Als zweite Bonusfigur im Jahr 2010 und Skeletors früherem Ich war Keldors Ausverkauf nach bereits 24 Minuten keine allzu große Überraschung, wenngleich mancher aufgrund seiner Popularität eine noch kürzere Verfügbarkeit vorausgesagt hatte. Keldors Beliebtheit rührt nicht zuletzt von seiner ersten Figur, welche als Exclusive im Rahmen der 200X Toyline erschien und im Jahr 2004 sogar den Weg in die deutschen Toys R Us Filialen fand, wo die Figur mit Start des
Keldor Day als Gratisbeigabe im handlichen Plastiktütchen mitgegeben wurde, wenn Masters Spielzeug im Wert von ¤ 25,- gekauft wurde.
Obwohl Keldor gemeinhin mit der 200X-Periode der Masters asoziiert wird, hatte er seinen Ursprung tatsächlich schon in den 80er Jahren im Rahmen der Vintage Toyline. Im Minicomic
The Search for Keldor sucht König Randor via Dimensionsfenster seinen verschollenen Bruder, was Skeletor (erfolgreich) um jeden Preis zu verhinderen will. Schon hier wurde eine Verbindung zwischen Keldor und dem Skelettgesicht angedeutet, und tatsächlich beabsichtigten die damaligen Kreativköpfe bei Mattel, beide als ein und dieselbe Person zu enthüllen. Zudem war der zeitreisende Keldor als Hauptschurke für die nie ins Rollen gekommene
Powers of Grayskull Reihe geplant. Und so wurde er erst mit Start der Zeichentrickserie von MYP offiziell als Skeletors früheres Ich eingeführt.
: Printanzeige
Verpackung & Biografie
Keldor ist nicht zuletzt wegen seines Umhangs sehr geradlinig verpackt und hält seine Waffen immerhin schick überkreuzt, während seine Säurephiole passend in Nähe des Kopfes platziert ist. Hier würde nur noch ein versehentlich aufgemalter Blick zur Seite fehlen, um Keldors schicksalhaftesten Moment wiederzugeben. Konsequent ist der Beiname "Apprentice of Hordak", während auf der Rückseite neben Keldor selbst noch Skeletor, Hordak, Evil-Lyn, Beast Man und Battle Armor He-Man abgebildet sind. Als Charaktermotiv wurde ein Bild aus dem Charakterleitfaden der MYP Trickserie verwendet, das Keldor in seiner leicht modifizierten Kluft und mit weißer Haarsträhne zeigt.
: Front- und Rückseite der Verpackung
Wie schon aus König Randors Biografie bekannt, ist Keldor dessen Halbbruder und Sohn von König Miro. Ein neues, leicht zu übersehendes Detail bezüglich der Familienverhältnisse stellt in Keldors eigener Biografie seine Betitelung als Prinz dar. Was im MYP Cartoon bereits angedeutet wurde, wird hier also bestätigt: Keldor ist der ältere Bruder und somit eigentlicher Thronfolger. Zudem wird erörtert, dass Keldor aus dem Königspalast verbannt wurde, da man seiner Rasse misstraute. Vom Geist Hordaks in der schwarzen Magie unterwiesen, wollte Keldor Eternia erobern, um alle Völker vereinen zu können. Die folgende Niederlage und Verwandlung zu Skeletor wird ebenfalls erwähnt. Leider mutet die Biografie insgesamt eher wie die eines fehlgeleiteten, fast schon heldenhaften Opfers von Rassismus an, die nur durch die Verschmelzung mit einem Dämon zum Oberschurken wurde. Selbst wenn Mattel lediglich beabsichtigte, die Verhältnisse "Gut <-> Böse" etwas dreidimensionaler zu gestalten, gehen sie hier einfach zu weit und schaffen durch eine unglückliche Wortwahl Verwirrung, wo sie eigentlich aufklären wollten.
: Biografie
Modellierung
Wie bei einer Bonusfigur üblich, ist der Recyclinggrad bei Keldor recht hoch. Im Grunde findet sich hier Skeletors Körper einschließlich Stulpen, Lendenschurz und der abnehmbaren Rüstung wiederverwertet, wobei zur deutlicheren Abgrenzung die Unterarme von Tri-Klops verwendet wurden. Neu gestaltet wurden Kopf, Füße und Umhang, was für eine Bonusfigur nicht einmal wenig ist. Tatsächlich wurden die neuen "Stiefel" unter anderem für Graf Marzo gestaltet und konnten somit ohne großen Kostenaufwand schon vor Erscheinen des Grafen auch bei Keldor eingesetzt werden. Der Kopf gibt Keldors bekanntes Aussehen adäquat wieder, weist aber im Gegensatz zur sehr ernst dreinblickenden 200X Figur ein feistes Grinsen auf. Dessen selbstsicherer Ausdruck passt perfekt zum Schüler Hordaks und ist eine willkommene Abwechslung zu den überwiegend finsteren Mienen der meisten Charaktere.
Bedauerlich ist das Recycling von Skeletors Rüstung als Repaint. Kenner des 200X Zeichentricks wissen, dass Keldors Rüstung kein Knochenwappen, sondern normale Verschlüsse aufwies. Diese Version wäre hier durchaus ein nettes Zuckerle gewesen, zumal das Knochenwappen an Keldor keinen näheren Sinn macht. Sehr gelungen ist allerdings der abnehmbare Umhang, der locker um Keldors Hals hängt und verhältnismäßig leichtgewichtig ist, wodurch der sichere Stand der Figur gewährleistet wird. Die "Tri-Klops" Armreifen unterstreichen ebenso wie die Stiefel gekonnt Keldors menschlicheres Aussehen im Verhältnis zum dämonischeren Skeletor, während Lendenschurz und Stulpen das Grunddesign bewahren.
Bemalung
Wer glaubte, Mattel würde es sich bei der Bemalung ebenso leicht machen wie bei den recycelten Formen, sieht sich getäuscht. Statt Skeletors Farbgebung eins zu eins zu übernehmen, wurden modifizierte Farbtöne verwendet. So sind die bei Skeletor bläulich-violetten Partien hier in einer rötlicheren Tönung bemalt, während das Knochenemblem nun silbern mit rotem Edelstein glänzt. Keldors Haut wiederum wurde in einem sehr satten Blauton gegossen, der weitaus näher an Fakers Bemalung liegt als an Skeletors sehr blassem Teint. Insgesamt ist der Farbauftrag recht passgenau, kann aber im Bereich der Fingernägel abweichen. Ohnehin wirkt es recht seltsam an, dass diese Figur schwarze Fingernägel trägt, während die von Skeletor unbemalt blieben. Statt Evil-Lyns Nagellack zu mißbrauchen, hätte Keldor auch mit unbemalten Bratzen attraktiv genug gewirkt.
Beweglichkeit
Wie könnte es anders sein, auch Keldor weist die gängigen 27 Bewegungspunkte der meisten männlichen Figuren auf. Glücklicherweise sind die Gelenke - sogar die der Fußknöchel - in der Regel solide. Wie schon bei Skeletor und Faker schränkt auch hier die Rüstung die Beweglichkeit insofern ein, als dass die Arme nicht senkrecht in die Höhe gereckt werden können. Tragisch ist dies aber kaum, und auch der Umhang ist beim posieren kaum hinderlich. Etwas schwieriger verhält es sich freilich mit dem Kopf, dessen lange Haare weitläufige Seitwärtsdrehungen erschweren und einen Blick nach oben verhindern. Aber auch hier ist die Einschränkung eher gering und der Kopf verfügt immer noch über eine relativ gute Beweglichkeit.
Zubehör
Als Bewaffnung trägt Keldor wie in der 200X Toyline seine sog. Zwillingsklingen - das heisst, genaugenommen eben nicht. Tatsächlich wird er sowohl mit Skeletors als auch He-Mans Hälfte des Zauberschwerts angeboten. Beide Hälften können wie üblich mehr oder weniger gut zusammengesteckt werden und sind violett bemalt. Nun beginnen jedoch die Probleme, denn statt eine MotU Classics Version der Zwillingsklingen zu entwerfen, hat Mattel einfach die Zauberschwerthälften recycelt, zugleich aber klar gemacht, dass es sich hier nicht um das geteilte Zauberschwert handelt. Als Rechtfertigung beruft sich Mattel auf die Entstehung des Schwertes: Ursprünglich planten die Four Horsemen beim Entwurf der 200X Figuren, dass Skeletor das Zauberschwert errungen hatte, welches die Zwillingsklingen darstellen sollten. Mattel verwarf die Idee und das Schwert wurde zu einer Waffe ohne näheren Hintergrund. Da die Zwillingsklingen jedoch ursprünglich die 200X Version des Zauberschwerts sein sollten, argumentiert Mattel, dass das Recycling der Schwerthälften hier legitim ist. Unterm Strich bleibt aber, dass hier Geld gespart und Fans zugleich eine sehr interessante Waffe vorenthalten wird, während He-Mans "Technoschwert" aus der 200X Reihe sehr wohl für die MotU Classics umgesetzt wurde.
Neben seiner Rüstung kann wie zuvor erwähnt auch Keldors Umhang abgenommen werden. Dieser oder jener He-Fan beabsichtigte gar, die Figur nur zu kaufen, um das Cape für Skeletor zu verwenden. Durch die rötlichere Farbtönung ist dies jedoch allenfalls bei Skeletors Version auf dem MotUC vs? DCUC 2-Pack sinnvoll. Als letztes Zubehör liegt eine MotUC Version der berühmt-berüchtigten Säurephiole bei, welche Keldors Verwandlung in Skeletor einläutete. Das Kleinod ist etwas simpler gestaltet als in der 200X Toyline und zudem violett statt silbern bemalt. Bedauerlicherweise passt die Phiole nur schwer in Keldors Hand, welche hernach wiederum den dünneren Schwertgriff nicht mehr fest hält. Während die Klingen aber aufgrund von Keldors langen Haaren nicht an der Rückseite der Rüstung angebracht werden können, passt die Phiole mühelos in den Haltegurt und wird zudem von den Haaren überdeckt. Dennoch macht sie nicht die Tatsache wett, dass man einen zweiten Kopf mit teils verbranntem Gesicht hier als Ergänzung vermisst.
Fazit
Wäre Keldor (wie kurzzeitig angedacht) als reguläre Figur erschienen, wäre einiges an ihm auszusetzen gewesen, von der unveränderten Rüstung über die recycelten Schwerthälften bis zu einem logischen aber fehlenden Wechselkopf. Jedoch muß bedacht werden, dass es sich bei Keldor um eine Bonusfigur handelt, für die ein geringeres Budget zur Verfügung stand. Unter diesen Gesichtspunkten lässt sich mit den Nachteilen durchaus leben, da Keldor nichtsdestotrotz eine gute Figur und willkommene Ergänzung ist.
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