen war. Seine Rolle war jedoch derart mager, dass sich Mattel nicht einmal mit seiner Entstehungsgeschichte aufhielt. Im Gegensatz zu den deutschen und englischen Geschichten ist Faker hier auch ein wort- und willenloser Roboter, der nur Skeletors Befehle ausführt und prompt von König Randor zerstört wird. Von der Fähigkeit, He-Mans Aussehen anzunehmen, war nichts zu sehen. Stattdessen entsprach sein Design dem der Actionfigur, was bis dato ja auch schon selten genug vorgekommen war.
: Der einzige Vintage Minicomic mit Faker
Marvels MotU Comicserie mit Faker
Passend zu Fakers Revitalisierung als Actionfigur trat er 1987 auch noch in Ausgabe 4 der
Masters of the Universe Comicserie von Marvel/Star auf. Hier galt er zuvor als verschollen und konnte seine blaue Haut verändern, um als He-Man den Königspalast zu infiltrieren. Allerdings war Fakers Rüstung vollständig dunkelblau und veränderte sich nicht. Entsprechend unlogisch wirkt es bis heute, dass die Helden in der Geschichte auf einen He-Man in Skeletors Rüstung reinfielen. Somit variierte Fakers Aussehen bis dato bei nahezu jedem Auftritt in irgendeinem Medium.
: Auch in einem Marvel/Star US Comic von 1987 trat Faker auf
Die nie realisierten Fakerpläne im 200X Cartoon
Dass Faker 2003 in der Zeichentrickserie von Mike Young Productions zu sehen war, entging seinerzeit etlichen Zuschauern. Tatsächlich konnte sein einziger Auftritt eher als "Easter Egg" gesehen werden, da die weiterführenden Pläne für den Charakter nie umgesetzt werden konnten. In der Folge
Adam zeigt Mut (04) stellte Man-At-Arms Kampfübungsdroiden vor, die durch eine holografische Hülle wie jeder x-beliebige Charakter erscheinen konnten. In Gestalt von He-Man wurde einer zur Ablenkung nach Snake Mountain gesandt. Als ihn ein Energiestoss niederstreckt, flackert die Hologrammhülle kurz blau auf, ehe sie ganz verschwindet.
Dies war ein gezielter Hinweis auf Faker. Tatsächlich planten die Autoren, dass Skeletor den von den Helden vergessenen Roboter etwa um Staffel 3 herum reparieren lassen und als Doppelgänger einsetzen sollte. Der falsche He-Man hätte solange für Unruhe gesorgt, bis die Bevölkerung He-Man für einen Schurken gehalten hätte. Daraus wurde jedoch nichts mehr, da der Cartoon eingestellt wurde, bevor man bei MYP überhaupt dazu kam, diese Idee zu konkretisieren.
: Im 200X Cartoon gab es Pläne für Faker
Auch nicht umgesetzt: Faker in den 200X Comics
Unabhängig vom Zeichentrick verfolgte man bei MV Creations eigene Ideen für eine Einführung Fakers in der 200X Ära. Das auch in Deutschland nachgedruckte
Volume 2 der Masters Comics enthüllte die Existenz eines Spiegeluniversums, wo He-Man als böser König über sein Eternia herrschte. Zwar war dieser King He-Man in der als "Dark Mirrors" betitelten Storyline selbst nicht zu sehen. Jedoch hatte man konkrete Pläne, ihn auf der Welt des guten He-Man stranden zu lassen, wo er sich gezwungen sehen würde, unter dem Namen Faker mit Skeletor zu paktieren. Zudem sollte er aufgrund früherer Verletzungen überwiegend aus künstlichen Teilen bestehen, um so als Cyborg einen Verweis darauf zu bieten, dass Faker in den 80er Jahren ein Roboter war. Aber auch dies konnte letztlich vor Einstellung der Comics nicht mehr umgesetzt werden.
: In den 200X Comics sollte Faker der böse He-Man einer anderen Welt sein
Faker im Masters of the Universe Classics Kanon
2009 erschien in der MotU Classics Toyline eine neue Faker Figur, die wie jeder Charakter eine
Biografie auf der Verpackung besaß. Hier recycelte Mattel im Prinzip die Pläne der 200X Toyline, indem Faker ursprünglich von Man-At-Arms gebaut wurde, aber nach seiner ersten Mission auf dem königlichen Schrottplatz(!) landete. Dort klaubte Tri-Klops ihn auf, und gemäß den nie umgesetzten Plänen der 200X Cartoonmacher setzte Skeletor ihn ein, um das Volk von Eternia davon zu überzeugen, dass He-Man den König verraten habe. Später kam ein weiteres Detail hinzu, als eine
Battle Armor Version von Faker produziert wurde. Mattel ordnete diese in eine spätere Zeitphase ein, während der He-Man und Skeletor ein Bündnis eingehen müssen, um Eternia von der Horde und den Snake Men zu befreien.
: Bei den MotU Classics erhielt Faker eine weitere Rüstung
Und das wäre nach derzeitigem Stand erstmal das Ende. Selten wurde ein Charakter so häufig völlig anders als seine Actionfigur dargestellt, und selten wurde Faker mehr als einmal im gleichen Medium eingesetzt. Dennoch ist Skeletors Robotkrieger auf Eternia ein fester Begriff als der
Evil Robotic Impostor!
: Artwork für Fakers nie produzierte 200X Mini-Statue
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Origins of the Universe: HE-MAN